Mexico zu eröffnen und dieselben voraussichtlich ein befriedigendes Resultat haben würden. Hier- auf wurde der Entwurf des Vereinszollgesetzes mit
wesentlichen Abänderungen definitiv angenommen.“
— Am 19. d. fand wiederum eine Sitzung des Reichstages statt. Es wurde in derselben die Wahl des Abgeordneten Buff für gültig erklärt. Hierauf folgte die erste und zweite Berathung des Etats des Oberhandelsgerichts Die laufenden Ausgaben betragen 68,500 Thlr., die einmaligen außerordentlichen Ausgaben 6000 Thlr. Die Ueberweisung des Etats an eine Commission wird abgelehnt. Bei der Specialberathung der Etats— positionen für den Präsidenten, den Vicepräsidenten und zwölf Räthe werden diese Positionen geneh- migt, diejenigen der Subalternbeamten und Boten jedoch auf die Hälfte reducirt und hierdurch die fortlaufenden Ausgaben auf 62,000 Thlr. er- mäßigt. Der Etat wird mit diesen Modificationen in zweiter Lesung angenommen. Eine Interpellation des Abg. Wedemeyer(betr. die Verpflichtung der Kreise, im Falle der Mobilmachung die Pferde für die Landwehr unentgeltlich zu stellen) wurde von der heutigen Tagesordnung abgesetzt.
— Generalfeldmarschall Graf v. Wrangel ist, nach den Mittheilungen auswärtiger Zeitungen, in Wildbad am Lungenschlage im Alter von 85 Jahren verstorben. Sein Tod erinnert wohl Manchen an die durch ihn vollzogene Sprengung der Berliner Nationalversammlung im November 1848 und die Herstellung der Ruhe und Ord- nung in der Hauptstadt Preußens auf dem Wege des Belagerungszustandes.— Diese Todesnachricht wird jedoch von Berlin aus auf Grund eingezo— gener Erkundigungen bei der Familie als„völlig grundlos“ bezeichnet, der alte Feldmarschall, also schon zum zweiten Male fälschlich todt gesagt, kann nun abermals selbst seine Todesnachricht widerrufen.
— Bei der Einweihung des Jahdekriegshafens taufte der Kriegsminister v. Roon in Gegenwart des Königs den Hafen„Wilhelmshöhe“ und be— zeichnete denselben als die Morgengabe Preußens an Deutschland.
Bayern München. Das Handelsmini— sterium erinnert, daß der Courswerth der öster— reichischen, neuerdings massenhaft einströmenden Sechskreuzerstücke mit den Jahreszahlen 1848 und 1849 nur fünf Kreuzer süddeutsch beträgt.
Würtemberg. Der durch einstimmige Wahl des Domcapitels zum Bischof von Rotten— burg ausersehene Professor Dr. v. Hefele zu Tübingen ist einer der bedeutendsten Gelehrten der deutschen Hochschule auf dem Gebiete der kathol. Theologie. Professor Hefele ist, wenn auch streng katholisch, doch kein Fanatiker, vielmehr eine ver— söhnliche Natur, wie der verstorbene Bischof von Rottenburg, in dessen Fußtapfen er treten wird. Seine Erwählung wird als eine sehr glückliche angesehen, da anzunehmen ist, daß dieselbe auch in Rom keine Beanstandung findet. Professor Hefele ist vor Kurzem vom päpstlichen Stuhl selbst nach Rom berufen worden, um Theil zu nehmen an den Vorarbeiten zum ökumenischen Concil, und es sind erst wenige Wochen, daß er von Rom wieder nach Tübingen zurückgekehrt ist Auf der andern Seite hat auch die Regierung gegen seinen Namen bei Vorlegung der Wahlliste des Rotten burger Domcapitels nichts zu erinnern gefunden,
HOesterreich. Wien. Auch in Oesterreich sind die Opfer, welche das unersättliche Militär— Budget fordert, in immer steigender Zunahme. Das den Delegationen vorzulegende Militärbudget wird, einer Correspondenz der„A. A. Z.“ zu- folge, einen Nachtragscredit in der Höhe von elwa drei Millionen begehren, da der Kriegs— minister schon in der letzten Session, im Hinblick auf die bedeutende Preissteigerung sast des ge— sammien Verpflegungsmaterials für die Armee, die betreffende Nachtragsforderung als unabweis— lich ankündigte. Das Budget enthält gleichzeitig die Gageaufbesserung der Offiziere vom Obersten abwärts, und zwar vom 1, Januar k. J. abz bezüglich der Erhöhung der Penslonsbezüge sind die definitiven Entschließungen noch nicht erfolgt, Endlich ist, in das Budget eine Summe von 500,000 fl. zur Beschaffung von 100 Mitraslleusen
nach dem System Montigny eingestellt— eine Frucht des civilisatorischen Bedürfnisses nach rascherer und ausgiebigerer Menschenvertilgung.
Frankreich. Paris. Dieser Tage wurde die erste Nummer der drei Mal wöchentlich erschei⸗ nenden„Germania, Zeitung für die Deutschen in Frankreich“, ausgegeben. Die Wochenschrift „Neue Pariser Zeitung“ konnte dem herrschenden Bedürfniß nicht mehr genügen. Die Tendenz der „Germania“ ist die rein deutsche, d. h. sie ver— tritt nur die Interessen der Nationalität ohne Rücksicht auf staatliche Verhällnisse. Unter der Rubrik„Aus der Heimath“ bringt sie daher Nachrichten aus Nord-, Süddeutschland, Oester— reich und der Schweiz.— Dle deutschen Blätter, mit Ausnahme der„Nationalzeitung“ und der „Kreuzzeitung“, werden fortwährend eonfiseirt. Das„Frankf. Journ.“ ist während 10 Tagen nicht ausgegeben worden.
— Dem„Figaro“ zufolge befanden sich unter den 1033 Gefangenen von Bicétre 334 Arbeiter, 243 Dienstboten und Kellner, 126 Commis, 120 Beamte aller Art, 80 Kaufleute, 25 Rentiers und 105 Personen welche der Kunst- und Literaturwelt angehören. Von ihnen waren 26 sechszehn Jahre alt und darunter, 258 zählten sechszehn bis zwanzig, 317 fünfundzwanzig bis dreißig und 207 dreißig Jahre und darüber.
Dänemark. Kopenhagen. Beim Jahres- fest der Schützengilde war der König anwesend. Derselbe sprach in einer Rede die feste Hoffnung auf die Wieder vereinigung mit Denen, die danach seufzen, aus.
Spanien. Madrid. Ueber die Bildung des Cabinets des Regenten wird gemeldet, daß General Prim zum Präsidenten desselben, Sildela zum Slaatsminister und Henera zum Minister der Justiz ernannt wurden. Die andern Minister blieben auf ihren Posten.
— In der Sitzung der Cortes machte der republikanische Deputirte Rubio den Vorschlag, die Kammer möge eine Erklärung dahin abgeben, daß sie die Ankunft des Herzogs von Montpensier in Spanien nur mit Mißvergnügen erfahren habe Die Kammer beschließt mit 94 gegen 67 Stimmen, daß es nicht der gelegene Ort sei, diesen Antrag in Berathung zu ziehen. General Prim stellte das Ministerium vor und erklärte, die Regierung werde die Verfassung bis in das Kleinste achten, werde aber darauf halten, daß sie in gleicher Weise geachtet werde. Prim beschwört die Re— publikaner, allmählich vorzugehen, es sei dies die einzige Weise, zu einer Erfüllung ihrer Wünsche zu gelangen; die Regierung sei jetzt speziell mit der Lösung der Finanzfrage beschäftigt, und hoffe Geld zu billigem Preise zu erhalten. General Prim fährt dann fort:„Der Herzog von Mont— pensier hat als Generalcapitän den Eid auf die Verfassung geleistet, er kann also nach Spanien kommen und dort leben; Niemand wird Ihnen einen König aufdringen, die Cortes werden wählen.“
Italien. In Mailand haben am Abend des 18. d. auf dem Domplatze Menschenansamm⸗ lungen und Störungen der Ordnung stattgefunden. so daß die Truppen genöthigt waren, einzuschreiten. Auch am 19. d. haben Ruhestörungen stattgefun— den. Die Tumultuanten wurden von dem Militär ohne Widerstand zerstreut, die Rädelsführer ver— haftet und die Ordnung wieder hergestellt.
Griechenland. Athen. Die bei der Kammer ⸗Exöffnung vom König verlesene Thron— rede enthält einen geschichtlichen Rückblick auf die Thätigkeit der Pariser Conferenz in Betreff der Verwicklungen Griechenlands mit der Türkei und sagt, die hellen ische Regierung habe den von der Conferenz festgestellten Grundsätzen im wohlver— standenen Interesse Griechenlands beigestimmt. Außerdem kündigt die Thronrede Gesetzesvorlagen über die Ministerverantwortlichkeit, die Reorgani— sirung des Volksunterrichts und des Gerichts; wesens, die Aufhebung des Zwangscourses für Papiergeld und die Ausführung öffentlicher Bauten (worunter die Durchstechung des Isthmus von Korinth) an.
O Friedberg, 20. Juni. Die Bewohner unserer Sladt wurden gestern ganz unvermuthet in wohlthuenbe Aufregung versetzt. Gegen 2 Uhr Nachmittags langte— ein seltener Anblick in unseren Tagen— eine Bande Zigeuner, in der Richtung 1 Giegen herkommend, hier an. Im Nu bat dieselbe, etwa 60 Köpfe zählend, mit 9 Wagen und ungefähr 20 Pferden, ein leibhaftiger kleiner Nomadenzug, auf der Seewiese ein Bivouak hergerichlet, und nun pilgert Alt und Jung hinaus, den sellsamen Vesuch sich anzusehen. In der That ist er interessant genug, uns zu einer näheren Besichtigung zu veranlassen. Bald aber sind wir von einer Schaar koboldartiger kleiner Rangen umschwärmt, die uns mit der ergötzlichsten Zu⸗ dringlichkeit anbelteln. Daß sie dunkeibronzefarbig sind, und eine pudelartig schwarzgelockte Haarwildniß ihre pfiffigen Gesichter, an denen die schiefstehenden Schneide— zähne auffallen, umflattert, versteht sich bei Zigeunerkindern von selbst. Nicht so natürlich, oder vielmehr nur allzu natürlich erscheint uns ihr Anzug, der an anspruchloser Einfachheit Nichts zu wünschen übrig läßt. Verweichlichung wenigstens läßt sich der Zigeunererziehung nicht nachsagen, und von Zahnschmerz und Rheumatismus wird dieser Menschennachwuchs kaum einmal zu leiden haben. Baar⸗ fuß und halbnackt umhüpfen uns diese Wildlinge bei dem
kühlen Wetter, und betteln unter Anrufung aller Heiligen,
wobei sie es an Hände- und Füßeküssen nicht fehlen lassen, auch wohl im raschen Niederlassen den Boden mit dem Gesicht berühren, um„e bißle Geld“. Da hilft kein Widerstreben, der Vorrath an kleinen Kreuzern und auch Groschen wandert in die braunen Hände, und—„groß Geld“ ist ihnen noch viel lieber. Andere, die augenblicklich die Kreuzerjagd nicht ergiebig finden, spielen und zerren sich gleich jungen Hunden auf den Rasen, oder kleitern mit eichhornartiger Behendigkeit auf eins der grasenden Pferde, und sort geht's in sausendem Galopp über die Wiese hin. Das feurige Zigeunerblut träumt sich auf die weite Ebene der ungarischen Pußla.— Im Belteln werden die Kleinen abgelöst oder unterstützt durch die Frauen.„Viel Glück“ und„lang Leben“ strömt ihnen dabei in unaufhörlicher Wiederholung über die Lippen. Doch haben die Frauen vorerst zum Betteln nicht sonderlich Zeit. In ächt orien⸗ talischer Weise überlassen ihnen die Männer neben der Wartung der Säuglinge, worunter zwei neugeborne, die vollständige Hecrichtung des Zelies, das freilich einfach genug ist. Von der Breitseite der übrigens mit einer ge⸗ wissen Eleganz gearbeiteten Wagen, gegen welche das nur aus Stricken und Fragmenten von Lederriemen bestehende Pferdegeschirr merkwürdig absticht, ausgehend, bildet der Zeltraum ein dreiseitiges Prisma, das mittelst einiger zusammengebundenen Stangen rasch hergestellt ist und bis auf die Vorderseite mit einem teppichartigen Tuche bedeckt wird. Originelles zeigen die dunkeln, schmutzbedeckten Frauengestalten außer ihren verschmitzten Gesichtern nichts; ihre Kleidung besteht fast nur aus modernen Lumpen. Desto mehr ziehen die Männer unsere Aufmerksamkeit auf sich, untersetzie, stämmige Kerle mit weit in den Nacken herabhängenden Locken, keckem Blick und einer gewissen Elastteität der Bewegung, der man es anmerkt, daß die Bursche nie eigentlich gearbeitet haben. Alle haben faust⸗ große silberglänzende Knöpfe an den Wämsern, und einige der älteren tragen hohe silberbeschlagene Robrstöcke in der Hand, mit denen sie in patriarchalischer Würde einher⸗ schreiten. Einer darunter, merklich besser gekleidet und durch tief heruntergehende rothe Zwickel in den hohen Stiefelschaften ausgezeichnet, war vielleicht das Haupt der Horde. Wenn dem so ist, so wurde seine hohe Stellung von der hiesigen Polizeibehörde wenig respeclirt. Alsbald wude eine Anzahl junger Bürger mit rostbedeckten Ge⸗ wehren und aufgepflanzten Bayonetten als Schutzmann⸗ schaft beordert und ihm so wenig wie seinen Mannen gestaltet, ohne Escorte die Stadt zu betreten oder sich sonstwie zu entfernen. Man unterstellte dabei, verletzend genug für seine hohe Person, trotz seines ehrwürdigen Bartes habe es ihm noch nicht gelingen wollen, die Be⸗ geisse von Mein und Dein bei seinen Stammesgenossen genügend festzustellen. Mehrfache Anfragen nach ihrer Herkunft und ihrem Wanderziel beantworteten sie dahin, daß sie von Ungarn(aus dem Pesther Comitat) kämen und nach Frankreich wollten. Unter sich sprechen sie un⸗ garisch, können sich aber auch deutsch hinreichend verständlich machen.— Sie bekennen sich zur kafholischen Kirche, und ließen sie es sich angelegen sein, vor ihrem Abzug von hier, der heute Morgen in der Richtung nach Homburg erfolgte, ihren Neugeborenen die Taufe geben zu lassen.
Friedberg. Am Samstag trafen hier mehrere Batterien des 11. preuß. Artillerie- Regiments ein, hatten gestern Sonntag einen Rasttag und setzten heute ihren Marsch nach Mainz über Homburg fort. Auch die in der Um⸗ gegend einquartiertlen Abtheilungen des Regimentes passirten heute Vormittag unsere Stadt.
Aus dem Kreise Vilbel. Das landw. Kränzchen für Rodheim und Umgegend hat an die Spitze seiner Tagesoroͤnung für die nächste Versammlung zu Kloppen⸗ heim am 27. d. Mts. die Frage„über den, Nutzen der Vieh bersicherungskassen im Allgemeinen und ins⸗ besondere über die Vorzüge der Hessischen Viehversicherungs— Anstalt“ gesetzt. Da diese Frage eine sehr wichtige für unsere Landwirthe ist, so darf wohl eine recht zahlreiche Beiheiligung an der Versammlung erwartet werden.
Frankfurt. Hiesige Bläster klagen über vermehrte Diebstähle an Leinengeräthe, welche neuerdings in Bleich⸗ gärten vorgekommen. Die Spitzbuben suchen sich des Nachts das auf der Bleiche liegende Geräth dadurch an— zueignen, daß sie dasselbe mittelst Angelhakens fassen, der an einem Holze befestigt ist, welches sie hingusschleudern und mim einem Strick herbeiziehen. Ein Versuch, von der Promenade aus das Geräth in einem Garten auf der
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