Ausgabe 
22.4.1869
 
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könnte, jedoch soll man die Antwort erhalten haben, daß es Oesterreich nicht zustehe, auf die Entwick⸗ lung der Dinge irgend einen Einfluß zu nehmen. Wenn die. Regierungen den Südbund machen wollen, so mögen sie sich auf die Bevöl⸗ kerungen stützen. 35

DiePresse meldet, das russische Cabinet habe an die Mitkunterzeichner des Pariser Ver⸗ trages ein Memorandum gerichtet, welches das türkische Gesetz, die Capitulation betreffend, ener⸗ gisch bekäwpft und das Vorgehen der Pforte als vertragswidrig bezeichnet.

Prag. Das juridische Doctorencollegium sieht in der Ergebenheitsadresse an den Papst einen bedauernswürdigen Uebergriff des akademi⸗ schen Senats, und beschließt, eine Beschwerde bei dem Ministerium einzureichen, da die Adresse nicht als Ausdruck der Universität, sondern der subjectiven Gesinnung von Privaten zu betrachten sei.

Frankreich. Paris. DieFrance sagt: Die Annahme der Vorschläge des Frere Orban hieße für Frankreich seinen Einfluß aufgeben. Wenn die Regierung nicht die Genehmigung der Verträge der Compagnien erlangen kann, so thut sie besser zu warten, da es sich nicht um eine politische Erwägung, sondern nur um eine com⸗ plicirte wissenschaftliche Frage handelt.

Der Prinz und die Prinzessin Karl von Preußen befinden sich seit letztem Mittwoch in Paris, wo sie im Grand Hotel abgestiegen sind. Das fürstliche Paar machte dem Kaiser und der Kaiserin, dem Prinzen Napoleon und der Prinzessin Mathilde seine Auswacrtung. Der Empfang in den Tuilerien war ein offizieller.

Aus Paris kommt die glaubwürdige Nach- richt, daß die Unterhandlungen mit Belgien Betreffs der Zolleinigung und der Eisenbahnverträge so gut wie abgebrochen seien. Die Verhandlungen nehmen nicht die von der französischen Regierung gewünschte Wendung und die Verstimmung über

die Entschiedenheit des belgischen Cabinets, keinerlei Concessionen zu machen, welche die politische Selbstständigkeit Belgiens gefährden könnte, ist in den officiellen Kreisen keine geringe. Die fran⸗ zösische Regierung hofft, wenn auch nicht die Uebertragung der Eisenbahn an die betreffende Gesellschaft, doch eine 30 bis 40 jährige Pacht durchzusetzen, während belgischerseits nur Con- cessionen in Betreff der Nutznießung der Revenüen der Bahn auf Grund von Verwaltungs-Conces sionen unter der Aufsicht des belgischen Gouver nements in Aussicht gestellt sind. Darauf wird aber die französische Regierung nicht eingehen wollen. 5

Belgien Brüssel. Fröre Orban wird Ende dieser Woche zurückkommen. Die Unter⸗ handlungen haben zu keinem Resultat geführt.

Großbritannien. London. In der Sitzung des Unterhauses wurde der Antrag Disraeli's: die Maßregeln behufs Entäußerung der irischen Kirche vom staatlichen Charakter bis 1872 hinauszuschieben, mit 301 gegen 194 Stimmen verworfen.

Spanien. Madrid. Cortes. Auf eine Interpellation eines Mitgliedes der Majorität antwortend, sagt Admiral Topete, daß die Panzer⸗ FregatteVictoria vor einigen Tagen nach Cuba abgegangen sei und daß die FregatteSaragossa nächstens abgehen werde. Man baue neun Kanonenboote, die im Juni bereit sein würden, und zwei Fregatten stien in den Arsenalen, die wegen Mangels an Matrosen nicht abgehen könnten. Herr Alargon verlangt, daß Admiral Topete Maßregeln ergreife, um sich die Mannschaften zu verschaffen, die für die beiden Fregatten erforder- lich seien. In Folge dieser Rede beschließen 136 Stimmen gegen 49, daß dieser Vorschlag in Er⸗ wägung zu ziehen sei.

Wiederholte Besprechungen von Mitgliedern der Majorität der Cortes haben zu dem Ergebniß geführt, daß die Frage der Throncandidaturen vorerst ganz ruhen solle. Zunächst soll das Ver⸗ fassungswerk zu Ende geführt werden. Ebenso sollen alle auf die Colonie bezügliche Fragen bis zum kommenden Monate, in welchem man die Ankunft der überseeischen Deputirten erwartet,

vertagt bleiben. Mit Rücksicht hierauf wurde auch der Antrag Garrido's auf Abschaffung der Scla verei auf den Antillen in der Sitzung vom 15. d. von der Tagesordnung abgesetzt.

Portugal. Lissabon. Die nach Ram⸗ beria bestimmten Truppen revoltirten. Die Be⸗ wegung wurde unterdrückt. In Maffra brachen ebenfalls Unruhen aus.

Italien. Florenz. Bei Gelegenheit des der Abgeordnetenkammer vorzulegenden Finanz- Expose's wird der Finanzminister derselben über zwei abgeschlossene Finanzoperationen Mittheilung machen: 1) über ein temporäres Anlehen von 100 Millionen bei der Bank und 2) über eine auf die geistlichen Güter basirte Finanzoperation im Betrage von 80 Millionen Franken.

Mailand. Die Behörden haben eine maz zinistische Verschwörung entdeckt und es wurden Orsinibomben und chiffrirte Documente gefunden. Sechs Verhaftungen sind vorgenommen worden, die Stadt ist vollkommen ruhig.

* Nauheim. Einsender dieses hat gelegentlich eines Spazierganges nach dem Schwalheimer Mineral⸗ brunnen zu seiner wenig angenehmen Ueberraschung er⸗ fahren müssen, daß der Wirthschaftsbetrieb daselbst seit Beginn dieses Jahres abermals eingestellt ist. Die Wiedereröffnung einer Nestauration daselbt wurde seiner Zeit, nachdem dieselbe eine Reihe von Jahren geschlossen war, mit großer Befriedigung begrüßt von allen Bewohnern der umliegen den Otte, welche einen Spaziergang nach dem Brunnen und den Aufenthalt in den dortigen schönen Anlagen als eine Annehmlichkeit betrachteten. Zahlreiche Gäste, die namentlich an Sonntag Nachmittagen dort zu treffen waren, bewiesen, daß der Brunnen ein beliebter Aufent⸗ halisort für die Bewohner der Umgegend ist und sehr gerne, nicht selten in größeren Gesellschaften, fanden sich dort die Kurfremden Nauheims ein, das bekanntlich seinen Fremden gerade keinen Ueberfluß an ähnlichen nahen Aus flügen zu bieten hat. In wirthschafllicher Beziehung war bestens gesorgt; Herr Bailly ließ es sich angelegen sein, seine Gäste prompt, billig und gut zu bedienen und allen nicht zu verwöhnten Ansprüchen in wirthschaftlicher Be ziehung zu genügen. Um so mehr wird deßhalb das Publikum für die Folge dem Besuche des Brunnens nar ungerne entsagen, da es jetzt lediglich der Freundlichkeit des Hrn. Bailly zu danken ist, wenn man dort sich an einem Glase Wasser laben kann und des Besitzes eines Stuhles sich erfreuen darf. Wir glauben einen vielseitigen Wunsch auszusprechen, wenn wir im allgemeinen Interesse und ganz besonders im Inzeresse Nauheim's hier öffentlich die Bitie an die betreffende großherzogliche Behörde richten, ihren Einfluß aufbieten zu wollen, daß die dem Beitiebe der Wirthschaft entgegengestellten Schwierigkeiten baldigst beseitigt werden. g

Frankfurt. Die Saison des zoologischen Gartens ist eröffnel. Der erste diesjährige Sechskreuzertag findet Sonntag den 2. Mai statt. Bis dahin dürfte eine er⸗ wartete Sendung neuer Thiere eingetroffen sein. Unter denselben befindet sich ein männlicher Löwe als Ersatz des im vorigen Jahre zu Grunde gegangenen Exemplars.

Offenbach. Am Abend des 16. d. kurz nach 11 Uhr bemerkte man hier, wie eine gelblich-weiße Kugel, schein bar die Hälfte so groß als der Mond, am Taunus(Nord westen) ausstieg und nach ungefähr drei Minuten wieder hinterm Gebirg verschwand. Nach der Erscheinung blieb der Himmel noch geraume Zeit geröthet.

Darmstadt. Der Müller⸗Witk'sche Proceß ist nun mehr zur öffentlichen Verhandlung vor Gr. Bezicksstraf⸗ gericht dahier fixirt und zwar auf Freitag den 7. Mai l. J. Vormittags 8 Uhr.

Aus Rheinhessen. In Monsheim wird dem⸗ nächst ein bei uns noch neuer Zweig des Genossenschafis wesens praktische Bedeutung erhalten. Herr Reniner Felix Jordan aus Frankfurt legt nämlich auf eigene Kosten auf seinem Gute eine große Genossenschaftsbreunerei an, die so eingerichtet wird, daß sie ein tägliches Quantum von 100 Maltern Kartoffeln verarbeiten und überhaupt als eine Musterbrennerei betrachtet werden kann. Für Benutzung des Elablissements hat Herr Jordan seinen Nachbarn die liberalsten und uneigennützigsten Bedingungen gestelll. Maschinenfabrikant Venulerh zu Darmstadt hat die Pläne zur Brennerei entworfen und ist mit der Ausführung betraut.

Biedenkopf. Ein Posibeamter, wegen eines Cassen defects von 500 Thlr. verhaftet, hat sich im Gefängniß zu Biedenkopf, wit Hinterlassung von Frau und einem Kinde, enueibt.

Marburg. Wie aus dem hiesigen Wochenblatt er sichilich ist, wird am dritten Pfingstfeiertag Morgens 4 Uhr von Marburg ein Vergnügungszug nach Cisenach flattfinden. Derselbe wird in Guntershausen um 6 Uhr, in Eisenach um ½9 Uhr eintreffen, von wo Abends ½11 Uhr die Rückjahet angetreien wird. Ein Billet dritter Klasse kostet 5 Thlr., eines zweiter Thlr.; diese Preise begreifen außer Hin- und Rückfahrt zwei Frühnücke, Mittagessen und Lohn der Führer auf die Wartburg, Annathal, Hohesonne, dem Hirstein, Drachen⸗ stein, durch die Landgrasschastschlucht nach dem Marienthale.

Köln,. Die auf ihre Selbstanzeige wegen des Theater⸗ brandes verhaftete Ursala Schmitz hal weitere Eröff⸗

nungen gemacht, indem sie einer anderen Gefangenen er

klärte, die bei dem Brande gebliebene Familie Backhaus sei vor der Brandstiftung ermordet worden. Von zwei Personen, welche darnach in Haft genommen, wurde eine bereits wieder in Freiheit versetzt. Man ist sehr gespannt, wie die Aussagen der Schmitz schließlich zusammenpassen, ob dieselben wirklich glaubwürdig sind und zu einem Re⸗ sultate führen werden.

Ein übersehenes Gift. In dem Lagerbier schwimmen oft kleine Stückchen Pech, welche sich von deme Fasse abgelöft haben und für den Trinkenden, der sie un⸗ versehens verschluckti, höchst nachtheilig werden können. In dem Zustande, wie sie in dem Biere schwimmen, sind sie von letzterem durchdrungen und daher zerreiblich und nicht klebend. Der Magen entzieht ihnen die Feuchtigkeit und führt sie außerdem durch seine Wärme in ihren früheren Zustand zurück, sie werden wieder klebend und setzen sich an irgend einem Theile des Verdauungscanales fest, wo⸗ durch sie eine mehr oder weniger große Störung hervor⸗ bringen und krankhafte Erscheinungen veranlassen, deren Ursachen man vergebens nachforscht und deren Folgen nichts zu heben vermag. Wie manches räthselhafte Siechthum mag nicht durch solche unbeachtete Störenfriede, die sich im Magen oder dem Darm festsetzten, herbei geführt werden!

˙ Die Opfer des Krieges. In den Kriegen der letzten Decennien wurden geibdtet oder sind an ihren

Wunden gestorben: In der Krim 748,901 Menschen

Italien 44,000 4 Schleswig-Holstein 3,500 1 Nordamerika 281,000 8 Südamerika 519,000 75 Deulschland im Jahre 1866 45,000 0 Asien und Afrika 95,000 8 1,736,401 Menschen. Ko ste n: Der Krimkrieg 8 Millid. 500 Mill. Frs. Der italienische Krieg 1 500* Krieg in Schleswig Holstein 480 8 Krieg in Nordamerika 2 500 15 Kried in Südamerika E 500 de 1 Krieg im Jahre 1866 1 J 650 5 Asien und Afrika 1. 4

47 Millro. 830 Mill. Frs. Den Francs zu 28 Kr. gerechnet, macht 22,344 Mill. Gulden.(Demnach ist die Menschenschlächterei in den nordamerikanischen Freistaaten die argste gewesen, es blieben dort 800,000 Mann, die Hälfte von Allen, die auf dem ganzen Erdkreis im Kriege umkamen, während die Geld- ausgabe 35 Milliarden(d. h. zwei Drittheile) betrug.)

% Das Jahr 1869 als Säcularjahr. Viel⸗ leicht kein einziges Jahr ist so reich gewesen an bedeuten⸗ den Männern, welche in ihm das Licht der Welt erblickten, als 1769, und so haben wir denn 1869 als Säcular⸗ Geburtsjahr einer Menge von Personen, die theils als Helden, Regenten oder Staatsmänner, tbeils auf den Gebieten der Wissenschaft und der Dichtkunst sich auszeich⸗ neten, zu feiern. Wir nennen von ihuen zuerst Napoleon Bonaparte, welcher am 15. August 1769 zu Ajaccio auf der Insel Corsica als der zweite Sohn des Advocaten Carlos Bonaparte und der Signora Lälitia Ramolini das Licht der Welt erblickte. Gleich dem Sieger von Lodi und Aicole, von Austerlitz, Jena und Wagram waren auch mehrere seiner namhaftesten Generale im Jahre 1769 ge⸗ boren. So namentlich die Marschälle Ney und Soult. Dieser ward am 29. März 1769 zu Saint Armand bei Tonulouse, jener am 10. Januar desselben Jahres zu Saar⸗ louis geboren. Auch Napoleon's und jener beiden Mar⸗ schälle siegreicher Gegner Wellington wurde eine eigen⸗ thümliche Ironie des Zufalls! im Jahre 1769, und zwar am 1. Mai geboren. Aber nicht dieser allein, sondern auch noch zwei andere namhafte Gegner des corsischen Kriegsfücsten erblickten im gleichen Jahre mit ihm das Licht der Welt. Der Eine von Beiden ist der Graf(später Fürst) Ludwig Adolph Peter von Sayn Willgenstein⸗ Berleburg, geboren am 6. Januar 1769, welcher in rus⸗ sischen Diensten mit Tapferkeit und Umsicht gegen Napo leon I. stritiz der Andere ein einfacher, aber namhafter Gelehrter: der Professor Ernst Moritz Arndt, geboren aus bäueclichem Stande am zweiten Weihnachtsfeiertage zu Schoritz auf Nügen und gestorben am 29. Januar 1860. So bedeutend auch der Ruhm aller vorher angeführten Männer ist, so steht er doch erheblich zurück gegen den⸗ jenigen des am 14. September 1769 zu Berlin geborenen Freiherrn Alexander von Humboldt, des größten Natur⸗ forschers der neueren und eines der größten Gelehrten aller Zeiten.

% Frisch angestrichene Zimmer. Jeder weiß, daß es gefährlich ist, in frisch mit Oelfarbe angestrichenen Zimmern zu wohnen. Lange Zeit schrieb man die giftige Wirkung dem zum Anstriche dienenden Bleiweiß zu; es ist aber das Terpentinöl die Ursache. Eine Dame schlief nur eine Nacht in einem solchen Zimmer, wurde vom Schlage gerührt und nur mit Mübe wieder in's Leben zurückgerufen. Man hüte sich also in frisch mit Oelfarbe gestrichenen Zimmern bei verschlossenen Thüren und Fenstern zu verweilen.

2 In einer Sekunde legen zurück: Eine Schnecke 5000 Fuß. Eine Fliege 5 Fuß. Ein Fußgänger 38/0 Fuß. Ein Kameel 6 Fuß. Mäßige Winde 10 Fuß. Schnelle Ströme 12 Fuß. Droschkenpferd 12 Fuß. Wallsisch 120 Fuß. Schnellsegelnde Schisse 14 Fuß. Rennthiere am Schlitten 25 Fuß. Dampfwagen 29 Fuß.

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