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Sachsen. DieChemnitzer Nachrichten melden, daß der königl. sächsische Generalmajor v. Hake, der einen von der norddeutschen Marine beurlaubten Seesoldaten ohrfeigte, weil derselbe bei ihm unangemeldet eingetreten war, auf An zeige desselben beim Kriegsministeriumwegen Mißhandlung eines Matrosen, 14 Tage Arrest erhalten hat, in Folge dessen derselbe um seine Pensionirung eingekommen ist.

Oesterreich. Wien. Das Telegravhen- Correspondenzbureau meldet: Korfu, 16. Januar. Aus Athen wird unterm gestrigen berichtet: das Regierungsdekret wegen Ausgabe von Papiergeld wurde zurückgenommen. Die Athener National bank und jonische Bank liehen der Regierung 21 Millionen. Die Kriegsvorbereitungen werden eifrig fortgesetzt.

Die czechischen Parteiführer haben Ein lad ungen zu einem allgemeinen Demokratencongreß in Paris erhalten.

Der Fürstbischof von Lavant(Kärnten) hat den Geistlichen seiner Diöcese auf Grund eines Synodalbeschlusses vom Jahr 1274 den Gasthausbesuch untersagt. Jeder Kleriker, welcher dieses Verbot zum dritten Male übertritt, wird vom Amte suspendirt.

Frankreich. Paris. DerConstitution- nel betrachtet die Aufgabe der Conferenz als erfüllt und sagt, man werde bald erfahren, daß die diplomatischen Arbeiten für die Sache des Friedens nicht ohne Nutzen gewesen seien. Die Declaration wird direkt in Athen notificirt werden.

In der Thronrede, mit welcher der Kaiser Napoleon am 18. Januar die Session des gesetz gebenden Körpers eröffnete, sagt derselbe, daß die Rede der aufrichtige Ausdruck des Gedankens sei, der sein Verfahren leite und fährt dann fort: Die Aufgabe, welche wir zusammen zu lösen unternommen haben, ist dornenvoll. Es ist in der That mit Schwierigkeiten verknüpft, auf einem von so vielen Revolutionen umgewühlten Boden eine Regierung zu gründen, welche hinlänglich von den Bedürfnissen ihrer Epoche durchdrungen ist, um sich mit allen Wohlthaten der Freiheit aus- zustatten, und stark genug, um selbst die Aus schreitungen derselben zu ertragen. Die zwei Gesetze, die in Ihrer letzten Session votirt wurden und zum Zweck hatten, das Princip der freien Discussion zu entfalten, haben zwei entgegengesetzte Wirkungen hervorgebracht, die zu constatiren nützlich ist. Auf der einen Seite haben die Presse und die öffentlichen Vereinigungen in Mitten gewisser Kreise Gedanken und Leidenschaften wieder auftauchen lassen, welche man verschwunden glaubte Auf der andern Seite hat die Nation auf meine Festigkeit in der Aufrechterhaltung der Ordnung zählend, in ihrem Glauben an die Zukunft keine Erschütterung gefühlt. Merkwürdiges Zusammen⸗ treffen! Je mehr abenteuerliche und auf Umsturz hinarbeitende Geister die öffentliche Ruhe zu stören suchten, desto tiefer wurde die Ruhe. Das Militärgesetz und die Unterstützung, welche demselben durch Ihren Patriotismus geworden ist, haben dazu beigetragen, das Vertrauen des Landes zu befestigen. Die Land- und See⸗ Wehrkräfte, stark durch ihre Verfassung, sind auf dem Friedensfuße. Das beständige Ziel meiner Anstrengungen ist erreicht. Die kriegerischen Hülfs mittel Frankreichs sind nunmehr auf der Höhe seiner Weltrolle. In solcher Lage können wir laut unseren Wunsch verkünden, den Frieden er halten zu sehen. Unsere Beziehungen mit den fremden Mächten sind die freundschaftlichsten. Die Revolution, die jenseits der Pyrenaen cusgebrochen ist, hat unsere guten Beziehungen mit Spanien nicht altetirt und die Conferenz, die soeben statt gefunden hat, um einen im Orient drohenden Conflikt zu ersticken, ist ein großer Act, dessen Wichtigkeit wir würdigen müssen. Sie nähert sich ihrem Ende und alle Bevollmächtigten sind einig geworden über die Grundsätze, die gerignet sind, eine Annäherung zwischen Griechenland und der Türkei herbeizuführen. Wenn also, wie ich die feste Hoffnung habe, nichts die allgemeine Harmonie stören wird, werden wir in der Lage sein, viele projektirten Verbesserungen zu verwerk

lichen und Dank dem periodischen Anwachsen der Einnahmen, alle unsere Sorgfalt auf die Ver minderung der öffentlichen Auflagen zu richten! Die Regelmäßigkeit der Gesetzgebungsarbeiten ist der Einmüthigkeit zu danken, welche stets zioischen uns geberrscht hat. Die Massen des Volkes sind ausdauernd in ihrem Glauben wie in ihrer Zuneigung, und wenn edle Leidenschaften im Stande sind, sie in Aufregung zu bringen, so bringen Sophismen und Verläumdungen kaum ihre Oberfläche in Bewegung! Unterstützt durch Ihre Zustimmung und Ihre Mitwirkung, bin ich fest en schlossen, auf der Bahn zu beharren, welche ich mir vorgezeichnet habe, das heißt, alle wahr haften Fortschritte anzunehmen, dagegen die Grund lagen der Constitution, welche der nationale Wille vor jedem Angriff sicher gestellt hat, von der Discussion auszuschließen. Man erkeünt den Baum an den Früch'en, die er trägt, hat der Evangelist gesagt. Nun wohl! Wenn man auf die Vergangenheit zurückblickt, welches ist das Regime, das Frankreich 17 Jahre der Ruhe und des immer wachsenden Gedeihens gegeben hat? Sicherlich ist jede Regierung dem Irrthum unter⸗ worfen und das Glück lächelt nicht allen ihren Unternehmungen. Aber, was meine Kraft aus macht, das ist, daß die Nation weiß, daß ich seit zwanzig Jahren keinen Gedanken gehabt habe, keinen Schritt gethan habe, der nicht die Interessen und die Größe Frankreichs zu Motiven gehabt hat.

Den Franzosen von selbständigem Urtheil wird bet'm Lesen der Rede seltsam zu Muthe sein, etwa wie wenn sie träumten. Ist denn in der That das Vertrauen und die Ruhe der Gemüther so

unerschütterlich und tief unter dem franz. Volk?

Ist das Kaiserreich denn wirklich ausgestattet mit allen Wohlthaten der Freiheit, oder sind vielleicht gar Cäsarismus und Freiheit zwei unvermittel bare Gegensätze? Blickt das französische Volk denn wirklich mit selcher Befriedigung auf die Ent wickelung einer Kriegsmacht, die die besten Kräfte desselben nutzlos verzehrt, und wird denn ernstlich daran gedacht werden können, die öffentlichen Auflagen zu vermindern? Frankreich hat 17 Jahre der Ruhe gehabt, ja mit Aus nahme der Kriegs- eiten! Doch das sind Alles Dinge, die die Franzosen angehen. Sind sie damit einverstanden: uns soll's schon recht sein. Wir konstatiren nur die Friedensliebe, welche die Rede athmet. Keine zweideutige Bemerkung, kein schwarzer Punkt am politischen Himmel; selbst das Wetterleuchten im fer- nen Osten scheint dem kaiserlichen Sprecher wieder allmählich zu verschwinden. Es ist dies eine wiederholte, mit einer gewissen Feierlichkeit voll- zogene Kundgebung der kaiserlichen Friedensliebe. Sollten wir in dieser Sprache bloß die Absicht erkennen müssen, die Welt kirre zu machen und positive Kriegsplane zu verhüllen? Wir sind zwar an Ueberraschungen von dieser Seite gewöhnt; indessen wäre es schwer begreiflich, wie der Kaiser mit unerhört frevelndem Munde seinem Volke vom Tyrone herab Honigworte des Friedens zuzulächeln sich nicht entblödete, wenn er zu gleicher Zeit Völkermordgedanken hege. N

DerPatrie wird bestätigt, daß das Cabinet von Athen ein Rundschreiben an die fremden Höfe und im Anschluß an dasselbe eine Denkschrift vorbereitet, in welcher es an der Hand eines starken geographischen und statistischen Ma terials nachzuweisen sucht, daß Griechenland, um den ihm gebührenden Rang zu erreichen, und im Interesse Europas selbst die Inseln Kreta, Samos und Chio und einen Theil von Makedonien und Thessalien besitzen müsse.(9)

DasJournal officiel veröffentlicht die unter dem 11. Dezember 1868 in Petersburg don sämmtlichen europäischen Mächten(mit Aus- nahme Spaniens), denen sich dann noch Persien beigesellt hat, gezeichnete Declaration, betreffend die gemeinschaftliche Untersagung des Gebrauchs von explosiblen Geschossen von weniger als 400 Grammen Gewicht im Kriege.

Schweden. Stockholm. Der Reichstag wurde eröffnet. Die Thronrede spricht die Hoff

nung aus, daß die Ve⸗bindung zwischen der Prin⸗

zessin Louise und dem Kronprinzen von Dänemark die drei nördlichen Länder fester verbinden werde.

Großbritannien. London. Die Zeich⸗ nungen auf die türkische Anleihe von 5 Millionen Pfund Sterling bleiben bis zur Erledigung des Conflikts ausgesetzt.

Es wird behauptet, die Conferenzmächte hätten sich dahin geeinigt, stricte Neutralität zu beobachten, falls Griechenland ihrer Declaration keine Folge gebe.

Das Jahr 1868 schließt mit 2508 an den Küsten Englands vorgekommenen Schiffbrüchen ab. Wie man aus Corunna meldet, wurden in der Nähe von Cap Finisterre am 28 bis 29. Dezember 60 Leichname an das Land gespült. Das Schiff Southern Empire, welches von Neuorleans am 11. November mit 3699 Ballen Baumwolle nach Liverpool abgegangen war, ist am 23. Dezember untergegangen und die ganze Mannschaft dabei ums Leben gekommen.

Die Agitation zu Gunsten des Ballots belebt sich mehr und mehr. Ein dieser Tage stattgehabtes Meeting unter dem Vorsitze des Hrn. Milner Gibson hat sich entschieden für ge heime Abstimmung ausgesprochen. Auch der Minister des Innern, Hr. Brace, erklärte sich vor einer Wahlversammlung dafür. Die Wahlhand lung würde durch den Modus der geheimen Ab- stimmung eine ungleich würdigere werden.

Spanien. Madrid. Die Wahlen zur Constituirung der Bureaux, welche der Wahl operation für die Cortes vorstehen sollen, haben in Madrid folgende Resultate ergeben: Von 100 Wahldistricten haben 96 Anhänger der proviso rischen Regierung ernannt und nur 4 Mitglieder der Opposition. Die Telegramme aus der Pro vinz theilen mit, daß von 1532 constituirten Bureaux 1181 der provisorischen Regierung günstig sind, während 290 den Republikanern und 61 den Bourbonisten angehören. Die Resultate in den Provinzen sind zum größten Theile noch un bekannt, man weiß aber, daß das rkpublikanische Element hauptsächlich in den Städten vertreten ist.

Die allgemeinen Wahlen für die Cortes sind beendigt und haben eine große Majorität für die monarchische Partei ergeben. Von Seiten der Opposition werden etwa nur hundert Depu⸗ tirte in die Cortes eintreten.

Italien Im italienischen Parlament wird Garibaldi wieder erscheinen, wie er seinen Wäh⸗ lern angezeigt hat.

Türkei. Konstantinopel. Die von der Pforte niedergesetzte Commission für die griechischen Angelegenheiten hat den hier ansässigen griechischen Unterthanen notificirt, daß sie sich, mit Ausweisen über ihre Nationalität versehen, behufs Entgegen nahme von Aufenthalts- Erlaubnißscheinen oder ihrer Pässe der Commission vorzustellen haben.

4 Friedberg. Als eine gewiß sellene Erscheinung in jetziger Jahreozeil ist der Besuch eines Rothschwänzchens zu betrachten, welches am verflossenen Samstag bei dem huͤsigen Schloßverwalter Dönges sich eingefunden hat.

Friedberg. Der vor einiger Zeit in Franksurt ge gründete Club für Landwir the, welcher schon mehrere, auch von Landwirthen aus der Wetterau stark besuchte Ver⸗ sammlung abgehalten, hat seine provisorischen Statuien veröffentlicht. Wir theilen dieselben den Interessenten unier den Lesern unseres Blattes mit:

§. 1. Der zu Frankfurt a. M. bestehendeClub für Landwirihe bezweckt die Förderung lanowirchschaftlicher, insbesondere Handels Interessen, sowie die Besprechung höherer Fragen der Landwirihschaft.§. 2. Derselbe versammelt sich 1) regelmäßig am ersten Montage eines jeden Monats, oder falls dieser auf einen Festtag oder Feiertag fällt am nächstfolgenden Montage; 2) sobald der Vorstand ihn zusammen beruft.§ 3. Die Versammlung beginnt Morgens 10 Uhr für die geschäftlichen Angelegen⸗ beiten, 3 Uhr Nachmittags für die wissenschaftrichen Ver⸗ handlungen. 5. 4. Miiglieder sind die in der Versamm⸗ lung am 16. November 1868 ihren Beitritt Erklärenden, sowie die dis zum 1. November 1869 beim Vorstande sich Meldenden und von diesem Zugelassen n.§. 5. Die Geschäfte besorgt ein von der Versammlung am 16. Novem- ber 1868 gewählter, aus 3 Mitgliedern bostehender Vor⸗ stand, dessen Thäuigkeii am 9. November 1899 erlischt. §. 6 Im September des Jahres 1869 wird vom Vor⸗ stande ein Entwurf der defi utven Statuten den Vereins- mitgliedern vorgelegt, über dessen Annahme in der Nodem⸗ versitzung 1869 endgültig enischieden wird.§. 7. Jedes Miiglied zahlt für die Dager des ersten Vereins- jahres 1 fl. an die Vereinskasse, die vom Vorstande ver⸗ waltet wird.

Juha fünft sprüc bas