Ausgabe 
17.8.1869
 
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genöthigt sein würde, zu den gesetzlichen Zwangs mitteln zu schreiten. gez. v. Madai.

König Wilhelm von Preußen wurde am Nachmittag des 14. d. auf dem Main- Weser⸗ Babnhof von der Generalität und dem Polizei- Präsidenten v. Madai empfangen und ist sofort nach Homburg weiter gereist.

Sachsen. DasDresd. Journ. bringt weitere Berichte aus den Plauen'schen Bergwerken. Nach denselben sind am 12. d. die letzten, frei in den Schächten liegend aufgefundenen Leichname zu Tage gefördert worden, und die Gesammtzahl derselben beträgt 236. Die noch fehlenden liegen tief unter den Brüchen begraben und ihre Gebeine werden nach und nach, vielleicht erst in Wochen und Monaten, unter den Trümmern aufzufinden sein. Alle Strecken desSegengottes- und Hoffnungsschachtes sind nach Leichnamen durch⸗ sucht und leer befunden worden. Mit Ausnahme nur einiger weniger der Verunglückten haben die an den beiden Schächten am 2. August angefah- renen Bergleute einen plötzlichen und leichten Tod gehabt. Ein kleines Häuflein der Unglücklichen nämlich suchte sich in einer links vomHoffnungs⸗ schachte gelegenen Flügelstrecke vor dem furcht⸗ baren Andrange der brandigen Wetter und üre⸗ spirablen Gase zu retten. Sie waren nicht hinter Brüchen lebendig in einem großen Grabgewölbe begraben, wie man meinen sollte: nein, die ganz bruchsreie Wetterstrecke und der Weg zur Tages strecke desHoffnungsschachtes stand ihnen offen; allein diese Strecken enthielten so concentrirte irrespirable Gase, daß sie dieselben zu ihrer Rettung nicht betreten konnten. Einige Verwegene haben es gewagt, wahrscheinlich im schnellen Laufe zur Tagesstrecke zu gelangen. Umsonst, sie bezahlten ihr Wagstück mit dem schnellen Erstickungstode. Bis gegen Mittag des 2. August haben einige derselben noch gelebt, wie aus dem hervorgeht, was sie in ihrer letzten Noth noch bei dem matt brennenden Grubenlichte niedergeschrieben.

Oesterreich. Wien. In der General debatte der Reichsrathsdelegation über das Kriegs- Buget rechtfertigte der Kriegsminister die Höhe desselben gegenüber den beantragten Abstrichen mit der Nothwendigkeit der geforderten Ziffer und vertheidigte die neue Heeresorganisation, welche der politischen Weltlage und der staatlichen Neu- gestaltung Oesterreichs binsichtlich der militärischen und ökonomischen Anforderungen vollkommen ent- spreche. Die Reichsraths delegation bewilligte die Erhöhung der Offziersgagen bis einschließlich der Majorsgage nach den Ausschußanträgen.

Prag. Die Nachricht, daß bei Untersuchung des Karmeliterinnenklosters auf dem Hradschin ein unterirdischer Gang zu den Capuzinern und ein gefüllter Weinkeller entdeckt worden sei wird nach demMainz. J. durch eine amtliche Zuschrift des Strafgerichts⸗Präsidiums zu Prag in dem⸗ selben Blatte, welches erwähnte Nachricht brachte, für vollständig unwahr erklärt.

Die böhmischen Bischöfe veröffentlichen ein Pastoralschreiben, wonach die römische Curie dem Clerus gestattet, an der Schulaussicht im Sinne der liberalen Schulgesetze theilzunehmen.

Krakau. Ueber den gegenwärtigen Aufent⸗ halt der unglücklichen Nonne Barbara Übryk in der Irrenanstalt gibt dieSchles. Ztg. eine grauenerregende Schilderung, der wir Folgendes entnehmen:Glauben Sie ja nicht, eine deutsche Anstalt vor sich zu haben mit all der Reinlichkeit, dem Comfort und der liebevollen Behandlung, mit der Dienstbeflissenheil der Wärter und der hohen Bildung der ärztlichen Leiter. Ein Conglomerat von Käfigen, aus welchen Menschen wie Hyänen hinausschauen, unter mischt mit Hühnersteigen, hinter deren hölzernen scheibenlosen Gittern. Kranke zur Belustigung der Straßenjungen Possen treiben; Feuchtigkeit, schlechte Kost, Zwangsjacke, mangelhafte Verpflegung das ist die hiesige Irrenanstalt. In diese Anstalt wurde Barbara Übrhk gebracht in Ermanglung einer anderen Unterkunft. Freilich wird sie besser gepflegt als die andern Kranken, welche sich erhenken oder fortlaufen und mit Knütteln verfolgt werden. Seit Menschengedenken verließ Niemand dieses düstere Haus geheilt. Einstweilen

land richten würde.

befindet sich die Unglückliche unter Aufsicht der Gerichtsbehörde und weiß somit noch nichts von Zwangsjacke und anderen dergleichen Annehmlich- keiten, die ihr später nicht vorenthalten werden dürften, wenn sie einmal aufhört, Gegenstand der Beobachtung, und anfängt, Gegenstand derBe handlung zu werden.

Volletzten Sonntag Nachts wurde ein fünfzehnjähriges Judenmädchen in einem nahe⸗ gelegenen Dorfe von zwanzig verkleideten Männern geraubt und in ein Krakauer Kloster gebracht. Zwei von den Thätern wurden in Wieliezka ver- haftet. Die Anverwandten der Entführten wendeten sich unverzüglich an den Polizeidirektor und baten, das Kloster der Visiterinnen untersuchen zu lassen und das Mädchen zu befreien. Der Direktor versprach, alles Mögliche zu thun, um die Schul digen ausfindig zu machen, zur Revision eines Klosters bedürfe es aber einer Erlaubniß vom Bischofe. Man war nicht zufrieden mit dieser Erklärung und wendete sich an den Staatsanwalt. Dieser scheint die Sache energisch in die Hand genommen zu haben. Denn es verlautet, daß eine Commission an Ort und Stelle entsendet wurde. Man will auch wissen, daß die Nonnen das Mädchen aus dem Kloster entlassen haben.

Eine Correspondenz derPresse von hier spricht die Ansicht aus, daß der Prozeß gegen die verhafteten Carmeliterinnen nicht den von der öffentlichen Meinung erwarteten Verlauf nehmen werde, indem der Thatbestand eine Anklage wegen Freiheitsberaubung und Körperverletzung bei dem gänzlichen Mangel der verbrecherischen Absicht um so weniger rechtfertigen würde, als die Thäterinnen ihre vorgesetzte Obrigkeit, d. h. den Ordensgeneral in Rom, von dem Verfahren gegen die Übryk unterrichtet hatten. Da bei Beurtheilung des Falls die letzthin erlassene Ministerialverordnung über die Klosterdisciplin noch nicht maßgebend sein darf, so stünde nach dieser Ansicht höchstens eine Anklage auf Uebertretung und die Entlassung der Nonnen aus der Untersuchungshaft bevor.

Frankreich. Paris. Der Kriegsminister Marschall Niel ist am 13. d. Nachts um 12 Uhr gestorben. Man versichert, daß der Kaiser jetzt nach dem Tode des Marschalls es vorziehen wird, den militörischen Festlichkeiten im Lager von Chalons nicht beizuwohnen.

DieFrance will aus Trouville, wo die Königin Isabella gegenwärtig weilt, erfahren haben, daß die Rathschläge zur Abdankung bei derselben endlich durchgedrungen wären und daß die Ab dankung wenigstens im Princip beschlossen wäre.

Der Kaiser hat unter dem 14. d. folgen- des Dekret erlassen:Indem wir durch einen Akt, der unseren Gefühlen entspricht, das hundertjährige Geburtsfest Napoleons J. feiern wollen, verordnen wir eine vollständige und unbedingte Amnestie aller Verurtheilungen für Verbrechen und Vergehen politischer Art, Vergehen der Presse, der öffentlichen Versammlungen und Vereine. Ein anderes Dekret gewährt den Deserteuren des Heeres und der Marine Amnestie. DasJournal officiell sagt, der Kaiser, der die Absicht gehabt, gestern ins Lager von Chalons zu reisen, habe seines rheumatischen Leidens wegen die Abreise verschie ben müssen.

Großbritannien. London.Daily News bespricht die preußische Depesche vom 18. Juli in demselben Sinne wie dieTimes und ermahnt den Grafen Beust, den gehässigen Federkrieg gegen Preußen einzustellen und seine Thätigkeit aus⸗ schließlich der Consolidirung der inneren Staats- verhältnisse Oesterreichs zuzuwenden.

DieTimes billigt vollkommen den Stand punkt der preußischen Depesche vom 18. Juli gegenüber der Beust'schen Politik. Sie warnt Letzteren vor einem Bündniß mit Frankreich gegen Preußen, weil ein solches sich gegen ganz Deutsch Schließlich ertheilt sie dem österreichischen Reichskanzler den Rath, diplomatische Streitigkeiten, wie sie in letzterer Zeit stattgefun⸗ den, so viel wie möglich zu vermeiden,

Türkei. Konstantinopel. In dem Briefe

des Großveziers an den Vicekönig von Aegyplen

europäische Reise, und die Unterdrückungen, welche

von der ägyptischen Verwaltung verübt wi

und fordert eine kategorlsche Erklärung. Die Pforlt

ist entschlossen, strenge auf den Bestimmungen des ägyptischen Ferman's zu bestehen. 1

Amerika. In den südlichen Staaten Nord- amerikas ist nach Aufhebung der Sklaverei ent, schiedener Mangel an Arbeitskräften eingetreten. Wie jetzt gemeldet wird, hat eine Gesellschaft von Plantagenbesitzern einen Vertrag über Einfuhr von 50.000 Arbeitern aus Ostindien abgeschlossen. Darnach sollte nun Ostindien die Westküste von Afrika ersetzen, welche früher die Südstaaten mit Arbeitskraft versehen hat, und es ist wohl Niemand darüber im Zweifel, daß auf diese Art di alte Sklaverei in neuer Form zur Geltung gelangen soll.

Newyork. Von unterrichteter Seite wird wiederholt dementirt, daß in den Regierungs⸗ kreisen und im Congresse eine Agitation im Gange sei, um die im Auslande befindlichen Bonds zu besteuern.

Frankfurt. Wie wir vernehmen wird kommenden Mitlwoch in der stehenden Halle des landwirthschaftlichen Vereins, welche ca. 7000 Menschen faßt, ein Concert (140 Musiker) für die Hinterbliebenen der im Jlauen'schen Grunde Verunglückten stat finden. Eine schönere Ein⸗ weihung hätte die Halle nicht finden können!

Wiesbaden. Hans Wachenhusen erzählt vom Spiel- tisch in Wiesbaden eine kleine Anecdote, deren Held ein in der Theaterwelt sehr bekannter Herr aus Petersburg vor einigen Tagen war. Derselbe tritt nämlich unbe⸗ sangen an die Roullette, um als Zuschauer dem Spiele zu folgen. Plötzlich steht neben ihm eine junge Dame und lezt hastig die Hand auf seinen Arm.Mein, Herr, ruft sie mit großem Ungestüm,ich bitte, borgen Sie mir zehn Gulden! Der Herr blickte verdutzt auf die Dame herab, die er niemals gesehen.Ich bitte geben Sie mir zehn Gulden, meine Mutter wird sofort zurückkehren; ich kann doch inzwischen die Chance nicht versäumen! wiederholte sie noch dringlicher. Der Herr blickte noch immer ganz erstaunt über diese Zumuthung auf die Sonderbare herab.Aber mein Herr, Sie werden doch zehn Gulden bei sich haben! ruft sie so laut, daß die Umstehenden es hörten. In Verlegenheit greift der Herr in die Tasche und reicht ihr zehn Gulden. Die Dame setzt davon einen Gulden, gewinnt damit drei Gulden, streicht das Geld ein und geht, ohne den Darlriher auch nur eines Blickes zu würdigen. Seitdem ist sie tom täg⸗ lich in den Spielsälen begegnet. J'desmal, wenn sie an ihm vorübergeht, wirft sie ihm einen milleidig lächelnden Blick zu, und der Herr versäumt bei dieser Gelegenheit nie ibr für soviel Frechyeit schweigend seine Bewunderung zu zollen. f 5

Köln. DieKölner Ztg. bringt folgende Diebsge⸗ schichle:Wir hatten seither zum Oestern Gelegenheit, das Publikum vor Taschendieben zu warnen und finden uns heute wiederum dazu veranlaßt. So passirte es gestern im zoologischen Garten, daß ein Herr nicht nur seiner Cylinderuhr, sondern des frisch bei Hutmacher Th. ge. tauften Hutes mit einer wohl selten beobachteten, schiet an Unbefangenheit gränzenden Dreistigkeit beraubt wurde. Obwohl der Streich sosoet bemerkt wurde und der Dieb, als ob gar nichts vorgefallen wäre, ruhig stehen blieb, konnte berselbe doch nicht ergriffen und der Polizei über⸗ geben werden, denn sein Nußeres ließ für kolossale Stärke schließen. Der Dieb nämlich, welcher an vorbemerkten Effekten Gefallen gefunden hatte, war kein anderer, als der Elephant des zoologischen Gartens, in dessen Rachen das gestohlene Gut wie im Nu verschwunden war. Der Wärler gab dem Beslohl nen den Trost, daß er die Uhr nach Verlauf von etwa acht Tagen wohl wieder zurück⸗ echatten köune; was aber den Hul anbelange, lo werbe der Hutmacher gewiß im Stande sein, aus der Verlegen⸗ heit zu helfen.

Die Maul- und Klauenseuche.

Man versteht hierunter eine unter Rindern, Schafen, Ziegen und Schweinen, dann auch bei Pferden vorkommende epizootische und ansteckende Krankheit, welche sich durch das Auftreten von Blasen auf der Schleimhaut des Maules und an der Krone der Klauen(bei den Pferden nur am Maule,) bei Rindern auch durch die Bildung eines Ausschsags am Euter charakterisirt.

Die Krankheit herrscht meistens epizootisch und kommt nur selten,(besonders beim Pferde als Maulweh) sporadisch vor. Häufig herrscht diese Seuche gleichzeitig mit dem Anthrax(Milzbrand) oder sie geht dem Auftreten desselben voraus, Die einmal überstandene Krankheit! sichert jedoch nicht vor einem wieder holten Ausbruche derselben.

Die Krankheit beginnt meistens mit einem

erwähnt Ersterer die Kreta-Angelegenheit, die letzte mäßigen Fieber, welches jedoch gewöhnlich über⸗

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