Stahl von Würzburg und Domcapitular Molitor von Speyer im Namen des Bischofs Weis.
— Das von der bayerischen Volkspartei aus ⸗ gegebene Wahlprogramm stellt u. A. auch folgende Forderung auf:„Verweigerung aller Mittel für stehende Heere; Einführung des Miliz- Systems.“ N l
— Der Wahlkampf ist ein äußerst hartnäckiger gewesen, nur in wenigen der 71 Urwahlbezirke wurde eine absolute Majorität beim ersten Wahl⸗ gang erzielt. Gegenwärtig werden weitere Seru⸗ tinien vorgenommen.
— Die Antwort der biesigen juristischen Fa⸗ kultät auf die Anfrage des Fürsten Hohenlohe in Betreff des Coneils ist dahin zu resumiren: Durch Dogmatistrung der Sätze des Syllabus und der Unfehlbarkeit des Papstes wird an und für sich eine Veränderung der verfassungs- und gesetzmäßigen Beziehungen zwischen Kirche und Staat nicht be— wirkt. In Anbetracht jedoch, daß man voraus- sichtlich dieser Dogmatisirung auf gesetzlichem Wege praktische Wirksamkeit zu verschaffen versuchen würde, wäre durch dieselbe das bisherige Ver⸗ hältniß zwischen Kirche und Staat prinzipiell um- gestaltet und beinahe die gesammte Gesetzgebung bezüglich der Rechtsverhältnisse der kath. Kirche Bayerns in Frage gestellt.
Aus Baden. Aus dem Handelsministerium ist wegen des dienstlichen Verhaltens der Bediensteten der Verkehrsanstalten, insbesondere der jüngeren Fahrpostbeamten, eine scharfe Aufforderung er— gangen, die sich, gestützt auf begründete Klagen, dahin gipfelt, daß sämmtliche Bedienstete bei allen ihren Amtshandlungen stets als oberste Richtschnur ihres Verhaltens den Grundsatz sich zu vergegen- wärtigen haben, daß Post, Eisenbahn und Tele⸗ graph, als im Dienste des Publikums stehende Anstalten, vor Allem den Interessen des letzteren mi! gutem Willen und ohne Zögern gerecht zu werden sich bestreben müssen.
Karlsruhe. Die Abgeordnetenkammer dis— kutirte in siebenstündiger sehr lebhafter Debatte das Gesetz über Einführung der obligatorischen Civilebe und der bürgerlichen Standes beamtung. Eine Abstimmung fand noch nicht statt.
Oesterreich. Wien. Der Erzherzog Ludwig Viktor, jüngster Bruder Franz Josiphs J., wird neuerdings als Candidat für den spanischen Königsthron genannt. Vor dem Herzog von Genua hat er Das voraus, daß er schon 27½ Jahre alt ist. Die Mutter Ludwig Victors, die fromme Erzherzogin Sophie, soll aber entschieden gegen das bezügliche Projekt sein.
— In Prag ist ein Klempnerlehrling von 17 Jahren zu 5 jährigem schweren Kerker wegen Hochverraths verurtheilt worden. Grund der An- klage war ein von dem Angeklagten geschriebener und in das Haus eines Bürgermeisters geworfener Zettel, auf dem in czechischer Sprache mit Blei—
flift geschrieben stand:„Auf zum Tabor nach Votrant, ergeben wir uns nicht, erschlagen wir den Kaiser, vernichten wir die Regierung, Verder— ben den Deutschen, zum Heile!“ Ein mitangeklagter
Realschüler wurde freigesprochen. Frankreich. Paris.
die Beschuldigung, die Kaiserin angegriffen zu
haben, mit den Worten vertheidigt hatte: er habe als Franzose nicht sagen lassen köanen, daß, so lange das salische Gesetz gilt, ein Weib über Unter Hochrufen ging die Der Tumult setzte sich noch Als der Wagen Rochefort's, von einem Vive la Lanterne! rufenden Haufen
Frankreich herrsche. Menge auseinander. auf der Straße fort.
begleitet, am Boulevard Poissonniere ankam, dampfer„Albany“ ist mit einem Regiment In: wurde er dort mit Pfeifen empfangen. Das fauterie und Material für Küstenbefestigung nach
Gefolge verstärkte nun seine Wagen wendete sich eben nach der Rue Poissoniere als ein Geschwader von Stadtsergeanten den Zu gang derselben sperrte; die Kette öffnete sich, un den Fiakre passtren zu lassen, schloß sich abe
unmittelbar darauf und der Wagen fuhr, seines Es
Geltits entledigt, ohne Hindernisse weiter.
Eine Versammlung in der Rue Doudeauville, in der Rochefort die Botschaft von Ledru-Rollin mittheilte, wurde polizeilich aufzelöst, nachdem Rochefort sich gegen
Hochrufe und der
kam zu einigen Arxestationen, um 12 Uhr war vollständige Ruhe wieder hergestellt.
— Ein Manifest, unterzeichnet von 27 De putirten, Mitglieder der Linken, worunter sich die Deputirten Gambetta, Bancel, J. Favre, J. Simon befinden, bezeichnet die Interpellationen und Re⸗ formvorschläge, welche die Linke in der nächsten Session des gesetzgebenden Körpers einzubringen beabsichtigt. Die Unterzeichner verlangen Ab⸗ schaffung des Militärgesetzes; sie fordern ferner, daß das Recht der Entscheidung über Krieg und Frieden der Nation zurückgegeben werde, ver urtheilen das imperative Mandat, durch welches die Deputirten in allen Fragen an den Willen ihrer Wähler gebunden sind, und bezeichnen das ellgemeine Stimmrecht als das richtige Mittel, die den Gewählten ertheilte Vollmacht zu widerrufen. — In einer in der Rue Dondeauville statt- gehabten Versammlung von ca. 3000 Personen wurde das Manifest der Linken durch Zischen und Pfeifen verhöhnt. Die Versammlung erklärte, mit Ausnahme von drei Stimmen, Gambetta habe das Volk verrathen und sein Wort gebrochen.
— Die Versammlung von Wählern des ersten Bezirks, welche in der Rue de Levis in Batignolles abgehalten wurde, war die am stärksten besuchte der ganzen Wahlperiode; mehr als 4000 Personen haben an derselben Theil genommen. Der große Magnet dieser Sitzung war wieder Henri Roche— fort, welcher unter gewohntem Beifall eine län⸗ gere Erklärung abgab an deren Schluß er sagte: „Ich bin, wie ihr wißt, in London gewesen, um mich mit Ledru-Rollin zu verständigen. Ich wollte selbst den Mann aufsuchen, auf den man in der Folge rechnen sollte. Ich habe mich überzeugt, daß dieser Mann nicht auf der Höhe der Mission steht, die man ihm anvertrauen wollte. Ich habe mich bereits auf den Vorwurf geäußert, die Kaiserin und den kaiserlichen Prinzen angegriffen zu haben. Ich wiederhole: ich habe die Kaiserin nicht als Weib, sondern als Souveränin angegriffen, weil ich glaube, daß die Verfassung ihr nicht das Recht gibt, den Vorsitz im Ministerium zu führen.“ (Lebhafte Zustimmung.) Außerdem gab Rochefort später noch die Erklärung ab: Er wolle die Her⸗ ausgabe der„Lanterne“ fortsetzen, so lange die⸗ selbe noch der demokratischen Sache, namentlich auf dem Lande, nützlich sein könnte, so lange die Regierung die Soldaten nach heißen Ländern in den Tod schicke, se lange sie Gehälter von 2 und 300,000 Francs austheile, während das Volk Hungers sterbe, so lange man in Compiegne täg⸗ lich für Feste 60,000 Franes ausgebe, während es Frauen aus dem Volke gäbe, die nur 25 Sous verdienen u. s. w.
— Mehrere Soldaten, welche öffentlichen Wahlversammlungen beiwohnten, wurden in Ge⸗ wahrsam genommen und dann nach Algier ver— bracht, um dort„mit guten Empfehlungen“ in andere Regimenter gesteckt zu werden.
— Die Kaiserin wird am 25. oder 26. in Frankreich zurückerwartet.
trotz dringender Vorstellungen nicht nach Paris kommen, um jeden Conflikt zu vermeiden. Was er wolle, sei Emancipation des allgemeinen Stimmrechtes.
— Am 11. d. M. fand in Compiegne ein Ministerrath statt. Nach demselben hielt der Kaiser zu Pferde im Park eine Revüe über die Regimenter der Zuaven und Garde⸗Carabiniers ab.
— Der Gesandte des norddeutschen Bundes, Freiherr v. Werther, hat dem Kaiser seine Be— glaubigungsschreiben überreicht.
Großbritannien. London.
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nagt worden.
Italien. Florenz veröffentlicht ein Amnestiedeeret. digt alle wegen politischer Vergehen Verurtheilten
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— Der„Reveil“ veröffentlicht einen Brief von Ledru⸗Rollin, worin derselbe erklärt, er werde
Ein Tele⸗ gramm aus Néwyork meldet: Der Unionskriegs-
San Domingo abgegangen, um von der Samana— Bucht Besitz zu ergreifen.— Die Eröffnung des Parlaments ist auf den 10. Januar weiter ver⸗
Die officielle Zeitung Dasselbe begna—
Gemeine Verbrechen, Vergehen in der National- garde und bei Gelegenheit der Einfü 2275 Mahlsteuer wegen Widersetzlichkeit Verurthellte
sind ausgenommen. 4
brachten Notizen sollen gegenwärtig 550 junge Amerl⸗ kaner auf deutschen Universitäten studiren und über 1000 amerikanische Knaben und Mädchen deulsche Schulen und Schulpensionate besuchen.
Butzbach. Wie der„W. B.“ meldet, hätte am 10.8. bei einem hiesigen Bäcker durch Kohlenoxydgas leicht ea großes Unglück entstehen können. Man hatte die glühen. den Kohlen aus dem Backofen in den in der Wirthsssube befindlichen Ofen geschͤpft und bildete sich bier, da die zur Verbrennung der großen Menge Kohlen nöthige Luft⸗ ventilation fehlte, das verderbliche Gas. Ein Kind wurde zuerst ohnmächtig und während man beschäftigt war, diesem zu helfen, fielen noch 5 Personen in kurzer Zeit nach ein⸗ ander bewußttos zu Boden. Jetzt erst ahnte man die Ur⸗ sache davon, öffnete Thür und Fenster und schleppte all. Personen aus der Stube. In ftischer Luft erhollen sie sich nach kürzerer oder längerer Zeil wieder, auch das Ki kam nach den angestellten ärztlichen Belebungsversuchen wieder zu sich.
Frankfurt. In den Localnachrichten liest man: Am Samstag wurde ein des Landes verwieseees Individunm über die Gränze gebracht. Als er in seine Heimath, ein, benachbarte hessische Gemeinde, kam, stellte er sich seinem Bürgermeister vor und eebrach demselben kurz darauf dessen Kleiderschrank, nahm den ganzen Inhalt und verabschie— dete sich unter Hinterlassung verschiedener Spuren und eines Zettels, worauf er Besserung versprach. Frankfurt. Am 12. d. tagte dahier im Bürger- verein das Comite zur Erbauung eines Hauses auf dem Altkönig. Vertrcten waren die Städte und Orte Franuk⸗ surt, Offenbach Hanau Darmstadt, Wiesbaden, Homburg, Soden, Steinbach, Oberhöchstadt und Königstein. Von den„sieben vorgelegten Plänen fand derjenige des Herrn Architekten Peipers von bier den meisten Beisall und dürfte derselbe ausgeführt werden.
Darmstadt. Die„Hess. Landeszeitung“ meldet aus Reinheim, daß der berüchtigte J. Müller von Ober- Ramstadt, welcher wegen versuchter Tödtung eines Gendarmen im dorligen Bezirksgefängniß inhaftirt war, enisprungen ist. Er hatte sich nämlich Streichhölzer zu verschaffen gewußt, damit seinen Strohsack in Brand ge— setzt und alsdann Feuer gerufen. Als der Gefängniß⸗ wärter erschien überwältigte ihn Becker und stürmte ganz leicht bekleidet(er trug z. B. nur Schlappen) ins Freie.
Friedberg. Nach den von verschiedenen a
B Derselbe scheint bereits den vorderen Odenwald, unsicher zu machen, denn ein in der Nacht vom 15.— 18. d. in Groß-Bieberau verübter Einbruch, der von großer Frech⸗ heil zeugt, ist unzweifelhaft auf den schwer belasteten Conto des Entwischten zu setzen.
Mainz. Zweimal kurz hintereinander befand sich das hiesige Theater in Feuersgesahr, jedesmal wurde sie jedoch frühzeilig entdeckt, daß es moͤglich war, dieselbe zu beseili⸗ gen, bevor das Publikum davon Kenntniß erhielt. Paris. Nach Allem zu schließen, wird mit der Rück⸗ kehr der Kaiserin Eugenie aus Konstantinopel eine neue Aera orientalischer Moden das durch Reifröcke und Cyignons so tief entartete Europa beglücken. So wird die Cultur wieder einmal aus dem Osten nach dem Westen zucückgetragen werden! Einstweilen geht die Souveränin Mode bereits mit einem Staatsstreich um, der nicht Ge— ringeres bezweckt, als die kleinen und großen seitherigen Kopfbedeckungen, welche kaum mehr den Namen Hüte ver⸗ dienen, durch ein neues System zul ersetzen, das wenigstens dem weiblichen Antlitz, in welcher Periode immer, mehr Reiz verleihen als entziehen wird. Der„Sport“, der in derartigen Dingen sehr gründlich zu Werke geht, gibt folgende Beschreibung des Zukunfts-Kopsschleiers:„Eine Sammtibinde in Form eines Diadems oder eine Blumen⸗ guirlande wird auf die Stirne gesetzt und über diesen Kopsputz breitet sich bis in den Nacken ein in kunstgemäßen
Kaputze aus. Oer Schleier kann auch durch ein Netz von feinen Chenillen ersetzt werden. Der Kopf, der auf diese⸗ Weise von Sammt und Spitzen umwallt ist, bringt einen poelischen Effekt hervor, und beinahe alle Frauen, welche diesen neuen Putz tragen, müssen zum mindesten hübsch aussehen.“ Diese letztere Aussicht wird unfehlbar der neuen Mode eine unwiderstehliche Verbreitung verschaffen.
George Peabody ist der Name eines weltbekannten amerikanischen Millionärs und Wohlthäters, der am 4. d. M. zu London nach kurzem Krankenlager im 75. Jaht seines Lebens gestorben ist. Mit ihm ist ein edle Mensch, ein„Schätzer der Menschheit“ geschieden. Amerika und England, die ihn zu gleichen Rechten als den Ihrigen betrachteten, wissen viel von seiner beispiellosen Wohlthätigkeit zu erzählen, beide haben ihm bei Lebzeiten Denkmale errichtet, und beiden gab er selber, bei Lebzeiten noch, den bei weitem größten Theil seines durch eigene Kraft und Thätigkeit erworbenen Vermögens.— Von einer englischen Auswanderer-Familie abstammend, die im Jahre 1620 von den englischen Küsten abfuhr, ward er im Jahre 1795 in dem kleinen Orke Danvers, Massachusetts, geboren. Seine Schul
Falienwurf gelegter Schleier gleichsam in Form einer
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