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sämmtliche Leichen gefunden zu haben. Die Zahl
— ueber das bei dem Gottesdienste in der Hof- und Domkirche erfolgte Abfeuern eines Terzerols auf den sungirenden Hülfsprediger Lic. Heinrici wird folgendes Nähere berichtet: Der Gottesdienst hatte begonnen; der Prediger, ein Candidat der Theologie, Namens Heinrici, stand vor dem Altar und verlas die Liturgie, als vor dem Gitter, welches den Raum vor dem Altar umgibt, eine kaum merkliche Bewegung unter den andächtig Zubörenden entstand. Ein junger Mann drängte sich hervor, öffnete die nach dem Altar führende Gitterthür, schob den dort postirten Küster zur Seile und zog in dem Moment, wo der Prediger das Glaubensbekenniniß vortrug, und zwar bei den Worten:„Ich glaube an Gott“ ꝛc. ein Terzerol unter dem Rock hervor, welches er unter dem lauten Ausruf:„Du lügst!“ auf den Prediger abfeuerte. Für den Augenblick war Alles still; so sehr entsetzt war man über die unerbörte That. Dann fing man an, sich nach vorn zu drängen, wo der junge Mann, mit dem Terzerol in der Hand, stand, ohne Miene zu machen, sich durch die erschrockene Menge einen Weg zur Flucht zu bahnen. Umstehende bemäch · tigten sich sofort seiner Person und führten ihn geräuschlos zur Aus gangathür, wo er den draußen stehenden Schutzleuten übergeben wurde. Inzwischen hatte Heinriti, welcher trotz des in unmittelbarster Nähe von ihm abgefeuerten Schusses unverletzt geblieben war, seine Geistesgegenwart wieder— gewonnen; mit erhobener Stimme las er seinen Text zu Ende und verließ dann erst den Altar, um sich nach der Sacristei zu begeben. Der Gottesdienst nahm darauf seinen Fortgang, und die durch die Gewißheit, daß Heinrici unverletzt sei, beruhigte Menge verweilte in der Kirche, bis der Prediger, Dr. Kögel, seine Predigt beendigt hatte, in welcher er mit einigen Worten des Dankes gegen Gott des so vor Aller Augen ver- übten Attentats gedachte.— Der Umstand, daß man gleich nach der That vergeblich nach einer Kugel oder nach der Spur einer solchen suchte, batte anfangs zu der Vermuthung geführt, daß das Terzerol nur bliad geladen gewesen, obwohl der Thäter selbst das Gegentheil behauptete. Eine wiederholte Nachsuchung am Orte der That hat jedoch die Richtigkeit seiner Behauptung außer Zweifel gestellt Die Kugel ist über dem Kopfe des Predigers hinweggegangen und hat ihren Weg nach dem Chor genommen, auf dem sich die Sänger befanden, wie ein Loch in der hölzernen Brüstung dieses Chores zeigt.
Frankfurt. Verflossene Woche waren die- jenigen hiesigen jungen Leute, welche das Bürger- recht in der Schweiz erworben haben, amtlich vor⸗ geladen, um Auskunft darüber zu geben, wann sie sich von hier hinweg begeben würden. Wie man hört, beabsichtigt die Regierung ernste Maß⸗ regeln gegen diejenigen zu ergreifen, welche, um sich der Militärpflicht zu entziehen, das Schweizer
Zimmerungsthürstöcken mit Kreide geschrieben ge · funden worden: 1) Janetz starb, Richter empfahl die Seinen Gott. 2) Lebe wohl liebe Gemahlin, lebt wohl lieben Kinder; Gott mag Euch erhalten! Gottlieb Heimann. 3) Lebt wohl liebe Frau und Kinder. Ich habe mir das nicht gedacht. Obermann.
Oesterreich. Wien. Reichsrathsdelegation. Berathung des Budgets des Ministeriums des Aeußern. Weichs, Rechbauer, Sturm verlangen, daß Preußen gegenüber eine aufrichtige und ver⸗ söhnliche Politik eingehalten werde. Der Reichs- kanzler vertheidigt die Herausgabe des Rothbuches Die Praxis der Rothbücher, wenn dieselben überall eingeführt wären, sei geeignet, Mißhelligkeiten zu zerstreuen. Oesterreich habe nirgends Einmischung in deutsche Angelegenheiten gesucht. Es bestünden keine Allianzen mit fremden Staaten. Mit Frank⸗ reich stünde Oesterreich sehr gut, besonders bezüg⸗ lich der orientalischen Fragen. Dies gute Ein- vernehmen beruhe auf den Sympathien der Völker. Der Reichskanzler hofft, daß die Reibungen mit Preußen aufhören würden und erkennt die persön⸗ liche Haltung des preußischen Gesandten, Baron von Werther, an. Er, der Reichskanzler, hege keinerlei persönliche Abneigungen und ermangle niemals, sich eine versöhnliche Politik augelegen sein zu lassen, allein Oesterreichs Interessen werde er überall hüten, wo dieselben bedroht seien.
— Eine von sechs Gemeinderäthen zur Be— sprechung der Klosterfrage auf den 9. d. einbe⸗ rufene Volksversammlung war von circa 5000 Menschen besucht. Da während einer Reichsraths⸗, Delegations- oder Landtagssesston in Wien selbst und zehn Wegstunden im Umkreis keine Versamm: lung unter freiem Himmel abgehalten werden darf, so hatte man eine Reitbahn als Versammlungsort gewählt. Dieses Lokal erwies sich als viel zu klein und viele Hunderte mußten in den Höfen stehen bleiben. Im Innern stand Mann an Mann gepreßt. Die Erregung war eine außer- ordentliche und mit stürmischem Beifall wurde jede Aeußerung begleitet, welche auf das Verderbniß in den Klöstern und die Nothwendigkeit ihrer gänzlichen Aufhebung binwies. Die Reden Professor Eckardt's und Dr. Lewinger's hatten eine zündende Wirkung. Die Resolution, welche vorgeschlagen und angenommen wurde, lautet: „In Erwägung, daß die Klöster weder ein noth- wendiges Erforderniß der christlichen Religion sind, noch auch mit den Grundsätzen des modernen Staates im Einklang stehen, ja daß die Klöster die Staatszwecke geradezu gefährden, erklärt die heutige Volks versammlung: Die sämmtlichen Klöster in Oesterreich sind aufzuheben!“
— Der Bischof von Brixen hat eine ihm zuerkannte Conventionalstrafe von 1000 fl. wegen verweigerter Herausgabe der Ehe⸗-Akten bezahlt, die Ehe⸗Akten jedoch vernichtet.
Triest. Bei der Conscribirten-Losung kam
Bürgerrecht erworben haben. Man spricht von Aus weisung.
Hamburg. Weiteren Nachrichten von der „Germania“ zufolge war Nebel die Veranlassung des Unfalls. Post und Ladung sind verloren.
Sachsen. Die Nachrichten aus dem Plauen⸗ schen Kohlenwerke melden, daß die Gesammtzahl der bis jetzt aus dem Schachte geförderten Leichen 206 beträgt und daß man hofft, in 2—3 Tagen
der Verunglückten ist nunmehr auf 279 und die Zahl, der hinterlassenen Wittwen auf 221 mit 550 Rindern festgestellt. Die Ansicht, daß sämmt⸗ liche Verunglückte bei der Explosion sofort den Tob gefunden haben, bestätigt sich leider nicht. Im Notizbuche des gestern aufgefundenen mitver⸗ unglückten Untersteigers Bähr finden sich folgende Zeilen eingeschrieben:„Dies ist der letzte Ort, wo wir Zuflucht genommen haben; ich habe meine Hoffnung aufgegeben, weil die Weiterführung auf „Segengottesschacht“ und„Hoffnungsschacht“ ver⸗ nichtet ist. Der liebe Gott mag die Meinigen und meine lieben Freunde, die mit mir sterben müssen, sowie die Familien in Schutz nehmen. Ernst Bähr, Untersteiger.“— Ferner ist gestern
es zu ernstlichen Ruhestörungen. Vor dem Con⸗ scriptionslokale waren 1500 Personen versammelt; nachdem die vierte Nummer gezogen war, wurde die Losung gewaltsam unterbrochen, die Commisston entfernte sich und die Menge zerstreute sich lärmend und allerlei Ausschreitungen begehend. Es wur- den dreizehn Personen verhaftet.
Frankreich. Paris. Die„Patrie“ theilt mit, daß die osfiziöse Intervention Frankreichs und Englands den Vicekönig von Egypten dahin gebracht habe, den Reklamationen der Türkei zu genügen. Das französische Kabinet habe von der egyptischen Regierung eine Depesche erhalten, die keinen Zweifel über die künftige Haltung des Khedwe zuließe.
— Marschall Niel ist seit einiger Zeit sehr bedenklich erkrankt. Sein Zustand wird als im höchsten Grade bedenklich geschildert. Die be⸗ rühmtesten medieinischen Autoritäten von Paris umgeben sein Krankenbett und suchen vergebens, die zunehmende Schwäche des Kranken zu be⸗ kämpfen. Nelaton soll noch einige Hoffnung äußern, die von den andern Aerzten nicht getheilt würde.
— Im„Sieele“ gibt Taxile Delord kräftige,
im„Hoffnungsschachte“ an drei verschiedenen
5 Zwei Sergeanten der Bürgergarde (Gendarmerik), welche zwanzig Offiz'erspatente: bei sich trugen, sind diese Nacht verhaftet worden. Man hat gleichfalls ein Individuum verhaftet. welches sich Generalcapitän von Neu Castilien nannte und ein anderes, welches im Namen des Don Carlos den Titel eines Generalcommandan⸗ ten von Madrid führte.
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Gießen. Der Senior der hiefigen Aerzte, vielleih der älteste Mann unserer Stadt, Dr. Weber I., feieis am 7. d. das 50 jährige Doktor⸗Jubiläum. Eiue Aug dankbarer Patienten, die Deputatlonen verschiedener Vl“ eine, die Aerzte und Apotheker brachten dem Jubi]
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beschäftigt sich der wackere Schriftsteller! 1 Erschießung Palm's. Er wendet erst die 0 ung um und läßt französische Buchhändler und Ver. 151 leger auf Ordre des preußischen Königs durch Har Blücher erschießen. Dann sagt er, es sei nicht aa an Dem, man sollte die Namen ändern, statt 5 Friedrich Wilhelm lese man Napoleon und dle 1 Ole Namen Plon, Hachette und Levy ersetze man durch Goböabee den des unglücklichen Patrioten Palm! ger — Das bekanntlich aus Staats mitteln gedeche]“ ae Begräbniß des Herrn Troplong hat, wie man dienen jetzt aus dem„Bulletin des Lois“ entnehmen kann, delden! 28,500 Francs gekostet. 5 wiß ga Großbritannien London. Die Unter 10 hausmitglieder wurden vor einigen Tagen um die ful Mitternachtsstunde durch eine plötzliche und laut und Explosion beunruhigt, welche auf dem Platze vor Lünen dem Parlamentsgebäude und in unmittelbarer fog Nähe der Amtswohnung des Sprechers staltfand, 10 Die im Hause stationirte Polizeiabtheilung wa ö 5 bald an dem betreffenden Orte, der, durch dit aber fe Rauchmassen leicht aufzufinden war, und trafen b dort auch einen Zinnkasten mit Schießpulver und 0 einem Stück Lunte. Alle Nachforschungen nach! a Ni dem Thäter, welcher den Kasten vermuthlich von Et nie der Westminster⸗Brücke auf den Platz hinunter. die Die geworfen hatte, bewiesen sich als fruchtlos, es 199 bleibt daher ein Räthsel, ob man es mit einem Na schlechten Schabernack oder mit einem Verbrechen Reilert zu thun hatte.— — Die aus Anlaß der Parlamentsvertagung 0 verlesene Thronrede erklärt mit Befriedigung, daß 1 die Königin fortdauernd von allen auswärtigen Mächten die lebhaftesten Freundschaftsversicherungen erhalten habe. Das Vertrauen auf Erhaltung Sie 0 des Friedens sei im Laufe des Jahres befestigt, die Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten h nach beiderseitiger Uebereinkunft suspendirk worden. 1 Die Königin hoffe, der Aufschub werde die beider ⸗ nut ei seitigen Beziehungen dauernd begründen. von Spanien. Madrid. Prim beabschtigt, 090 die Krone dem König Dom Louis von Portugal fin anzubieten. Spanien und Portugal würden unter Anze einem Souverain vereinigt werden, wie Oesterreich f und Ungarn. Der gemeinsame Souverain würde Zelun einen großen Theil des Jahres hindurch in Ma; N drid residiren.— In Barcelona sind neun Cat⸗ 9 and! listen erschossen worden. f 5. — Der„Imparcial“ versichert, daß im nächsten lleibe September 20,000 Mann Verstärkung nach Cuba haben abgesandt werden sollen. Er sagt ferner:„Die erste Frage, mit welcher sich die Cortes bei ihren— bevorstehenden Wiederzusammentritt im Oktober 9 beschäftigen werden, wird die Wahl eines Monarchen m
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Glückwünsche und Geschenke dar. Auch eine Deputaklh des Stadworstands beglückwünschte denselben und dur
1 g den Dekan der medizinischen Facultät erfolgte die eierlich kühne Skizzen aus der Correspondenz Napoleons J. neberreichung des erneuerten Doctor Diploms. TAbene zur Feier des 100 jährigen Geburtstags. So z. B. war festliches Banket. a
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