Ausgabe 
13.7.1869
 
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übliche höhere Quartiervergütung nicht alterirt haben will, daß jedoch der Regierungscommissär v. Lehmann erklärt, für Mainz gälten in Zu- kunft dieselben Sätze, wie anderwärts, sofern das Festungsreglement nichts Besonderes bestimme. Der Gesetzentwurf über das Brückengeld und die Ueberfahrtsgebühren bei Mainz, Worms, Oppen⸗ heim, Gernsheim und Kostheim wird gleichfalls mit einer unwesentlichen Abänderung angenommen. Von dem Ausschuß wird der jährliche Ausfall an Brückengeld auf 40,000 fl. berechnet und theilt der Berichterstatter Wernher serner mit, daß im Ausschuß die Frage aufgeworfen worden sei, ob man nicht die preußische Erhebungsform einführen und das Brückengelb bei den Schiff brücken auf beiden Seiten erheben solle. Es würde dadurch auch das ungerechtfertigte Privi⸗ legium der Mainzer, auf der dortigen Schiffbrücke ihren Abendspaziergang zu machen, wegfallen. Der Repierungscommissär erklärt daß die Regie⸗ rung dies nicht beabsichtige, da die Eiuwohner von Mainz seit langer Zeit an diesen Spaziergang gewöhnt seien und eine Aenderung eine tiefe Mißstimmung hervorrufen würde. Dumont dankt der Regi rung für diese Mittheilung und glaubt, daß die Mainzer Bürger doch wohl ein Recht auf diesen Spaziergang hätten. Mainz sei leider Gottes einmal eine Festung and, wie er einmal annehmen wolle, zur Vertheidigung des deutschen Vaterlandes nothwendig; aber man solle doch für die vielen Lasten und Unannehmlichkeiten, die hierdurch Mainz erwüchsen, seinen Einwohnern nicht den einzigen Spaziergang nehmen, den sie, ohne die düsteren Festungsthore passiren zu müssen, machen könnten. Röder glaubt nicht, daß der Ausfall des Brückengeldes die von dem Ausschuß berechnete Summe von 40,000 fl. betragen werde, da jedenfalls eine Steigerung des Verkehrs ein⸗ treten werde. 5

Preußen. Berlin. Den Militärärzten des Norddeutschen Bundes ist, in so weit sie die Qualification und Berechtigung dazu in ihrem heimathlichen Lande erworben haben, die Aus- übung des ärztlichen Berufes in dem gesammten Bundesgebiete zugestanden worden, so daß sie bei etwaigen Versetzungen von einem Bundesstaate in den andern keine Nachtheile haben.

DerStaats-Anzeiger publicirt das Bundes Gesetz vom 3. Juli, wegen Gleichberech⸗ tigung der Confessionen in bürgerlicher und staats⸗ bürgerlicher Beziehung. Das Gesetz enthält nur eineneinzigen Artikel, also lautend:Alle noch bestehenden, aus der Verschiedenheit des religiösen Bekenntnisses hergeleiteten Beschränkungen der bürgerlichen und staatsbürgerlichen Rechte werden hierdurch aufgehoben. Insbesondere soll die Be⸗ fähigung zur Theilnahme und zur Bekleidung öffentlicher Aemter vom religiösen Bekenntnisse unabhängig sein.

Bayern. DieA. A. Z. berichtet von interessanten Erlebnissen des Professor Cornelius und seines Adlatus Dr. Stieve bezüglich der bayerischen Gesandtschaft in Paris Dr. Stieve, ein tüchtiger Gelehrter, war während der letzten Stroßentumulte in Paris gleich so vielen anderen achtungswerthen Männern von den Polizeischergen verhaftet worden und in das Fort Bitcetre ein⸗ gesperrt, wo er schändliche Mißhandlungen zu er⸗ dulden halte. Scine Freunde erfuhren von seiner Verhaftung und wandten sich an die bagerische Gesandischaft, um so rasch als möglich durch die Vermittlung der letzteren die Freilassung des Ein⸗ gesperrten zu erwirken. Das Resultat dieser Bemühungen erzählt der betreffende Gewährsmann folgendermaßen:Ich begab mich an eben diesem Sonntag um 12 Uhr Mittags auf die Gesandt⸗ schaft. Vollständige Abwesenheit von Gesandten, Attache und Secretär. Ein Junge, der gerade da war, empfing mich auf der Treppe und gab mir die Adresse des Gesandtschafs⸗Attache, Fau⸗ bourg St.⸗Honoré, wohin ich mich sogleich begab. Es war halb Eins. Der Diener, dem ich den Zweck meines Besuchs mittheilte, kam nach einigen Minuten von seinem Herrn und sagte mir, der Herr Graf... sei im Schlafe; er könne sich

Schlaf habe, so bitte er mich, wieder auf die Gesandtschaft zu gehen, die nach seiner Meinung und trotz meiner Ableugnung von 122 Uhr offen sein müsse. Trotz meiner Gewißheit, Niemanden dort zu finden, kehrte ich zur Gesandt⸗ schaft zurück, wo ich diesmal von dem Portier empfangen wurde und mit Mühe die Adresse des Seeretärs, 24, Rue Taitbout, erlangte, den ich nicht zu Hause traf. Müde dieses Hin- und Hergeschicktwerdens u. s. w.

Würtemberg. Stuttgart. Nach einem Schreiben des päpstlichen Nuntius in München an den Capitularvicar zu Rottenburg läßt sich mit ziemlicher Bestimmtheit annehmen, daß die Bischofsangelegenheit durch Bestätigung der Wahl des Prof. Dr. v. Hefele in Tübingen und die Präconisirung desselben durch den Papst als er ledigt zu betrachten ist.

Oesterreich. Zwei Volksversammlungen bei Graz und bei Linz haben die Beseitigung der letzten Ueberreste des Concordats verlangt. Die versammelten Bürger und Arbeiter aus der Haupt stadt Oberösterreichs stimmten einmüthig der Er klärung bii, daß die Regierung gegenüber den Agitationen des Clerus wider die Verfassung zu viel Nachsicht gezeigt und überhaupt in der Ver wirklichung der durch die Staatsgrundgesetze garantirten Volkssreiheit zu wenig Thatkraft ent wickelt habe; anstatt des zaghaften undlauwarmen Liberalismus wolse das Volk endlich einen ener gischen Fortschritt sehen.. Eine weitere Volks- versammlung fand in Ternberg statt, welche unter großem Beifall folgende Resolution annahm:Die Volksversammlung zu Ternberg in Oberösterreich mißbilligt auf das Entschiedenste die Reritenz des Franz Joseph Rudigier, Bischofs von Linz, gegen das wider ihn angestrengte gesetzliche Gerichts- verfahren, als mit den Staatsgrundgesetzen im Widerspruch stehend; ferner protestirt die Ver⸗ sammlung gegen die derben Uebergriffe des kath. Casinos zu Linz, welches sich erfrechte, im Namen der oberösterreichischen Gesammmtbevölkerung dem Bischof das Beileid kundzugeben, auf das Feier⸗ lichste, und erklärt das Verfahren des k. k. Lan⸗ desgerichts zu Linz gegen den Bischof Franz Joseph Rudigier als vollkommen gerechtfertigt.

Wien. DieOesterr. Corresp. meldet: Die Regierung hält unverbrüchlich fest an dem Gesetze, wonach die Zinszahlung der Staatsschul⸗ den nur in Wien erfolgen darf; sie wird aber vielleicht im Stande sein, unbeschadet des Gesetzes, aus Convenienzrücksichten den auswärtigen Staats- gläubigern gewisse Erleichterungen bei der Ein ziehung der Coupons zu verschaffen.

Die Massenadresse derösterreichischen Katholiken an den Kaiser ist bereits in Umlauf. Es heißt darin wörtlich:Se. Majestät möge geruhen, auf die Ausübung aller kaiserlichen Vor⸗ rechte, denen das Concordat Erwähnung thut, nämlich auf die Ernennung für geistliche Pfründen und Würden, auf die Verwaltung kirchlicher Fonde durch die Regierung, sowie auf die Ein flußnahme der Regierung auf die Heranbildung der Priesterthumscandidaten und andere rein kirch liche Angelegenheiten zu verzichten. Es wird in der Adresse ausdrücklich bemerkt, daß der kaiser⸗ liche Verzichtzu Gunsten der kirchlichen Vor gesetzten erfolgen möge.

Die Jungtschechen haben am 6. d. an verschiedenen Orten das Andenken des Reforma⸗ tors Huß geehrt, der vor 454 Jahren(am 6. Juli 1415) auf dem Scheiterhaufen starb.

Am 8. d. wurden die vor drei Wochen aufgefundenen Ueberreste des Königs Kasimir von Polen, des Letzten der Piasten, in der Kathedrale von Krakau wieder feierlich bestattet. Deputationen der Landescorporationen, sowie Vertreter von Russisch-Polen, Posen und Westpreußen nahmen an der Feierlichkeit theil.

Schweiz. Vom 11. d. M. an bis zum 18. findet in Zug das eidgenössische Bundesschießen statt. Der kath. Kirchenrath in Aarau wird vom Regierungsrath eingeladen, mit Beförderung Bericht und Anträge darüber zu bringen, was

um solche Dinge nicht kümmern, und da er noch

gegenüber der Einführung des Lehrbuchs der

Interpellation, welche die Verantwortlichkeit der

Moral(!) vom Jesuiten Gury im Priesterseminar in Solothurn vorzukehren sei. 5 Es geht das viel,

Frankreich. Paris.

fach Glauben findende Gerücht, daß die Regi Angesichts der von der constitutionell Uberaleh Partei des gesetzgebenden Körpers vorgeschlagenen

Minister verlangt, die Frage, ob die Verantwort, lichkeit, welche im Jahre 1852 dem Kaiser allein übertragen wurde, von nun an getheilt werden soll, einer allgemeinen Abstimmung unterwerfen werde. Dem gegenüber will derConst. wissen, der Staatsminister Rouher habe dem Deputirten Buffet erklärt, die Reglerung werde die Inter pellation der Mittelpartei als unconstitutionell bekämpfen. ö

In dem gesetzgebenden Körper kam es be der Fortsetzung der Wahlprüfungen zu lebhaften Debatten. J. Favre sagte: Die Kammer müsß⸗ sich constituiren, um sich mit den großen polii, schen Fragen zu bischäftigen. Jeder Aufschub, der von ihr verlangt werde, habe keinen andern Zweck, als den Ministern Zeit zu lassen, sich wiede zu befestigen. Der Staatsminister Rouher ent⸗ gegnete darauf:Die Regierung sei bereit, alle öffentlichen Angelegenheiten zu discutiren. Man spreche von einer Ministerkrisis. Die großen Fragen, auf welche man anspielt, interessiren nich blos einige Personen, sondern sie interessiren unsere Institutionen, die Zukunft der Gesellschaft. Gegen die Revolution muß ein Wall errichtet werden. Ich weiß nicht, wann und durch welche Männer eine Einigung erzielt werden wird, aber ich weiß wohl, auf welche lebendige Kräfte sich die Kammer zu stützen wissen wird, um die Gesellschaft zu er⸗ halten. In Folge der Erklärung Rouher's im gesetzgebenden Körper ging das Gerücht, die Minister hätien um ihre Entlassung gebeten; der Kaiser habe das den Interpellationen zu Grunde liegende Programm, mit Ausnahme der Minister⸗ verantwortlichkeit, angenommen. Man suche sich⸗ im Augenblicke über die Namen der neuen Minister zu verständigen.

DerRappel berichtet:Folgendes sind die Namen der Candidaten, die bis jetzt in den Pariser Wahlbezirken für die Nachwahlen aufgestellt worden sind: Im 1. Bezirk: Rochefort, Laurier, Cantagrel; im 3. Bezirk: Emmanuel Arago, Henti Brisson, L. Laferriere; im 4. Bezirk; Cremieux, Ch. Flocquet; im 8. Bezirk: Lavertujon, Glais-Bizoin, Herald.

Belgien. Brüssel. DasEcho du Parlamen! bestätigt, daß am 9. d. in Paris die Unterzeichnung der belgisch⸗französischen Eisen⸗ bahnverträge erfolgt ist, und fügt hinzu, daß die Veröffentlichung derselben imMoniteur unmittel- bar bevorsteht.

Nußland. Petersburg. Die Staats- zeitung veröffentlicht einen kaiserlichen Ukas, wo⸗ durch das Projekt gebilligt wird, in Warschau an der Stelle der Warschauer Hauptschule eine aus vier Fakultäten bestehende Universität zu gründen.

Amerika. Newyork. Der preußische Generalconsul in der Havanua veröffentlicht durch die deulschen Consuln in den Vereinigten Staaten ein Circular, wodurch er die Deutschen vor dem Anschluß an einen Flibustierzug nach Cuba warn, und behauptet, die Insurrektion sei in rascher Abnahme begriffen, seit Amerika seine Neutralilät kräftig manifestirt habe.

* Friedberg. Unser schöner Burgwall bietet jetzt jeden Witiwoch ein belebtes Bild. S. K. H. der Groß⸗ herzog haben nämlich befohlen, daß Mittwoch Abends von 6 Uhr an der Wall für den allgemeinen Besuch unter den Klängen der vorzüglichen Musik des hiesigen Jäger⸗ balaillons geöffnet werde. Da der Wall während der Anwesenheit des Großherzogs sonst zu jeder Zeit für das Publikum geschlossen ist, so beeilt sich Jedes die willkom⸗ mene Gelegenheit zum Besuche desselben zu benutzen. Selbst viele Fremde von Nauheim finden sich dazu ein. Man lernt eben die Annehmlichkeiten des Burgwalles jetzt erst recht schätzen, da man den sonst so leichten täglichen Besuch desselben enibeyren muß.

Homburg. Dieser Tage wurde im hiesigen Kurhaus ein Taschendieb in dem Augenblick verhaftet, als er dem vom Spieltisch aufstehenden Bruder des Vicekönigs von Aegypten, Namens Mustapha Fazil Pascha, welcher vor einigen Wochen vom Sultan zum Minister ohne Porte⸗ feuflle ernannt worden, Banknoten im Betrag von 15,000

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