Landgerichten und den höheren Gerichten mit Anwaltszwang) nur solche Rechtsanwälte als Vertreter der Parteien zuzulassen sind, welche bei dem Prozeßgerichte immatriculirt sind und an dessen Sitze oder in dessen Bezirke wohnen. Nach dem Entwurse der Prozeß ordnung ist das Ver⸗ fahren vor den erkennenden Gerichten öffentlich und mündlich. Das mündlich Vorpetragene bildet die Grundlage der richterlichen Entscheidung; in Anwaltsprozessen wird die mündliche Verhandlung durch Schriftsätze vorbereitet. Ueber Beweisfragen urtheilt der Richter nach freier Ueberzeugung; die gesetzlichen Beweisregeln sind abgeschafft, die Eides— zuschiebung ist nur in beschränktem Umfange ge— stattet. Der Prozeßbetrieb rubt wesentlich in den Händen der Parteien. Die Peorogation ist ohne Beschränkungen zulässig. Zustellungen erfolgen unter Mitwirkung des Gerichteschreibers durch Gerichtsboten oder Postboten; den Landesgesetzen ist jedoch die Zulassung von selbstständigen Gerichts- vollziehern vorbehalten. Unter Inland im Sinne der Prozeßordnung wird das Bundesgebiet, unter Inländer jeder Bundesangehörige verstanden.“ — Zu derselben Zeit, da in Oesterreich eine tiefgreifende Bewegung gegen die Klosterwirthschaft sich kund thut und die Aufhebung der Klöster mehr und mehr verlangt wird, ist in dem prote— stantischen Berlin die Gründung eines neuen Klosters gefeiert worden. In Moabit dicht bei Berlin ist am 4. d. mit feierlichem Pompe ein Kloster, das dazu bestimmt ist, eine Anzahl Do— minikanermönche aufzunehmen, eingeweiht worden. — Wie von vielen Seiten verlautet, wird der Kriegsminister beim nächsten Reichstage die Er⸗ höhung des eisernen Militär⸗Etats beantragen. Diese Nachricht überrascht darum so sehr, weil es vielt Leute gibt, die geglaubt hatten, mit 1866 sei aller Conflikt zu Grabe getragen, er könnte nicht wieder aufleben, weil die Armeeverwaltung hätte, was sie gebraucht, und vom Reichstag be— willigt werden wäre, was nöthig gewesen. Es scheint jedoch, daß die Bedürfnisse des Militär-
ressorts in demselben Verhältniß wachsen, als sie!
durch Mehrbewilligungen befriedigt werden.
Graudenz. Man wird sich wohl noch allerwärts jener beklagenswerthen Opfer der mili— tärischen Disziplin erinnern, welche vor 9 Jahren der Compagnie des geisteskranken Hauptmanns v. Besser angehörten und wegen Verweigerung des Gehorsams in Folge der brutalsten Quälereien von Seiten des Letzteren mit schweren Festungs- strafen geahndet wurden. Von den 5 Untsroffi— zieren und 96 Gemeinen, die damals dies Loos traf, hat die größte Zahl bereits ihre Strafe verbüßt oder ist durch die Amnestie von 1866 freigeworden. Dieser Tage ist wiederum einer der Unglücklichen, der Füsilier Kollendt, entlassen worden. Derselbe hat jedoch noch den Rest seiner Militärpflicht abzuleisten. Gegenwärtig sitzen nur noch die beiden am schwersten Betroffenen, die Unteroffiziere Klatt und Kuhn, zu 19 ¼ resp. 15 Jahren Haft verurtheilt.
Sachsen. Dresden. Nach amtlicher Feststellung beträgt die Gesammtzahl der im Plauen'schen Grunde angefahrenen und sämmllich getödteten Bergleute 209; dieselben hinterlassen gegen 1000 Wittwen und Waisen.— Nach neuerer Feststellung beträgt die Zahl der Verun⸗ glückten 272, wovon 9s bis jetzt herausgeschafft sind.
Eisenach. Der vom 7. bis 9. d, dahier stattfindende social⸗ demokratische Congreß ist sehr zahlreich von beiden sich bekämpfenden Parteien besucht. Nach den vorausgegangenen sehr scharfen Besetzdungen ist man, trotz der an den Straßeg— ecken angeschlagenen Mahnung, jede Veraalassung zur Störung der Verhandlungen zu vermeiden, um den ruhigen Verlauf des Congresses besorgt und fürchtet Scandal.
Bayern Wie man sich noch erinnern wird, wurde im Jahre 1866 ein bahyerischer Soldat, der, von Mainz kommend, auf der Sta—
preußischer Hauptmann v. Fritsche, hat nun auf Ersuchen der Mutter des Verurtheilten sich mit einem Begnadigungsgesuch an den König gewendet, und wurde derselbe auch in Folge dessen aus dem Zuchthause Plassenburg entlessen, nachdem er die Hälfte seiner Strafe verbüßt hat. Würtemberg. Stuttgart. Mehrere Zeitungen bringen übereinstimmend die Nachricht, Ministerpräsident Freiherr v. Varnbühler sei zu einer politischen Conferenz bei dem Grafen Bismarck in Varzin gewesen.
Baden. Bei den kommenden Herbstmanövern wird ein neuer Einquartierungsmodus zur An- wendung gebracht werden. Der Quartierträger soll künftig nichts mehr zu leisten haben, als das Quartier an sich, wofür er mit 6 kr. per Mann und Nacht bezahlt wird; die ganze übrige Ver⸗ pflegung dagegen übernimmt die Militärbehörde. Oesterreich. Wien. Die Klosteraffaire wird dem Vernehmen nach nicht blos zu admini⸗ strativen, sondern auch zu legislatorischen Maß; regeln führen. So soll, wie die„Presse“ hört, ein Gesetz vorbereitet werden, welches die Dis- ziplinargewalt der geistlichen Odern betrifft und dieselbe vollständig auf das Gewissensforum be— schränkt. Ferner steht, wie es heißt, ein Erlaß bevor, welcher eine Revision aller Klöster anerdnet; würden die Bischöfe sich gegen die Vornahme der Inspektion durch eine Commission, in welcher die geistlichen Behörden vertreten sind, sträuben, so würden die weltlichen Behörden allein vorgehen. — Die„Wiener Zeitung“ vom 7. d. veröffent⸗ licht bereits in ihrem amtlichen Theil eine Ver— ordnung des Cultus- und des Justizministers, wonach bischöfliche Erkenntnisse, welche auf Ein— schließung eines Priesters in eine geistliche Cot- rectionsanstalt lauten, nur insofern für wirksam erklärt werden, als die betroffenen Priester sich freiwillig fügen. Eine zweite Verordnung dehnt dies auf die von geistlichen Oberen inhaftirten Regulären beiderlei Geschlechts aus und ordnet strenge Controle bezüglich der Dauer der Haft wie des Haftlokals an.
Prag. Wie ein hiesiges Blatt berichtet, hat die Commission, welche das Carmeliterinnenkloster auf dem Hradschin visitirte, bei genauerer Durch— suchung des Kellers eine mit Eisen beschlagene Thüre gefunden, von der die Vorsteherin nichts wissen wollte, indem sie angab, sie sei zwar durch mehr als 22 Jahre im Klostec, wisse aber trotz dem nicht, wohin die Thüre führe, und daß Nie- mand den Schlüssel zu derselben habe, obgleich die Beschaffenheit des Schlüsselloches den Beweis bot, daß die Thüre öfter geöffnet zu werden pflege. Die Commission ließ einen Schlosser holen und die Thüre von demselben öffaen. Die Thüre führte zu einem Gange. Die Commission trat in den Gang und ging etwa eine Viertelstunde durch denselben. In dem Gange fand die Commisston abermals zwei verschlossene Thüren; die eine schloß den Gang ab, die andere war zur rechten Seite des Ganges. Auch von diesen Thüren wollte die Oberin nichts wissen und sagte, sie habe keine Schlüssel. Es mußte daher abermals der Schlosser öffnen. Als man die Thüre rechts im Gange öffnete, stieß man auf einen kleinen Keller, in dem sich ein großer Vorrath von Wein befand. Als man die Thuͤre öffnete, welche den Gang abschloß, erblickte die Commission Treppen, welche zu einer neuen Thüre führten, und als die Commission diese öffnete, bemerkle sie, daß sie sich in der Capelle des St. Lorettoklosters——— der PP. Ca- puziner am Hradschin befand.
— In den meisten hiesigen Klöstern waren bisher auf Ersuchen der Klostervorstände von den Behörden Sicherheitsmaßregeln getroffen zur Ver hütung von Demonstrattonen, welche die Kloster⸗ bewohner befürchteten. 1
Frankreich. Paris. Der Kaiser und die Kaiserin verbleiben bis zum 21. d. in Chalons, alsdann tritt letztere die Orientreise an, welche
tion Stockstadt aus einem Eisenbahnwagen wäh— rend des Waffenstillstandes meuchlings auf einen preußischen Offizier feuerte und denselben schwer verwundet hatte, zu einer 5 jährigen Zuchthaus⸗ strafe verurtheilte. Der Verwundete, königlich
drei Monate währen wird. Großbritannien, London, Die„Times“
vom 6. d. befürwortet eine diplomatische Ein—
mischung, um die Differenzen zwischen der Pforte
Worte herabgesetzt. Spanien. Madrid.
amtliche„Gazetta“ meldet: Die einzig noch übrige und wenig zahlreiche Bande in der Landschaft Mancha, von dem Geistlichen Polo, Pfarrer in Alcabou, geführt, ist bei Iglesuela geschlagen worden. Der Führer hat sich dem Alcaden von Casar gestelt und für sich und die Theiluehmer der Bande Gnade erbeten.
Amerika. Newyork. Der spanische Ge sandte hat gegen das Verfahren der Regierung, welche die für Spanien im Bau begriffenen Ka nonenboote mit Beschlag belegte, Protest eingelegt
— Die Zahl der mit Bischlag belegten spa— nischen Kanonenboote beläuft sich auf dreißig, da die Behörde noch fünfzehn andere weggenommen hat, welche sich im Hafen Mystie(Connecticut) befanden. Die meisten dieser Schiffe sind noch nicht vollendet. Ihr Gehalt ist Sie tragen eine einzige Kanone.
— Der Weiterbau der spanischen Kanonen boote wurde gestattet, aber das Auslaufen derselben gegen Peru verboten.
Frankfurt. Dieser Tage wurde ein biesiger Com-“
missionär, als er von einem Ausflug nach Nauheim zukück⸗ kehrte, verhastet; derselbe soll Wechsel im Belaufe von fl. 20,000 gefälscht und das erhaltene Geld verspielt haben. Wie man vernummt, ist er seiner That geständig.
Frankfurt. Die Assisen⸗Verhandlungen wegen der mehrerwähnien Räuberbande sind beendet. Gegen einen der Angeklagten erfolgte ein freisprechendes Urtheil, zwei erhielten 10 bis 12 Monate Gefänguißstrafe, den übrigen 10 Angeklagten wurde Zuchthaus von 5 bis 16 Jahten zuerkannt. Im Ganzen ertheilte das Urtheil 22 Monate Gesängniß⸗ und 99 Jahre Zuchthausstrafe. Eine unge— heure, vor dem Assisenhofe versammelte Menschenmenge bezeugte bei Bekanntwerden des Urtheils ihre große Ve⸗ friedigung.
Frankfurt. Zu den am 21. d. M. begiurenden Weitrennen hat sich eine große Theilnahme kundgegeben. Die Zahl derer, welche um die Preise des rheinischen Renndereins concurriren, hat sich gegen srüher erheblich vermehrt und betheiligen sich diesmal auch Rennvereine, namentlich sächsische an dem Rennen.
Lützellinden, Kreis Wetzlar. Am(. Ang. wurde dahier eine Kindtaufe gefeiert, welcher außer Vater und Mutter des Kindes 1 Großvater 2 Urgroßväter, 2 Groß⸗ mütter und 4 Urgroßmütter beiwohnten.
Von der Bergstraße. Dieser Tage versuchte ein im Personenzug von Fraulfurt befindlicher Reisender sich bei Ladenburg aus dem Wagen zu stürzen, wurde aber durch zwei Mitteisende, daran verhindert. Kaum staud der Zug, jo eile der junge Mann über den Damm hinunter und suchte sich an einem Baum zu erhängen, was ihm jedoch nicht gelingen wollte, da das Sackinch zerriß. Als er sich hierauf verfolgt-sah, eilte er auf die Straße gegen Ilves⸗ heim zu, schnitt sich mit einem Messer in den Hals und sprang dann in den Neckar, aus dem man iyn tod
berauszog. In dem Waggon waren Reisetasche, Stock und Schirm zurückgeblieben. Die Durchsuchung dieser
Sachen ergab, daß der Ungläckliche, Küfer und Bierbrauer, aus Sonntheim bei Heilbronn gebürtig, im Begriffe war, nach Amerika auszuwandern. Ein abgeschlossener Schiffs⸗ vertrag und ein Wechsel von 80 Dollars auf ein New⸗ Yorker Bayguierhaus bewiesen dies auf überzeugende Weise. 5
Heidelberg. Der bei dem Fackeluug der„Rhenanig“ Verwundete ist außer Gefahr. Dem Verbrecher soll man auf der Spur sein und ruht der Verdacht auf einem Sludirenden, welcher mit genanntem Studentencorps schon mehrfache Collistonen hatte.— Die Bahn von hier nach Wimpfen⸗Heilbronn⸗Stuttgart ist jetzt eröffnet, indem die Strecke Rappenau⸗Wimpfen⸗Jagsifesd am 5. d. dem Ver⸗ kehre übergeben wurde.
Großbritannien. In dem Jahresbericht des eng lischen Generalpostencisters für 1868 finden sich neben sonstigen höchst interessauten Detatls folgende merkwürdige Angaben über Verkehr in England. Die Zahl der unbe⸗ stelldaren Briefe betrug in 1867 3.618.888 Stück, während 1868 beinahe vier Millionen Briefe(3,815 309 Stüc unbestellbar waren. Darunter fanden sich 13 883 Briefe oh alle und jede Adresse und unter diesen sogar 281 Briese mit Geld i!! Ju 1868 wurden in Großbritannien uud Irland über achthundert und acht Millionen Briese aus gegeben d. heiwa vier und dreißig Millionen mebe als in 1867.
New York. Amerikanisch⸗deutsches Kabel Die„New Hock Times“ vom 16. Juli sagt, nachdem es sich herausgestellt habe, daß atlantische Kabel ohne große Gefahr gelegt werden können und sich bei guter Verwaltung ausgezeichnet rentiren, sollte Amerika eines für sich habe und nicht von denjenigen beiben Regierungen abhängig sein, die amerikanischen Interessen am seindlichsten gegen überstehen. Das Kabel sollte mit Deulschland verbunden werden, als einer Macht, mit der die Vereinigten Staaten wohl niemals zu einer Collision kommen würden, und zu der sie weit wichtigere Beziehungen baben, als zu irgend
und dem Vicekönig von Egypten beizulegen.
einem andern Lande Europas.
— Die alte englisch-amerikanische Kabelgesell“ schaft hat ihren Tarif auf 30 Shilling pro 10 Zeitungen zahlen die Hälfte. Die Verfolgung der carlistischen Banden wird energisch fortgesetzt. Die
170 Tonnen
England schickt uns mehr
sellen dag v. Milch Landy
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sollen den 9 legen Selle 10


