Ausgabe 
9.3.1869
 
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18 neue Stationen, nämlich: Grünberg, Hungen, Ortenberg, Büdingen, Umstadt, Alzey, Alsfeld, Laubach, Nidda, Schotten, Gernsheim, Pfungstadt, Wöllstein, Wörrstadt, Lorsch, Fürth i. O., Michel, stadt, Erbach. 5

Friedberg. Nach der offiziellen Verkün digung des Resultates der Reichstagswahl ergibt sich folgendes Stimmenverhältniß: Abgestimmt haben 13,430 Wäbler, davon gaben ihre Stimmen ab für Buff 7155, für Oppenheim 6246, die Majorität für Buff beträgt 909 Stimmen. Die übrigen 29 Stimmen vertheilten sich auf verschiedene Namen oder gingen verloren.

Mainz. In dem Prozesse gegen Bamberger und Genossen erfolgte am 5. d. das Urtheil des Ober gerichts, welches sämmtliche Angeklagte freispricht.

Preußen. Berlin. Der am 4. d. statt- gehabten Sitzung des Reichstags präsidirte der Herzog von Ujest, welcher anzeigte, daß acht Prö⸗ sidialvorlagen eingegangen seien, darunter die Gewerbeordnung für den nord deutschen Bund. Der Namensaufruf ergibt, daß der Reichstag nicht beschlußfähig sei. Die nächste Sitzung wird für Montag den 8. d. bestimmt.

Zur Feier der Uebernahme der Präsident schaft der Vereinigten Staaten durch Grant gab der nordamerikanische Gesandte Bancroft ein Diner. Graf Bismarck toastirte auf Grank, Bancroft auf Preußen und den norddeutschen Bund. Beide hoben hervor die Erhaltung und Bethätigung der Freundschaft zwischen dem amerikanischen und dem deutschen Volke, der sowehl durch Blutsverwandt schaft als durch historische Sympathien Verbündeten.

Im Abgeordnetenhause erklärte der Finanz minister gelegentlich der Discussion über den Com missions bericht, betreffend die Ueberschreitungen des Etats sür 1866 und 1867, auf die Bemerkungen Twesten's und Lasker's, die Regierung beabsichtige den nächsten Etat ohne Deficit vorzulegen. Die Commissionsanträge, welche Ertheilung der De charge und baldige Vermögensauseinandersetzung zwischen dem norddeutschen Bunde und dem preu ßischen Staate beantragen, werden ohne Debatte angenommen. Der Landtag ist am 6. d. M. im Auftrage des Königs mit einer vom Grafen Bismarck verlesenen Thronrede geschlossen worden.

DerStaatsanzeiger veröffentlicht das Gesetz über die Auseinandersetzung zwischen dem Staate und der Stadt Frankfurt a. M.

Es ist ucuerdings angeordnet worden, daß Soldaten, die ihre Dienstzeit in der Linie absolviren, nicht der Erlaübniß der Eltern be dürfen, wenn sie beabsichtigen sollten, nach Ablauf ihrer Dienstzeit zu capituliren, d. h. weiter dienen zu wollen. Es ist das sehr charakteristisch für unstren Militär- und Rechtsstaat. Ein Referen- dar, der von seinen Eltern noch unterhalten wird, was den meisten passirt, befindet sich, obwohl er dem Publikum gegenüber schon als Richter fun- giren kann, noch in väterlicher Gewalt und gilt rechtlich noch nicht als eine selbständige Person. Der Kirche gegenüber wird der Sehn, so lange der Vater lebt, niemals selbständig. Will er sich verheirathen, und wenn er noch so alt ist, muß er den Erlaubnißschein des noch lebenden Vaters beibringen. Ein 20jähriger Rekrut aber ist jeder Autorität des Vaters entzogen; er kann durchaus selbständig enischeiden, ob er auch nach Ablauf seiner Militärzeit in der Linse weiter dienen wil oder nicht, er gehört nur dem Staate.

Die Stadt Kassel hat für das Jahr 1869 an direkten Staatssteuern 143,661 Thlr. 2 Sgr. 4 Pf. zu entrichten, während der ehemalige kur- hessische Staat im letzten Jahre seines Bestehens aus derselben 71,803 Thlr. 14 Sgr bezog.

Bayern. München. Zwischen Preußen und Bayern ist über die gegenseitige Erwerbung des Judigenats eine Convention geschlossen worden. Die Naturalisation erfolgt erst nach der Ent lassung aus dem bisherigen Unterthansverhältniß, die Entlassung erst nach geliesertem Nachweis über die Aufnahme in einen andern Staat.

Oesterreich. Wien. Nach Mittheilungen hiesiger Blätter über denhennoverschen Studen ten, welcher mit Mordgedanken gegen den preuß. Premier unser schönes Alpenland verlassen haben

soll, haben die gewissenhaftesten Nachforschungen nicht eine Spur des mordlustigen Welfenfanatikers ergeben, sondern der ganze Student verwandelte sich in eine recht fett gemästete Zeitungsente, durch alle europäische Blätter schwimmend. Hier hat ein solcher Student, wie der btezeichnete, nie existirt, und kein menschlich Ohr in Graz die Drohungen vernommen, welche dieseSpottgeburt ausgestoßen haben soll. Wenn der Schlaf im Palais Bismarck heimisch ist, vor der schattenhaften Gestalt des hannover'schen studirenden Meuchel⸗ mörders braucht er nicht zu fliehen!

Frankreich. Paris. Der Nachtrag zum Gelbbuch, enthaltend die auf die letzte orientalische Krise bezüglichen Papiere, umfaßt auf 252 Seiten alle auf diese Episode bezüglichen Noten, Depeschen, Telegramme und Protokolle. Die große Mehrheit derselben ist bereits bekannt. 8

DasJeurnal officiel sagt: Die Rede des Königs von Preußen bei Eröffnung des Reichstags bekundet den lebhaften Wunsch Preußens und des norddeutschen Bundes, zur Aufrecht erhaltung des Friedens beizutragen.

Wie dasJournal des Debats vernimmt, begab sich Herr Camille Doucet zu der Familie Lamartine und bat dieselbe im Namen des Kaisers um die Erlaubniß, den Verblichenen in Paris feierlich und auf Staatskosten zu bestatten. Die Familie glaubte, einem von Lamartine ausdrück lich geäußerten Wunsche entsprechend, diese Ehre ablehnen zu sollen.

Großbritannien. London. Lord Clu⸗ rendon versprach einer Deputation des Ausschusses der Besitzer auswärtiger, besonders österreichischer Papiere die bestmögliche Unterstützung ihres an die österreichische Regierung abgehenden Gesuches, welches eine billige Verständigung betreffs der Converlirung der englisch⸗österreichischen Anleihe papiere bezweckt.

Spauien. Madrid. Die Candidatur des Herzogs von Montpensier gewinnt immer zehr an Wahrscheinlichkeit und scheint die pro- visorische Regierung entschlossen, denselben als Candidaten für den Thron von Spanien vorzu- schlagen, seitdem der König Ferdinand von Por tugal die ihm von Prim angetragene Thron- Candidatur abermals zurückgewiesen hat. Prim selbst bereitet seine Verständigung hierüber mit Serrano und Topete vor, die bekanntlich von vorn herein für den Herzog waren. Die Car- listische Partei soll ihrerseits entschlossen sein, eine Schilderhebung zu wagen, sobald die Candidatur eines andern Fürsten, als die des Infanten Don Corles, offiziell aufgestellt werde.

Amerika. An demselben Tage, 4. März, an welchem die Eröffnung des Reichstags in Berlin statisfand, hat General Grant seine An- trittsrede als Präsident der Vereinigten Staaten von Nord⸗Amerika gehalten. Fast gleichzeitig mit der Eröffnungsrede des Königs von Preußen bringen die deutschen Zeitungen durch telegraphische Vermittlung den Wortlaut der Antrittsrede des Präsidenten, welche wir hier folgen lassen, indem wir auf den zuversichtlichen Ton aufmerksam machen, in welchem der neue Präsident von der politiscen und finanzitllen Zukunft Amerikas spricht. Nachdem der Präsident Grant den vorgeschriebenen Eid geleistet, hielt er folgende Rede:Mitbürger! Eure Abstimmung hat mich zum Präsidenten erwählt. Ich habe den von der Verfassung vorgeschriebenen Eid ohne inneren Vorbehalt geleistet, mit dem Entschlusse, nach besten Kräften Alles, was meines Amtes ist, zu thun. Die Verantwortlichkeit meiner Stellung fühle ich, doch ich übernehme sie ohne Furcht. Das Amt ist mir übertragen worden, ohne daß ich es gesucht hatte. Ueber die wichtigsten Fragen beubsichtige ich allezeit dem Congresse meine An⸗ sichten auszusprechen. Wenn ich es rathsam finde, gedenke ich mein Veto einzulegen, um Maßtlegeln, gegen welche ich bin, abzuwenden; doch alle Ge setze sollen getreulich ausgeführt werden, mögen sie meine Zustimmung haben oder nicht. Ich werde die Politik befolgen, kein Gesetz zu empfehlen, welches mit dem Volkswillen in Widerspruch steht. Die Gesetze sind bestimmt, über Alle zu herrschen,

sowohl über Diejenigen, deren Beifall sie haben, als über Die, welchen sie widerstreben. Ich kenne keine Methode, die Zurücknahme schädlicher Gesetze zu sichern, welche so wirksam wäre, als die genaue Durchführung derselben. Viele Fragen werden sich in den nächsten vier Jahren erheben. Sie müssen mit Ruhe und ehne Vorurtheil erwogen werden, da das größte Gut des Volkes und die Mehrzahl desselben auf's Innigste davon berührt wird. Diese beansprucht Sicherheit der Person, des Eigenthums, der religiösen und politischen Meinung überall im Lande. Alle Gesetze, welche diese Absicht sördern, werden von mir nach besten Kräften unterstützt werden. Zur Sicherung der Union hat eine große Staatsschuld aufgenommen werden müssen, deren Tilgung zugleich mit der Rückkehr zur Metallwährung, sobald dieselbe ohne Schädigung des Landes erfolgen kann, ins Auge gefaßt werden muß. Um der Nationalehre willen sollte jeder Dollar Regierungsschuld in Gold be zahlt werden, wenn nicht contractlich andere Be- stimmungen fesigesetzt sino. Möge man nur wissen, daß auch hinsichtlich keines einzigen Pfennigs der Staatsschuld eine Repudiation stattfindet, so wird das schon viel zur Stärkung des Staatscredits beitragen, welche der beste in der Welt sein müßte, und es wird uns schließlich in den Stand setzen, die Schuld durch Bonds zu ersetzen, für welche wie weniger Zinsen zahlen, als wir jetzt zu zahlen haben. Dazu soll eine ehrliche Erhebung der Steuern und strenge Rechenschastsablegung an das Schatzamt für jeden erhobenen Dollar und die größtmöglichste Einschränkung in den Ausgaben kommen. Wer zweifelt daran, daß es thunlich sein wird, jeden Dollar abzuzahlen, und zwar mit größerer Bequemlichkeit als jetzt, wo wir für unnützen Luxus zu zahlen haben?(Schluß folgt.) Durch Präsident proklamation wurde der vierzigste Congreß vertagt, ohne daß die Zeit bestimmt worden wäre, wann der neue Congreß zusammentreten solle. Washington. Nach telegraphischen Nach richten vom 5. d. legte Grant folgende Minister⸗ liste vor, welche der Senat genehmigte: Washburne, Auswärtiges; General Shofield, Krieg; Stevart, Finanzen; Exgouverneur Cox, Inneres; Borie, Marine; Creswell, Generalpostmeister; Richter Hoare, Generalstaatsanwalt. General Sherman ist zum Obergeneral der Armee, Sheridan zum Generallieutenannt ernannt worden.

Die Mittheilung, daß der Aufstand auf

Cuba wobl nicht so unbedeutend sei, wie die spanische Regierung ihn darzustellen sucht, wird von dem Berichterstatter der LondonerTimes in Philadelphia aufs Vollständigste bestätigt. Die Insurgenten scheinen große Vortheile zu erringen und auf dem größeren Theil der Insel festen Fuß gefaßt zu haben. Sie verlangen jetzt Unabhängig⸗ keit; mit Reform sind sie nicht länger zufrieden. Eine große Zahl hervorragender Cubaner hat den Präsidenten in einer Petition gebeten, die Unab' hängigkeit Cubas zu unterstützen. Die Sympathien des Publikums steben auf Seiten der Insurgenten.

Friedberg. ImUsinger Anzeiger finden wir folgende heitere Anzeige, welche wir unsern Lesern nicht volenthallen wollen: Pferde-Treue! Am 4. d. Mis. er⸗ eizneie sich im Stalle des Gasthauseszur goldenen Sonne in Usingen ein Vorfall, welcher allgemeine Be⸗ wunderung verdient. Meine Pferde, sowie dasjenige des Hrn. H. aus Rod a. d. Weil standen neben einander. Als ich fütiern wollte, vermißte ich meinen Hasersack und was sah ich, als ich in den Stall rar? Eins meiner Pferde, welches meinen Hofersack in fremder Hand gewahhrie, hatte den Hrn. H., der meinen Hafersack in der Pand hielt, fest auf der Brust gepackt und somit mir überliefert. Dies als Beispiel von Pferdetreue. Heinrich Waas, Kuischer aus Friedberg.

Büdingen. Der Polizei gelang es, hier den Georg Giesick von Wolfekirchen, einen der hervorragendsten Theil⸗ nehmer der nunmehr vollständig hinter Schloß und Riegel sitenden Räuverbande, welche seiner Zeit die Gegend von zrankfurt veunrubigte, zu verbaften. Derselbde wurde am 5. März nach Fraulfurt abgeliefert. Wie wer vernehmen, sell zur Aburtheilung der Bande daselbst eine außer⸗ ordeutliche Assisensitzung stattfinden.

Mainz Dieser Tage wurde in einem Hause der Augustinergasse ia dem Keller Petroleum abgefülll. Durch die Unachisamkeit des damit Benauten entzündele sich das flüssige Oel, und im Nu fingen die im Keller vorhan⸗ denen Waaren Feuer, und nur durch rasch herbeigecilte Hülfe konnte einem größeren Unglück vorgebeugt werden.

Johnson's Abschieds⸗

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