Ausgabe 
8.5.1869
 
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Dieser Bericht ist mit der kaiserlichen Bestätigung versehen. Es ist die erste Nummer eines neuen Blattes desRapell erschienen. Dieses Journ

welches Fortsetzung des im Jahre 18

staalsstreichlich unterdrückten Evenements ist, bat die nämliche Redaction, welche jenes Blatt besaß, nämlich die beiden Söhne Victor Hugo's, Paul Meurice und Vasquier. Denselben hat sich noch Rochefort angeschlossen. Diese Namen bedeuten zur Genüge, welche Tendenz das Blatt verfolgen wird. Der Straßenverkauf ist dem neuen Blatte

im voraus untersagt.

Belgien. Brüssel. In der Sitzung der zweiten Kammer hat Angesichts eines Antrags der rechien Seite, einstweilen über das mit Frank- reich vereinbarte Protokoll aus Anstandsrücksichten zur Tages ordnung überzugehen und sich das Weitere vorzubehalten, Staatsminister Tesch eben⸗ falls seine Erklärungen über die Luxemburger Eisenbahnangelegenheit vertagt.

Spanien. Madrid. DerImpartial hält die Nachricht von einer Ministerkrisis für verfrüht. Sobald über die Frage der künftigen Regierungsform abgestimmt sei, werde Serrano die Personenfrage aufwerfen; dann erst werde die Neubildung des Cabinets nothwenig werden, so⸗ wohl wenn man sich über die Person des künftigen Regenten verstandigt habe, als im Falle der Bildung eines aus drei oder fünf Personen be⸗ stehenden Direktoriums.

Amerika. Amerikanischen Berichten vom Kriegsschauplatze in Paraguay zufolge wären die Alliirten ziemlich rathlos und wünschten dringend, mit Anstand aus dem Larde zu kommen. Lopez stehe noch immer im Felde, ohne daß man ihm beizukommen wisse. Er sei durch dir von den Brasilianern entlassenen Gefangenen verstärkt worden und habe verschiedene erfolgreiche Streif züge in die Linien des Feindes gemacht.

Frankfurt. Bei dem beschwerlichen Dienst der die ambulanten Eisenbahn⸗Postwagen begleitenden Beamten ist es sehr anerkennenswerth und von den betreffenden Beamten mit Freuden begrüßt worden, daß die neuen auf süddeutschen Bahnen laufendenden Postwagen nach dem System des Wagenfabrikanten Reifert in Bockenheim mit doppelten Tragsedern versehen sind. Von diesen neuen Wagen ist bereits eine größere Zahl zwischen Frankfurt, Basel, Straßburg, Ulm und auf allen würtembergischen Bahnen im regelmäßigen Betrieb und sollen dieselben, da sie durch Vermehrung der Tragsedern von allen Erschütte⸗ rungen und Schwankungen befteit sind, das Schreiben der Beamten im Fahren sitzend ermöglichen, während dies bisher nur stehenden Fußes und mit Anstrengung zu bewerkstelligen war.

Darmstadt. Der Raubanfall in der Eberstädter Tanne reducirt sich auf kaum mehr als eine gewöhn⸗ liche Rauferei, bei welcher die Uhr eines der Betheiligten abhanden kam, d. h. wie dieser selbst glaubt, verloren ging. Hervorgerufen wurde der Streit durch eine ver⸗ meintlich von zwei Burschen in ihrer Tugend und Sitt⸗ samkeit bedrohte Schöne, welcher man beizuspringen Ver⸗ anlassung nahm.

Schiffsnachrichten. Mitgetheilt von Chr. Hecht in Friedberg, Spec.⸗Agent.

Das Hamburger PostdampsschiffBavaria, Capitän Franzen, trat am 1. Mat eine Reise als Extraboot direkt nach Newyork an und hatte außer einer starken Brief- und Packetpost 350 Tons Ladung, 21 Passagiere in der Cajüte und 774 im Zwischendeck an Bord.

Das Hamburger PostdampfschiffAllemania, Capitän Bardua, welches von Newyork am 20. April abging, ist nach einer sehr schnellen glücklichen Reise von 10 Tagen wohlbehalten in Plymouth angelangt, und hat, nachdem es baselbst die für England bestimmten Passagiere und Posten gelandet, unverzüglich die Reise über Cherbourg nach Hamburg sortgesetzt. Dasselbe bringt 136 Passagiere, 1200 Tons Ladung und 89 Briessäcke.

Das Hamburger PostdampfschiffTeutonia, Capitän Barends, welches von New⸗Orleans am 10. April und von Havanna am 18. April abging, ist nach einer sehr schnellen glücklichen Reise von 15 Tagen wohlbehalten in Southamplon angelangt, und hat, nachdem es daselbst die für England und Frankreich bestimmten Passagiere und Posten gelandet, unverzüglich die Reise nach Hamburg fortgesetzt. Dasselbe bringt 258 Passagiere, 950 Tons Ladong und 36,990 Dollars Contanten.

2 Neue Zimmerösen. Zu den mancherlei Un⸗

vollkommenheiten, unter welchen der moderne Mensch zu eiden hat, gehört auch der Mangel an guten Stuben⸗ öfen, d. h. solchen Oefen, welche, einmal geheizt, das belrefssende Zimmer dem Bedürfniß entsprechend während des ganzen Tages nahe gleichmäßig erwärmen und auch während der Nacht nicht ganz abkühlen lassen. Die

Herren E. O. Bäcker u. Comp. aus Essen a. d. Ruhr haben nun eiserne Oefen ganz neuet Constructien hergestellt. Die⸗ selben, je nach dem zu erwärmenden Raum narürlich von ver⸗

schiedener Größe, werden für 24 und mehr Stunden nur ein⸗

e von oben nach unten.. nungsproceß

1 vollkommener, so daß wenig Rauch 0 Naß, desto mehr Wärme erzielt wird. Die Construelion der Oefen ist so eingerichtet, daß die freiwerdende Wärme fast vollständig dem zu erheizenden Raume zu gut kommt. Auch geschieht die Erwärmung des Zimmers schneller als durch Kachelöfen. Die Temperatur in demselben bleibt während 24 Stunden beinahe vollkommen gleichmäßig. Miltelst ciner Schraube, welche je nach Belieben mehr oder weniger Luftzutritt gestaite, kann man den Ver⸗ brennungsprozeß je nach Belieben beschleunigen oder hemmen, hat den zu erzielenden Temperalurgrad also vollkommmen in seiner Hand, kann ihn nahe gleichmäßig erhalten, erhöhen oder auf ein Minimum verringern. Weil die durch die Verbrennung der Kohlen erzeugte Wärme in sehr rationeller Weisen fast vollständig zur Er⸗ wärmung des Zimmers verwendet wird, wird der Werth des Brennmaterials auch fast vollständig ausgenützt. Die Heizung ist demnach eine sehr billige. Diese Bäcker'schen Oefen haben vor den gewöhnlichen eisernen Oefen außer⸗ dem noch den Vortheil, daß sie leine Bedienung oder Auf⸗ sicht und keinen Kohlenkasten neben sich erfordern, daß sie in den betreffenden Räumen weder Staub noch Rauch erzeugen und daß man nicht durch ausstrahlende Wärme belästigt wird. Vor den Kachelöfen aber haben sie den Vortheil, daß der Temperaturgrad des Zimmers genau regulirt, also ganz in das jedesmalige Belieben des Be wohners gestellt werden kann, und daß sie leicht aus einem Hause in ein anderes sich transportiren lassen.

2 Lampen⸗Cylinder. Jedermann, der mit Lampency'indern umgeht, weiß aus Erfahrung, daß manche Sorten eine monate- ja jahrelange Dauer haben, während andere von anschetnend ebenfalls guter Qualität schon nach kürzester Zeit ohne auffallende Ursache springen. Der wirkliche Grund dieses Umstandes liegt in dem dazu verwendeten Material, indem das eine Glas stark kalkhaltig ist, das andere hingegen nur Sputen von Kalk, dagegen viel Blei enthält. Das aus kieselsaurem Kalk geserligte Glas zeigt ungefähr folgende Verhältmisse: Sand 100, Soda 45, Kalk 20 25, Salpeter 7 10; kein Blei. Da der Kalk ein Nichtwärmeleiter ist, so er⸗ leidet der Cylinder durch die Erhitzung nur eine geringe Ausdehnung; springt er bei der allmähligen Erhitzung auch nicht bei der Lampe, so wird das Glas doch nach kurzer Zeit so spröde, daß es oft beim Putzen trotz der größten Sorgfalt bricht. Bei mit kieselsaurem Bleioxyd zusammengesetztem Glas fand man das annähernde Ver⸗ hällniß: Sand 100, Blei 40-50, Soda 20 25, Sal⸗ peter 10 15, von Kalk nur Spuren. Das dehnbare Blei ist ein guter Wärmeleiter und die durch diese Zu sammensetzung fabricirten Cylinder werden bei der stärksten Erhitzung eher schmelzen als springen. Um den kalkartigen Cylinder von dem Bleicylinder zu unterschriden, darf man ihn nur schwebend aufhängen und mit einem harten Gegenstande leise daran schlagen; der Ton des Bleicylinders wird weich und glockenähnlich klingen, der des Kalk⸗ cylinders hingegen kurz und hart. Der Unterschied im Preise mag etwa 30 40 0 betragen. Obgleich das sog. Ausglühen der Lampencylinder ein vorzügliches Siche⸗ rungsmittel gegen das Zerspringen derselben ist, so werden sie diesem Prozeß in den Glasfabriklen wohl nur selten unterworsen. Ob Glas ausgeglüht ist, läßt sich unter einem stark vergrößernden Mikroskop leicht erkennen; die Parfikelchen erscheinen dann geschlossen und dicht, während ungeglühtes Glas dieselben mehr getrennt und zerfahren zeigt.

2% Seltenheit und Kostbarkeit der Lein⸗ wand in alter Zeit. Als die Gräfin Anna von Württemberg den Grafen Philipp von Katzenelnbogen heiralbete, bekam ste zur Aussteuer neost vielem Andern 6 Tischtücher, 12 Handtücher und 3 Paar größere Leilache (Betttücher). In Frankreich war die Gemahlin des Königs Karl VI., eine geborne Prinzessin von Bayern, die erste und einzige Person, die zwei leinene Hemden hatte. Selbst angesehene Herrn und Frauen schränkten sich auf ein Hemd ein, und mußten so lange im Bette liegen bleiben, bis das Hemd gewaschen und getrocknet war.

Ueber die Erkennung der Aechtheit der Chocolade. Kein Nahrungsmittel unterliegt einer so häufigen Verfälschung wie die Chocolade. Erwägt man, daß 1 Pfund reine Cacgomasse wenigstens 48 br. kostet, und gegenwärtig Chocolade per Pfund zu 2830 kr. im Handel zu haben ist, so ergibt sich schon dargus, daß es unmöglich ist, für letzteren Preis Chocolade zu liefern; dies kann nur ein Product sein aus fein gemahlenen Cacaoschalen) geröstetem Mehl, Rindschmalz und etwas Gewürz. Auch ist zu bemerken, daß die so vielfach an; gepriesenen ächten Chocoladen, trotz der Preismedaillen der berühmten Firmen nicht selten verfälscht sind. Die ächte Chocolade, die gewiß zu den nahrhaftesten und der Gesund⸗ heit zusräglichen Getränken gehört, ist zu erkennen durch folgendes Verfahren: Man erhitze 3 Lolh Chocolade mi 1 Schoppen Wasser zum Kochen, läßt dann die Lösung erkalten, wobei sich ein röthlich brauner Absatz Lildel; hierauf gießt man sie durch gewöhnliches Filtrirpapier. Die Flüssigkeit fiitrirt ziemlich schnell durch, das Filtrat erscheint klar und hellroth gefärbt, besitzt einen angenehmen süßen Geschmack nich Cacao, und auf dem Filtrum bleibt eine braune Masse zurück, die nach dem Trocknen ein leichtes, röthlich-braunes, nicht zusammengebackenes Pulver

zurückläßt. War dagegen die Chocolade verfälscht, so

al mit Steinkohlen geheizt. Die hochaufgeschütteten Kohlen] Masse zurückläßt. Je mehr

filtrirt nur sehr langsam eine trübe, f be

Flüssigkeit von widerlich süßem Geschmack auf

dem. Fil 5.

langsam austrocknet und eine zähe e ene nit geröstetem

die Choc dla verfälscht war, um so zäber ißt die

2

Staats gehalte in 9 5(Aus der Zukun 9 1 8 4 Die schwierige Aufgabe, Frankreich zu regieren und zu moralisiren, will bezahlt sein und wie vorzüglich bort moralisirt und regiert wird, mag aus folgender Gehälter⸗ Statistik hervorgehen. Ihn selbst nebst den Setinigen lassen wir bei Seite; wer das Glück hat, führt die Dotation heim. Es beziehen aber unter dem Kaiserreich Nr. 2:

der Marquis de Lavaleite als Minister und

auswärtiger Friedensprediger 100,000 Fr. als Mitglied des geheimen Raths. 75,000 als Senator N e eee

Im Ganzen 205,000 Fr. Herr Troplong bis an seinen Tod, nachdem er trop long gelebt hatte, als Präsident

des Sense... als erster Präsident des Kassationshofes 33,000 als Senger%. eee 0,00 0%

als Mitglied der Akademie und Erfinder der Kaiserlichen Demokratie.. 1.500 Zusammen 194,500 Fr.

Der Knecht Gottes Darboy, als Erzbischof

von Paris, nebst anständiger freier Wohnung 50,000 an Ditzesangetierern n, 1.000 als Großalmosenier Sr. Majestät.. 100,000 Sendto e Summa 181,000 Fr.

Herr Haußmann als Präfekt, Senater und für Repräsentation, nebst Stadt⸗ und Landhaus, aber ohne die Mäklergeschäfte

in alten neff, 180,000 Fr. Herr Rouher als Staatsminister und Vice⸗

kaiser 1 αανν. 750... I130,000 Fr. ds Sena lor UU

Total 160,000 Fr. Ehren-Baroche als Minister(freie Wohnung exlrad iner b 100,000 Fr. als Seiter) e, e ee 130.000 Herr Magne zieht sich vom Budget ab, item 130,000 Wohnung und Einheizung in und außer der Kammer extra. Herr Duruy als Minister.. 100,000 Repräsentauon, Empfang verhungernder Lehrer u. s. w.(wohnt leidlich frei). 20,000 120,000 Herr Grenier, dito 120.000 Herr Rouland, Bankgouverneur. 60,000 rr 88 30,000 90,000 Fr. Herr Maret de Bassano als Groß⸗Kämmerer 60,000 als Senats.a 30% 0 90,000 Herr Cambacérss, Ober⸗Ceremonienmeister 60,000 A Sed nööüöü i 90,000 Herr de Royer, als erster Präsident des Rechnungshofes. 35,000 als Senator: e. e 30,000 65,000 Herr de Casabianca, Generalprokurator des Rechnungshofes, itmmm 65,000 Heir Delangle, Generalprokurator am Kassa⸗ tionshosen e ee een eee als Senn lor 1. 30 00%, als Miiglied des Institutiss 1.500 66 500 Fr. Herr de Bonald als Erzbischo.. 20.000 e e 10,000

Diözesange bühren. 1.000 ls Sa ter? d. l (Freies Quartier.)

61,000 Fr Herr Donnet, dito, dito 61,000 Herr Billie, bild, dito Herr Mathieu, dito, dito 61,000 Heir de Bonnechose, dito, dito 61/000

So leben sie, so leben sie alle Jabre. Da sind 20⁰ Menschen, welche zusammen ein Gehali von 2,194,000 Fr.

jährlich.

Und dann liest man imBülletin des Lois, daß aus purer Gnade bekommen haben: Franz Biot, Lehrer, 73 Jahre alt, von denen 49 Dienstjahre, eine Pension von 100 Fr., Donval, 74 Jahre alt, von denen 50 Dienstjahre eine Pension von 51 Fr.!

Vorschuf- und Credit-Verein zu Friedberg. Geschäftsbericht pro April 1869.

Einnahme. Ausgabe. fl. 5941. 54 kr. Discontirte Wechsel fl. 6,955. 58 kr. 6,679. Conto Corrent8,928. 30 e Depositen 807., 6,293. 42Darlehen u. Spareinlagen 5,842. 6,602. 34, Wechsel⸗Incasso dere,

Mitgliederzahl: 472.

beziehen. Macht im Durchschnitt auf Jeden 109,700 Fr.

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