Ausgabe 
6.2.1869
 
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zu irgend einer Zeit mit einem solchen Comite In Verbindung gestanden.

In der Geschichte des Lic. Dr. Preuß muß Manches räthselbaft erscheinen. Wie konnte dessen Thun so lange unentdeckt bleiben, und mit wessen Hülse gelang ihm die Flucht? wenn er nicht gar noch in nächster Nähe in sicherem Ver⸗ steck ist, wie behauptet wird. Was aber über alle Begriffe geht, das ist die Erklärung des Professors Hengstenberg in der beregten Sache. Das Strafgesetzbuch, erklärt der fromme und gelehrte Herr, habe mit dem Verbalten des Preuß nichts zu thur, und wenn derselbe sich schuldig bekannt, so sei diesvor dem Richterstuhl des sehr zarten christlichen Gewissens geschehen. Das wäre denn eine neue Species vonsehr zartem christlichem Gewissen!

Wiesbaden. Den wiederholten Nachrichten über die Höhe der Gerichtskosten reiht sich nach folgende Darstellung desFr. Journ. über das Steuerbeltreibungswesen in Nassau an, die wegen

der ungemeinen Wichtigkeit des Gegenstandes, weitere Verbreitung verdient. Dieselbe wirft böse Schlagschatten auf die gerühmte Einfachbeit der preußischen Verwaltung, und wäre eine Wider legung von competenter Seite eine recht erwünschte Sache. Das genannte Blatt schreibt: In dem Herzogthum Nassau bestanden seiner Zeit 28 Re cepturen. Dieselben vereinnahmten nicht allein die Gefälle des Steuerfiscus und der Domänen, sondern auch die Gelder des Landesbank, deren Agenten sie waren; außerdem fungirten sie noch als Einnehmer der 3040 öffentlichen Fonds, wie Central⸗, Studien-, Wittwen- und Waisen⸗ Fonds ꝛc. Auch bestritten sie für das Finanz- Collegium, die Landesbank und sämmtliche andere Fonds auf deren Weisung die Ausgaben in ihren Einnahmebezirken. Das ist jetzt anders geworden. Neben 13 Domänenrentereien haben wir jetzt wenigstens 50 Steuer⸗Erhebungen, außerdem noch eine schöne Anzahl von Gerichtskosten⸗Recepturen; der Oberförster, welche die Forstgefälle verein- nahmen, gar nicht zu gedenken. Alle diese Stellen sind mit Ober- und Unterbeamten ausreichend besetzt und geschrieben wird so tapfer, als wie früher; wenigstens werden Formulare ausgefüllt, die dann wieder revidirt, controlirt und super- revidirt und supercontrolirt werden. So ist denn auch die Bielschreiberei nicht verringert worden.

Oesterreich. Prag. Am 3. d. ist der Nachteilzug bei Biechowitz entgleist. Drei Per- sonenwagen stürzten die Böschung herab, wodurch 8 Personen schwer und 22 leicht verwundet wurden.

Frankreich. Paris. DieUnion läßt sich aus Burgos den Mord in der Cathedrale in ihrer Weise darstellen. Nach ihr hat die ganze Bevölkerung von Burgos und nicht die Geistlich keit den Mord des Civilgouverneurs verübt. Zwei Tage vorher habe er sich nämlich in dem Nonnen- kloster de Las Huelgas allerlei Unziemlichkeiten und in der Kirche daselbst verschiedene Profana tionen erlaubt, was eine solche Erbitterung bei der Bevölkerung hervorgerufen habe, daß man, als er sich nach der Cathedrale begab, über ihn hergefallen sei, um ähnliche Entweihungen daselbst zu verhüten. Nicht der Geistlichkeit, sondern der Regierung falle darum die Verantwortlickkert für das Attentat zur Last. Warum hat sie auch die Beschlagnahme von der Kirche angehörenden Ge- genständen angeordnet!

DerGaulois veröffentlicht folgendes auffallende Telegramm aus Madrid, 1. Februar: Angesichts des Auftretens der Reaction und der Schwierigkeit, einen für die ganze Nation annehm⸗ baren Throncandidaten zu finden, haben alle liberalen Fraktionen beschlossen, die oberste executive Gewalt einem Triumvirat anzuvertrauen. Die Generale Prim und Serrano und Herr Rivero werden wahrscheinlich dieses Directorium bilden.

In Folge dieser Entscheidung kann man sagen, daß die Republik wenigstens indirckt proklamirt ist.

DasJournal offiziel übergeht die letzten Verhandlungen des preußischen Landtags über die Güter der depossedirten Fürsten und die in diesen Verhandlungen von dem Grafen Bismarck gehal⸗

tenen Reden mit Schweigen, was diePresse als bedrohliches Symptom erwähnt.

DieFrance äußert sich über die Biswarck⸗ schen Reden sehr unwillig. In erster Reihe ver übelt sie es allerdings dem König Georg und dem Kurfürsten von Hessen, daß sie sich überhaupt wegen ihres Privatvermögens in Unterhandlungen mit dem Sieger eingelassen hätten; darum ist sie aber von der Sprache des Grafen Bismarck nicht minder gekränkt und spricht in Ausdrücken, die sich nicht wiedergeben lassen.

DerTemps wünscht, daß die französische Regierung im gesetzgebenden Körper wegen der zwiefachen Aeußerung des preußischen Premiers, daß Europa im vergangenen Jahre am Vor- abende eines Krieges gestanden hätte, interpellirt würde.

DasJournal officiel schreibt:Eine telegraphische Depesche aus Algier meldet, daß eine Schaar der Ouled-Sidi-Sbeikh bei den Ouled⸗-Sidi Nacun, am Fuße des Djebel⸗Amona, eingefallen ist. Die Militärbehörde in Lagouat, Geriviae und Tiaret hat sosort die nöthigen Maßregeln getroffen, um die Friedensstörer ein zuschließen und diese Bewegung niederzuhalten.

Eine neuere Depesche aus Algier meldet: Der Commandant von Lagguat hat mit 1200 Mann ein Corps von Insurgenten, bestehend aus 3000 Reitern und 800 Fußtruppen, am 1. Febr. 15 Meilen westlich von Laghuat vollständig ge schlagen. Der Feind verlor viele Todte. Auf französischer Seite sind zwei Offiziere und acht Soldaten verwundet worden. Die bedrohte Ruhe ist somit vorläufig wiederhergestellt.

DiePatrie meldet, daß das Cabinet von Athen, nachdem ihm die offiziellen Dokumente, die Graf Walewski überbracht hat, mitgetheilt worden sind, eine Ministerrathssitzung unter Vorsitz des Königs abgehalten hat, die sechs Stunden dauerte. Einer der Minister schlug vor, das Land durch allgemeine Abstimmung zu Rathe zu ziehen; jedoch ging dieser Vorschlag nicht durch, besonders weil eine solche Abstimmung zu viele Vorbereitungen und zu viel Zeit erfordern würde. Es scheint keinem Zweifel mehr unterworfen zu sein, daß die hellenische Regierung vollständig bereit ist, den Wunsche der Mächte sich zu fügen, es handelt sich nur noch um die Form, in welcher der Beitritt zu erklären wäre.

DieN. fr. Pr. berichtet, daß sämmt⸗ liche diplomatische Vertreter in Athen sich in der energischen Unterstützung der Schritte des dortigen französischen Gesandten begegnen.

DerMoniteur de l' Armee berichtet, daß man in Saarlouis kürzlich den 100. Geburtstag des Marschalls Ney mit einem Bankett gefeiert hätte. In einem der Toaste hätte es geheißen: Kinder von Saarlouis, obwohl durch die ver bängnißvolle Macht der Ereignisse von unserm Mutterlande getrennt u s. w. Bei diesen Worten, fügt derMoniteur de l' Armee hinzu, erbebte die ganze Versammlung von Patriotismus.(11)

Großbritannien. London. Nach dem

Standard ist König Georg trotz der Beschlag nahme immer noch kein armer Mann. Bei Zeiten hahe er Sorge getragen, alle werthvollen Sachen in Sicherheit zu bringen, und die 600,000 L. in Consols seien außer dem Bereiche der preußi⸗ schen Regierung. DerStandard bezweifelt, ob es Bismarck gelingen werde, den Welfen so bald mürbe zu machen. Wenn auch sein wenn⸗ gleich bedeutendes Einkommen eine Ausgabe von 300,000 Thlr. jahrlich für die Welfenlegion für die Dauer nicht ertragen könne, so bliebe noch das Mittel der Geldaufnahme und der Veräußerung von Werthgegenständen. Schade um das um⸗ sonst ausgegebene Geld. Ein offizielles Telegramm aus Athen meldet, daß der König zur Annahme der Conferenz Deklaration entschlossen sei und eine Cabinets krisis riskire.

Die Berichte über den jüngst stattgefundenen Sturm melden die Verstörung von Küstendämmen und die Ueberfluthung von Strand Eisenbahnen im Süden Englands am irischen Meeresufer.

stitutionel baben sich die Vertreter der fremden Mächte durch die Insulten gegen den päpstlichen Nuntius zu einer gemeinsamen Intervention bei

dem Ministerpräsidenten veranlaßt gesehen. Nach den Angaben derNacione wären indeß die diplomatischen Beziehungen zwischen Spanien und dem päpstlichen Hof bereits abgebrochen, indem die Regierung dem Nuntius seine Pässe zugestellt und ihren Botschafter in Rom abgerufen habe. Nach anderer Angabe ist der Nuntius in feier lichem Zuge zur Nuntiatur zurückgekehrt.

Die Königin Isabella mag sich freuen. Sie hat noch ein Volk von Getreuen, nur ist es gar zu entfernt. Die Bewohner der Philippinen (Spanien gehörige Inseln im chinesischen Meer) halten fest an ihr und weigern sich hartnäckig, die Erfolge der Revolution im Mutterlande an zuerkennen. Ein spanischer Offizier soll dort sogar eingekerkert sein, weil er sich weigerte, am Namenstage der Königin, deren Sturz bercits offiziell angekündigt war, die übliche Galauniform anzulegen.

Nachrichten aus Catalonien melden den Einfall mehrerer Carlistenchefs in spanisches Ge⸗ biet. Es wurden denselben Truppen aus Bar- celona entgegengesandt.

Italien. Wie man derCorr. Havas aus Rom schreibt, fährt man dort fort, Munition für die päpstliche Armee in Empfang zu nehmen. Skit dem 18. Januar waren 125 Kisten mit Flinten. Patronen und andern von den katholischen Comites abgesandten Gegenständen eingetroffen. Der Effektivbestand der päpstlichen Armee ist jetzt ungefähr 16.000 Mann, wovon die Hälfte etwa Römer und Italiener sind. Man spricht in dieser Armee nicht weniger als 17 verschiedene Sprachen. Wie es scheint, werden der Herzog und die Her- zogin von Mouchh wirklich in Rom erwartet.

Griechenland. Eine Depesche aus Athen besagt, daß das Cabinet Bulgaris die Entscheidung der Conferenz verworfen und seine Demission gegeben haben soll.

Das JournalSerbia constatirt in einem anscheinend inspirirten Artikel aus Belgrad die Resul⸗ tatlosigkeit der Conferenz und stellt für den Fall eines türkisch-griechischen Krieges in Aussicht, daß

Bosnien, die Herzegowina und Montenegro in die Action eintreten werden Demnach scheint das Ende des griechisch-türkischen Conflikts doch noch nicht so nahe, wie verschiedene Nachrichten glauben machen konnten. Nichts ist übrigens weniger beneidenswerth, als die Stellung des Königs von Griechenland. Gibt er der Con serenz nach, so hat er sein Volk gegen sich; folgt er der öffentlichen Meinung Griechenlands, so das Unternehmen ist eben doch ein schwieriges. Einstweilen scheint Zeit gewonnen, Vieles ge⸗ wonnen. Mittlerweile läßt man die Gährung in den suzeränen Staaten Serbien und Rumänien und in den europäischen Provinzen der Türkei noch weiter wirksam sein, und Rußland arbeitet fleißig an seinen Eisenbahnen nach Süden. Was heute noch schwierig erscheint, ist morgen schon leichter, und aufgeschoben ist nicht aufgehoben Es wird schwer halten, die Agitation, die sich der Völker ver griechischen Kirche gegen die Tülkei bemächtigt hat, zu bannen, und wenn auch der Besitz Constantinopels zu wichtig ist, als daß Europa ihn den Händen der Türkei so leicht ent⸗ winden lasse, die Losreißung von Thessalien, Macedonien ꝛc. 1c. und die völlige Lösung des lockeren Bandes, das Serbien und Rumänien noch an die Türkei knüpft, wird sich wie ein Natur- gesetz vollziehen. Die Türken hatten sich seiner Zeit eher am Fuße des Balkangebirgs festgesetzt, als sie Konstantinopel hatten; es dürfte die Zeit kommen, wo sie jene Gegenden aufgeben müssen, während sie noch im Besitz des letzteren sind, gleichviel welche Miene wir übrigen Europäer dazu machen werden.

Amerika. Die telegraphische Nachricht, daß die Einbringung einer Resolution zur An- nexion von Haiti und San Domingo im ameri⸗ kanischen Repräsentantenhaus angenommen worden

Spanien. Madrid. Nach demCon-

sei, wird in das Gegentheil berichtigt, nämlich:

wahrscheinlich auch Serbien, Bulgarien, Macedonien,

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