nahme des Mandates bereit. Weiter wurde von mehreren Seiten gewünscht, daß kein schroffet Parteimann gewählt werde, sondern ein Mann von der besonnenen und vermittelnden Richtung des Herrn Dr. Stockhausen. Zu unserer Freude wurde diese Ansicht von der überwiegenden Mehrheit der Herren Wahlmänner getheilt.(In- dem wir dieser Berichtigung einen Platz einräumen, glauben wir mehrere von verschiedenen Seiten eingesandte Zuschriften in gleichem Betreffe zurück— legen zu dürfen, da ihr Inhalt im Wesentlichen mit Vorstehendem übereinstimmt und den aus- gesprochenen Wünschen hierdurch unsererseits nach- gekommen sein vürste. Die Red.)
—6. Friedberg. Mit dem in der letzten Nr. des Anzeigers gemachten Vorschlage, Herrn M. Kuhl von Butzbach zum Landstand zu wählen, ist Einsender dieses, wie die meisten Friedberger nicht einverstanden und es dürfte geboten erscheinen, daß dieses alsbald öffentlich ausgesprochen wird. Wir glauben, daß bei der Wahl eines Abgeordneten in erster Linie Rücksicht auf die Interessen unserer Stadt genommen werden muß. Durch die Wahl des Herrn Kuhl scheint uns denselben in keiner Beziehung gedient. Wir sind daher schon aus diesem Grunde ganz entschteden gegen die Wabl des Herrn Kuhl, ohne andere nicht minder wichtige Bedenken vorläufig weiter hervorzuheben.
Preußen. Berlin. Ein Erlaß des Königs an den Cultusminister bestimmt, unter Bezugnahme auf die großen Bewegungen, welche gegenwärtig das religiöse Leben der Völker wie der Einzelnen aufweist und welche zu ernsten . drängen, daß der Geburtstag Luther's(10. November) künftig als allgemeiner Bettag in den evangelischen Kirchen Preußens gefeiert werden soll. Die„Kreuzzeitung“ bemerkt dazu, daß dieser Bettag nur als ein„rein kirch— licher Feiertag“ anzusehen sei, an welchem eine Enthaltung von bürgerlichen Geschäften nicht statt— zufinden hat— was jedenfalls als ein Vorzug dieser Institution anzuerkennen ist.
— Im Abgeordnetenhause wird der Antrag Ebertp's, die Einführung der obligatorischen Civil, ehe betreffend, einer besonderen Commission über— wiesen. Lasker beantragt die Aussetzung des gegen Guido Weiß wegen Preßvergehens ein- geleiteten Strafverfahrens. Der Antrag wird in der Schlußberathung erledigt werden.
Baden. Karlsruhe. In der zweiten Kammer fand die Berathung des Berichts(Re— serent Huffschmidt) über den Gesetzentwurf, die Erweiterung der Gerichtsbarkeit der Schwurgerichte hinsichtlich der politischen und Preßvergehen be⸗ treffend, statt. Der Antrag, diese Ausdehnung zu genehmigen, wurde mit allen gegen zwei Stimmen angenommen.
Oesterreich. Der„N. Fr. Pr.“ wird aus Cattaro, 29. Oct. Abends telegraphirt:„Bei den Gefechten am 25. und 26. waren die In- surgenten mit Herzegowinern und Montenegrinern über tausend Mann stark. Im Dragali entspann sich ein blutiger Kampf; die Truppen hielten sich ungemein brav. Gefallen sind 2 Offiziere und 20 Mann, verwundet 3 Offiziere und 60 Mann. Der Verlust der Insurgenten ist stark. Die Her— zegowiner formiren Banden, der Kreis Ragusa ist bedroht. Die Leichen gefallener Soldaten wurden von den Insurgenten lannibalisch ver— stümmelt. Türkische Truppen stehen an der alba⸗ nesischen Grenze.“ Nach demselben Blatte ist Generalmajor Graf Auersperg zum Oberbefehls- haber in Dalmatien bestimmt,
— Aus Cattaro bringt der„Wanderer“ folgende interessante Notizen: Die Insurgenten lagern auf den Gebirgen, getheilt in kleine Gruppen von 30—40 Mann; ihr Führer heißt Broneic und ist ein sehr reicher Bauer von Zuppa. Ein hoher, schöner Mann, leitet er mit zwoͤlf anderen intelligenten Bocchesen den ganzen Aufstand, welcher nur von 1800 in Waffen tüchtig geübten jungen Leuten geführt wird. Jeder Mann besitzt ein Gewehr, ff
drei bis vier Pistolen(die Waffen Ardonnaz ist acceptirt worden.
malerisches, mit Gold und Silber gesticktes orienta⸗ lisches Costume; mit Nahrungsmitteln sind sie reich- lich versorgt. All ihr Vieh, Esel, Ochsen, Schafe und Schweine haben sie, sowie ihre Familien nach Grahovo(türkisches Gebiet) geschickt. Eine Abtheilung wird von der andern durch einen Gewehrschuß verständigt, und durch Boten über jede Disposition des Befehlshabers mündlich in Kenntniß gesetzt. Wenn ein Lloydampfer durch den Canal von Cattaro zieht, wird von jedem
Gebiegshügel ein Schuß abgefeuert als Signal,
aber nicht gegen die Passagiere oder das Schiffs- personal. Wenn sie eines Kriegsdampfers mit Truppen ansichtig werden, so wird er mit zwei Gewehrschüssen avisirt. Alle Straßen, selbst die kleinsten Wege, haben sie durch hingeworfene Steinmassen unfahrbar gemacht. Rings um ihre befestigten Lager haben sie tiefe Gruben gemacht, so daß ihnen schwer beizukommen ist. Gegen solche Streitkräfte wird unsere Armee schwere Kämpfe zu bestehen haben, man vernichtet sie zum Theil schon mit Steinmassen, die von den Hügeln geworfen werden, ohne daß ein Gewehrschuß fällt.
— Nach den Berichten der Wiener Blätter ist an die Kommandanten der in Süddalmatien befindlichen Streitkräfte die Weisung ergangen, sich, bis nach dem Eintreffen erheblicher Ver stärkungen die Vornahme größerer Operationen möglich sei, auf die Defensive zu beschränken.
Cattaro. Nachrichten vom 1. Nov. melden: Die kaiserlichen Truppen haben auf mehreren Punkten Stellung genommen; in Folge dessen hat bereits eine Deputation aus der Zuppa Unter— werfung angeboten. Es ist Hoffnung auf fried— liche Unterwerfung der ganzen Zuppa vorhanden.
Frankreich. Paris. Der„Public“ er klärt das Gerücht von einem Rückfall, welcher im Befinden des Kaisers eingetreten sein soll, für ent— schieden falsch. Derselbe empfand am Freitag leichte rheumatische Schmerzen, welche ihn am Sonntag wieder verlassen haben,
— Das„Parlement“ erhält aus London fol; gende Depesche:„Die Berichte, welche die Re⸗ gierung der Königin seit einigen Tagen von ihten Agenten empfängt, geben zu Besorgnissen Anlaß. Die Kabinette von Wien und St. Petersburg siad von den Noten und Aufschlüssen, die sie un⸗ auf hörlich austauschen, nicht nur seit dem Auf stande in Dalmatien, sondern schon seit dem Tage, da der russische Hof Kenntuiß von dem Vorhaben des Kaisers Franz Joseph, nach dem Orient zu reisen, erhalten hat, nicht zufriedengestellt. Fürst Gortschakoff hat auf seiner Durchreise durch Berlin den Besuch des österreichischen Gesandten, Grafen Wimpffen, erhalten und mit diesem eine lange Unterredung gehabt, die indeß ohne sichtliches Resultat im Sinne einer Verständigung geblieben sein soll.“
— Die„Liberte“ sieht mit großer Besorgniß dem 3. Dezember entgegen; dieser Tag, will sie wissen, sei von den Unversöhnlichen ausersehen, einen großen Schlag auszuführen; die Kammer werde dann eröffnet sein und die Herren Bancel, Esquiros, Gambetta und Raspail würden am Todestage Baudin's den„Act“ ausführen, welchen sie ihren Wählern versprochen hätten.
— Der„Gaulois“ will wissen, daß der Papst dem Pater Hyaciathe einen seiner geheimen Kämmerer nachgeschickt habe, der ihm einen eigen- händigen Brief übergeben soll.
— Man weiß bereits, berichtet der„Gaulois“, daß der Kaiser am 27. November Compiegne verlassen und in den Tuilerien seine definitive Wohnung für den Winter nehmen wird. Der Kaiser hat die Kaiserin telegraphisch aufgefordert, das Ende ihrer Reise nicht zu beschleunigen.
Spanien. Madrid. In einer privaten Versammlung der Majorität erhielt der Herzog von Genua 128 Stimmen gegen 52 Stimmen. Viele Deputirte waren abwesend. Man glaubt, daß der Herzog von Genua in den Cortes im Ganzen 180 Stimmen erhalten werde.
— Die Demisston der Minister Silvela und
f Martos ist zum
nach dem neuesten System), Handjar und kleinere Minister des Aeußern, Figuerola wieder zum
scharf geschliffene Messer; gekleidet sind die Leute in ihr
Finanzminister ernannt worden.
Friedberg. Zu den aus der Main- und Rhein⸗ gegend kommenden Berichten über die an den letzten Tagen flattgehabten Erdbeben können wir hinzufügen, daß in Nacht vom 1. auf den 2. Nov.% auf 12 Uhr eine mehrere Secunden dauernde Erderschütterung auch hier mehrseitig beobachtet worden ist, und wurde hierbei ein Sausen eiwa wie ein vorüberfahrender Eisenbahnzug gehört. Ebenso fand am Abend des 2. November um ¼ 10 Uhr eine
von vielen Seiten wahrgenommene sehr heftige wellen
förmige Erschütierung von längerer Dauer stati.
Vom Dorheimer Bergwerk erhalten wir solge Notiz: Bei uns micht sich seil Sonntag Abend das E beben tüchtig fühlbar. Am genannten Abend ½6 Uh verspürten wir einen tüchtigen Stoß, bei dein alle Fenst zusammenschwierten. Dienstag ½ vor 12 Uhr war gleichfalls ein heftiger Stoß fübloar und Dienstag Abends 9½ Uhr ein so gewaltiger, daß alle Mö el in Vewegung geriethen.
» Friedberg. Noch den vorliegenden Zeikungs⸗ berichten sind in den Nächten vom 30. und 31. October
an vielen Orten wie in Gießen, Frankfurt, Offenbach,
Mainz, Wiesbaden, Darmstadt und Umgegend theilweise sehr heftige Eroͤstöße beobachte! worden. Der„Gießener Anzeiger“ meldet darüber vom 1. November: Am Aba dieses gegen halb 6 Uhr etwa merkte ich mit meing Familie ruhig um den Tisch sitzend und bei pollständiger Ruhe im ganzen Hause, ein plötzlich(wellenförmiges) Wanken des Hauses in der Richtung von N. W. nach 8. O0. un⸗ gefähr. Das Krachen einer geschlossenen Thüre ging dem Wanken unmittelbar voraus und erregte zunächst unsere Aufmerksamkeit. Ich schloß sofort, daß eine Erderschütterung flattgefunden und erfahre eben durch Andere, daß in ver— schiedenen Häusern ähnliche Beobachtungen gemacht worden seien. Auch zwischen 4 und 5 Uhr heute Morgen will Jemand eine Erschütterung bemerkt haben.— Das„Frank. Journal“ schrelbt gleichfalls vom 1. November: Die an demselben Abend um 5 Uhr 25 Min,
flöze wurden von sehr vielen Personen sowohl im Freien als auch in geschlossenen Räumen verspürt. Im West⸗ ende der Stadt ist die Bewegung als eine sehr heftige empfunden worden. Ein Bewohner des Gulolethplatzes schildert uns den Eindruck folgendermaßen: Wir saßen im zweiten Stockwerk unserer Fünf, um einen runden Tisch versammelt, als uns plötzlich ein hefliger Ruck wie ein electrischer Schlag durch den Körper ging. Gleich⸗ zeitig geriethen die Stühle und der Boden unter unseren Füßen in eine deullich fühlbare schwankende Bewegung, die Fenster des neuen solid in Stein gebauten Hauses er⸗ klirrlen, wie von einem heftigen Sturmwind erfaßt, und die Thüren erdröhnten, wie wenn im selben Stockwerk eine entfernlere Thüre mit aller Gewalt zugeworfen wird.— Am 1. November früh, kurz nach 4 Uhr, wurde hier ein ziemlich heftiger Exdstoß verspürt. Feststehende Gegenstände im Zimmer rasselten wie von der Erschütterung eines vorlberfayrenden wuchtigen Wagens. Auch bemerblel wir sehr deutliches Geräusch ähnlich dem langsamen Niedersallen eines schweren Teppichs. Die Zeildauer schätzten wir auf höchstens zwei Secunden.— Auch aus Großgerau wird vom 2. November gemeldet: Hier hal in vergangener Nacht gegen 12 Uhr ein so starkes Erdbeben staltgefunden, daß massiv gebaute Häuser in arge Erschütterung geriethen und die Einwohner sich in's Freie flüchten mußlen. In dem Hause eines Metzgers wurde ein aus starken Quadersteinen gebauter Wasserbe⸗ hälter durch den Erdstoß zum Bersten gebracht, so daß der Inhalt sich in die Straße ergoß; an anderen Gebäuden stürzten die Schornsteine ein. In der Nacht erfolgten daun noch drei weitece Erdstöße von geringer Gewalt.
— Auch in der Nacht vom 1. zum 2. November wur⸗ den an vielen Orten gegen 11 Uhr mehrere Erdstöͤße beobachtet.. Aus Frankfurt, Ossenbach, Aschaffenburg, Heidelberg, Mannheim, Ludwigshafen, Wiesbaden, dem Rheingau, Ems, Schwalbach, Idstein, Soden, Limburg, Runkel, Dietz, Darmstadt, Großgerau, Lindenfels, Fürth, Erbach und noch vielen andern Orten Staxkenburgs kommen ziemlich gleichlautende Nachrichten, welche bestäligen, daß diese Erdstöße sich so ziemlich über ganz Hessen und Nassau erstreckt haben.
H. Bodenrod. Dieser Tage schied aus unserer Mitte der in unserer Gemeinde sehr beliebte Lehrer Wagner in Folge seiner Ernennung zum Lehrer an der neu er: richteten Schule zu Nauheim. Wir sind demselben zu großem Danke verpflichtet, indem er als Lehrer mit Lebe und Ausdauer Tuüͤchtiges zu leisten verstand, und auch durch Gründung eines Gesangvereius dahier sich viele Freunde eiworben hat. Seinen allzufrühen Verlust bedauern de halb die Einwohner Bodenrod's aufrichtig und wünscheh nur, daß ihm in seinem neuen Wirkungskreise eine seinen Leistungen und Verdiensten würdige Stellung zu Theil werden möge.
Frankfurt. In der hiesigen Augenheil- Aussalt wurden vom 1. October 1868 bis 30. September 1869 zusammen 676 Kranke behandelt. Von diesen wurden 68 in der Anstalt verpflegt und verkößtigt. Auch in diese Jahre hatte sich die Augenheil-Anstalt manchen Beweises von Theilnahme Seitens der hiesigen Einwohnerschast zu erfreuen gehabt. Die Einnahmen beliefen sich auf 1817 fl., die Ausgaben 1791 fl. Neben der kalarrhalischen Entzündung der Bindehaut kam die militärische Augen entzündung am Metsten(53 Mal) zur Behandlung,
» Frankfurt. In der sebr zahlreich besuchten Vet sammlung des landwirthschaftlichen Monats Clubs erfolgte nach Genehmigung der vont Vorstande
vorgelegten definitiven Slatuten eine durch Herrn Oeconomterath Krämer aus Darmstadt eingeleitete Be⸗
sprechung der Frage:„Welche Einrichtungen empfehlen
In der Nacht von Montag auf
und die folgende Nacht um 4 Uhr 10 Min. stattgefundenen Erd⸗
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