Ausgabe 
3.8.1869
 
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Sechs hundert achtundvierzig Personen, welche durch Erkenntniß, des königl. Kreisgerichte zu Gnesen vom 13. Mai d. J. wegen Entziehung von ihrer Militärpflicht zu 50 Thlr. Geldbuße, event. 1 Monat Gefängniß rechtskräftig verurtheilt worden, werden von dem genannten Gerichte mit⸗ telst des heutigen Amtsblatts steckbrieflich verfolgt. Die 18. allgemeine deutsche Lehrerversammlung, welche dieses Jahr in Berlin abgehalten wurde, hat einen beträchtlichen Ueberschuß ergeben, so daß allen Theilnehmern der stenographische, 11 Bogen starke Bericht über die Verhandlungen zugesandt werden kann.

Aus einer Mittheilung derZukunft geht hervor, daß der berüchtigte Licentiat Dr. E. Preuß sich nach St. Louis(in den Vereinigten Staaten) gewendet hat und es ihm gelungen ist, im Ein⸗ verständniß mit den Orthodoxen daselbst an einem der ersten Colleges als Lehrer eine einträgliche und einflußreiche Stelle zu bekommen; er also auch dort sein heilsames Werk als Lehrer und Erzieher der Jugend fortsetzt.

DieKöln. Ztg. schreibt über das Sinken des preußischen Staatscredits: Die preußischen Staats papiere sind seit Ende 1852 dem Ein- tritt des Grafen Bismarck in das Ministerium kleine Erholungspausen abgerechnet, unablässig gesunken. Französische Rente und englische Con⸗ sols dagegen sind seit 1865 wieder im Steigen und haben den Cours von 1862 längst über⸗ schritten. Reducirt man zum Vergleich der Prozent preußischen Staatsschuldscheine und der 3 Proz. französischen Rente den Cours der Staats- schuldscheine im Verhällniß zum niedrigeren Zins- fuß der Rente, so steht gegenwärtig die letztere noch Proz. höher als der preußische Staats- schuldschein, wäbrend 1862 noch der letztere 9 Proz. höher stand. Zur Zeit hat also Preußen noch weniger Credit als Frankreich. Der Cours der 3 Proz. englischen Consols hat gegenwärtig bis auf/ Proz. den Cours der Proz preuß. Staatsanleihe eingeholt, während 1862 die Eng⸗ länder noch um mehr als 9 Proz. zurück waren. Preußen bezahlt also gegenwärtig seinen Slaats- credit um die Hälfte theurer als England, wie wohl die englische Staatsschuld noch eilfmal so groß ist, als die preußische.

Frankfurt. Nach einer Mittheilung der Prov. Corr. wird der König von Preußen bis Mitte August in Ems bleiben und sich dann nach Wiesbaden und Homburg begeben. An letzterem Orte wird er während der dortigen Manöver Wohnung nehmen.

Das Amt Hochheim hat in Folge des öfteren Erscheinens von Zigeunerbanden, mitunter in großer Anzahl, welche das Publikum durch Betteln und Zudringlichkeiten aller Art belästigen, die Bürgermeister angewiesen, da derartige Banden erfahrungsmäßig die öffentliche Ordnung und Sicherheit in hohem Grade gefährden, darauf zu halten, daß dieselben, gleichwohl ob sie mit Pässen und Gewerbescheinen versehen sind oder nicht, auf dem kürzesten Wege wieder über die Gränze geschafft werden, wo sie hergekommen sind. Das Visiren der Pässe und sonstigen Legitimations papiere ist unter allen Umständen zu vermeiden, auch den benachbarten Behörden von der erfolgten Ausweisung Kenntniß zu geben.

Bockenheim. Nach einem bekannt gewordenen Beschlusse des Kriegsministeriums soll für den Bau einer Capalleriecaserne zwischen hier und Rödel heim ein Areal im Umfang von 15 Morgen de finitiv erworben und im Herbst in Angriff genom men werden.

Oesterreich. Wien. DerKarlsr. Z wird geschrieben: Im Ministerrathe werden aus Anlaß der Krakauer Exeignisse gegenwärtig Maß-

regeln berathen, nicht die Klöster aufzuheben, denn sie stehen unter dem Schutz der Grundrechte, auch nicht die kirchlichen Genossenschaften dem Vereins- gesetz zu unterwerfen, denn das Vereinsgesetz schließt sie ausdrücklich von seiner Wirksamkeit aus, wohl aber um den Mitgliedern geistlicher Orden den Vollgenuß derjenigen Rechte zu Theil werden

und die Ordensmitglieder davon 9 l zu verständigen, daß der Staat den Willen und die Macht hat, ihnen diese Rechte zu sichern. Der Vereinzur Wahrung der Volks⸗ rechte hat in seiner letzten Plenarversammlung an⸗ läßlich der Begnadigung des Bischofs Rudigier folgende sehr zeitgemäße Resolutlon einstimmig beschlossen:Der Verein spricht die bestimmte Er⸗ wartung aus, das hohe Ministerium werde aus der Begnadigung des Bischofs von Linz Anlaß nehmen, die Allerhöchste Gnade auch an jene Uebertreter des Gesetzes der Preß und Redefrei- heit zu lenken, weiche den übrigen Schichten der Bevölkerung, namentlich aber der arbeitenden Klasse, angehören.

Lemberg. DerDebatte wird eine Kloster, affaire aus Westgalizien gemeldet, die vor 10 Jahren spielte. Hier wurde ein Mönch in einem Loche vermauert, und ihm ganz wie bei der Barbara Ubryk blos ein Unrathscanal und eine kleine Oeff⸗ nung freigelassen, durch welche der Unglückliche seine Nahrung erhielt. Der Nzeszower Kreis-. gerichtecommissär und Kreishauptmanns Stellver- treter Dr. Joseph Jerzabek erfuhr von dieser Unthat und ließ den unglücklichen Mönch aus seinem Grabe herausmauern, was natürlich mit der größten Schwierigkeit verbunden war, da da mals noch die glücklichen Zeiten des Concordats über uns schwebten. Trotzdem jedoch die Schand⸗ that hier so eclatant war, hatte das damalige Regime die Humanität des wegen seines Rechts-

sinnes und Liberalismus allgemein beliebten Dr. Jerzabek nicht ganz am rechten Platz gefunden und man befahl, den von den Mönchen zum lebendigen Grabe verurtheilten Mann wieder unter geistliche Jurisdiction zu stellen. Die Folge davon war, daß der befreite

Mönch drei Monate nach seiner Freilassung wieder verschwaud, und bis nun unter den auf der Oberwelt Wandelnden nicht mehr gesehen wurde. Es liegt somit die Wahrscheinlichkeit nahe, daß der Mann wieder eingemauert wurde, und somit entweder noch unter der Erde schmachtet, oder auf diese oder irgend eine andere Art zu Grunde gegangen. Jedenfalls dürfte Dr. Joseph Jerzabek, der durchaus nicht gesonnen sein wird, diese Schandthat zu verhehlen, oder nöthigenfalls die Acten Licht auf diese grauenhafte Geschichte werfen. Es wäre somit vielleicht noch angezeigt, wenn die Gerichte sich auch dieser Schandthat annehmen würden, wenn auch nur im Interesse des hier auf entsetzliche Weise verletzten Rechts. Auch erhellt daraus, wie zeiigemäß eine Einsicht in die Ge bahrung so manches polnischen als auch nicht- polnischen Klosters wäre. Die obigen Nachrichten erhielt der Correspondent derDebatte aus dem Munde des Dr. Jerzabek selbst.

Krakau. Das erste vom Untersuchungsrichter vorgenommene Verhör der inhaftirten Nonnen, der Oberin und der Oberin Stellvertreterin, dauerte ohne Unterbrechung volle 14 Stunden. Mit schwerer Mühe vermochte der Richter die drei Nonnen zu bewegen, den dichten Schleier ein wenig zu heben, damit er sehe, mit wem er eigent lich spreche. Die Oberin that es unter dem Vor behalt, es geschehe nur das eine Mal, und dies nur vor dem Untersuchungsrichter, konnte aber nicht umhin, dem Untersuchungsrichter Dr. Geb hard die Bemerkung zu machen,daß seit der französischen Revolution das erste Mal eine Nonne vor dem weltlichen Richter erscheine, worauf ihr der Richter erwiderte:Wir können froh sein, daß es ohne Revolution dazu gekommen ist, und daß wir in einem Staate leben, wo der christliche

wird.

tolles Zeug spricht. hat hie und da sogenannte lichte Zwischenräume, welche aber in der Regel nur ganz kurz anhalten. Die Gerichtsärzte geben noch immer die Hoffnung nicht auf, sie werde vielleicht die Besinnung wieder erlangen. Sie ist geboren im Jahre 1817 in Wengrow(in Russisch-Polen), genoß eine sehr

zu lassen, welche die Verfassung und das Gesetz allen Staatsbürgern ohne Unterschied, zugestehen,

gute Erziehung im Hause ihrer Eltern in Warschau,

Grundsatz der Gleichheit so streng durchgeführt Der Zustand der Barbara Übrßyk bessert sich mit jedem Tage, wobei sie jedoch noch immer Sie benimmt sich ganz ruhig,

und als die Eltern in die Partie ni

bara war damals eine wunderbare Se und Personen, welche ihrer Einkleivung als beiwohnten, erinnern sich noch heutzutage i prachtvollen Haares. Die Einkleidung geschah

sie flüchten wollte. dürfte die Untersuchung zu Tage fördern. sache jedoch ist, daß im Jahre 1848 aus dem

flüchten wollte. bara Übryk identisch sind? Höchst wahrscheinlich. Das Gericht hat die Ausgrabung und Unter- suchung des so plötzlich verstorbenen Beichtvaters des Carmeliterinnen-Klosters angeordnet. Der Tode würde jedenfalls den besten Aufschluß über die abscheuliche Geschichte haben geben können. Er starb scheint's zur gelegnen Stunde. Frankreich. Paris. DerMoniteur berichtet:Man spricht in diesem Moment in politischen Kreisen von einer allgemeinen Amnestie für politische Vergehen, welche gleichzeitig mit der Promulgirung des Senatusconsults, mit dem sich jetzt die Minister beschäftigten, erfolgen soll. Großbritannien London. Im Christall⸗ palaste soll am 1. September eineinternationale Ausstellung von Veloeipedes stattfinden, zu ber, wie es heißt, schon namhafte Anmeldungen in Händen des Comites sind. Außer den Wettfahrten und Turnieren umfaßt das Programm Berathungen über die Verwendung der Velocipedes zu praktischen Geschäftszwecken, über das Thema der Locomotion überhaupt u. s. w. 8 Spanien. Die Nachrichten aus den Pro- vinzen lauten beruhigend. Einige ausständische Haufen zeigten sich an verschiedenen Punkten, doch waren dieselben ohne Bedeutung und wurden überall verfolgt. Das Gericht zu Pampeluna hat mehrere Verschwörer zum Tode verurtheill.

1 Ossenheim. Am 30. v. Mts. Abends 10 Uhr brach in der gräflichen Ziegelei dahier Feuer aus, das sehr rasch um sich griff und mehrere Oekonomiegebäude in Asche legte. Wie man hört, soll das Feuer an mehreren Stellen gleichzeitig zum Ausbruch gekommen sein was den Ver⸗ dacht einer Brandstiftung wach gerufen hat. Die statt⸗ findende Untersuchung wird wohl Ausschluß geben.

K. Melbach. Der 31. Juli l. J. brachte uns zwar den langessehnten Regen, allein das heftige Gewitter setzte die Einwohner von Melbach in einen großen momen⸗ tauen Schrecken. Der Blitz schlug nemlich in das Wohn⸗ haus des Herrn K. Keil, zerstörte einen kleinen Theil des Dachwerks, suhr durch zwei Stuben des Hauses, wo er ein an der Wand hängendes Gewehr zertrümmerte ging alsdann an der Außenwand des Hauses her und beschädigte noch an dem dabei befindlichen Stall die Stall⸗ thüre und den Thürpfosten, ohne jedoch zu zünden. Seinen Weg hatte der Blitz von der Wetterfahne in das Haus genommen. Auffallend muß es erscheinen, daß der Blitz seit einigen Jahren schon mehrmals in Melbach, z. B. in 1867 in Zeit von 2 Tagen viermal, einschlug, in Folge dessen damals die Scheuer des Herrn W. Kleberger abbrannte. Mag diese Erscheinung der flachen Lage Melbach's zuzuschreiben sein oder durch seine theils hohen Gebäude, oder in anderer Weise erklärt werden könnnen, wir müssen die nähere Untersuchung den Gelehrten überlassen, wenn diese darüber überhaupt Aufschluß geben können.

Butzbach. Bel dem Baue einer Vicinalstraße nach Hochweisel verunglückte dieser Tage ein Mann, indem er von einer sich ablösenden Erdschichte überschüttet und getödtet wurde. Ein anderer Arbeiter wurde an den Beinen schwer beschaͤdigt.

Homburg. Wiederum wurden hier zwei Engländet ein Herr und eine Frauensperson, welche am Bahnhof in Gemeinschaft Portemonnaies escamotirten, verhaftet und sitzen hinter Schloß und Riegel. Es sind bis jetzt nut allein in hiesiger Stadt vier und in Frankfurt, Offenbach und Wiesbaden zusammen circa 68 euglische Taschendiebe in den letztwerflossenen Wochen zur Haft gebracht worden, und es scheint fast, als ob sich eine ganze Bande Londoner Industcieritter verabredet habe, unsere Gegend, und nament⸗

Gießen. Bekanntlich wurde vor zwei Jahren in Darmstadt ein mittelcheinischer Verband freiwilliger Feuer; wehren gegründet und im vorigen Jahre zu Worms für das Jahr 1869 Gießen zum Vor- und Festort gewählf⸗ Da nun em 6. und 7. September hier ein landwirlh⸗ schaftliches ßest statifindet, so hat die Generalversammlung

verliebte sich daselbst in einen jungen Studenten,

wollten, nahm Barbara den menen d der

junge Mann ging bingegen ins Ausland. Bar⸗

Anfange der 1840er Jahre; nun geschah es, daß, ihr einstiger Anbeter im Jahre 1848 mit vielen anderen Emigranten in Krakau eintraf, und, wie ein Gerücht wissen will, mit der nunmehrigen Nonne Barbara Übryk zu correspondiren begann. Die Correspondenz soll so weit gediehen sein, daß Wie viel daran wahr ist, That⸗

Kloster der Carmeliterinnen in Krakau eine Nonne Ob diese Nonne und Bar⸗

lich die Badeorte, in gegenwärtiger Saison heimzusuchen.

der hiesigen freiwilligen Feuerwehr beschlossen, den mit

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