heute für diese Alles in die Schanze schlagen werde. Die Rede wurde mit lebhaftem Beifall aufgenommen. 1
Preußen. Berlin. Im Reichstag wird bei der Fortsetzung der zweiten Berathung der Branntweinsteuer§. 3(Materialsteuer), Steuer⸗ erhöhung betreffend, abgelehnt. Bei§. 4(Fa- brikatssteuer) wird der Antrag Hennig's angenom- men, wonach die Steuersätze der Vorlage ab⸗ geändert werden auf 15, 14½, 13½ Pfg. Bei § 5 wird die Ausfuhrvergütung auf 12 Pfg. festgesetzt. Die übrigen Paragraphen werden wesentlich nach der Vorlage angenommen.
— 31. Mai. Im Reichstag wurde die zweite Berathung des Gesetzentwurfs, die Wechselstempel⸗ steuer betreffend, vorgenommen.§. 1 des Com- missionsantrags, wonach 1) vom Auslande auf's Ausland gezogene, nur im Auslande zahlbare Wechsel, M vom Inlande auf's Ausland gezogene, nur im Auslande, und zwar auf Sicht oder spätestens innerhalb 10 Tagen nach dem Aus⸗ stellungstage zahlbare Wechsel, sofern sie vom Aussieller direkt in's Ausland remittirt werden, stempelfrei bleiben, wurde angenommen, nachdem Delbrück die Zustimmung der Regierung erklärt hatte. Die übrigen§§. gelangten im Wesent⸗ lichen nach der Regierungsvorlage zur Annahme.
— 1. Juni. Der Reichstag hat den Vertrag mit Italien wegen gegenseitigen Schutzes der Rechte an literarischen Erzeugnissen, Kunstwerken in erster und zweiter Lesung angenommen. Bei der Berathung des Börsensteuergesetzes wurde §. 1(Besteuerung der Schlußnoten) mit 128 gegen 73 Stimmen abgelehnt, ebenso im weitern Verlaufe der Sitzung die übrigen Paragraphen. Präsident Simson constatirte die Ablehnung des Gesetzes in zweiter Lesung, womit die dritte Lesung wegfalle. Es folgte hierauf die zweite Lesung des Gesetzes über die Braumalzsteuer.
— Zwischen dem norddeutschen Bunde und dem Großherzogthum Baden ist, wie hiesige Blätter melden, am 25. Mai der früher schon erwähnte Vertrag über die Einführung der gegen— seitigen militärischen Freizügigkeit in aller Form abgeschlossen und gleich darauf dem Bundesrathe zur Genehmigung vorgelegt worden. Nach den Bestimmungen dieses Vertrages sind die Angehörigen jedes der beiden Gebiete gleichmaͤßig berechtigt, sich in dem anderen Gebiet der Musterung zu unterziehen. Die Angehörigen beider Theile können durch den Militärdienst in dem anderen Gebiete ihrer Militärpflicht für ihr Land genügen.
— Der langjährige Vorkämpfer der bibelfesten Strenggläubigkeit in der preußischen Landeskirche ist, nachdem längst an seinem Wiederaufkommen gezweifelt wurde, gestorben. Prof. E. W. Heng ⸗ stenberg war 1802 zu Fröndenberg in der Grafschaft Mark geboren und hatte in Bonn seine Studien gemacht. 1824 wurde er Privatdocent der Theologie in Berlin und 1828 ordentlicher Professor. Seit 1827 gab er die„Evangelische Kirchenzeitung“ heraus, das bekannte Organ der lutherischen Orthodoxie und des hierarchischen Kirchenthums.
— Man schreibt von hier: Nun die Brannt- weinsteuer⸗Erhöhung mit einer fast an Einstimmig⸗ keit gränzenden Majorität im Reichstage verworfen worden ist, haben die Conservativen und Junker freien Spielraum. Sie sind zahlreicher wie je zusammengekommen, um allermindestens die Börsen⸗ und Wechselstempelsteuer durchbringen zu helfen, weil sie seit lange wissen, daß die schließliche Be- stimmung der Erträge aus den neuen Steuern keine andere ist, als die Armeeorganisation in ihrem ganzen Umfange aufrecht zu erhalten.
— Die Provinz Posen stellt seit längerer Zeit ein ansehnliches Contingent von Auswanderern nach Amerika. Nach amtlichen Fiststellungen sind
Baden. Rarlsruhe. Die„Karlsruher Zeitung“ enthält ein Schreiben des Großherzogs an den Staatsminister Jolly, die Adresse der Offenburger Volksversammlung betreffend. Der Minister wird beauftragt, den Unterzeichnern es auszusprechen, wie dankbar der Großherzog die hingebende thatkräftige Unterstützung schätze, welche sie mit Hintansetzung der anderen Rücksichten für die ungeschwächte Fortsetzung der freisinnigen und nationalen Politik seiner Regierung verheißen. Das Schreiben schließt:„Ich stütze darauf das Vertrauen, es werde mit der Kraft, welche die Eintracht verleiht, gelingen, mein Volk zu dem Ziele zu führen, das ich mir als höchste Regenten · aufgabe gestellt habe: Ein freies Staatsleben im Innern, ruhend auf der sicheren Grundlage geistiger Bildung und sittlichen religibsen Ernstes und muthiger, entschlossener Theilnahme an der natio⸗ nalen Wiedergeburt Deutschlands.“
Oesterreich. Wien. Nach dem mit dem 1. Juli ins Leben tretenden Gesetze über den Wirkungskreis der Militärgerichte bleiben der Militärgerichts barkeit unbedingt nur unterworfen die in activer Dienstleistung stehenden Officiere und Mannschaften, alle»im Gefolge“ einer auf Kriegsfuß gesetzten oder außerhalb der Reichs- gränzen verwendeten Truppenabtheilung befind- lichen Individuen, Kriegsgefangenen, Geiseln und eingebrachten Seeräuber. Offiziere, die mit Bei— behalt des Militärcharakters ausgeschieden sind, mögen sie Pension beziehen oder nicht, stehen nur dann, wenn sie ein Militär verbrechen, und zwar wenn sie dasselbe in Uniform begangen haben, unter den Militärstrafgerichten, sonst ausschließlich unter dem allgemeinen Strafgesetz und den Civil⸗ strafgerichten. In allen bürgerlichen Rechtsange— legenheiten ohne Ausnahme sind auch für Militärs, gleichviel ob sie in activem Dienst stehen oder nicht, nur die Civilgerichte competent.
Frankreich. Paris. Der„Constitutionnel“ sagt der Regierung es ruhig ins Gesicht, daß sie sich die Unannehmlichkeit, in der Kammer ein Häuflein„Unversöhnlicher“ sitzen zu sehen, selber vorbereitet habe:„Mit mehr Mäßigung in gewissen Bemaßregelungen und mit weniger Geschrei über gewisse Kundgebungen würde sie sich Rochefort und Gambetta erspart haben. Die demokratischen Wähler dürfen sich nicht rühmen, diese Candidaten erfunden zu haben, nein, sie sind eine Schöpfung der Regierung. Wer hat Rochefort's Laterne mit Beschlag belegt und verfolgt? Wer hat den Prozeß gegen die Subscription für Baudin's Denkmal, in welchem Gambetta sich emporgethan, veranstaltet?“
Großbritannien. London. Das bri⸗ tische Unterbaus hat die irische Kirchenbill, d. h. die Abschaffung des Ab hängigkeitsverhältnisses der Irländer zur englischen Staatskirche, mit großer Majorität in dritter Lesung angenommen. Das ist ein empfindlicher Schlag für die englische Aristokratie; so und so viele nachgeborene Lords⸗ söhne können jetzt nicht mehr auf irischen Pfründen untergebracht werden und die dem armen Volk abgepreßten Summen in behaglichem Müßiggang vergeuden.
— ueber England trifft die Nachricht ein, daß die Insurgenten in Cuba von der Republik Peru als kriegführende Partei anerkannt wurden. Die Barbarei mit welcher spanische Generale noch in allerjüngster Zeit in Cuba gehaust haben, läßt das Verbleiben dieser Insel bei Spanien als sehr unwahrscheinlich erscheinen.
Spanien. Madrid. In den Cortes be⸗ stätigt der Finanzminister auf eine Interpellation, daß die Exkönigin Isabella dem Staatsschatze 36 ¼ Million Realen schuldet. Sodann erklärt der Fomentominister, daß unter der gestürzten Regierung 745 Gemälde von sehr großem Werth
von der Regierung zu Bromberg im Jahre 1868 für 1474 Personen Auswanderungsscheine, auch in diesem Jahre bereits 384, ausgesiellt worden. Namentlich liesern die Kreise Czarnikau, Chodziesen und Wirsitz die meisten Auswanderer. Bemerkens⸗ werih ist, daß gerade die deutsche Bevölkerung, welche in genannten Kreisen am zahlreichsten an⸗ assig ist, von der Auswanderung Gebrauch macht.
aus den Museen verschwunden sind. Diese Er⸗ klärung macht auf die Kammer einen sehr tiefen Eindruck. Auf Vorschlag des Deputirten Arias ernennt die Kammer eine Commission, die damit beauftragt ist, alle Handlungen der ehemaligen Minister zu untersuchen, welche auf die Finanzen und auf das Staatseigenthum Bezug haben.
von Rußland beabsichtigt die 8 eir außerordentlichen Gesandten an General Brant,
ten zu beglückwünschen und auf die große Bedeu⸗ tung der freundlichen Beziehungen zwischen g
land und Amerika hinzuweisen.
» Butzbach.(Eingesandt.) Wenn das Turnwesen
war, so hab es sich doch eine feste Stellung als Bildungs⸗ und Erziehungomittel errungen und wird in dieser Beziehung seine Bedeulung nicht vermindert, sondern immer mehr anerkannt und gewürdigt werden. Von den Turnvereinen, welche in der Periode des Ausschwungs der Turnerei in Unzahl enistanden, haben nur diejenigen, welche nicht
vielmehr ihre Aufgabe mit richtiger Einsicht und männ⸗ lichem Ernst erfaßten, den unvermeidlichen Rückschlag, der jeder Uebertreibung folgt, überdauert; sie entfalten zum größten Theil fortwährerd ein reges Streben und eine nützliche Thätigkeit, namentlich auch da, wo sie die frei⸗ willige Feuerwehr in die Hand genommen haben. Auf das Uebermaß von Festlichketten, durch welches sich die ersten Jahre unseres gegenwärtigen Decenniums charak⸗ terisirten, folgte nach den welterschülternden Ereignissen von 1866 eine stillere Zeit und auch die Turnfeste iraten in den Hintergrund, theils als Folge der Zeitwerhälinisse, theils als Folge einer gewissen Uebersältigung. Da aber die Sache der Turnerei durch gegenseiligen Wetteifer, durch gesell gen Verkehr und freundschaftliche Verbindung nach gleichen Zielen strebender Genossen nur gewannen kann, so begrüßen wir die allmählig wieder ins Leben tretenden Turnfeste mit Freude, namentlich wenn dieselben eine den Zwecken und Aufgaben des Turnwesens entsprechende ein⸗ fache Form annehmen. Das am nächsten Sonntag in unsrer Stadt staufindende 1. Turnfest des Bezirkes Hessen soll durch die Vereinigung einer Anzahl von Turnver⸗ einen und die daraus hervorgehende gegenseitige Anregung vor Allem das Turnwesen in unserem Bezirk heben und fördern; es soll aber auch diejenigen geselligen Unkerhal⸗ tungen und Vergnügungen bieten, welche bei unseren Gästen eine angenehme Erinnerung an den kurzen Aufent⸗ halt dahier hinterlassen. Wie von Seiten des Turn⸗ vereins die erforderlichen Vorbereitungen für das Fest mit Umsicht getroffen worden sind, so dürfen wir von dem bewährten gasifreundlichen Sinne unsrer Mitbürger fest überzeugt sein, daß sie den Turnern, welche sich in größerer Anzahl hier einfinden werden, eine herzliche und gastliche Aufnahme bereiten. Das Fest int zugleich ein bedeutsamer Moment in dem Leben unseres hiesigen Turn⸗ vereins, da der neuerworbene eigene Turnplatz desselben feierlich eingeweiht und dem Gebrauch übergeben werden soll. Auch in dieser Beziehung verdient der Tag die Be⸗ achtung der gesammten Bürgerschaft unsrer Stadt, da durch diese Erwerbung eine feste und bleibende Stätte für die Bestrebungen eines Vereines geschaffen ist, welcher durch Kräftigung und gesunde Entwicklung der Jugend dem allgemeinen Wohle und folglich auch den Interessen unserer Stadt dienstbar und förderlich ist. w. Bodenrod Am vorigen Samsiag hat sich in dem benachbarten Brandoberndorf ein kauriger Vorfall ereignet. Ein 3½ jähriges Kind fiel nämlich in den das Mühlrad treibenden Graben. Bis die Angehörigen in der Mühle den Unglücksfall gewahr wurden und zur Hülfe herzueilen konnten, war das Kind bereits eine Leiche zum unbeschreiblichen Schrecken der im Nachbarhause abwesend gewesenen Mutter. Möge dieser laurige Fall zu größerer Vorsicht in der Ueberwachung kleiner Kinder ermahnen. Aus dem Kreise Vilbel. Die Gemeinde Helden bergen zählt neben 1000 Katholiken etwa 150 Pre⸗ testanten, für welche durch den Gustaw⸗Adolph⸗Verein ein Beihaus errichtet wurde. Zum Ausbau desselben hat der dortige katholische Gemeinderaih 500 fl. geschenkt und es verdient dieser schöne Beweis von Toleranz gewiß eine öffen liche ehrende Erwähnung. 5 Frankfurt. Der Viehmarkt dieser Woche war, in Ochsen nur mäßig befahren; schöne Waare war am Platz, doch wurden sehr hohe Preise verlangs, weßhalb sich 5 Metzger veranlaßt fanden, zum ersten Male auf Gewicht zu kaufen und zahlten dieselben für prima Waare fl. 36, so daß, rechnet man Accise dazu ꝛc., sich der Centner auf fl. 38 stellen wird. Kühe waren gleichfalls theuer, Kälber jedoch billig, Hämmel behielten den bisherigen Preis. Frankfurt a. M. Mit dem Eintritt der schönen Jahreszeit hat auch der Zoologische Garten wieder degonnen, seine Anziehungskraft auszuüben. Die schönen Garten⸗Aulagen, welche durch Herstellung eines großen
ein: neue Zierde erhalten haben, sowie die reichhaltige Sammlung lebender Thiere, welche läglich vermehrt und
werty. Während des Sommers ist der Garten an jedem
von Morgens 6 Uhr bis Miltags 12 Uhr zu dem er⸗ mäßigten Preise von sechs Kreuzer für die Person geöffnet, und es sollte Niemand diese Gelegenheit ver⸗ säumen, einige Stunden in eben so belehrender, als unterhaltender Umgebung zu verbringen. Zu größerer Bequemlichkeit der Besucher gewähren die meisten Eisen⸗ bahnen an den Sechskreuzer-Tagen ermäßigte Fahrpreise, und geben gleichzeitig Karten zum Zoologischen Garten aus.
Baden. Die Tochter eines unbemittelten achtbaren Bürgers im Siädichen Villingen auf dem Schwarz⸗ walde hat vor einiger Zeit mit dem Versuch, Kinder aus
Rußland. Petersburg. Der Kaiser
einem brennenden Hause in Basel zu retten, ihr Leben
um denselben zu seiner Ernennung zum Präsiden⸗
auch nicht mehr in der geräuschvollen und augenfälligen Art und Weise auftritt, wie dieses vor einigen Jahren der Fall
einer Modesache des Tages ihr Dasein verdankten, die N
Wasserfalles und eines siarken Springbrunnens
vergrößert wird, sind auch wohl des fleißigen Besuches
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