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N(Fungs⸗ tmischten
H. Die neue Kartoffelbaumethode von Gülich.
Herr Karl Ludwig Gülich zu Pinneberg in Holstein hat nach seiner vor einigen Jabren er- folgten Rückkunft aus Amerika seine Landsleute mit einem Anbau- Verfahren für Kartoffeln bekannt gemacht, welches die Aufmerksamkeit von Privaten und landw. Vereinen in bohem Grade auf sich gezogen und auch von Seiten der Kgl. Regierung Anerkennung gesunden hat, indem das Kgl. Ministe- rium Hrn. Gülich in vorigem Jahre eine Remunera— tion von 500 Mark einhändigen ließ, welche Gülich zum Ankauf von amerikanischen Pflanzkartoffeln für arme Taglöhner verwendete. Als Vorzüge der neuen Anbau Methode werden gerühmt: die außer- ordentlichen Erträge(100 Scheffel bei 1 Scheffel Aussaat), welche alle bisherigen übertreffen, und vollständige Beseitigung der Kartoffelkronkheit. Viele norddeutschen Oekonomen sind an Ort und Stelle gereist, um sich bei Hrn. Gülich selbst über das Verfahren genau zu unterrichten und dem Berichte eines derselben, einem Herrn v. Gröling, Gutsbesitzer in Lindenberg bei Berlin entnehmen wir Folgendes, hoffend, dem Wunsche manches strebsamen Oekonomen unserer Wetterau damit entgegenzukommen.
1. Vorbereitung und Düngung. Das Land wird im Herbst einmal tief gepflügt, geeggt und, nachdem vorher marquirt, mit dem Häufel— pflug einerseits auf 4 Fuß, andrerseits auf 3 Fuß mit Furchen durchzogen mit der Rücksicht, daß die 4 Fuß von einander entfernten Furchen ins Hauptgefälle des Stückes gelegt werden.
Das Feld ist so in lauter Rechtecke von 3 0 12 f getheilt. Bei Frost, wenn man die Marquirfurchen
nicht zerfährt, wird Dünger wie gewöhnlich auf—
geht der Cultivator, sowohl in den 4füßigen wie in den 3füßigen Zwischen räumen. Dabei zieht eine Person gelockerte Erde mit der Handhacke über den Dünger und formirt in den Kreuzungs— punkten ebenfalls mit ber Hacke einen kleinen Hügel, eine ihr folgende Person drückt die ganze, große Kartoffel— denn nur große Kartoffeln werden gelegt— und zwar das Nabelende nach oben, die Keimaugen nach unten, zur Hälfte in denk leinen Erd hügel, so zwar, daß abgesehen von besonders nassem Boden, wo man sie höher legen muß, das untere Ende der Kar— toffel in's Niveau des abgeeggten Bodens zu liegen kommt. Die dritte Person deckt die Kar- toffeln mit ein Paar Hacken Erde zu.
3. Das erste Behacken. Nachdem die Kartoffeln im Kranz aufgegangen und das Kraut circa handgroß, läßt man den Cultivator wieder nach beiden Richtungen zwischen den Kartoffeln gehen, zieht mit der Handhacke von der gelocker— ten Erde Etwas an die Pflanze heran, und bringt einige Hacken voll Erde in den Kranz.
4. Zweites Behacken. Nun bleibt das Feld unberührt bis kurz vor der Blüthe, wo man den Cultivator und unmittelbar darauf den Häufelpflug gehen läßt.
Die 3füßigen Furchen werden flach, die 4 füßigen tief gehäufelt. In den 4 füßigen Zwischenräumen ist ein mit gehörig verlängerten Streichbrettern versehener Häufelpflug anzuwenden.
Jetzt werden die durch das Häufeln entstan— denen Ecken mit der Hacke ringsherum an den Stock herangezogen, die Stengel, jeder einzeln, an den Haufen ganz bis in die Furchen heruntergezogen und aus den tiefen A4füßigen Furchen noch recht viel Erde mit der Schaufel auf das
gefahren, aber nicht über das ganze Feld gefahren, niedergelegte Kraut gebracht und zwar, sondern nur um die Kreuzungspunkte der Furchen, daß das ganze Kraut mit Ausschluß
d. h. um die Stellen herum, wo gerade die Kartoffel der hin zu liegen kommt. Der Kreuzungspunkt selbst ist aber vom Dünger frei zu halten, weil die Kartoffel
äußersten Spitzen von Erde be—⸗ deckt wird.
Vor dem Ausschaufeln der 4füßigen Furchen
nicht direkt auf den Dünger zu liegen kommen soll. läßt man zur Lockerung in denselben noch einmal
2. Das Legen. Unmittelbar vor dem Legen
den eng gestellten Cultivator gehen.
Das zweite Behacken, namentlich das Nieder- legen des Krautes und Aufbringen von Crde auf das Kraut, ist besonders wichtig, da von Letzterem der mehr oder weniger starke Knollenansatz mit abhängt.
Außerdem bedarf es noch der richtigen Wahl der Saatkartoffelsorte, um auf das gewünschte Resultat hoffen zu dürfen. Dieselbe muß so groß, so kräftig, so wüchsig sein, daß sie eine so weite Entfernung von 12[◻1-Fuß zu ihrer voll⸗ kommenen Entwicklung bedarf. Es dürfte sich daher empfehlen, daß die Versuche wenigstens theilweise mit den von Herrn Gülich empfohlenen Kartoffelsorten, die sich bei diesem Verfahren so bewährt haben, angestellt würden. Degenerirte wenig in's Kraut wachsende Sorten eignen sich nicht dafür.
Welche Sorten auch von unseren Kartoffeln am besten für das Verfahren geeignet sind, wird sich nur durch vergleichende Versuche feststellen lassen, ebenso ob das Gülich'sche Verfahren für alle Bodenarten geeignet ist. Möchten nach diesen beiden Richtungen hin recht zahlreiche und exacte, aber nur exacte Versuche schon in diesem Jahre angestellt werden, zur allgemeinen Klärung über einen Gegenstand, der für das Nationalvermögen von so unberechenbarer Wichtigkeit werden kann. Was die Pflanzungen für dieses Jahr betrifft, so werden sie in der Ackervorbereitung und Dün— gung allerdings wohl nicht mehr ganz nach der angegebenen Methode ausgeführt werden können, doch wird sich im Kleinen immer annähernd die— selbe festhalten lassen.
Schließlich sei noch bemerkt, daß man aus- sührliche Mittheilungen über das Gülich'sche An- bauverfahren in Gülich's Broschüre: Der Kar— toffelbau, Altona 1868 bei A. Mentzel“) findet und daß Herr Opitz jun. Berlin, Char⸗ lottenstraße 79, Bestellungen auf die Gülich'schen amerikanischen Kartoffelsorten annimmt, jedoch zu dem ungeheuren Preise von 11 Thlrn. per 150 Pfund frei ab Flensburg.
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