Preußen. Berlin. Für die demnächstige
Bewilligung neuer Steuern sind die Rollen unter die drei Berliner Parlamente vertheilt, damit jedem derselben Gelegenheit geboten ist, seine Er⸗ gebenheit zu beweisen. tag soll die Erhöhung der Branntweinsteuer über- nehmen, das Zollparlament den Petroleumzoll einführen und der preußische Landtag die Börsen⸗ geschäfte besteuern. Der Branntwein soll 2½ Millionen, das Petroleum 1 Million und die Börse wenigstens eine halbe Million einbringen. Man ist übrigens geneigt das Projekt der Börsen⸗ steuer für ein bloßes Lockmittel zu halten um die Junker für die Branntweinsteuer geneigter zu machen. Die Junker sind jedoch bekanntlich der Meinung, es sei besser, die„Krämer und Juden“ noch um ein Erkleckliches höher zu belasten, da— gegen ihren Geldbeutel unbehelligt zu lassen.— Der„Westfslische Merkur“ schreibt, nachdem er gegen eine Erhöhung der Branntweinsteuer, durch welche manche kleine Brennereien einzugehen ge⸗— nöthigt werden würben, sich ausgesprochen:„Wun- derlich ist, daß die Regierung nicht da die Hebel ansetzt, wo sie allein Erfolge, und zwar allein allgemein befriedigende Erfolge erzielen könnte. Nicht Erhöhung der Einnahmen, sondern Ver— minderung der Ausgaben, wie z. B. das englische Ministerium den Volksvertretern vorschlägt, führt uns zum Ziele. Jeder muß sich nach seiner Decke strecken; das verlangt der Staat von seinen Bürgern; das können auch die Bürger vom Staate verlangen. Ueberall in Europa herrscht Friede; alle hohen Herren versichern in ihren Thronreden, daß die allgemeine Ruhe nicht bedroht sei; jeder betheuert seine Friedensliebe und versichert, daß alle Nachbarn eben so denken. Wozu also die kolossalen Friedensheere? Wozu also neue Steuern? Fort mit jenen; dann braucht der Finanzminister für diese nicht zu sorgen.“
— Der„Staatsanzeiger“ veröffentlicht eine Bekanntmachung über die Ausgabe von Schatz— anweisungen des Nordbundes. Gemäß dem Ge— setze vom 9. Nov. 1867 werden Schatzanweisungen im Betrage von 4½ Mill. Thalern in Abschnitten von 100 und 1000 Thalern zu 3½ Prozent ausgegeben. Die Dauer ihrer Umlaufszeit ist auf 9 Monate vom 8. April 1869 bis 8. Jan. 1870 festgesetzt. 5
— Dasselbe Blatt publicirt den zwischen dem Nordbund, Bayern, Württemberg und Baden einerseits und Italien andererseits abgeschlossenen. am 1. Mei 1869 in Krast tretenden, Postvertrag.
— Ein Artikel der„Prov. ⸗Corresp.“ warnt die National⸗Liberalen im Reichstag vor Versuchen, die Marine⸗Anleihe und andere nothwendige Re— gierungsforderungen zu benützen, um politische
Zugeständnisse von Seiten der Regierung zu verlangen. Hamburg. Am Montag starb hier am
Gehirnschlag Gerard Schuirmann, Vornsteher der„Deutschen Seemannsschule“, dereinst Offizier in der deutschen Bundesmav ine.
Weimar. Die„Weim. Ztg.“ meldet: Vor einigen Tagen ist hier ein alter Kämpfer aus der großen Zeit unserer nationalen Erhebung gegen die französische Herrschaft nach langen Leiden an den in jenen Kämpfen empfangenen schweren Wun⸗ den dahingeschieden: Friedrich Wilh. Heidemann, der„erste Freiwillige von 1813“.
Bayern. München. Der dritte Theil des Präsenzstandes der Infanterie der baherischen Armee ist beurlaubt worden, wodurch die Stärke der Compagnien von 90 auf 60 Mann redueirt wird.
— Die von der„N. fr. Pr.“ gebrachte Nachricht, Graf Bismarck habe den süddeutschen Staaten die Militäreonvention gekündigt, ist voll⸗ ständig unbegründet.
— Die acht Diözesen Bayerns habe zur Jubiläumsfeier des Papstes Pius IX. 72,000 fl. zusammengebracht, darunter München 13,000 fl., Würzburg 12,450 fl., Bamberg 6000 fl.; an Unterschriften hat die Erzdiözese Bamberg 30,267 geliefert.
Aschaffenburg. Auf der 19. Versamm⸗ lung süddeutscher Forstwirthe, welche im Juni v. J. zu Neuwied tagte, wurde der Beschluß gefaßt, die
Der norddeutsche Reichs⸗
nächste Versammlung zu Aschaffenburg abzuhalten. Diese Versammlung wird nun vom 30. Mai bis 2. Juni hierselbst stattfinden.
Baden. Zu den vielen an Bürgermeister Stromayer in Konstanz gelangten Aoressen ist nun eine weitere aus Newark(Neu- Jersey) hin⸗ zugekommen, die sich durch ihre originelle Form auszeichnet. Dieselbe ist auf Ellenpapier geschrie⸗ ben, 10 Fuß lang, und trägt etwa 1000 Unter- schriften, worunter die Namen vieler Konstanzer.
Oesterreich. Pest. Bisher sind gewählt: 222 Deakisten, 103 Anhänger der Linken, 51 Parteigänger der äußersten Linken. Rückständig sind noch 33 Wahlen. Es steht nun fest, daß der Verlust, den die Deak⸗ Partei erleidet, die Zahl von 16 Stimmen nicht übersteigen wird.
Schweiz. Die Zusammenstellung der Lie⸗ besgaben ist vom eidgenössischen Finanzdepartement jetzt vollendet worden. Die Naturalgaben sind dabei nicht gerechnet. Die Gesammtsumme der— selben beläuft sich auf 3,142,361 Fr. 78 C, ungerechnet die nachträglichen Gaben, sowie die in den fünf beschädigten Cantonen Uri, Tessin, Graubündten, Wallis und St. Gallen gesammelten Beiträge. Hievon kommen 2,125,288 Fr. auf die Schweiz selbst, der Rest von etwas über eine Million auf das Ausland, in dem auch die Türkei, Aegypten, Rußland und Asien vertreten sind.
Frankreich. Paris. Die„Patrie“ verlangt ohne Umschweife die Zurückziehung des Gesetzes über die öffentlichen Versammlungen. Es wird offenbar, äußert sie, daß dieselben, siatt ein Mittel zur Verbesserung der Lage der arbeitenden Classen zu sein, nur zur Folge haben, wahre Normalschulen für die Anarchte und socialistische Insurrectionsmittelpunkte zu bilden. Der Zweck des Gesetzes ist mithin verfehlt und es ist evident, daß die Gesellschaft nicht immer Gewehr bei Fuß den gegen sie gerichteten Ausfällen und Heraus— forderungen gegenüber stehen bleiben kann.
— Der„Public“ widerlegt die mitgetheilte Nachricht über die Einberufung der Beurlaubten, indem er sagt, daß die Anzahl der einberufenen halbjährig beurlaubten Militärs die reglements— mäßige Zahl nicht übersteige Wie der „Moniteur“ meldet, ist den Regierungsblättern anempfohlen worden, jede aufreizende Polemik mit den deutschen Zeitungen zu vermeiden.
— Es ist richtig, daß die auf 6 Monate Beur⸗ laubten zu ihren Corps einberufen wurden, weil ihr Urlaub am 31. März abgelaufen ist, aber ein Beweis dafür, daß die Einberufung keinen krie— gerischen Charakter hat, liegt darin, daß der Kriegsminister kürzlich 30,000 Mann des zweiten Theils des Contingents in ihre Heimath ent⸗ lassen hat.
— Der„Constitutionnel“ erwähnt das Gerücht von einem Schritte Preußens bei den Südstaaten, wonach dasselbe den Rücktritt von den mit den letzteren abgeschlossenen Militärconventionen ver⸗ langt, um seine Streitkräfte im Kriegsfalle an, der Mainlinie concentriren zu können.
Belgien. Brüssel. Die Nachricht von der bevorstehenden Erwerbung der Eisenbahn— strecke Antwerpen-⸗Aachen durch die Köln⸗Mindener Eisenbahngesellschaft ist durchaus unbegründet, ein dahin zielender Antrag ist verworfen worden
Spanien. Madrid. Die Cortes haben die Anlehen⸗Vorlagen mit 168 gegen 49 Stimmen angenommen, nachdem Serrano in einer längern Rede mit Hinblick auf die Schwierigkeit der Lage und die Möglichkeit carlistischer oder republikani⸗ scher Erhebungen die Nothwendigkeit derselben hervorgehoben hatte. Hierauf wurde der Ver— fassungs⸗Entwurf vorgelegt. Derselbe gewährleistet die individuelle Freiheit, die der Presse u. s. w., allgemeines Stimmrecht, Aufrechterhaltung des katholischen Cultus mit Garantie der freien Aus— übung anderer Culten. Als Regierungsform ist die erbliche Monarchie vorgeschlagen. Die Cortes sollen auf 3 Jahre, der Senat auf 12 Jahre gewählt werden.
— In der Sitzung der Cortes theilte Lorenza mit, es sei offiziell noch nicht bekannt, daß König Ferdinand sich weigere, eine Candidatur für den spanischen Thron anzunehmen.
Italien. Florenz. Das nun veröffent⸗ lichte Grünbuch der italienischen Regierung, welches die Unterhandlungen über die römische Frage enthält, besteht aus 69 vom 7. December 1867 bis 1. December 1868 bauptsächlich zwischen Paris und Florenz gewechselten Schriftstücken. Dieselben bezeugen das seste, beharrliche Bemühen der italienischen Regierung, ein Arrangement mit Rom herzustellen und die Rückberufung der fran zösischen Truppen aus Civitaveechia herbeizuführen. Die Unterhandlungen bezüglich eines Arrangements blieben in Folge des Widerstandes der päpstlichen Regierung erfolglos.
— Die Gerüchte, daß gegen Victor Emanuel eine Erhebung im Gange sei, mehren sich; es beißt sogar, daß Mazzini den 21. März als Tag der Erhebung bezeichnet gehabt hatte, daß aber Gegenbesehl von Lugano erfolgt sei, weil gewisse Vorereignisse nicht eingetroffen seien. Die Blätter sprechen ganz offen über diese Eventualitäten, ohne jedoch Besorgnissen Raum zu geben, daß schon jetzt ernstliche Ereignisse eintreten könnten.
Amerika. Vom Kriegsschauplatze in Pa— raguay wird unterm 28. Februar telegraphirt, daß General Polydorv der Nachfolger des Mar- schalls Caxias im Oberbefehl sein werde. Die Einwohner von Asumcion hatten an die Alliirten ein Gesuch um Einsetzung einer provisorischen Regierung gerichtet. Eine neue argentinische Expedition war nach dem Innern von Paraguay abgegangen. Von Lopez heißt es, er stehe mit 18 Kanonen und 3000 Mann im Gebirge.
Washington. besteht auf der Verwerfung, der Senat auf der Durchführung der Modification der Amtsbesetzungs⸗ acte. Die Angelegenheit wurde einem gemischten Conferenzeomite überwiesen.
— Nach einem Telegramme aus Washington
ist die Modification der Aemterbesetzungsacte, dem
Berichte des Conferenz-Ausschusses gemäß, von dem Senate und Repräsentantenhause wesentlich in der vom Senate genehmigten Fassung ange⸗ nommen worden.
Frankfurt. In dem abgelaufenen Monat März
sherrschte im Immobiliengeschäfte eine seil 1866 nicht mehr
dagewesene Regsamkeil. Das umgesetzte Capital beziffert sich auf 785,000 fl. Hand in Hand damit gingen die Er⸗ und Vermiethungen, wobei sich der Mangel großer Wohnungen fühlbar machte.
Offenbach. Ein dieser Tage dahier zusammeuge⸗ tretenes Comite, aus Männern und Frauen aller Con⸗ sessionen bestehend, bezweckt die Gründung einer Krippe für Aufnahme von Kindern im Alter von 3 Wochen bis zu 3 Jahren, und falls die hiesigen Bewohner durch Gaben es möglich machen, soll auch ein Kindergarten zur Speisung und Beschäftigung von Kindern im Alter von 3—6 Jahren der Krippe sich anreihen. Für Offenbach, wo der Arbeiterstand so zahlreich, kann die Errichtung einer solchen Anstalt als eine wahrhaftige Wohlthat betrachtet werden.
Offenbach. Die Prinzessin Maria von Isenburg gewann bei der neulichen Viehverloosung einen fetten Ochsen von nahezu 600 Pfund, welchen sie für die Armen der hiesigen Stadt bestimmte. Dem zufolge erschienen am Charsamstag im fürstlichen Palais bei 200 Personen, welche für sich und ihre dürftigen Angehörigen das will⸗ kommene Ostergeschenk in Empfang nahmen. Durch die Güte der Geberin war deßhalb zu Ostern wohl keine arme Familie in Offenbach, die nicht ihre gute Fleischsuppe und, ein Stück Ochsenfleisch im Topfe hatten.
Wien. Herr Pollack, Zündhölzchenfabrikant dahier, hat in unserer Stadt ein dreistöckiges Haus bauen lassen worin 60 arme Studenten, ohne Unterschied der Religion, eine anständige Wohnung und alles für ihr Studium Nothwentige finden. Dieses Haus wurde vor Kurzem eröffnet. Herr Pollack ein Israelit, hat 400,000 Fr. für dieses Werk der Gemeinnützigkeit verwendet.
Schweiz. Am 25. März, Abends 6 Uhr 20 Min., wurde in Spital am Semmering und Umgebung ein Erdbeben wahrgenommen, welches von einem dumpf rollenden Getöse begleitet war. Der Stoß war so heftig, daß Fenster, Thüren und Möbelstücke geschüttelt wurden, und je höher gegen die Alpen, desto empsindlicher und schreckenerregender erfolgte der Erdstoß. Bei tiefem Baro⸗ meterstand und 3 Grad R. Wärme herrschte den Tag über stürmisches Wetter. Am Abend und in der Nacht erfolgte ein leichter Schneefall.
Verloosungen. Karlsruhe. Bei der am 31. März stattgefundenen Prämienziehung der babischen 35 fl. Loose fielen auf fol- gende Loose die beigesetzten Gewinne: Nr. 62366 gewann 40,000 fl., Nr. 332748 gewann 10,000 fl., Nr. 5200 gewann 4000 fl. die Nrn. 85630, 117048, 332747, 59308
und 266606 gewannen je 2000 fl., die Nrn. 67596, 280526,
374807, 68808, 381741, 180048, 275877, 157474, 230512, 5188, 234177 und 302962 gewannen je 1000 fl.
Das Repräsentantenhaus


