nicht betreten könne aus dem einfachen Grund, weil sie in der Sache nie auf privatrechtlichem Standpunkt gestanden, wird die Vorlage mit 256 gegen 70 Stimmen angenommen. Mit Nein stimmen die meisten Mitglieder der Fortschritts— partei, ebenso einige hannöverische Abgeordneten, die meisten der letzteren enthalten sich jedoch der Abstimmung.— Die durch königliche Verordnung verfügte Beschlagnahme des Vermögens des Königs Georg ist damit bestätigt.— Ebenso fanden die Commissionsanträge über die Reglerungsvorlage eine große Majorität, die Beschlagnahme des kur— fürstlichen Vermögens betreffend. Graf Bismarck's Vertbeidigung der Vorlage stützte sich gleichfalls im Wesentlichen auf die preußenfeindlichen Agita— tionen, denen ein Ziel gesetzt werden müsse. Leider speculire man im Auslande noch immer, und nicht mit Unrecht, auf die Zerrissenheit und den Mangel patriotischer Gesinnung in Deutschland.
— Das Abgeordnetenhaus genehmigte den mit dem Großherzogthum Hessen abgeschlossenen Staatsvertrag wegen der Eisenbahn Hanau-Offen-⸗ bach und Ankauf der Frankfurt-Offenbacher Bahn. Vor Sckluß der Sitzung verliest Johann Jacoby ein von Mayer und Freese erhaltenes Telegramm. worin die Behauptung des Grafen Bismarck, daß sie mit welfischen Agenten in Verbindung ständen, für unwahr erklärt wird.
» Hanau. Der Kreislandtag hat dieser Tage beschlossen, wegen rascher Förderung des Hanau Friedberger Bahnbaues eine Deputation nach Berlin zu senden, welche in den ersten Tagen dorthin abgehen wird.
Baden. Karlsruhe. Das M erum des Innern hat bezüglich des von dem Pfarramte St. Stephan in Konstanz verfügten Ausschlusses des excommunicirten Bürgermeisters Stromayer aus der Stiftungscommission entschieden, die Ver— fügung des Pfarramtes sei„unzuständig erlassen und daher ohne alle rechtliche Wirkung“ und Herr Stromayer bleibe nach wie vor Mitglied dieser Commission.
— Von Heidelberg, von Mannheim, von Lahr und anderen Orten sind Zuschriften und Tele— gramme an den Bürgermeister Stromapyer in Constanz abgegangen, um ihm bezüglich der über ihn ausgesprochenen Excommunication Anerkennung und Hochachtung zu zollen.
— In Berlin tiefe Stille, schreibt die„N. Bad. Edsztg.“ Aber der Engel, der da durchs Staatszimmer fliegt, bedeutet eine neue Steuer. Zunächst soll das Licht daran. Da auch unser Lämpchen noch im Bereich der Competenz des Zollparlaments glüht, so wollen wir zeitig die Abgeordneten des Südens an den alten Wächter⸗ ruf mahnen:„Bewahrt das Feuer und das Licht!“
Mannheim. Auch von Seiten der Israe— liten ist die Abstimmung wegen gemischter Schulen für solche ausgefallen, indem 322 Stimmen dafür stimmten und keine dagegen. Die Stadt prangte im Fahnenschmuck, Abends fand Festbankett statt.
Oesterreich. Wien. Die„Presse“ be⸗ stätigt die Absendungei nes griechischen Memoran⸗ dums an die Schutzmächte, fügt jedoch erläuternd bei, das Memorandum sei lediglich eine weitere Ausführung des Gedankengangs der Noten, welche Delyannis an Photyades Bey gerichtet habe. Neu hinzugefügt sei in dem Memorandum nur eine scharfe Klage über die Ausweisung griechischer Unterthanen aus dem Gebiet und den Häfen der Türkei, welche Maß regel als eine in Friedenszeiten unerhörte, den Grundsätzen des modernen Völker— rechts widersprechende bezeichnet werde.
— Die„Presse“ bringt ein Telegramm, welches bestätigt, daß Walewski ein eigenhändiges Schreiben des Kaisers Napoleon an den König Georg von Griechenland überbringe. Dasselbe betone, daß eine nachgiebige, versöhnliche Politik jetzt für Griechenland die weiseste wäre.
— Das Herrenhaus nahm das Gesetz in Betreff der Einführung der Schwurgerichte für Preßdeliete in der, unwesentlich modificirten, Fassung des Unterhauses an. Der Justizminister befürwortete die Andahme des Gesetzes.
— Wie die„N. fr. Pr.“ meldet, bestehen unter den Broßmächten Discrete Abmachungen,
wonach für den Fall, daß das Resultat der Con- ferenz wirkungslos bleiben sollte, die collidirenden Staaten sich allein zu überlassen wären; die Mächte würden aber darauf bedacht sein, die all- fällige heiklige Situation vor der Ausbeutung durch hierzu notorisch geneigte Elemente zu behüten.
Frankreich. Paris. Die„Patrie“ ver- nimmt, daß das griechische Cabinet in Folge der Nachrichten aus Paris in dem am 23. Januar abgehaltenen Ministerrath seine Dewission angeboten habe. Das Ministerium begriffe die Schwierig: keiten, in denen sich die Regierung befände, wenn sie den Wünschen der Mächte Widerstand leisten wolle, und glaube daher, keine Entscheidung in diesem Sinne treffen zu sollen. Die Demission des Ministeriums vermehre die Aufregung in Athen, wo man weder von dem definitiven Entschluß der Krone bezüglich der Bildung eines neuen Cabinets, noch von dem Protokoll der Conferenz etwas wissen wolle.
— Die„France“ bringt folgende Mittheilung: „Es wird versichert, daß das Cabinet von Athen sich in offiziöser Weise an die Regi rungen von Rumänien, Serbien und Bulgarien gewandt hat, um zu wissen, welche Haltung sie einnehmen wer⸗ den für den Fall, daß der Krieg zwischen Griechen— land und der Türkei zum Ausbruch käme. Es hätte sich die Ueberzeugung verschafft, daß diese Staaten eine absolute Neutralität bewahren würden und daß keiner von ihnen sich geneigt zeigt, die kriegerische Politik zu unterstützen, auf welche die hellenische Regierung sich einlassen würde.“
— Das Gerücht von Eröffnungen, die das russische Cabinet der franz. Regierung im Hinblick auf ein engeres Bündniß zwischen beiden Höfen für gewisse Eventualitäten gemacht haben sollte, wird dementirt.
— Der„Gaulois“ bringt wieder ein Alarm— Telegramm, das ihm aus Konstantinopel zu⸗ gekommen. Er läßt sich melden:„Glauben Sie mit Sicherheit an den Krieg, vielleicht in acht Tagen, spätestens zum Frühjahr. Es ist mir ge⸗ lungen, mir Einsicht in das griechische Blaubuch zu verschaffen und ich habe von den Documenten, die sich auf den Bruch zwischen der Pforte und Griechenland beziehen, Abschrift genommen. Die Haltung der verschiedenen Botschafter tritt nirgends klarer hervor.“
— Die„Patrie“ enthält die Mittheilung, dag allwöchentlich im Kriegsministerium von Offizieren der Armee militärische Vorträge ge⸗ halten werden, welche das höchste Interesse dar- bieten. Die wichtigsten Fragen der Armee-Organi⸗ sation, der modernen Taktik, der Bewaffnung, der Recrutirung, der militärischen Gesundheits⸗ lebre u. s. w. werden hier von Fachmännern be⸗ handelt. Eine große Menge Offiziere aller Grade, selbst Generäle, wohnen diesen Vorträgen bei, von denen verschiedene alsdann dem Druck über⸗ geben werden, um, unter die Truppencorps ver- theilt, dort als Grundlage und Modell für die Regimentsvorlesungen zu dienen.
Belgien. Brüssel. Es geht hier das Gerücht, daß die Katholiken im Senat die Sus, cessionsfrage anregen und auf Grund der Consti⸗ tution die Einschreibung des Grafen v. Flandern in die Liste der Senatoren verlangen wollen.
Schweden. Stockholm. Im Regierungs⸗ vorschlage, betreffend die Reorganisation der Armee, wird die Friedensstärke mit 36,000 Mana, die Stärke auf kleinerem Kriegsfuße mit 68,000 Mann und auf größerem Kriegsfuße mit 100,000 Mann angegeben. Ferner wird darin vorgeschlagen, die Wehrpflicht vom 20. bis zum 40. Lebensjahre dauern zu lassen, mit 10 Jahren Dienst in der Reserve und nach dem 40. Jahre im Landsturm.
Spanien. Madrid. Die„Gaceta“ ver⸗ öffentlicht ein Dekret des Hrn. Zorilla, welches die Besitznahme aller Archive, Bibliotheken, Ca— binette, Sammlungen von Wissenschaftsgegenständen, Kunst⸗ und Literatur ⸗Sachen, die unter irgend welchem Rechts anspruch sich augenblicklich in den Kathedralen, den Kapiteln, Klöstern oder mili— tärischen Orden befinden, von Staatswegen ver— ordnet. Diese Gegenstände werden als National⸗ eigenthum betrachtet und der öffentl. Administration
anvertraut, um unter die Nationalbibliotheken, Archive und Museen geordnet zu werden. Die Besitznahme ist nirgends als in Burgos auf Hindernisse gestoßen.
— Der Aussage des Generals Lersundi zufolge ist die Insurrektion von Cuba noch weit entfernt, beendigt zu sein. Sie disponirt zwar nur über 34000 Mann sehr schlecht bewaffneter Truppen, allein die Natur des Terrains macht fast alle Verfolgung unmöglich. Der General Lersundi hat auf Cuba 35,000 Freiwillige orga— nisirt und bewaffnet, fast alles Spanier und fest entschlossen, sich bis aufs Aeußerste zu schlagen, um dem Mutterlande eine Colonie zu erhalten, an der ihr persönliches Vermögen hängt. Was die amerikanische Regierung betrifft, so ist sie weit entfernt, die Aufständischen zu unterstützen.
— Die„Gaceta“ veröffentlicht mehrere Tele- gramme aus den Provinzen, welche die Entrüstung kundgeben, welche der Mord des Gouverneurs von Burgos hervorgebracht hat.
— In einem an das spanische Volk gerichteten und von allen Ministern gezeichneten Manifest spricht die provisorische Regierung ihren Entschluß aus, an allen Urhebern, Anstiftern und Mitschul— digen des Verbrechens von Burgos, wer sie auch sein mögen, eben so schnelle als exemplarische Justiz zu üben. Die Regierung ruft ins Gedächtniß zurück, daß sie alle Rechte der Bürger sanctionirt hat und daß die religiöse Freiheit de facto ein⸗ geführt ist. Das Manifest sagt zum Schluß, daß bei Herannahen des Tages, wo die Cortes auf die Errungenschaften der Revolution das Siegel drücken werden, leicht vorauszusehen ist, daß die reactionären Machinationen zunehmen werden. Allein die Regierung fürchtet sie nicht, denn sie ist sicher, dieselben zu unterdrücken. Sie zählt hierbei auf die Unterstützung der Armee, der Marine, der Bürgermiliz und auf den Geist der Freiheit, der das Land beseelt.
— Wie bereits bekannt, hat vor einigen Tagen der erste öffentliche Gottesdienst in der neu eröffneten evangelischen Capelle dahier, unter Anwesenheit eines zahlreichen Publikums, stattge— funden, Alles ging in der größten Ordnung vor sich. In Sevilla, Malaga und Granada bestehen übrigens bereits seit einiger Zeit anglikanische Capellen, in welchen regelmäßig öffentlicher Gottes- dienst gefeiert wird.
Griechenland, das bisher unter allen Ländern Europas das einzige Land ohne Eisen⸗ bahn war, hat nun auch einen Schienenweg auf- zuweisen, einen kurzen zwar, indem er nur die Hauptstadt mit ihrem Hafenorte, dem Piräus verbindet. Die erste Locomotive ist am 13. Jan. d. J., als dem griechischen Neujahrstage, über diese etwas mehr als zwei Stunden lange Strecke gefahren.
Türkei. Konstantinopel. Nachrichten aus Athen melden, daß das griechische Ministerium bezüglich der auf den Conferenzbeschluß zu erthei⸗ lenden Antwort verschiedener Meinung sei. Vier Minister seien für die Annahme desselben, drei, worunter Bulgaris, dagegen.
— Briefe aus Athen melden, daß vermehrte Hoffnung vorhanden sei, Griechenland werde der Declaration der Conferenz zustimmen. Von Seiten Rußlands werde die Ertheilung einer ver- söhnlichen Antwort eifrig empfohlen.
Frankfurt. Die Generalversammlung der Palmen⸗ garten Gesellschaft beschloß mit 469 gegen 91 Summen, die Biebricher Wintergärten auf das Bockenheimer Feld (Westend) zu legen. 87 Stimmen erbielt die Pfingstweide und 7 die Bornheimer Haide.
Mainz. Von hier wird eine neue Art der Reclame gemeldet. Vor einigen Tagen waren nämlich die Passanten der großen Bleiche und Sackgasse nicht wenig erstaunt, auf dem Pflastec eine Unmasse papierner Cigarrentäschchen, je zwei Cigarren enthaltend, vorzufinden. Die Täschchen, in denen die Cigarren theilweise vertreten waren, trugen die Firma elnes hier wohnenden Spezerei- und Cigarren⸗ händlers..
Mannheim. In der„Mannh. Abendztg.“ ist zu lesen:„Es geschehen Wunder!“ Lahme gehen und Blinde werden sehend. Zu der heutigen Abstimmung hat sich ein blinder Einwohner unserer Stadt durch seine Frau hinführen lassen, und zwei andere sind auf Krücken her⸗ beigestolpert, um für die gemischte Schule zu stimmen. Ehre den Dreien! Würden die Stimmen nicht blos ge⸗ zählt, sondern auch gewogen, diese drei Ja wären schwer


