ins Leben getreten. In einem von dieser Seite erlassenen Proteste von unerwarteter Schärfe heißt es u. A.:„Will sich der Landwirth, der als geduldiger Lastträger im Frieden, wie noch mehr im Kriege, die Hauptbürde des Staates trägt, die ihm aufgebürdete Last gefallen lassen, so ist dies seine Sache. Er thut dies theils aus Pa⸗ triotismus, theils aus Gewohnheit und Apathie! Er muß sich aber hoch aufbäumen, sich nieder⸗ werfen, jeden weitern Schritt vorwärts verweigern, wenn dieser an und für sich aus volkswirthschaft⸗ lichen Gründen vollständig ungerechtfertigten Pro- ductionssteuer, die nur er und kein anderer Ge— werbtreibender zu tragen hat, eine neue Last, die ihn zu erdrücken droht, hinzugefügt wird!“— Auch die beabsichtigte Aufhebung der Portofreiheit aller Dienstsachen der Behörde kann in ihren un- vermeidlichen Folgen nur als eine neue Steuer aufgefaßt werden. Sehr richtig sagt hierüber das „Eisenacher Tageblatt“: Die Millionen, welche jene Aufhebung der Bundescasse zuführen würde, müssen doch aufgebracht werden; da die Beamten dienstliche Correspondenz nicht aus ihren Taschen frankiren können, so muß das Porto entweder von Gemeinden und Bezirken oder von den Ein- zelstaaten getragen werden, die es wiederum aus der nicht mehr ungewöhnlichen Art der Besteuerung ihrer Bürger beschaffen müssen. All diese Ma- növer lassen aber eine dauernde und zureichende Gestaltung des Bundesfinanzwesens nicht erwarten; es gibt dafür nur ein ausreichendes Mittel, auf das man, gleich Cato, immer wieder zurückkommen muß:„Ich meine aber, daß das Militärbudget zu vermindern sei.“
— Eine von conservativen Grundbesitzern dem Ministerium eingereichte Statistik der Zwange— verkäufe von Grundeigenthum seit dem Jahre 1862 gibt ein sehr bedenkliches Bild von der fortschreitenden Verarmung des Grundbesitzes. Es wurden unter den Hammer gestellt: 1862 Ritter⸗ güter 19, Bauergüter 2584; 1864 Ritterg. 33, Bauerg. 2863; 1865 Ritterg. 41, Bauerg. 3257; 1866 Ritterg. 54, Bauerg. 3784; 1867 Ritterg. 77, Bauerg. 5333.
— Graf Bismarck ist mit seiner Familie auf einige Tage nach Varzin gereist.
Bayern. München. Der Verwaltungs- rath der Ostbahn beabsichtigt folgende Bahnlinien zu bauen: Regensburg⸗Nürnberg in direkter Linie, Cham Straubing, Straubing⸗Mühldorf, Strau- bing⸗Sünnching, Neufahrn Obertraubling und eine Verbindung zwischen der Weiden⸗Bayreuther und der Amberg ⸗ Nürnberger Linie. Durch den vor⸗ gelegten Gesetzentwurf will die Staatsregierung die Ermächtigung zur Gewährleistung von 5½ Prozent Zinsen für ein Baucapital von 47 Mill. bis zum Jahre 1904
— Nach dem„Nürnb. K.“ darf mit ziem⸗ licher Gewißheit angenommen werden, daß die internationale Kunstausstellung nun dennoch im bevorstehenden Sommer dahier stattfinden und gleichzeitig auch die Local ⸗Industrie- Ausstellung abgehalten werden wird.
Baden. Heidelberg. Der„Pfälzer Bote“ bringt den neuesten Protest des Königs von Hannover an die Deutschen Fürsten seinem ganzen Wortlaute nach, in welchem der König Einsprache gegen die von Preußen verfügte Be⸗ schlagnahme seines Privatvermögens erhebt.
Oesterreich. Wien. Die hiesigen Offi⸗ ziösen versichern, daß der Reichskanzler Graf Beust nicht an den Abschluß einer Allianz mit Italien venke, da eine solche zur Erhaltung des Friedens nicht nothwendig sei, wohl aber seien seine Bemühungen danauf gerichtet, die italienische Regierung von einem abermaligen Bündniß mit Preußen abzuhalten, uad in dieser Beziehung könne bereits ein günstiger Erfolg constatirt werden.
— Für die hinterlassenen Familien der mit der Fregatte„Radetzky“ untergegangenen Seeleute hat der Kaiser 3000 Gulden aus seiner Casse angewiesen. Eine Reihe dramatischer Vorstellungen, welche zu demselben Zwecke von Mitgliedern der hohen Aristokratie im Palais des Fürsten Schwarzen⸗ berg veranstaltet wurden, ergaben die Summe von 23,000 Gulden.
— Ein kaiserliches Handschreiben enthebt den Erzherzog Albrecht von der Stelle eines Armee⸗ Commandanten unp ernennt denselben zum General- Inspektor des Heeres.
— Das Ergebniß der Ungarischen Wahlen ist ein für die Regierung ungünstiges, wenngleich derselben die Mehrheit auch in dem neuen Hause gesichert ist. Ein schwerer Schlag für die Deak⸗ partei ist das Unterliegen vieler ihrer hervor⸗ ragenden Mitglieder sowie insbesondere auch der Umstand, daß in dem Pesther Comitat überall der Opposition der Sieg verblieben.
Luxemburg. Eine Depesche aus Luxem⸗ burg meldet:„Die Regierung wegen der Frage Betreffs der Festungswerke von der Kammer inter- pellirt, gab die Antwort, daß Preußen gegen die Verzögerung, welche Betreffs der Zerstörung der Festungswerke eingetreten sei, reklamirt, und daß, ungeachtet der befriedigenden Antwort der luxem⸗ burger Regierung, ein preußischer Offizier den Zustand der Arbeiten inspicirt habe. Mehrere Deputirten protestiren gegen diese preußische Ein mischung.“
Frankreich. Paris. In einer vom Kaiser an den Staatsrath gerichteten Rede über die Abschaffung der Arbeitsbücher, erinnert derselbe an die Gesetze, die schon zu Gunsten der Au beiter erlassen wurden. Er sagte ferner, die Aufhebung der Arbeitsbücher ist vor Allem eine moralische Satis— faction, um die Arbeiter von lästigen Formalitäten zu befreien, und um die Reihe der Maßregeln, welche sie unter das allgemeine Recht stellen und sie in ihren eigenen Augen erheben, zu vervoll— ständigen. Der Kaiser schloß also: Ich habe nicht vorausgesetzt, daß ich vermittelst dieser meiner Politik alle Vorurtheile entfernen, allen Haß ent— waffnen und meine Popularität vermehren würde; aber ich bin überzeugt, daß ich aus ihr neue Thatkraft schöpfen werde, um schlimmen Leiden— schaften zu widerstehen
— Die Temperatur scheint in Paris nach und nach schwül und höchst ungemüthlich zu werden, wie die in verschiedenen Versammlungen, welche von der Polizei aufgelöst wurden, gebaltenen Reden bekun— den. Wir geben einige Stellen aus den Reden, welche in einer bei Herrn Budville stattgehabten sog. Privat-Versammlung von 1200 Personen gehalten wurden. Hr. Garau sprach:„Ich will Alles umstürzen, was der Revolution im Wege steht! die Deputirten, den Kaiser. Ich will die Bourgeosie ausrotten, die Capitalisten, welche sich mästen, während wir Hunger sterben. Ich will, daß man in Waffen auf die Straße eile, nicht morgen, sondern heute. Blut muß fließen, um die Leiden und das Elend des Volkes zu rächen.“ Die Versammlung klatscht Beifall und einige Stimmen rufen:„Ja, wir wollen die Revolution und wir werden sie haben.“ Herr Horn wieder— holt mit Danton:„Kühnheit, Kühnheit und immer Kühnheit! Ihnen, Mitbürger, sage ich: Zur That! und Sie werden die sociale Revolution erreichen, nach welcher Sie verlangen.“ Herr Amouroux: Ich bin radicaler Sotialist, ich will die Revolu⸗ tion, ich will den Umsturz des Kaiserreichs. Die Regierung ist nicht unser einziger Feind; der Klerus ist noch hassenswerther als das Kaiserreich. Werfen wir das Kaiserreich über den Haufen und mit ihm wird der Klerus, stürzen wir den Klerus und mit ihm wird das Kaiserreich zusammenbrechen. (Beifall. Es lebe die Freiheit! Es lebe die Re⸗ publik!) Herr Budaille: Ich bin Republikaner, ich will die sociale Revolution. Tragen wir die Candidatur den politischen Verbannten an. Was liegt an dem Eid? Ich mache mich über ihn lustig und schlage ihn in den Wind; er beweist nur die Ohnmacht dessen, der ihn verlangt und dessen Thron zusammenbrechen wird. Aus diesem Saal maß der Keim der Revolution hervorgehen. Herr Petit: Ich verlange die Abschaffung des Kaiserreichs. Rufen wir Blanqui, Considérant, Barbes, Ledru Rollin, Felix Pyat, Louis Blanc in unsere Mitte; das sind die Männer, die wir brauchen. Was liegt an dem Eid? Das ist eine bloße Formalität.— Man setzte ein Comite von 15 Mitgliedern ein, welche das den Candidaten aufzultgende Programm redigiren sollen. Jedes
dieser Mitglieder legte ein radical-sotialistisches Glaubensbekenntniß ab. Um 11 Uhr ging man unter den Rufen: Es lebe die Freiheit! Es lebe die Revolution! auseinander.
— ueber eine andere am 25. März in Belle. ville abgehaltene Versammlung berichtet die„Patrie“: „Die Versammlung war sehr stürmisch und trotz der von dem Polizeicommissär aus gesprochenen Auf⸗ lösung wurde die Discussion bis 11 Uhr sortge⸗ setzt. Hr. Flourens erklärte schon, als er den Vorsitz übernahm, daß er fest entschlossen sei, die Rechte der Versammlung um jeden Preis zu ver⸗ theidigen. Hr. Bologne protestirte gegen die Auf lösung der öffentlichen Versammlungen und gegen die Journalisten, welche dieselben angreifen. Hr. Ollivier protestirte ebenfalls gegen die letzte Auf lösung; er beklagt sich, daß die gegenwärtige Re⸗ gierung das Volk knebele. Noch heftiger beschwerte sich Hr. Pellerin; der Commissär ertheilte eine Verwarnung und sprach, da der letzte Redner in seinen Ausfällen fortfuhr, um halb 10 Uhr die Auflösung der Versammlung aus. Hr. Flourens erklärte die Auflösung für ungesetzlich: man müsse sich nicht mehr auf unfruchtbare Protestationen beschränken, sondern einen gesetzlichen Widerstand leisten und die Versammlung fortsetzen. Einige Personen ziehen sich zurück.„Bürger!“ ruft Hr. Pellerin von der Tribüne, die er noch nicht ver— lassen hat,„ein revolutionärer Luftzug ist über Frankreich gegangen. Wir wollen keinen Tyrannen mehr und da die gegenwärtige Regierung ein Aussatz ist, so müssen wir uns von ihr befreien. Der Kampf wird beginnen, die Stunde der Rache ist gekommen. Zum Werk also, und handeln wir um jeden Preis!“ Hr. Flourens erklärt alle Kaiser für Verbrecher; seiner Meinung nach wäre der Vereinssaal gehriligter, als die Deputirtenkammer, da man in diese nur durch Corruption komme. „Die gegenwärtige Regierung“, sagt er,„ist die des Diebstahls, und das Bagno wäre entehrt, wenn es die Regierungsmänner aufnehmen sollte.“
— Wie die Pariser Blätter melden, sind die oben erwähnten Herren Amouroux und Brudaille unmittelbar nach dieser Sitzung verhaftet worden; auch Garau's Verhaftung wird berichtet.
— Die„Patrie“ sagt: Die auf 6 Monate beurlaubten Militärs, deren Urlaub am 31. März abläuft, haben Befehl erhalten, sich zu ihren Corps zu begeben. Urlaubsverlängerungen werden nicht gestattet, ohne Zweifel aus dem Grunde, damit Soldaten wie Offiziere in den neuen Waffen ein- geübt werden können. i
Belgien. Brüssel. Der„Etoile belge“ erwähnt das Gerücht, daß eine preußische Gesell⸗ schaft sich anschicke, mit der Eisenbahn⸗Compagnie „Grand Central Belge“ wegen Ausbeutung der Linie Antwerpen Aachen in Unterhandlung zu treten. Das Projekt soll offiziell zur Kenntniß des Cabinets gebracht worden sein.
— Freĩre Orban begab sich am vorigen Montag in Begleitung seines Secretärs Vander⸗ helst und mehrerer Beamten vom Departement der öffentlichen Arbeiten nach Paris.
Spanien. Madrid. Die Commission, welche einen Verfassungsentwurf auszuarbeiten hat, hält folgende Grundzüge fest: Eine monarchische Regierungsform, zwei Kammern, erwählte Se⸗ natoren, Provinzialräthe, Deputirte, welche aus dem allgemeinen Wahlrecht hervorgehen, ein König, welcher vom 18. Jahre an zur Regierung gelangen kann, endlich Preß⸗ und Versammlungefreiheit.
— Sicherem Vernehmen nach ist die Regie-
rung geneigt, die Religionsfreiheit aufrecht zu
erhalten; sie will dabei aber die kath. Religion als Staatsreligion anerkennen und demgemäß auch für die Geistlichkeit derselben aus Staatsmilteln sorgen.— Die„Correspondencia“ versichert, es sei eine karlistische Verschwörung entdeckt und ein General sowie ein Oberst verhaftet worden.
— Aus Havannah ist ein Telegramm ein⸗ getroffen, nach welchem neue Verstärkungen auf der Insel Cuba angekommen sind und die Lage sich gebessert hat. Die Aufständischen würden energisch verfolgt und stellten sich den Behörden.
Italien. Florenz. Die Regierung hat sich bezüglich einer Alpenbahn definitiv für die
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