Ausgabe 
30.6.1868
 
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jenigen detsogl.

Nger⸗ sud Naßgade augstent

nacher

berzogthums, an den beiden anderen nur Aus- steller aus der Provinz concurriren.

DieHess. Ldsztg. theilt mit, daß ein Bürger aus Wiesbaden zur Erinnerung an die Lutherfeier eine Stiftung zur Erziehung und Ausbildung armer Knaben errichtete. Derselbe ließ sich über die sofort erfolgte Einzahlung von 40,000 fl. Dokument ausstellen und begab sich mit demselben nach Worms, um dort zu gleichem Zwecke weitere Zeichnungen zu veranlassen. Wie verkautet, soll er ein günstiges Resultat erzielt haben.

Vor einigen Tagen sind die acht hessischen Offiziere, die nach Preußen befehligt waren, wieder zurückgekehrt.

Worms, 26. Juni. Auch zum heutigen letzten Festtage haben sich viele Tausende ein- gefunden. An dem Gottesdienste auf dem Denk malplatze nahmen 6000 Personen Theil. Die Predigt hielt Pastor Baur aus Hamburg, ein Hessen⸗Darmstädter und früher Professor an der Landes-⸗Universität Gießen. Beim gestrigen Festbankette wurde kein allgemeiner Toast aus- gebracht, weil die Unruhe zu groß war, um die Reden allgemein verständlich werden zu lassen. Mit der beute Nachmittags um 4 Uhr anberaumten Aufführung desPaulus schließt die Feier Dekan Keim und Dr. Eich haben das Ehren- bürgerrecht der Stadt Worms erhalten.

Worms. Am Festabende kam von Mainz folgendes Telegramm dahier an:An den Vorstand des Fest⸗Comite's in Worms. König Wilhelm von Preußen zu Worms am Rhein. Ich bitte dem Vorstand des Luther Denkmal- Vereins meinen herzlichsten Glückwunsch auszu⸗ sprechen zur glücklichen Vollendung seiner großen Aufgabe. Im protestantischen England gedenkt man mit aufrichtiger Theilnahme des Wormser Festes, welches die protestantischen Fürsten und Völker Deutschlands heute in Eintracht zu⸗ sammensührt. Die Königin Victoria. Aus Windsor⸗Schloß. Mit großer Freude entledige ich mich des so ehrenvollen Auftrags der Königin von England. Wilhelm, König von Preußen. Diese für alle Festtheilnehmer so äußerst werth⸗ volle Kundgebung wurde Abends in der Halle verlesen und allseits mit der höchsten Theilnahme und Beifall aufgenommen.

Die Ausführung des OratoriumsPaulus in der Dreifaltigkeitskirche dauerte von 4 bis 7 Uhr Abends. Das Ensemble war, trotzdem nur eine Probe am Morgen abgehalten worden, überraschend gelungen. Sänger, Orchester und Orgel wirkten in schönster Harmonie. Die Arie Sei getreu ward von Gunz glänzend vorgetragen, ebenso sang Hill die ArieGott sei mir gnädig meisterhaft. Der Totaleindruck war ein sehr günstiger, die Stimmung eine sehr gehobene.

Preußen. Berlin. Für die Dauer der Beurlaubung des Bundeskanzlers ist nach der W. Z. die oberste Verwaltung des Bundes⸗ kriegswesens dem preug. Kriegsminister durch Prä⸗ sidialverfügung übertragen worden.

Kassel. Es wird von hier gemeldet, daß die Ehe des Prinzen Wilhelm von Hanau, welcher sich am 30. Januar 1866 mit der Prinzessin Elisabeth von Schaumburg ⸗Lippe vermählt hatte, durch königl. Gnade wieder getrennt worden sei.

Aus Thüringen. Vor einigen Monaten brachten die Zeitungen die Nachricht, daß in Eisenach ein gemeinsamer Friedhof für die pro⸗ testantische, katholische und jüdische Bevölkerung mit je einer Abtheilung für jede Confession er- richtet worden ist. Als Beweis der hier herrschen⸗ den freisinnigen Anschauung in diesen Dingen darf jene Mittheilung dahin ergänzt werden, daß für Katholiken und Protestanten gar keine geson⸗ derten Abtheilungen bestehen, daß man auch für die jüdische Gemeinde davon abgesehen haben würde, wenn dieselbe einen dahin gehenden Wunsch geltend gemacht. Es ist dieg aber von derselben auch nur deßhalb unterlassen worden, um nicht dadurch einen bei Manchem immerhin noch miß⸗ liebigen Anspruch zu erheben.

Hesterreich. Wien. Auch Cardinal Rauscher hat sich nun gegen die confessionellen

Gesetze und zwar in schroffster Weise ausgesprochen. Bezüglich des neuen Ehegesetzes heißt es in dem erzbischöflichen Hirtenbriesfe:In dem ersten Artikel des neuen Gesetzes ist erklärt, die An⸗ weisung für die geistlichen Ehegerichte sei außer Kraft gesetzt. Dies kann aber nichts Anderes bedeuten, als daß sie für die weltlichen Gerichte nicht mehr die Geltung eines Gesetzes haben. Keine Macht der Erde kann bewirken, daß die Gesetze Gottes und seiner Kirche für das Gewissen ihre Kraft verlieren, und ohne Zweisel ist die Regierung Sr. Majestät weit entfernt, dies zu verkennen. Gilt aber das kirchliche Ehegesetz für das Gewissen, so bleiben die Bischöfe verpflichtet, es wie bisher auf die einzelnen Fälle anzuwenden und die Staatsgewalt hat kein Interesse, zu bindern, daß sie hiebei die Anweisung für dit Ehegerichte des Kaiserthums zu Grunde legen.

DieDebatte sagt anläßlich der Allocution des Papstes, die Regierung lege der Allocution keine besondere Wichtigkeit bei und halte einen energischen Protest auf diplomatischem Wege für hinreichend. Herr v. Beust soll in dem Proteste die römische Curie an die Gränzen erinnern, innerhalb welcher sie ihren Einfluß auf die inneren Angelegenheiten Oesterreichs geltend machen dürfe, gleichzeitig aber jede Ueberschreitung dieser Gränzen energisch zurückweisen.

Darmstadt. Nach derH. Ldszig. wurde vorge⸗ stern in das hiesige Arresthaus ein aus Ober⸗Ramstadt gebürtiges Individuum eingebracht, das erst vor wenigen Tagen nach Verbüßung 23monatlicher Correctionshaus⸗ strafe entlassen worden war. Der Inculpat hat nämsich zu einer Taschenuhr eines hiesigen Einwohners eine solche Zuneigung, daß er die schon Zmal gestohlene Uhr wenige Tage nach seiner Entlassung sich wiederholt ancignete und deßhalb, bei der That ertappt, zur Haft gebracht wurde.

Aus Schönberg wird beflätigt, daß der Graf zu Erbach⸗Schönberg seinen Rentamtsdiener Schäfer, der nur wiberruflich angestellt war, seines Dienstes entlassen, weil derselbe seine protestantisch getauften und erzogenen Kinder vor der Zeit, wo sie sich selbst dazu entschließen konnten, der katholischen Kirche zuführen will. Obgleich Schäfer früher gegen das stete Andrängen der katholischen Geist⸗ lichkeit seine Kinder katholisch werden zu lassen, bei den protestantischen Geistlichen Schutz gesucht, scheint er jetzt dem Drängen der Ersteren nicht widerstehen zu können und für di: durch den Hrn. Grafen gemachten Vorstellungen kein Gehör zu haben. Da Schäfer durch sein Verhalten sich als ein schwacher wankelmüthiger und unzuverlässiger Mann erwiesen habe, so verdiene er auch im Dienste kein Vertrauen und sei aus diesem Grunde entlassen worden.(17)

Heidelberg. Man schreibt von hier: Die Infanterie und die Cavallerie der Garnison zu Mannheim und Schwetzingen machen jetzt öftere Uebungsmärsche in unsere Berge. Bei einem hier durchkommenden Bataillon In- santerie hörten wir heute zum ersten Male zu dem mäch⸗ tigen Schall der Trommeln auch den unsympathisch quickenden dünnen spitzigen Ton eines von den Preußen angenommenen Querpfeischens. Statt dieses geschmacks⸗ widrige Zoͤpfchen aus dem vorigen Jahrhundert endlich auch in Preußen abzuschaffen, wie anderwärts, ahmt man es in Baden nach!(Auch in Hessen haben wir schon seit mehreren Monaten viel Plaisir an diesem preußischen Pfiffe; unsere mittlerweile abgehärteten Gehörwerkzeuge haben sich übrigens an diese Fortschriusmusik so ziemlich rasch gewöhnt und wir lassen es ruhig über uns ergehen, so uns was gepfiffen wird. Mehr Schmerzen macht uns dagegen die Gewißheit, daß wir selbst nach der in Ziffer gesetzten Melodie des Milttärbüdgets noch gehörig pfeifen lernen müssen.)

Der Herriedener Wiuerungsbeobachter derFr. Z. schreibt unterm 22. d.: Wir gehen wahrscheinlich wieder gemischterer Witterung entgegen. Der seit dem 7. d. im Westen Europa's stationär gebliebene Luftberg hat sich am 19. plötzlich nach Norden verschoben, nachdem er daselbst noch vorher ungewöhnliche Wärme mit darauf folgenden Gewittern gebracht hatte.

München. In dem Prozeß Chorinsky sind die Ver⸗ handlungen bis zur Vernehmung der Experten über den Geisteszustand Chorinskys vorgeschritten. Die Doctoren Martin und Solbrig begutachten sehr eingehend, daß keine Geisteestörung und Unzurechnungsfähigkeit anzunehmen sei. Professor Morel aus Rouen glaubt, der Angeklagte sei nicht in dem Zustand, wo ein Mensch für alle Umstände seines Lebens verantwortlich zu machen sei. Professor Meyer(Göttingen) ist mit Rücksicht auf die Zeugenaus⸗ sagen, daß der Angeklagte schon in seiner Jugend außer⸗ ordentlich reizbar gewesen, der Ansicht, der Angeklagte sei nicht vollständig zurechnungsfähig. Der Irrenanstalidixector Gubden gibt sein Gutachten dahin ab, daß er den Ange klagten für vollkommen zurechnungsfähig halte. Hiermit ist die Expertenvernehmung beendet. Am 27. d. gingen die Verhandlungen in erwähntem Prozesse zu Ende. Die Geschworenen erklärten Chorinsly für zurechnungssähig und schuldig der Beihülfe, aber nicht der Anstistung zum Morde. Das Schwurgericht verurtheilte ihn in Folge dessen zu einer Zuchthausstrase von zwanzig Jahren, welche auf einer Festung zu verbüßen ist, und zu Landesverwei⸗ sung nach abgelaufener Strafzeit.

. DerMoniteur gibt in einem aus Honolulu, 5. Mail, datirten Schreiben elne kurze Schilberung der furcht⸗ baren Naturen scheinungen, die sich auf der großen Hawal⸗ Insel zugetragen haben. Der erste gewaltige Erdstoß warb am 2. April verspürt. Innerhalb 5 Minuten waren 31 Personen und mehrere Hundert Stück Vieh von einer Erbmasse überschüttet, die eine Dicke von 6 bis zu 30 englischen Fuß hatte. Um 4 Uhr Nachmittags schwoll der Ocean plötzlich 25 Fuß über sein gewöhnliches Niveau an, brach in das Land ein und spülte über 50 Eingeborne mit fort. Der Vulkan Kilanea, der in fortwährendet Thätigkeit ist, versiegte, nachdem er am 2., 3. und 4. ge⸗ waltige Lavaströme ausgeworfen, am 5. und 7. brach, 15 Stunden von dem Krater entfernt, an den letzten Ab⸗ hängen des Mannu⸗Loa eine mächtige Lavamasse aus dem Boden und durchströmte, Alles vernichtend, innerhalb weniger Stunden ein etwa 9 Meilen langes Thal.

Zahlen sind die besten Geschichts⸗ schreiber. Lerey Beaulieu hat in derRevue natio⸗ nale berechnet, welche Verluste an Menschen und Gelb Politik und Diplomatie der alten und neuen Welt während der letzten 15 Jahre gebracht haben. In den Schlachten wurden geiödtet oder sind ihren Wunden erlegen:

In der Krim 748 901 Menschen(7).

In Ilalien 44.000

In Schleswig⸗Holstein 3.500 5

In Nord⸗Amerika. 281.000 5

In Süd⸗Amerika 519,000 5

In Deutschland. 45.000 4

In Asien und Afrika. 95.000 7

1,746,401 Menschen. Kosten:

Krimkrieg 8 Millrd. 500 Mill. Frs. Mig in allen 500 1 Krieg in Schlew.⸗Holst. 180

Krieg in Nord-Amerika 23 500

9 22

scrieg in Süd Amerika 11 500 Kriegs den 88 650 Asien und Afrika 1 5

47 Milird. 830 Mill. Frs.

Den Frank zu 8 Sgr. gerechnet, macht 12.755 Millionen preußische Thaler= 22,321 ½ Mill. Gulden. Bei Betrachtung solcher Riesenzablen drängt sich gewiß Jedem die Frage auf: Warum mußten diese Menschen eigentlich geschlachtet werden? Antwort:nur der Despotie wegen. Und welche Kräfte wurden durch derartige enorme Ber⸗ luste der Landwirthschaft, der Industrie ꝛc. entzogen! Aber die Palmen des Friedens standen noch zu jeder Zeit auf wankendem Grunde.

Schiffs nachrichten. Mitgetheilt von Chr. Hecht in Friedberg, Spec.⸗Agent. Das Bremer Posidampfschiff‚New⸗ ork, Capitän Dreyer, welches am 10. Juni als Extraboot von Bremen via Southampton abging, ist nach einer sehr schnellen glücklichen Reise von 11 Tagen wohlbehalten in New⸗Dork angekommen.

Für die deutsche Nordpol⸗Expedition. Einnahme bis jetzt 68 fl. 38 kr. Weitere gütige Beiträge wolle man gefälligst bis längstens zum 12. Juli, wo ich die Sammlung zu schließen gedenke, an mich ge⸗ langen lassen. Dr. Matthias.

Echo des Wormser Lutherfestes.)

Wir kroͤnen gern die längst entschlaf'nen Streiter, Der Vorzeit Helden weih'n wir noch den Kranz; Wir ehren sie, die riefen:Weiter, weiter!

Die Menschheit will zum Ziele voll und ganz! Die aufwärts stiegen auf der Menschheit Leiter, Die erst geruht auf der erstürmten Schanz,

Ob sie nun friedlich legten ab die Wehre,

Ob sie gefallen auf dem Feld der Ehre!

Der Held, der jetzt mit seiner eh'rnen Stirne, Umwogt, umdrängt sich umschaut an dem Rhein, Er war für sein Jahrhundert eine Firne,

Die weithin glänzte in das Land hinein;

Ob man ihn segne, ob ein And'rer zürne Die Weltgeschichte grub sein Wirken ein

In ihre Tafein, unauslöschlich, funkelnd,

Und manches Bild der Vorzeit noch verdunkelnd.

Die Hülle fiel! Weß Sinnes wir auch selen, Wir schau'n den Kämpen der Vergangenheit, Noch spalten uns wie damals die Parteien, Noch zeugt der Zwietracht Gift das Erdenleid! Nur diesmal reicht die Hände her! Wir weihen Das Denkmal ein im Geiste uns' rer Zeit! Nichts trennte uns auch hiervon fall' die Hülle Nichts trennte uns, als unser eig' ner Wille!

Die einst in blut'ger Fehde sich geschieden, Sie sind hinüber ruh'n im kühlen Sand, Der einst'ge Luther sah die Blitze schmieden, Die eine ganze Welt gesteckt in Brand, Der heut'ge Luther seh' Versöhnung, Frieden! Seh' der Parteien Haß vervehmt verbannt! Sein Stanvbild mög' auf Duldung und Ver⸗ trauen, Auf Brudersinn und Liebe niederschauen! Friedberg i. d. W. im Juni 1868. H. Hoffmann.

) Mit Zustimmung des Hrn. Verfassers derMalnzer Zeitung entnommen.