Donnerstag den 30. Januar.
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für Oberhessen.
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thält die amtlichen Erlasse für den Kreis Friedberg.
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Friedberger Intelligenzblatt.
Erscheint jeden Dienstag, Donnerstag und Samflag.
Bestellungen auf den„Anzeiger für Oberhessen“ werden noch fortwährend von allen Posistellen und der Verlagsexpedition für das erste Halbjahr angenommen
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Betreffend: Die Elo richtung der Nachtwache in den
Amtlicher Theil.
Gemeinden des Kreises Friedberg.
Frredberg den 26. Januar 1868.
Das Großherzogliche Kreisamt Friedberg an die Großherzoglichen Bürgermeistereien und den Großherzogl. Polizeicommissär zu Wickstadt. Im Interesse der offentlichen Sicherheit und Ordnung, um Personen und Eigenthum vor möglicher Verlezung zu bewahren, ist der
fünktliche Vollzug der in den Orten unseres Kreises eingeführten Nachtwache dringend geboten.
Veranlaßt durch die mehrfach von uns
machte Wahrnehmung, daß die Nachtwache in einzelnen Orten nicht ordnungsmäßig abgewartet, ja sogar öfters ganz unterlassen werde, eben wir Ihnen auf, den Nachtwächtern Ihres Ortes bei Meidung von Geldstrafen und in Wiederholungsfällen bei Die nstentlassung den
zunktlichsten Vollzug ihrer Dienstobliegenheiten
einzuschärfen.
Unter Bezugnahme auf unser Ausschreiben vom 22. Januar 1864(Intell. Blatt Nr. 8) werden Sie übrigens die Nachtwächter iber die Erfüllung ihrer Dienstpflichten genau controliren resp. controliren lassen und die Contravenienten sofort uns zur Anzeige brin zen.
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Hessen. Darmstadt. Des Großberzoge F. H. hat der hiesigen freiwilligen Turnerfeuerwehr fur ihre Unterstützungskasse für verunglückte Feuer— pehrleute 300 fl. aus dem Fonds für öffentliche ind gemeinnützige Zwecke bewilligt.
— Die erste Kammer beschloß in ihrer Sitzung dom 27. d., bei den Wahlen fürs Zollparlament die Wahlfähigkeit auf hessische Bürger zu be— schränken. Der vorgelegte Gesetzentwurf über die Militärdienstpflicht in den neu erworbenen Landes- beilen wurde vom Ministerium zurückgezogen, da eine Vorlage nach den Bestimmungen des für den norddeutschen Bund geltenden Militärgesetzes dem- nächst ersolgen soll.
— Zu dem nculichen Berichte über den Bau der Riedbahn ist ergänzend zu bemerken, daß nun auch die Gemeinde Groß-Rohrheim den ihr angesonnenen Beitrag zu den Kosten der Ried- dahn mit 10,000 fl. verwilligt hat.
— Der zum Abgeordneten für das Zoll-
parlament vorgeschlagene frühere Direktor der hessischen Ludwigsbahn ⸗Gesellschaft, Commerzien⸗ tath Kempf, hat die ihm angetragene Candidatur abgelehnt. L Unter dem Titel:„Offener Brief an die Abgeordneten der zweiten Kammer der Stände des Großherzogthums“ ist eine Broschare erschienen, welche die Bedeutung der höheren Gewerbeschule der früheren Zeit, und die Unzulänglichkeit der jetzigen technischen Schule beleuchtet. Es wird darin nachzuweisen gesucht, daß die höhere Gewerbeschule nur wegen mangelnder Unterstützung sich nicht zu einem Polptechnikum emporschwingen konnte, daß es aber ein schwerwiegender Tag in der Geschichte Hessens sein würde, an welchem die Stände des Landes, entgegen der Vorlage der Regierung, die Vernichtung des Instituts beschließen würden.
— Einer uns zukommenden Nachricht zufolge, deren Richtigkeit uns jedoch noch nicht hinlänglich verbürgt erscheint, und die wir daher nur unter allem Vorbehalt mittheilen können, ist der Verkauf der Offenbach Frankfurter Bahn an Preußen, wogegen dieses den Bau der Offenbach Hanauer Bahn vornimmt, abgeschlossen, und sehlen nur noch die gegenseitigen Ratisikationen. So berichtet dit„H. Losztg.“ in ihrer neuesten Nummer.
Preußen. Berlin, 27. Jan. Abgeord- netenhaus. Der Präasident zeigte der Kammer den gestern erfolgten Tod des Abg. Reichenheim au. Ein Antrag Virchow's, betressend die Or-
ganfsation der Medicinalbehörden im ganzen Laude
und Erweiterung des Geschäftskreises der Pro-
vinzial-Medicinalcollegien,
Von der Lahn. Der„Rh. K.“ meldet,
wurde angenommen daß der Bau der nassauischen Eisenbahnen
und ebenso auch die Position für Landes-Trian-⸗ Limburg-Hadamar und Diez-Hahnstätten so rasch in Angriff genommen werden soll, als es die — Das Kammergericht cassirt in seiner heutigen nöthigen Vorarbeiten zulassen.
gulatios genehmigt.
Sitzung die Verurtheilung Twesten's zu 2 jährigem
Bayern. München. Die Reichsraths⸗
Sefingeif and erkannte auf 300 Thlr. Gele buße, kammer faßte den Beschluß, die von ihr befür⸗ eventuell 4 Monat Gefängniß, indem der Gerichtshof wortete Concessionspflicht des Buchhandels und gleichzeitig erklärte, daß er bei seiner früheren Auf- die vierjährige Dienstzeit der Cavallerie fallen fassung des Artikels 84 beharre und nur in Folge des zu lassen. Es ist somit zwischen beiden Kammern
Ausspruchs des Obertribunals anders erkennen müsse.
bezüglich des Wehrgesetzes und Gewerbegesetzes
— Wie die„Kreuzzeitung“ mittheilt, haben eine Uebereinstimmung ersolgt.
die in der Frage der Spielbanken von den
Ministern ausgesprochenen Grundsätze die königl.!
Genehmigung erhalten. Auf Grund derselben werden weitere Verhandlungen mit den Spielbank— Ge sellschaften angeknüpft, welche mit Rücksicht auf eventuelle Schließung der Banken durch ein noch in dieser Session festzustellendes Gesetz möglichst beschleunigt werden sollen. Geheimerath Wohlers wurde in dieser Angelegenheit als Regierungs- commissär nach Wiesbaden gesandt.
— Abgeordnetenhaus. Zu dem Etat der direkten Steuern beantragen: Bassenge Auf- hebung des Zeitungsstempels, Hennig Aufhebung der Mennonitensteuer. Der Regierungscommissär erklärt, die Mennonitensteuer werde im nächsten Etat auf Grund der allgemeinen Wehrpflicht im Bunde wegfallen.
— Wie aus Insterburg in Ostpreußen gemeldet wird, hat in Heydekrug ein großer Arbeiter-Crawall statigefunden. Etwa 150 Arbeiter wollten vom Baurath beim Chausseebau beschäftigt werden, da sie auf die betreffende Bekanntmachung zum Theil Meilen weit herbeigekommen. Die Zahl der zu beschäftigenden Arbeiter war aber schon complet und deßhalb Arbeit nicht zu beschaffen. Nach sehr tumultuarischen Auftritten gelang es dem Landrath die aufgebrachten Arbeiter durch Austheilung von Brod- und Suppenmarken und das Versprechen Arbeit zu verschaffen, zu be— schwichtigen.
— Der„Königsb. n. Ztg.“ wird aus einem aus dem Ragniter Kreise eingegangenen Privat. briefe folgende Thatsache mitgetheilt:„Zwei noch schulpflichtige Kinder, Bruder und Schwester, wurden von ihrer pflichtvergessenen Mutter bei einer Kalte von 15 Graden zum Betteln aus- geschickt. Am Morgen darauf wurden die beiden Kinder an der Landstraße liegend todt gefunden. Sie hatten sich sest umschlungen. Hunger und Kälte hatten sie getödtet.“
— Abgeordnetenhaus. Der Handelsminister legte einen Gesetzentwurf über das neue Eisen— bahnnetz vor. Dasselbe soll eine Bahnlänge von 290 Stunden umfassen und einen Kostenaufwand von 146 Millionen erfordern, wovon 60 Millionen zunächst zum Bau zu verwenden wären.
Frankreich. Paris. Die wegen uner- laubter Berichterstattung über Verhandlungen des gesetzgebenden Körpers vor Gericht gestellten zehn Journale wurden zu je 1000 Fr. Geldstrafe und den Kosten verurtheilt. Die telegraphische Nach richt, daß außer dieser Geldstrafe auch auf eine Gefängnißstrafe von sechs Monaten erkannt sei, wurde alsbald widerrufen.
— Der Finanzbericht von Magne sagt in Bezug auf die militärischen Ausgaben von 187 Millionen für 1868 bis 1870; Die Umwandlung des Kriegsmaterials und der Marine ist ein pa— triotisches Werk. Se. Majestät hat gedacht, daß das Interesse und die Vertheidigung des Landes, sowie die Ehre der Nation nicht gestatteten, das begonnene Werk auf halbem Wege stehen zu lassen. Macht ist in der That eine relative Sache; wenn alle Nationen einer neuen und mächtigen Militärerganisation entgegengehen, dann würde die, welche nicht fortschritte, zurückgehen; das Gleichgewicht würde zu ihrem Nachtheil gestört sein. Wir unterziehen urs dahte einer zwar drückenden, aber gebieterischen Nothwendigkeit. Es läge kein Vortheil darin, die Dringlichkeit und die Tragweite dieser Lage für die Finanzen zu verheimlichen. Es wäre eine Illuston, wenn wan hoffen würde, daß mit einem Aufwande von 187 Millionen alles beendigt sein werde. Ein großes Land, wie Frankreich, verzichtet nie auf Verbesserungen, die seine Wohlfahrt und seine Stärke vermehren können. Für die Bewaffnung wird jedoch die Hauptsache gethan sein. Die Completirung derselben, die für weniger dringend
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