Ausgabe 
28.11.1868
 
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die Beschlagnahme des Vermögens des Königs Georg, angenommen. Als Hauptgesichtspunkt stellt die Commission auf, daß die Nichterfüllung des abgeschlossenen Vertrags seitens des Königs Georg auch Preußen von der Erfüllung des Ver⸗ trags entbinde.

In dem bekannten Nachdrucksprozesse des privaldocenten Düring gegen den Geheimerath Wagener(vortragender Rath im Staatsministe⸗ rium) verurtheilte das Kammergericht am 26. d., entgegen der erstinstanzlichen Entscheidung, den Beklagten nach dem Klageantrag.

Nach derProvinzial ⸗Correspondenz wird der Bundesrath durch den Grafen Bismarck nicht eröffnet werden. Wie von Berlin geschrie⸗ ben wird, soll der von dem halbamtlichen Organ auf den 2. Dezember angesetzte Termin für die Rückkehr des Bundeskanzlers noch weiter hinaus geschoben werden und auf ärztlichen Rath über⸗ daupt nur eineversuchsweise Wiederaufnahme der Geschäftsführung beabsichtigt sein.

Im Abgeordnetenhause wurde das Gesetz, betreffend die Aufhebung des Denunciantenantheils. angenommen. Bei der wieder aufgenommenen Berathung des landwirthschaftlichen Etats recht⸗ fertigte Minister v. Selchow das eingehaltene Verfahren hinsichtlich der Consolidationen in Nassau. Der Abg. Braun wünschte Abstellung desselben, weil darin eine Bevormundung der Ge⸗ meinden durch die Regierung liege. Die Frage bleibt vorläufig offen.

Kassel. Nach Angabe derTagespost ist die Verlegung der Direction der Main Weser⸗ und der Bebra⸗Hanauer Eisenbahn von hier nach Frankfurt zu erwarten.

Bayern. München. Dieser Tage wurde von dem k. Consistorium in Baireuth eine Unter- suchung wegen eines Vergehens gepflogen, von dem man hätte denken sollen, daß es längst aus⸗ gesterben wäre. Es handelt sich um nichts Ge⸗ ringeres, als um Simonie(Handel mit geistiichen Aemtern). Ein gewisser Freiherr v. Guttenberg zu Bamberg stellte am 6. Juni 1867 für einen gewissen Pfarrer Rückdäschel eine Präsentation aus; an demselben Tage ließ er demselben Pfarrer einen auf 2000 fl. lautenden Schuldschein aus bändigen, nachdem er vorher die gedachte Summe nach Abzug von 200 fl. Proviston durch einen els Mittelsperson betheiligten Handelsagenten baar in Empfang genommen hatte.(Der Name Simonie stammt von einem Zauberer Simon, der sich göttliche Gnade durch Geld erkausen wollte[ Apost.⸗Gesch. 8J. Papst Gregor VII. setzte im XI. Jahrh. diesem Mißbtauch ein Ziel.)

Württemberg. Stuttgart. Der Re⸗ dakteur desBeobachter, Karl Mayer, ist wegen Ehrenkränkung des Grafen Bismarck von dem Criminalamt zu acht Tagen Festungshaft und 30 fl. Geldstrase verurtheilt worden. Ein Ehren- kränkungsprozeß von Seiten der preußischen Re⸗ gierung soll nachfolgen.

Oesterreich. Wien. An den 800,000 Mann zu Lande soll es noch nicht genug sein. Eine Denkschrift des Kriegsministeriums, welche dem österreichischen Marine-Etat beigegeben ist, beantragt den Bestand der österreichischen Kriegs flotte auf die Höhe von 15 Panzerschiffe, 8 Hoch dordschiffe, 16 Niederbordschiffe, 4 Avisoschiffe, 1 Werkstättenschiff, 5 Transportschiffe und 2 Yachten zu bringen. Zu diesem Zwecke wären abzuschaffen: 2 Niederbordschiffe, umzubauen: 3 Raddampfer(Transportschiffe) in Schrauben- dampfer, und neu zu bauen: 6 Panzerschiffe, 3 Avisoschiffe und 1 Werkstättenschiff.

Das Kriegs ⸗Ministerjum geht mit dem Plane um, die Bedienungs- und Fahrmannschaft der Artillerie mit sechsläufigen Revolvern zu be⸗ waffnen. Es würden bierzu mindestens 30,000 Stück erforderlich sein zu dem Preise von circa fl. 600,000.

Herr v. Beust hat seine sämmtlichen 20 Orden eingebüßt. Diese kostbaren Zeichen kaiser⸗

licher, königlicher, kurfürstlicher, groß⸗ und herzog⸗ licher Huld und Gnaden wurden von einem Diebe, det in das Schlafzimmer des jetzt in Ofen wei⸗ lenden Reichskanzlers einbrach, annectirt.

Der Bürgermeister Dr. Zelinka soll gegen eine halbe Million Gulden hinterlassen haben. Davon hat er testamentarisch 100,000 Gulden zu Stiftungen für unbemittelte Studenten, für verarmte Bürger und für Waisen der Stadt Wien bestimmt.

Der israelitische Congreß in Brünn hat beschlossen, das Bild des Kaisers Joseph, welcher die Emancipation der Juden anbahnte, in sämmt⸗ lichen Schulen der israelitischen Gemeinden Mährens aufzustellen.

Das amendirte Schulgesetz des Baron Cötvös ist, nachdem es in den Ausschüssen des Unterhauses bedeutende Abänderungen erfahren, mit großer Masorität angenommen worden. Durch dieses Gesetz wird der Schulzwang in Ungarn eingeführt; alle Gemeinden werden verpflichtet, genügende Schulen zu errichten. Der kürzlich in Stuhlweißenburg gewählte Julius Schwarz (von der Linken), welcher zuerst die überraschende Thatsache constatirte, daß 5000 ungarische Ge- meinden noch gar keine Schulen haben, erregte einen furchtbaren Tumult durch die Behauptung, die ungarische Nation sei wohl stets bereit, für das Vaterland ihr Blut zu vergießen, aber sie gebe nicht gerne Geld für die Schulen aus. Als er jedoch den Antrag stellte, die Gehalte der Lehrer an den Staatsschulen zu erhöhen, erklärte der Unterrichtsminister Baron Eötvös dies für unthunlich; auch in andern Ländern, Amtrika und die Schweiz ausgenommen, seien die Lehrer schlechter bezahlt, als alle übrigen Staatsdiener. Die Majorität fand dieses Argument treffend und lebnte den Antrag des Julius Schwarz ab.

Herr v. Beust, sagt heute eine Stimme aus dem Preßbureau, wird alle Klugheit aufbie⸗ ten, um den Aus bruch eines Kampfes zu vertagen. Entsteht aber trotzdem Krieg, so wird Oesterreich auch mit dem äußersten Aufwand aller Mittel sich an dem Kampfe betheiligen zum Schutz und zur Förderung seiner Interessen. DerPester Lloyd protestirt indeß gegen die Behauptung, daß Graf Andrassy ebenso kriegslustig sei, wie Baron Beust. Das Deal'sche Organ versichert ferner, daß ein Minister, der sich an einer deutschen Restaurations-, politik betheiligen wollte,nicht zehn Mann in Ungarn finden würde, die ihm folgten; Ungarn brauche und wolle den Frieden.

Schweiz. Bern. Der Chef des eidgenössischen Militärdepartements hat dem Bundesrath einen Gesetzentwurf und Bericht über die Reorganisation der schweizerischen Heerverfassung vorgelegt. Der neue Organisationsplan, welcher so umfassend und radical ist, daß er unmöglich in der nächsten Session schon discutirt werden kann, bezweckt, alle Mängel, welche man an der schweizerischen Wehrverfassung erkannt hat, zu beseitigen, die schweizerische Armee schlagfertiger zu machen und zugleich die Zahl der Combattanten zu vermehren. Wird die Organisation angenommen, so ist die schweizerische Wehrkraft um 50 pCt. erhöht.

Frankreich. Paris. DiePatrie sagt, ein Artikel derNordd. Allg. Ztg. sucht zu beweisen, daß Preußen, was unter den gegen- wärtigen Verhältnissen sehr wichtig sei, in der orientalischen Frage keine, von denjenigen der Westmächte abweichende Haltung einnehme, indem es den Umtrieben in Bukarest keinerlei Beistand zu Theil werden lasse.

Der porlugiesische Gesandte am hiesigen Hofe, Herr d' Avilo, spielt in den Verhandlungen, zu welchen die spanische Thronfrage Anlaß gab, in aller Stille eine wichtige Rolle; er ist der persönliche Vertrauensmann Dom Ferdinand's und als solcher schon zweimal in Compiegne empfangen worden. Ueber das Ergebniß dieser Audienzen waltet noch das strengste Geheimniß; gewiß ist aber, daß die französische Regierung sich seit tiniger Zeit bei anderen Gelegenheiten dem Lissaboner Hofe sehr angenehm zu zeigen sucht.

Die kaiserliche Regierung hat erklärt, daß von jetzt ab die Unterstützungen polnischer Emi⸗ granten aufhören werden. Viel von sich reden macht gleichzeitig ein in Aussficht stehender Erlaß

der russischen Regierung, nach welchem künftig gallen Polen das Reisen untersagt sein soll, wenn

sie nicht eine ärztliche Bescheinigung darüber bei⸗ bringen, daß Gesundheitsrücksichten vorhanden sind, die eine Dispensation wünschenswerth machen. In aller Kürze würde diese menschenfreundliche Anordnung officiell publieirt werden.

Großbritannien. London. DiePost widerspricht dem Gerücht, daß das Cabinet am 9. Dezember abtreten werde. Dasselbe beabfichtige mit der Abstimmung über ein Mißtrauensvotum, welches von der Opposition sofort bei Eröffnung des Parlaments beantragt werde, zu stehen oder zu fallen.

Nachrichten aus Bombay vom 20. Nov. melden, daß zwischen Schir Ali und Abdul Rahman eine blutige Schlacht stattgefunden hat. Der Letztere wurde gänzlich geschlagen und floh nach Balkh.

Spanien. Madrid. Der Contrakt mit dem Hause Rothschild, die Anleihe zum Effektiv⸗ betrag von 400 Millionen Realen betreffend, ist nun positiv von dem Minisier der Finanzen und dem Vertreter des genannten Bankhauses unter- zeichnet worden.

Das Contingent von 4600 Freiwilligen, welches nach Cuba abgehen soll, ist marschbereit; eben so sind die vier von der Compagnie Lope; der Regierung zum Transport des Contingents zur Verfügung gestellten Schiffe segelfertig. Am 30. Nov. wird von Cadix aus eine imposante Escadre in See stechen, wie sie seit lange nicht nach Cuba abgesendet worden ist. Es beweist dies, setzt derImpartial zu dieser Nachricht hinzu, einen Eifer und eine Thätigkeit von Seiten unserer Regierung, welche nicht genug anerkannt werden können.

Ein von Herrn Orense aus den Bädern von Archena an die Republikaner Europa's ge⸗ richteter Brief hebt mit den Worten an:Freunde, seid sicher, daß die Republik in Spanien beprün⸗ det werden wird.

Ein Journal von Santander schlägt eine Personalsteuer für jeden nicht verheiratheten Mann von 30 bis 60 Jahren vor. Dieser Tage haben in großer Menge Bekanntmachungen eireu⸗ lirt, welche Don Ramon Cabrera zum Könige von Spanien empfehlen.

Im Zarzuela-Theater(Vaudeville) erregt eben ein Stück von Enrique Zumel:Tyranni⸗ siren ist nicht Regieren, allgemeines Aufsehen. Sujet ist, wie man leicht erräth, die Bourbouen⸗ wirthschaft. Uebrigens ist Zumel auch der Ver⸗ fasser des satyrischen Vaudevilles:Es lebe die Freiheit! das die gegenwärtigen interimistischen Zustände mit vielem Geschick geißelt, und sich durch seine offene Sprache die Ungnade der officiösen Iberia zugezogen hat.

Italien. Florenz. In der Deputirten⸗ kammer wurden mehrere Interpellationen angekün⸗ digt: über die Hinrichtung Mortis und Tognettis zu Rom(s. Rom), über die päpstliche Schuld und über die Beziehungen Frankreichs zu Italien. Menabrea erklärt, daß er im gegenwärtigen Augenblick die Discussion weder über die päpst⸗ liche Schuld, noch über die Beziehungen Frank- reichs zu Italien annehmen könne, daß er aber frei und ohne Rückhalt sich äußern werde, sobald die Umstände es erlaubten. Die Regierung gehe vollständig einig in dem Gefühle der Entrüstung des Landes und der Kammer wider diesen nicht näher zu bezeichnenden Act des Papstthums und habe alles Mögliche gethan, um die Regierung des Papstes davon in Kenntniß zu setzen. Die Kammer nahm darauf die Tagesordnung Correnti's: Das Haus erklärt sich für die Regierung in der Verdammung des neuesten Actes des Papstihums mit 147 gegen 119 Stimmen an.

In allen italienischen Städten wird eine Subseription eröffnet, um gegen die Hinrichtung der in Rom verurtheilten Märtyrer der Freiheit, Capitän Monti und Tognetti, zu protestiren.

Das der Kammer vorgelegte Budget für 1869 weist folgende Bilanz auf: Total der Ein⸗ nahmen 929,560,522 Frs., Total der Ausgaben 1,011,337,108 Frs., Deficit also nur 81,776,585 Frs. Hierzu kommen die Einnahmen, welche der Minister aus der Verwerthung geistlicher Güter

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