Ausgabe 
28.7.1868
 
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Sachsen. Gotha. Dr. Petermann hat Nachrichten von der deutschen Nordpolexpedition erhalten, die bis zum 20. Juni reichen. Hier nach hatte dieselbe die Breite von 75½ Grad erreicht. Grönland war schon in Sicht gekommen. Schiff und Mannschaft hatten sich ausgezeichnet bewährt.

Weimar. Der deutsche Turntag war aus allen Theilen Deutschlands sehr zahlreich besucht. Die Verhandlungen nahmen zwei Tage in An spruch. Sie bezogen sich hauptsächlich auf ein neues Statut mit Geschäftsordnung für den ge⸗ sammten deutschen Turnverband und auf die Frage wegen Abhaltung des nächsten allgemeinen deutschen Turnfestes. Von besonderem Juteresse war ein Jugendturnen, welches von 200 Knaben aus Apolda unter Leitung ihrer Lehrer ausge führt wurde.

Baden. Karlsruhe. Außer dem nord deutschen Bunde, Bayern und Württemberg hat nun auch Baden einen Naturalisations-Vertrag mit den vereinigten Staaten von Nordamerika ab geschlossen. Nach demselben soll ein in die Heimath zurückgekehrter ehemaliger Badenser, insofern er

denkt und davon spricht. Geschick eines Menschen!

bei ibm zur fixen Idee geworden, die ihn

danken an die Tücke seiner Feinde.

vertrag ist nicht zu Stande gekommen. Dem freien Belgien schien doch die Sache etwas be denklich. Sein Verdienst ist es wohl, daß die fein angelegte Geschichte an die Oeffentlichkeit kam und die Aufmerksamkeit der Garantiemächte wach wurde. Zuerst Handelsvertrag, darauf Militärvertrag, darauf vielleicht noch etwas mehr, der Weg ist nicht nach dem Geschmack der belgi⸗ schen Regierung.

DerMoniteur vom 25. d. sagt in seiner Rundschau: Es scheinen neue Versuche in der Absicht gemacht worden zu sein, um be waffnete bulgarische Banden zu provociren, die Donau auf cinigen Punkten zwischen der Dobrutscha

das amerikanische Bürgerrecht erworben hat, nur dann wegen Nichterfüllung der Wehrpflicht zur Rechenschast und Strafe gezogen werden, wenn die Auswanderung stattgesunden, nachdem er bei der Aushebung der Wehrpflichtigen bereits als Rekrut zum Dienste im stehenden Heere heran⸗ gezogen war; ferner, wenn er schon im Dienst und unter den Fahnen stand, oder auf bestimmte Zeit beurlaubt war; endlich, wenn er als auf unbestimmte Zeit Beurlaubter oder als Reservist oder als Landwehrmann ausgewandert ist, nach dem er bereits eine Einberufungsordre erhalten, oder nachdem bereits eine öffentliche Aufforderung zur Stellung erlassen oder der Krieg ausgebrochen war. Der Vertrag wegen Auslieferung flüchtiger Verbrecher wird unverändert fortbestehen. Der amer'kanische Gesandte ist zum Zwecke des Ab⸗ schlusses eines ähnlichen Vertrag bereits in Darm stadt eingetroffen.

Oesterreich. Pest. Arthur Görgey ist mit 4000 fl. jährlichen Gehaltes zum Direktor der Drasche'schen Ziegelei bestellt worden, nach der an ihn ergangenen Aufforderung,sein reiches chemisches Wissen im Interesse der Unternehmung zu verwerthen.

Frankreich. Paris. DerAbend⸗Moniteur vom 24. d. führt in seiner politischen Wechenschau an, daß die meisten gesetzgebenden Versammlungen in Europa ihre Sessionen nunmehr geschlossen haben. Die französischen, englischen und italienischen Kammern werden in einigen Tagen schließen. Auf keiner Tribüne, bezeugt das officielle Organ, kam es zu aufreizenden Discussienen über die

führen aus, daß General Lamarmora mit seiner

und Widdin zu überschreiten, und hatten in Folge dessen mehrere Gefechte bei Rustschuk stattgefunden. Die ottomanische Regierung hat dem Mithard Pascha Befehl ertheilt, sich mit einigen Bataillonen an die Donau zu begeben, um die Ordnung wieder herzustellen. Großbritannien. London. DieMor⸗ ning-Post hält es für wahrscheinlich, daß die internationale Commission, welche in Petersburg zur Berathung über die Explostonsgeschosse zu⸗ sammentritt, auch eine Vereinbarung bezüglich partieller Entwaffnung discutjren werde. Die frühere officielle Ablehnung der Congreß-⸗Vorschläge des Kaisers der Frarzosen sei nicht die Antwort des britischen Volkes gewesen; hoffentlich werde Napoleon III. mit dem russischen Kaiser zur Ver⸗ wirklichung seiner wohlwollenden Absichten zu⸗ sammenwirken. Montague theilt am 24. d. im Unterhause mit, die Regierung habe Nachricht von dem Aus bruch der Rinderpest in Egypten und Volhynien erhalten.

Spanien. Nach einer im Londoner Par lament stattgehabten Erörterung ist ein spanischer Lehrer, Julian da Vargas, in seiner Heimath als Verbrecher eingekerkert und mit 17 Monat Gefängniß bedroht, weil er in seinem Hause cine spanische Bibel, sowie einige franz. protestantische Bücher gehabt, und man ihn der Verbreitung protestantischer Lehren bescheldigt. Das ist in der That ächt spanisch!

Italien. Florenz. Die hiesigen Journale

Seltsames, wunderbares Dieser Thron war der Traum seines Lebens, der Gedanke daran war in Straßburg und Boulogne fast lächerlich werden ließ, und jetzt, nachdem er sein Ziel erreicht, in- mitten alles irdischen Glanzes und Ruhmes, sitzt er da, niedergebeugt, geknickt fast von dem Ge

Der französischniederländische Handels

auswärtige Politik. sich überall zu Gunsten der Ideen der Mäßigung ausgesprochen, und hat die Regierung in der fried lichen Aufgabe, welche das Ziel ihrer gegenseitigen Bemühungen ist, unterstützt.

Auf den weichen Polstern des französischen Thrones ruht sich's wohl nicht süß. Napoleon hat auf seiner Zurückgezogenheit in Fontainebleau Muße und Veranlassung gehabt, über die Wandel barkeit menschlicher Geschicke nachzudenken, und auch der Geringste unter uns würde ihn nicht beneiden um die Stimmung, aus welcher heraus er bei Gelegenheit der Ermordung dis Fürsten Milosch jene Worte sprach, die nun ihren Rund Zang durch die Zeitungen gemacht haben. Er denkt allen Ernstes an die Möglichkeit, unter der Dand eines Meuchelmörders sterben zu müssen, und spricht von den Folgen, die sein Tod in iesem Fall nach sich ziehen würde. Nach ihm würde derselbe nur zur Befestigung seiner Dynastie 160»ienen. Die unvermeidliche Strafe für das Ver rechen sei immer die, daß die Folgen desselben »as Gegentheil von dem seien, was erstrebt wor »en. Das ist gewiß wahr, wenn auch nicht ganz n dem Sinn, wie es Napoleon meint; das Wichtigste bei der Sache wird aber mit uns Uanchem Leser nicht das sein, was Napoleon über fnen solchen Fall denkt, sondern daß er über ö haupt und zwar so ernstlich und eingehend daran

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Die öffentliche Meinung hat

Veröffentlichung und Interpellation die gulen Be ziehungen zwischen Italien und Preußen habe stören wollen, daß er damit aber die entgegen- gesetzte Wirkung hervorgebracht habe; nichtsdesto weniger bestehen die Journale darauf, daß die Angelegenheit einer eingehenden Untersuchung unter⸗ zogen werde.

Amerika. New⸗Nork. Es ist jedenfalls fürden Weltfrieden von großer Bedeutung, welche Stellung England und Amerika zu einander haben. In dieser Beziehung sind die Abschiedsworte Reverty Johnsons, des neuen amerikanischen Ge sandten in London, womit er seinen Sitz im Senat verließ, nicht unwichtig. Mögen auch, sagte er, zur Zeit noch Differenzpunkte zwischen uns und England vorhanden sein, so zweifle ich dennoch nicht, daß sie verschwinden werden; die Interessen beider Nationen drängen zu sehr nach einem gegenseitigen freundlichen Einvernehmen. Der Congreß ist nunmehr vertagt. Seit 10 Tagen herrscht glühende Hitze, 40 Todesfälle durch Sonnenstich werden gemeldet.

Frankfurt. Die Königin Augusta ven Preußen hat für 300 Gulden Loose von der Dom haulotterie an kaufen lassen. Es ist dabei hervorzuheben, daß die Monarchin um ihre Theilnahme nicht besonders gebeten worden ist, und der Enischluß, die Dombaulollerie in dieser Weise zu unterstützen, lediglich aus eigenem An

triebe erfolgt ist. Von der Dombaulotterie selbst ist nur

Frankfurt. Im hiesigenBeobachter wirb von privater Seile der Vorschlag gemacht, die profectirten Wintergärten nicht auf die Bockenheimer Chaussce, sondern in den ehemalig kurfürstlichen Garten am Untermain zu egen. Dieser Vorschlag verdient eine kräftige Unterstützung. Vorausgesetzt, daß die Möglichkeit gegeben ist, von der hessischen Ludwigsbahn Gesellschaft das Terrain kauf⸗ oder pachiweise zu erwerben, findet sich unbedingt kein günstigeret Platz für das Project.

Frankfurt. Vor einigen Tagen brannte ein Haus mit Stall und Scheune in Harheim ab. Bei dieser Ge⸗ legenheit kamen die Burschen aus den benachbarten Ort⸗ schaften, welche zu Hülse geeilt waren, in Collision, wobei ste mit ben Spritzen aufeinander seuerten, da jedoch diese Thällichkeiten spätec zu weiteren Handgreiflichkeiten über⸗ gingen und die Gendarmen insultirt, d. b. durchgeprügelt wurden, so fanden gestern in den hessischen Orischaften viele Verhaftungen, in Eschbach allein 17, statt. Die Del'quenten wurden sämmllich nach Vilbel trans portirt.

Darmstadt. An den Bahnhöfen, sogar in den Zügen tleiben sich Subjecte herum, welche dem Publikum goldene Uhren Ninge u. s. w. zu verkaufen suchen und zwarwegen Mangel an Raum. G yt J'mand in die Falle und läßt sich durch den sehr billigen Preis verlocken, so darf er sicher sein, statt Goldes wecrthloses, höchstens stark vergoldeles Zeug über den zehnfachen Werth bezahlt zu baben. Mögen diese Zeilen dazu beitragen, um diesem Schwindelunwesen ein Ende zu machen.

Darmstidt. Die neuesten Mittheilungen der Gr. Hess. Centralstelle für Landesstatistik(Nr 67) gibt eine Uebersicht der ortsanwesenden Bevölkerung des Groß⸗ herzogthums nach den drei letzten Volkezählungen vom 3. December 1861, 1864 und 1867. Wir enlnehmen derselben, daß die Einwohnerzahl des Großherzogihums im Jahre 1861 84677 Scclen betrug, daß sie 1864 auf 853,316 stieg, aber durch Gebietsverlust auf 816.926 sank, dagegen sich bis 1867 auf 823,800 bob. Die Zunahme von 1861 auf 1861 betrug daher 11,639, bie von 1864 auf 1867 nur 6,874, nicht viel mehr als die Hälfte der vorhergegangenen drei Jahre. Diese Vermehrung kommt allein auf Starkenburg, wo nur in den Kreisen Bensheim und Dieburg kein Zuwachs stattfand, Oberhessen schließt abgesehen von dem Mangel in Folge von Gebletsver⸗ lusten mit einem Verlust von 675, Rheinhessen mit einem Verlust ven 810 Einwohnern ab. Es sind die Kreise Alsfeld, Grünberg, Friedberg, Nidda, Schotten, Alzey und Oppenheim, wolche diese Abnahme zeigen. Darmstadt. Zur Etörterung der Frage, ob im Anschluß an die Einkommensteuer auch für das Ein⸗ kommen unter 800 fl. eine andere Besteuerung an der Stelle der damaligen Personalsteuer einzuführen sein wird, hat Gr. Ministerium der Finanzen die alsbaldige Vor nahme von Probeabschätzungen für die ganzen Steuer- commissariate Michelstadt, Hungen, Lauterbach, Oppenheim, sowie die Slädle Darmstadt, Offenbach, Gießen und Mainz angeordnet. Die resp. Bürgermeister werden durch die Kieidämter angewiesen, den Steuercommissären bei den fraglichen Vorarbeiten in geeigneter Weise an die Hand zu gehen.

Minden. Am 19. Juli entlud sich in dem Dorse Todtenhausen, eine Stunde von hier, ein schweres Ge⸗ wiiter, während gerade eine Hochzeit gefeiert wurde. Bei dem plotzlich enlstehenden Sturmwinde wird ein Birnbaum so stark geschültelt, daß die Früchte zur Erde fallen, zwei kleine Mädchen und ein Junge laufen aus dem Hause, um die Birnen zu sammeln, da ein Schlag und die beiden Mädchen sind Leichen, der junge fühlt nur eine Lähmung am Fuße. Eines der beiden Mädchen ist die einzige Tochter eines Colonen, die andere Tochter des Lehrers.

Wie leicht entzündlich und feuerfangend bei der herrschenden großen Hitze Alles geworden ist, davon haben wir bel dem vor einigen Tagen stattgehabten Brande in der Vorstadt ein zu vermehrter Vorsicht mahnendes Beispiel erlebt und nur den energischen Anstrengungen unserer wackeren Feuerwehr im Verein mit den zur Hilfe und Rettung Herbeigeeilten gelang es, das Feuer auf seinen Herd zu beschränken und größeces Unglück zu verhüten. Gleichwohl konnte nicht verhindert werden, daß von dem weithin strömenden Funkenregen und der glühenden Hitze das trockene Gras an der jenseits der brennenden Hof⸗ raithe hinziehenden Straßenboͤschung Feuer fing und, ebne weiteren Schaden zu thun verbrannte; ebenso leicht konnte sich ein anderer ähnlicher leicht brennender Gegenstand enizünden, und ebenso leicht kann dies aus anderen Ur⸗ sachen, aus dem abfliegenden Funken einer Cigarre ꝛc. ge schehen. Darum ist Vorsicht, Vorsicht mit dem Feuer, 1 6t doppelt von Nöthen, denn das Unglück schreitet schuell! Eine gewiß nicht überflüfsige Vorsicht mochte aber unter andern sein, die Dampfdreschmaschinen aus den Hof⸗ raiihen und Orten zu verbannen und hinaus, auf das freie Feld zu verweisen denken wir uns die Dresch⸗ maschine mit der Funken sprühenden Lokomodile in einem der mitten in unserer Stadt gelegenen Hofraithen und!

Eingesandt. Wie wir hören werden am Mittwoch den 29. Juli die Opernsänger Tenorist Pfeiffer und Bassist Rechtmann ein Concert auf der Windeckerschen Felsenkeller veranstalten. Die genannten Herren hatten sich in mehreren großen Städten, wo sie Concerte gaben der größten Anerkennung zu erfreuen, so daß wir überzeugt sind, daß dem geehrten Publikum von bier und der Umgegend ein genußreicher

Günstiges zu brrichten.

Abend ebenfalls bereitet wird.