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„ Ein Abenteuer der Kaiserin Eugenie. Ein Pariser Correspondent der„N. Fr. Presse“, der sich nichts Pikantes entgehen läßt, auch wenn es noch so übel riecht, schreibt: Es ist viel die Rede von einem unan⸗ genebmen Abenteuer, welches der Kaiserin Eugenie zu Orleans begegnete, als sie das ausgestellte Vieh besichtigte. Eine schlecht erzogene Kuh fand es für anständig, gerade in dem Augenblicke, wo die Kaiserin hinter ihr vorüber⸗ ging.... Nein! ich kann Ihnen dieses Abenteuer nicht erzählen; ich muß mich darauf beschränken, Ihnen zu sagen, daß Ihre Majestät eiligst vollständig Toilette wechseln mußte.
% Ein Berliner Photograph wandte sich kürzlich an einen Geschäftsfreund in Wien mit der Bitte, ihm das Bildniß der Giftmischerin Julie Edergenyi zum Copiren zu übersenden. Der Bitte wurde alsbald entsprochen und machte der Berliner Photograph ein recht gutes Geschäfst, dis sich herausgestellt, daß das unter dem Namen Ebergenyi verkaufte Portrait dasjenige der Fürstin Fürstenherg ist. Letztere hat wegen dieses Mißbrauchs die Hülfe der Berliner Gerichte angerufen.
Schwurgericht der Provinz Oberhessen. III. Quartal 1868.
Haupt ⸗Geschworne:
1) Peter Blecher IV., Bürgermeister in Ober⸗Rosbach, 2) Karl Hoos, Fabrikant in Lauterbach, 3) Friedrich Habicht, Branntweinhändler daselbst, 4) Caspar Schmier mund, Oeconom in Ober⸗Seibertenrod, 5) Jacob Burck, Bierbrauer in Friedberg, 6) Peter Kleberger II., Land⸗ wirth in Melbach, 7) Georg Sann, Weinzäpfer in Lauter, 8) Heinrich Carle, Bürgermeister in Ruppertenrod, 9) Johannes Viehl II., Bürgermeister in Rainrod, 10) Georg Jehner I., Müller in Schwalheim, 11) Dr. Rudolph Leuckart, Professor in Gießen, 12) Georg Ewald IV., Oeconom in Ockstadt, 13) Friedrich Keil, Landwirth in Melbach, 14) Philipp Keil II., Landwirth in Melbach, 15) Samuel Windecker, Kaufmann in Fried⸗ berg, 16) Christian Landmann IV., Schildwirth in Gedern, 17) Johann Peter Schneider, Fruchthändler in Borsdorf, 18) Peter Kratz, Färstlicher Kammerrath in Lich, 19) Johannes Jakobi VI., Bürgermeister zu Rod⸗ heim, Kreis Vilbel, 20) Karl Haberkern, Kaufmann in Grünberg, 21) Conrad Römer, Ellenwaarenhändler in Schlitz, 22) Hermann Steinberger, Hofgerichts- Advokat in Gießen, 23) Martin Hartmann, Färber in Grünberg, 24) Georg Rasch, Schildwirth in Freien⸗Steinau, 25) Heinrich Walter, Landwirth in Maar, 26) Andreas Gemmer II., Bürgermeister in Zell, 27) Johannes Euler V., Kaufmann in Langen⸗Bergheim, 28) Jacob Wießler, Ellenwaarenhändler in Butzbach, 29) Conrad Köhler, Materialienhändler in Lich, 30) Alexander Rieß Bürgermeister in Nauheim.
H. Schulze⸗Delitzsch und das Genossen⸗
schaftswesen. (Forisetzung.)
Wie die heutige Wissenschaft allgemein die Tendenz hat populär und praktisch zu werden, so tritt diese Richtung nirgends deutlicher zu Tage, als in den mit überstürzender Hast sich vollziehen⸗ den Erfindungen und Entdeckungen im Dienste der Industrie und Kunst. Sie alle gehen dem großen Ziele zu, die mechanisch verwendete Men- schenkraft durch Maschinen zu ersetzen; großartige Etablissements taugen überall auf, bedrohen den Kleinbetrieb in allen Gewerben und die Aus— scheidung eines gewerblichen Proletariats ist die unausbleibliche Folge. Man merke aber wohl: es ist eher ein bloßes Ausscheiden, als ein Bilden desselben. Eine Verbesserung und Con- solidirung in den gesellschaftlichen Zuständen der unteren Klassen in dem Sinne, daß sie mit den Fortschritten der großen Erfindungen und Um- gestaltungen der Arbeit, mit der Ausbildung und Verbreitung der theoretischen und praktischen Wissenschaften, mit der veränderten Lebensweise kurz mit den Culturverhältnissen der Neuzeit Schritt halten, ist zur Nothwendigkeit geworden
und das Genossenschaftswesen greift dabei nament⸗
lich dem Arbeiterstande und dem kleineren Hand— werker mächtig unter die Arme. Was dem Ein— zelnen zur Erreichung eines erwerblichen Zweckes nicht möglich, das wird ihm leicht möglich, wenn er mit Vielen, die dasselbe Ziel verfolgen, in einen Verein tritt, dessen einzelne Mitglieder sich verpflichten solidarisch für einander zu haften. Dieß gilt namentlich in Bezug auf Creditbeschaffung. Dem kleinen Manne, dessen Einnahme eine so geringe ist, wird es sehr schwer fallen, ohne Pfand Geld geborgt zu bekommen; gehört er aber einer Genossenschaft an, so wird ihm dieß leicht, da der Credit, welcher sich ihm entzog, sich jetzt der Gesammtheit zuwendet, bei der die ge— botene Sicherheit ungleich größer ist, weil ja Jeder für das Ganze verantwortlich ist. Mit Nichts, mit gar nichts, bloß durch Selbsthülfe, können auf diese Art Kapitalien verschafft werden, deren weise Benutzung jedem Mitgliede zu Gute
kommt. Gesetzt, es träten 200 unbescholtene Männer zu einer Genossenschaft zusammen, ver- pflichteten sich solidarisch für einander zu haften und jeder derselben repräsentire nur ein Vermögen von 1000 fl., so würde der ganze Verein, als Repräsentant eines Vermögens von 200,000 fl. dastehen und ihm wäre es ein Leichtes, von jedem Bankierhause ein Kapital von 50,000 fl. und mehr vorgestreckt zu bekommen.
Außer der solidarischen Haftbarkeit bestehen die weiteren Vortheile der Genossenschaft in einem ökonomischen Ertrage, welcher in der Form einer Dividende, oder als Zins und Dividende den landesüblichen Zinssuß weit überschreitet und wenn auch das einzelne Mitglied bei erhaltenen Vorschüssen bedeutende Zinsen zahlen muß, so hat dieß gar nichts zu sagen, da es ja wieder an dem gemeinsamen Erwerb des Vereins betheiligt ist. Dann ist das Opfer auch gar kein so großes, wenn ich ohne alle Lauferei, ohne Kosten und Schwierigkeiten z. B. augenblicklich 100 fl. auf 4 Wochen erhalten kann und zahle dafür an die Vereinskasse 1 fl. Zins. Jeder Creditbedürftige wird dieß mit Vergnügen thun, für die Vereins- kasse würde dieß aber schon eine Zins einnahme von 12 Prozent betragen.
Ferner werden in einer Genossenschaft die Vereinsmitglieder zu eigener Kapitalbildung veranlaßt und dieß ist ebenfalls nicht gering an⸗ zuschlagen. Die Genossenschaften bieten weiter noch alle Vortheile, welche der Großbetrieb bietet, wohlfeileren Kauf im Großen, Minderung aller Nebenkosten 1c. Endlich wirken die Genossen⸗
schaften wie dieß die Erfahrung gelehrt hat, auf
Erweckung, Hebung und Stärkung der Moralität, auf Förderung der intellectuellen Bildung ihrer
Mitglieder und diese sittlichen Vortheile sind ebenso hoch anzuschlagen, als die angeführten materiellen.
In Deutschland sind es hauptsächlich zwei Männer, welche sich um das Genossenschaftswesen hochverdient gemacht haben, Huber in Wernigerode am Harz, und Herm. Schulze in Delitzsch, einem Landstädtchen der Provinz Sachsen.
(Fortsetzung folgt.)
Holzversteigerung
in der Oberförsterei Bingenheim.
1300 Dtenstag den 2. Junt l. J., des Morgens um 9 Ubr, werden in dem von Parnter'schen Walde beim Häuserhof versteigert:
Scheitholz. Prügelholz. Stockholz. Relspolz. Sitte cd n.
Holzart: Buchen 2⁵ 19 38 94 Eichen— 11— 39
60 Stück Eichen Stamm- und Stangenholz, von 3—7“ Durchm. und 35“ Länge= 333 Cubikfuß enthaltend.
Die Zusammenkunft und der Anfang ist am Kratzwald.
Häuserhof den 25. Mat 1868.
Schmidt.
Braunkohlen- Verkauf.
1174 Montag den 18. Mai d. J. beginnt auf den
Gräflichen Braunkohlenbergwerken bei Ossenheim und Bauernheim
der Verkauf neu geformter Kohlenklötze. 12 Kreuzer.
Gleichzeitig beginnt eine neue Creditperlode.
Der Preis 2 Centner- 14 Stück Klötze beträgt auf beiden Werken
Gegen Einlage vorschriftsmäßiger Bürgscheine, welche für
belde Werke Gültigkeit haben, wird bis Ende dieses Jahres Credit, verbunden mit einer Zahlungsfrist dis Ende
März 1869, gestattet.
Der gemessene Centaer Holzkoblen kostet auf beiden Werken 16 Kreuzer.
„
Da indessen nur geringe Quan⸗
titäten abgegeben werden können, so wolle man sich vorher auf Anfragen vergewissern, ob die gewünschie Quan⸗
tität vorhanden ist. Ossenheimer Bergwerk den 12. Mat 1868
Gräfliche Bergverwaltung Chelius.
luft zu ernähren, beruht. em Gemenge vieler Kräuter- und Gräserarten dichter stehen kann
and mittleren Boden in die Stoppeln gesät und geben dann 100 is 120 Ctr. grüne Masse.
Der Buchweizen geräth auf schwererem und leichterem Zoden, gibt aber auf dem schweren mehr. Durchschnittlicher Ertrag uf gutem Boden 60 bis 90 Ctr., auf schlechtem 30— 50 Ctr.
Die andern noch erwähnten Pflanzen eignen sich weniger zur Gründüngung.
Es dürfte in manchen Fällen auch eine gemischte Gründüngungs— mat anzurathen sein. Patzig hält für trocknen Sandboden, Spörgel und Wasserrüben zugleich ausgesät, für die vortrefflichste und wohlfeilste Gründüngung und Nebbien sagt in seinem Futter- und Weidebuch darüber:
„Der Unterschied an Kraft, wenn man nur eine Pflanzenart zur Gründüngung aussät, oder aber sie aus mehreren und zwar aus 10 bis 20 Kräuter⸗ und Gräserarten zusammensetzt, erklärt sich laraus, daß die vielen Pflanzen eine zusammengesetzte Nahrung aus ter Luft ziehen, folglich nicht aus dem Boden allein; jede Pflanze lat eine andere Aneignungskraft aus der Luft- und Bodennahrung ils die andere; die eine scheidet aus, was die andere aufnimmt; karum sind die Blätter und die Stengel an einer jeden Pflanzenart anders gestaltet, weil darauf ihre eigenthümliche Art, sich aus der Daher ist es also sehr erklärlich, warum
und dabei auch uͤppiger wächst, als wenn man nur eine einzelne Pflanzenart aussät. Hierdurch aber bringt das, aus vielerlei Gräser, und Kräuterarten zusammengesetzte Gemenge einer Kräuterdüngung 1) eine größere Masse von organischen Stoffen und 2) eine größere Vielartigkeit der Stoffe in den Boden, weil in jeder Pflanzenart eine andere Verbindung der Stoffe und ein anderes Ueberwiegen dieser oder jener Stoffe besteht.
Sehen wir nun noch, welche Vortheile die Gründüngung bietet, so sind es hauptsächlich folgende:
1) können wir durch sie entlegene Felder oder solche, deren Zufuhr beschwerlich ist, weit billiger dungen, als mit Stallmist;
2) leistet sie beim Antritt einer Gutswirthschaft, wo es an Vieh und Dunger fehlt, vorzügliche Dienste;
3) verbessert sie die physikalische Beschaffenheit des Bodens;
4) liefert sie dem Boden Humus und Stickstoff;
5) können durch sie leichte trockne Sandböden, welche sonst zur Kultur nicht geeignet sind, weil sie die Feuchtigkeit nicht halten, und die Thaubildung in ihnen unbedeutend ist, auch keine Bindigkeit be— sitzen, in tragbares Land umgewandelt werden;
6) macht sie schweren kalten Boden lockerer und wärmer.


