Ausgabe 
25.2.1868
 
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meines Volkes. Hoffen wir, daß, was Deulsch⸗ land verloren, seine Ausgleichung finde durch die Anziehungskraft gleicher Gesittung und gleicher Inkeressen. Die Thronrede zählt hierauf die beschlossenen Reformen auf und sagt zum Schluß: Mit mir haben Sie es auf sich genommen, vom Volke Opfer zu fordern, damit es für ernste Zeiten gerüstet sei, die Früchte des Friedens zu schützen und das Vaterland im Falle einer Be- drohung mit Kraft und Hingebung zu vertheidigen. Unsere Pflicht ist es, uns ebenbürtig an die Seite unserer Nachbarn zu stellen. Scharfe Gegensätze sind im Kampfe der Meinungen zu Tage getreten, aber sie finden ihre Versöhnung in der ungetheilten Liebe Aller zu unserm theueren Württemberg, zu unserm großen Vaterlande.

In der letzten Sitzung des Abgeordneten hauses sagte der Präsident Weber in der Ab schiedsrede: Die Frage über das Ziel, dessen Erstrebung uns bei unveränderter Sachlage von der nationalen Idee wie von den materiellen In teressen geboten wird, hat einen Gegensatz der Ansichten bei uns hervorgerufen, wie er so schroff kaum irgendwo hervorgetreten ist. Auch in diesem Saale ist im Laufe der letzten Ständeversammlung der Kampf dieser wiederstreitenden Ansichten aufs Neue heftig entbrannt bei der Berathung über den Allianz⸗ und Zollvertrag, über das veränderte Wehrgesetz, das Contingentsgesetz und den Militär etat. Die Zukunft wird die Entscheidung bringen, welcher der von den verschiedenen Parteien ein

geschlagenen Wege für das Wohl des Vaterlandes

der bessere war.

Frankreich. Paris. An mehreren Abenden der vorigen Woche haben innerhalb und außerhalb des Odeon unruhige Auftritte statt gefunden. Am Pont⸗Neuf lieferten die Diener der öffentlichen Gewalt dem dichten Haufen, der vom Odeon herabströmte, eine Schlacht, welche mit vielfachen Püffen und der Verhaftung einer Anzahl junger Leute endigte. Es sind deren vier, nämlich drei Studenten und ein Buchdrucker, vor die siebente Kammer des Zuchtpolizeigerichts auf nächsten Monat vorgeladen, um daselbst wegen wörtlicher und thätlicher Beleidigung der in Aus- übung ihrer Funktionen beschäftigten Polizei Agenten verurtheilt zu werden. Zwei der jungen Leute befinden sich in Haft.

Großbritannien. London. Die Times berichtet, daß innerhalb der letzten vierzehn Tage mindestens 50,000 Quarters Weizen von Falmouth und Queenstown nach französischen und anderen nahen ausländischen Häfen verschifft wurden. Weitere 20 30,0000 Quarters Weizen, für gleiche Bestimmung gekauft, seien von Cali- fornien nach England unterwegs. Die hohen Preise des Weizens haben in neuerer Zeit zu dessen Cultur besonders beigetragen. Man nimmt an, daß in Californien 1 Million Acres mit Weizen bestellt sind, welche im Durchschnitt Mill. Quarters ergeben.

Portugal. Lissabon. Der Graf Bran- denburg hat am 20. d. seine Beglaubigungsbriefe als Vertreter des norddeutschen Bundes übergeben.

Friedberg. Wie wir verneh men, wird der rühm⸗ lichst bekannte Taubstummenlehrer J. Wolf zur Erthei⸗ lung eines achtstündigen Schreibunterrichts zu Anfang des nächsten Monats dahier eintreffen. Derselbe garantirt jedem Schlechischreibenden, ohne Ausnahme, eine schöne und geläufige Handschrift und beansprucht das Honorar nur nach vollständiger Leistung des Versprochenen. In der letzten Zeit hat Herr Wolf in Gießen und verschie⸗ denen andern Städten des Lahnthals seinen achtstündigen Schreibunterricht mit dem überraschendsten Erfolge ertheilt. Wer bedenkt, daß eine gewandte, angenehme Handschrift nicht allein zur Empfehlung dient und ein günstiges Vor⸗ urtheil hervorruft, sodann auch eine wesentliche Ersparniß an Zeit und Mühe gewährt, der wird gewiß, wenn es ihm ohne große Anstrengung vergönnt ist, das Versäumte nachzuholen, oder das Vernachlässigte zu verbessern, die Gelegenheit ergreifen, durch die ausgezeichnete Methode des Herrn Wolf seine unsichre und ungeschickte Handschrift umzuwandeln und gründlich zu verbessern. Man glaubt das Publikum auf das Eintreffen des Herrn Wolf auf⸗ merksam machen zu sollen, welcher gleich wie in den andern Städten voraussichtlich das Nähere über seinen Lehrcursus noch bekannt machen wird.

= Friedberg. In gleicher Weise, wie wir vor Kurzem üver ein Concert des GesangvereinsFrohsinn Bericht erstatteten, können wir nun auch über unseren

älteren GesangvereinLiederkranz Mittheilung machen. Auch dieser Verein hat uns gestern Abend durch ein höchst gelungenes Concert hohen Kunstgenuß geboten und eine sehr angenehme Abendunterhalkung verschafft. Herr Lübeck von Frankfurt hat uns durch elegantes und sein mit Recht berühmtes Cellospiel wahrhaft hingerissen. Auch Herr Wittig von Nauheim trug einige Piecen meister haft auf der Clarinette vor. Die Begleitung und theil⸗ weise auch Mitwirkung lag bei Herrn Lehrer Dörr und Dr. Carl Fritsch in guter gewandter Hand. Dem reg samen Direktor des Vereins Herrn Schmidt, sowie dem ganzen Verein gebührt volle Anerkennung und lebhafter Dank der Zuhörer für die ihnen dargebotene genußreiche Unterhaltung.

Darmstadt. Hiesige Blätter melden, daß der des Diebstahls an der Stempelkasse verdächtige und inhaftirte Aktuariatsgehülfe ein umfaffendes Geständniß seiner That freiwillig abgelegt habe, nachdem er freilich auch ohne Ge ständniß vollständig überführt gewesen sei.

Worms. Der Ausschuß des Luther-Denkmal-Vereins hat einen öffentlichen Aufruf erlassen, wonach den 24., 25. und 26. Juni l. J. die Enthüllung des Lutherdenk mals stattfinden wird.

Wiesbaden. Herzog Adolph läßt die 1866 nach Straßburg geflüchteten Weine, im Werthe von beilänfig 5- 600,000 fl., in der nächsten Zeit nach Biebrich zurück⸗ bringen und dort gegen Ende April einer Auktion aus⸗ setzen. Die edlen Flüchtlinge werden in der alten Heimath herzlich willkommen sein. Schade, daß es nur wenigen auserlesenen Kehlen vergönnt sein wird, deren nähere Bekanntschaft zu machen und sich ihrem wohlthuenden Einftusse zu überlassen. Die Pferdeversteigerung des Marstalls des Herzogs findet Montag den 16. März in Bibrich statt. Es kommen circa 12 Pferde zum Ausgebot.

Die Berliner Blätter haben nach einem offiziellen Ausweise in diesem Jahre folgende Auflage: Volks⸗Zeitung 21,400, Vossische Zeituug 13,475, Krenz Zeitung 7920, National-Zeitung 6990, Spener'sche Ztg. 5150, Norddeutsche Allgemeine Zeitung 4700, Post 4300, Zukunft 2050, Berliner Reform 1470, Gerichts ⸗Zeitung 1450 u. s. w.(In Wien hat die Neue freie Presse mit 21,000 die größte Auflage.)

Als eine der praktischen Folgen, welche die Reise des Sultans gehabt, ist jedenfalls die zu bezeichnen, daß auf seinen Befehl in Konstantinopel eine Schule ecrichtet wird, worin dreihundert l chriftliche und eben so viele tür kische Kinder unterrichtet werden sollen.

Verwerthung der städtischen Auswurfs stoffe. Herr Thon zu Wilhelmshöhe hat praktische Vorschläge gemacht, wie sich die Excremente in Tonnen auffangen und zu einem Dungpulver ähnlich dem Guano verarbeiten lassen, und eine Gesellschaft der achtbarsten Männer Kassels und der Umgegend hat Herrn Thon die Summe von 10,000 Thlrn. zur Verfügung gestellt, um mit derselben eine Probe im Großen anzustellen, d. h. die täglichen Auswürfe von 10,000 Menschen nach seiner Methode zu sammeln und zu pulverisiren. Die Vor⸗ bereitungen zur Ausführung der Arbeiten werden bereits getroffen, und im März spätestens wird das Ergebniß der Arbeit vorliegen. Fällt dieselbe befriedigend aus, so ist damit eine der wichtigsten Fragen gelost; die Städte können dann ihre Auferstehung aus Schmutz, Ekel und Krankheit und anderm Unheil feiern.(Arbeitg.)

Schiffs nachrichten. Mitgetheilt von Chr. Hecht in Friedberg, Spec.-Agent.

Das Hamburger Post-DampfschiffHammonia, Capt. Ehlers, ging expedirt von Herrn August Bolten, William Millers Nachf., am 19. Februar von Hamburg vis Southampton nach New-York ab. Außer einer starken Brief⸗ und Packetpost hatte dasselbe 44 Passagiere in der Cajüte und 321 Passagiere im Zwischendeck, sowie 600 Tons Ladung.

Angekommen in New⸗York:

. Am 4. Februar SegelschiffPrinz Albert von Ham⸗ burg; am 4. Februar SegelschiffGöthe von Rotter⸗ dam; am 4. Februar SegelschiffOrion von Antwerpen; am 5. Februar DampferJava von Liverpool.

Abgehend nach New⸗York:

Am 29. Februar DampferWeser von Bremen; am 3. Mäcz SegelschisfMary von Bremen; am 4. März DampferGermania von Hamburg; am 7. März Dampfer Hermann von Bremen; am 10. März Dampfer Cella von Havre; am 11. März DampferAllemania von Hamburg. Wegen Frachten und Passagen beliebe man sich an obige Specialagentur zu wenden.

Für dit Nothleidenden in Ostpreußen

sind welter eingegangen: Vierzehnte Liste.

1) Bei Herrn Advokaten Trapp II.: Von Herrn Dr. Schäfer 1 fl. 45. 2) Bei Herrn Mayer Hir sch: Von Fr. L. Hanau Wittwe 36. 3) Bei Herrn Actuar Nau: Von Georg Walther VI. in Bauernheim 1 fl. 10. 4) Bei Direktor Steinberger: Von dem Gemeinde⸗ rath zu Fauerbach b. Fr. aus der dortigen Gemeinde⸗ tasse 15 fl. In Summa 18 fl. 31.

Hierzu von der Expedition des Anzeigers für Ober⸗ hessen: 35 fl. 49. Zusammen: 54 fl. 20. Im Ganzen bis jetzt eingegangen:

1250 fl. 34 kr.

Besten Dank allen Gebern.

Friedberg den 24. Februar 1868.

Im Auftrag des Hülfsvereins⸗Vorstandes Ste i nid e

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O Die Auswanderun wandererschiffe.

Es vergehen in der besseren Jahreszeit kaum 1 26

Wochen, wo wir nicht Gelegenheit haben, eine kleinere oder größere Gesellschaft Europamüder dem Vaterland den Rücken kehren zu sehen. Ein solcher Anblick läßt den Menschenfreund niemals gleichgültig. Ist die Auswanderung in größerem Maßstabe eine Nothwendigkeit? Die Auswan⸗ dernden glauben dadurch ihre Lage zu verbessern. Sind die Verhältnisse wirklich so trostlos, daß alljährlich Hunderttausende den heimischen Boden verlassen und sich in der Fremde ansiedeln müssen? Hätten nicht Viele von denen, die jetzt in der Stunde des Abschieds die Seufzer niederkämpfen und die Thränen im Auge zerdrücken, bei Fleiß, Sparsamkeit und bescheidenen Ansprüchen hier ihr geruhiges Auskommen finden können?Willst du immer weiter schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah! sagt der Dichter. Und wird nicht Mancher, der jetzt so hoffnungsreich und zuver- sichtlich vorwärts in die Weite schaut, sich nach kurzer Frist bitter enttäuscht sehen? Der vielleicht in kleinen Verhältnissen Erwachsene sieht sich mit Einem kühnen Schritt in die große Welt versetzt, die ihn betäubt und rathlos macht, weil er sie nicht kennt und nicht versteht. Wird er, der unkundige Arglose und so leicht Vertrauende allen Schlingen entgehen, die raffinirte Gaunerei und abgefeimte Spitzbüberei, von der er nicht eine blasse Ahnung hat, ihm in den Weg legen wird, um ihn auszubeuten, wie ein wehrloses Schaf in der Hand des Scherers?

Er ist der fremden Sprache unkundig, versteht vielleicht nicht einmal ein Gewerbe, das ihm Aussicht auf Arbeit und Brod böte; vielleicht folgt er, wie so Viele, nur einem dunkeln Trieb in die Ferne, die ihm seine Phantasie so rosen⸗ farbig ausmalt, oder er hat hier irgendwie Schiffbruch gelitten und wähnt nun, jenseits des Oceans jeder Verlegenheit überhoben zu sein, gleich als wenn man sich's dort zum ganz befon⸗ dern Anliegen machte, für der Art Leute gemäch⸗ liche Existenzen in Bereitschaft zu halten: wie wird es idm schwer werden sich durchzukämpfen und sich eine Heimstätte zu bereiten! Wer immer gewohnt war, ein Stück Brod für seinen Hunger und eine warme Stätte für sein Nachtlager und für seinen Kummer oder sein Uebelbefinden ein theilnehmendes Herz zu finden, der ahnt nicht, was es heißt, draußen in der fremden, weiten Welt umherzuirren, hungrig, krank, ohne Obdach, ohne Geld und ohne Freund. Und nun gar mit Familie in einer solchen Lage sich befinden! Wir wollen nicht richten, nicht verdammen; nur leichtfertigem, unüberlegtem Auswandern gilt unser Bedenken und unsere Bekümmerniß. Wer den Muth in sich fühlt und das Zeug dazu hat, den Kampf mit der großen Welt aufzunehmen, der thue es. Schon Mancher hat in Amerika seln Glück gemacht, wer wollte es läugnen? Ueberdies scheint das deutsche Volk mit dazu bestimmt zu sein, die Kultur nach Westen zu tragen. Nur darf dabei nicht übersehen werden, daß auf solch Einen in der Regel Viele kommen, die ihre Rechnung nicht gefunden haben, vielmehr vergessen und verschollen irgendwo im Elend untergegangen find, und daß auch nicht Jeder dazu angethan ist, der Träger einer kulturhistorischen Misston zu werden. Und wenn bei uns es Manchem schwer wird, sein Brod sich zu verdienen, wenn nament⸗ lich gegenwärtig die Unfertigkeit und Unsicherheit der politischen Verhältnisse auf Gewerbe und Handel schwer lasten, den Verdienst schmälern und die Zukunft umdüstern, so vergesse man nicht, daß drüben in Amerika gerade jetzt auch kein Paradies lächelt. Die Berichte von dort lauten nicht günstig. Geschäftsstockung, Arbeitslosigkeit, Mangel und Elend sind auch da zu finden. Das goldene Zeitalter scheint eben auch dort vorläufig vorüber, seit der unselige Bürgerkrieg das Land in eine enorme Schuldenlast gestürzt und so lange die neue Ordnung der Dinge sich so wenig geklärt hat.

Dem sei nun, wie ihm wolle, die deutsche Auswanderung nach Amerika ist eine Thatsache von großer Bedeutung. In New⸗ Vork landeten

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