Ausgabe 
24.10.1868
 
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zieben will, die gegenwärtig in den tschechischen

sreundnachbarlichen Gesinnungen und ihrer innigen Theilnahme für die schwer Betroffenen, über⸗ mitteln lassen.

Oesterreich. Wien. Zur Verhinderung von Volksversammlungen bei dem Kirchweihfeste von Michle bei Prag waren am 18. d. umfassende militärische Vorbereftungen getroffen; dennoch er⸗ schienen Nachmittags mehrere Tausend Wenzels⸗ kinder, die sich ihr natürliches Recht, an einem schönen Herbst⸗ Sonntag einen Spaziergang ins Freie zu machen, nicht nehmen lassen wollten. So sagt wenigstens ein tschechisches Blatt. Der Aufforderung der Polizei, hinter die Prager Stadtmauer zurückzukehren, wurde nicht Folge geleistet; erst als das Militär anrückte, zog sich die Menge zurück.

Der Stadtrath von Prag hat die Be: wohner der böhmischen Hauptstadt zur Ruhe und Ordnung ermahnt, damit nicht durch die Aus⸗ schreiiungen Einzelner noch Schlimmeres herbei geführt werde.

Die ostasiatische Expedition ist dieser Tage von Triest abgegangen. Unter dem Schiffsproviant befindet sich ein großer Vorrath von Gemüsecon⸗ serven aus Frankfurt a. M.

Ein Leitartikel derPresse über die nordschleswig'sche Frage hält das gegenwärtige Hervorsuchen derselben nicht für harmlos, räth beiden Theilen zur Nachgiebigkeit und empfiehlt schließlich die Einberufung der schleswig'schen Stände zur Einholung ihres Votums über die zwischen Berlin und Kopenhagen schwebende Streitfrage.

Das Kriegsministerium hat die Einberufung sämmtlicher beurlaubten Soldaten aus Böhmen und Mähren angeordnet, weil es diesclben, wie man sagt, den politischen Ansteckungsstoffen 5

Territorien sich entwickeln. Um das Budget nicht zu belasten, soll eine entsprechende Anzahl deutscher Truppen heimgeschickt werden Dem Erzbischof von Olmütz ist neuerdings eine Geldbuße von 5000 fl. auferlegt worden, weil er immer noch einen Theil der Ehegerichtsacten zurückbehält. Die Beschlagnahme des letzten Hirtenbriefs des Bischofs von Linz durch das Landesgericht ist von dem Oberlandesgericht bestätigt worden; das letztere hat erkannt, daß Bischof Rudigier in der That das Verbrechen der Aufwiegelung gegen die Staatsgesetze begangen hat.

Frankreich. Paris. DerMoniteur meldet, daß die Kronprinzessin von Preußen auf ihrer Durchreise nach England sich am 19. Oct. nach Saint Cloud begab, wo sie vom Kaiser und der Kaiserin empfangen wurde. Letztere habe am 21. d. den Besuch der Kronprinzessin im Hotel du Louvre erwidert. Das genannte Blatt meldet serner, daß die revidirte Rheinschifffahrts⸗ acte nebst hinzugefügten Reglements am 17. d. M. durch die Bevollmächtigten der sechs Uferstaaten in Mannheim unterzeichnet wurde.

Wie derGaulois erfährt, wird die Gemahlin des Prätendenten Don Carlos, die Herzogin von Madrid, geborene Prinzessin von Parma, Dank der Vermittlung der Herzogin von Hamilton, demnächst, jedoch in ganz privater Weise von dem Kaiser und der Kaiserin empfangen werden. Die Kaiserin namentlich soll die wohl⸗ wollende Aufnahme nicht vergessen haben, welche sie einst als Fräulein von Montijo am Hose von Parma gefunden hätte.

Die Nachricht derLiberte von einem Duell zwischen Rochefort und Marfori scheint rein aus der Luft gegriffen zu sein. Auf telegraphische Anfrage in Brüssel traf wenigstens die Antwort ein, daß man dort von nichts wisse, Rochefort befinde sich wohl.

Es ist dahier eine Broschüre erschienen, welche mit Eifer die Candidatur des Don Carlos für den spanischen Thron bespricht und welche von diesem inspirirt zu sein scheint.

DerGaulois hat Nachrichten über den

Bekleidung ist fertig und bereits unterwegs nach den Depots, und ehe das Jahr um ist, werden die jungen Gardisten schon vier oder fünf Tage Uebungen mitgemacht haben.

Dasselbe Blatt erhält eine Madrider De⸗

pesche vom 19. ds., wonach Truppensendungen nach der Provinz Navarra stattgefunden hätten, um einen daselbst(zu Cintruenigo) ausgebrochenen Aufstand zu unterdrücken.

Großbritannien. London. Die eng: lischen Blätter überbieten einander fortwährend an Versicherungen, daß es für England höchst gleichgültig sei, wen die Spanier zu ihrem zukünstigen Monarchen erwählen würden. Bourbon oder Orleans, Deutscher oder Italiener, Portu giese oder Engländer, Jeder werde England genehm sein, wosern er nur den Anforderungen Spaniens entspreche und gegründete Aussichten auf eine gute und dauerhafte Verwaltung eröffne. An eine Republik glauben, seit Prim's Brief an denGaulois, noch weniger Engländer als früher; die jedoch, welche Spanien aus eigener Anschauung kennen, versichern, daß in allen größeren Städten des Landes eine starke demokratisch- republikanische Partei existire, und daß es noch zu harten, vielleicht sehr blutigen, Kämpfen kommen dürfte, bevor ein neuer Monarch auf dem er⸗ ledigten Throne Isabellens Platz genommen haben werde.

Der Graf und die Gräfin von Girgenti sind am 21. d., Nachmittags, via Dieppe und Newhaven in Brigbton angekommen. Ein Tele⸗ gramm desStandard sagt, dirselben hätten das Reisegepäck der Königin Isabella mit sich geführt, welche an einem der folgenden Tage in Brighton erwartet werde.

Spanien. Madrid. Es wird ein Manisest der Regierung erwartet, das in Form eines diplomatischen Circulars erscheinen soll. Dasselbe entwickelt sehr weitläufig die Gründe, die zur Vertreibung der Bourbonen geführt haben. Das Circular proklamirt die freie Ausübung jedes Religionscultus und drückt den Wunsch aus, Spanien möge mit den fremden Regierungen in gutem Einvernehmen leben und deren moralische Unterstützung erlangen. Um der Revolution eine legitime Basis zu geben, werde man an das all⸗ gemeine Stimmrecht appelliren.

Der päpstliche Nuntius in Madrid hat die an ihn ergangene Einladurg, sich mit dem diplomatischen Corps über die Formen des geschäft⸗ lichen Verkehrs mit der derzeitigen Regierung zu verständigen, dem Vernehmen nach dahin abgelehnt, daß er in dieser Richtung eine Instruction aus Rom weder empfangen habe noch erwarte, und daß er mithin seine Beglaubigung bei der Königin Isabella, trotz derzeitweiligen Abwesenheit der⸗ selben, als formell und materiell aufrecht stehend erachten müsse. DieMadr. Ztg. vom 18. October schreibt:Die Regierung hat am 13. d. N. nach solgende telegraphirte Depesche an den spanischen Gesandten in Washington gerichtet:Theilen Sie der amerikanischen Regierung unsere Dank⸗ barkeit mit für die so rasche Anerkennung. Der Minister dieser Republik in Madrid hat hierauf der Regierung das am 14. d. vom amerikanischen Minister des Auswärtigen erhaltene Telegramm vorgelegt. Es lautet:An Herrn Hale, Minister der Vereinigten Staaten in Madrid. Bekunden Sie, im Namen des Präsidenten, di: Gegenseitig⸗ keit seiner Gefühle gelegentlich derjenigen, welche der Minister Spaniens hier ausgedrückt hat.

Die Junta schlägt der Regierung Auf⸗ hebung der Todesstrafe und Gründung von Straf⸗ colonien in den afrikanischen und asiatischen Be⸗ sitzungen Spaniens vor.

Italien. Rom. Am 18. d. haben die römischen und italienischen Truppen, welche in Gemäßheit der offiziösen Militär⸗Convention ver- einigt agerten, eine Briganten⸗Bande an der

Stand der Frage der mobilen Nationalgarde. Fünf Generalstabs⸗Obersten sollen demnächst Paris verlassen, um in den Departements die Organisirung dieser Garde zum Abschluß zu bringen. Die

neapolitanischen Gränze, bei Pastena, angegriffen. Fünf Briganten sind getödtet worden. Ein junger Mann, der vor einem Monat von dieser Bande (sortgeschleppt worden war, wurde befreit.

Rußland. Wegen der zahlreichen Opfer in Folge homöopathischer Behandlung hat der Kaiser durch einen Ukas die Ausübung der Homöopathie in Rußland bei Geldstrafe und zwei⸗ jährigem Aufenthalt in Sibirien verboten.

Amerika. New⸗Nork. Der General Sherman hat Verstärkungen verlangt, um die Verlängerung des Krieges gegen die Indianer zu verhindern.

Der preußische Gesandte hat in Newhork offiziell die Vertretung der norddeutschen Bundes⸗ staaten durch norddeutsche Consuln angekündigt.

Homburg. Bei einem am 18. d. dahier statt⸗ gefundenen Feuerwehr-Manöver, wobet viele Feuerwehr⸗ leute anwesend waren, stürzten zwei Männer von Rödel⸗ heim von dem Bau und verletzsen sich sehr erheblich. Der Eine soll lebensgefährlich darniederliegen. Die ganze Fest⸗ lichkeit erlangte dadurch eine unerwartete traurige Endschaft.

Frankfurt. Am 16. November wird dahier im Holel Victoria abermals eine Versammlung der Bren⸗ nereibesitzer aus dem Großherzogthum Hessen, Nassau, Kurhessen und Frankfurt stattfinden.

Darmstadt. Nach dem überaus günstigen Resultate des ersten dahier kürzlich abgehaltenen Viehmarktes, worüber Näyeres bereits gemeldet, darf man wohl die besten Hoff⸗ nungen für die Frequenz der künstigen Märkte hegen. Als den Verkehr auf dem hiesigen Markte sehr begünstigend sind die zweckmäßigen Anordnungen zu bezeichnen, welche zur Erleichterung des Handelsverkehrs getroffen werden. Die mit der Bahn ankommenden Thiere können direct vom Bahnhof auf den Marktplatz getrieben werden, auf welchem ein vequemer Geschäftssaal, Restaurgtion und ein Bureau zur Protokollirung der Verkäuse eingerichtet sind. Mit glieder der Markteommission sind ständig anwesend, um dem Geschäft suchenden Publikum durch Ertheilung von Ralh und Auskunft behülflich zu sein.

Lampertheim. Die dahier neu erbaute evangelische Kirche, wurde am Sonntag den 18. d. feierlich eingeweiht unter allgemeiner Betheiligung der hiesigen Einwohner⸗ schaft und unter Zuzug einer großen Menschenmenge aus der Nähe und Ferne. Der sonst so einfache und beschei⸗ dene Marktflecken prangte im schönsten Festschmucke. Die Abschiedsrede in der seitherigen Simultankirche hielt Herr Dekan Dornseif von Bickenrach, die Weihrede Herr Prälat Zimmermann aus Darmstadt und die Festpredigt Herr Pfarrer Schnitispan von hier, den Festgesang leitete Herr Lehrer Geißler. Der Festzug bewegte sich von der evang. Pfarrwohnung zur aften und von da zur neuen Kirche. Die Einweihung erfolgte durch Hrn. Prälaten Zimmer⸗ mann nach den üblichen Formen.

Mainz. Zur Bewältigung des massenhaften Getreide⸗ traneporis von Ungarn nach dem Rhein und Frankreich soll ein ständiger Wagencurs von nahezu 1000 Wagen eingerichlet werden. Die hessische Ludwigsbahn und die rheinische Bahn haben bereits ihr Wagencontingent gestellt.

Mainz. Als nachahmungswerth empfehlen wir allen Frauen folgende That einer resoluten Mainzerin. Deren Mans einem Wagnermeister gefiel es schon seit mehreren Tagen in einem Bierlokale so gut, daß er da seine ganze Tageszeit zudrachte. Da nun aber zu Hause viel zu thun war, so ließ ihm kürzlich Morgens seine be⸗ sorgte Galin durch zwei Gesellen die Hobelbank in frag⸗ liches Lokal bringen, damit er an seinem Lieblingsaufent⸗ halte auch serner verweilen könne, ohne sein Geschäft weiter vernachlässigen zu müssen. Falls das Belspiel der Main⸗ zerin Nachahmung finden sollte, so wird man wohl hier und da in manchem Wirthslokale eine recht gelungene Ausstellung von Hobelbänken, Schraubstöcken, Schuster⸗ stühlen, Schneider soutiquen, Speiseimern u. s. w. u. s. w. finden können.

Bingen. Am Morgen des 19. d. sand man den noch ledigen Sohn der Gastwirthin Frau Wwe. Diehl hier todt an dem Ufer der Nahe unter der Drususbrücke liegen. Eine Wunde am Hinterkopfe und eine bei der Leiche auf⸗ gefundene fremde Kappe lassen fast mii Gewißheit hier auf einen Mord schließen, der durch die eingeleitete Unter⸗ suchung hoffentlich zur Entdeckung des Thäters führen wird.

Bayerische Obligattonen. Zum Bollzuge der gesetzlichen Bestimmungen über die Tilgung der Gru n d⸗ renten⸗Ablösungsschuld wird die 34. Verloosung der Grundrenten-Ablöfungsschuldbriefe im Capitalsbetrage zu 250,000 fl. Freitag den 30. October J. J. vorgenommen. Die zur Heimzahlung bestimmien Capitalien werden vom 1. Februar 1869 aufangend außer Verzinsung gesetzt; mit deren Baarzahlung wir jedoch sogleich nach Bekannt⸗ machung der Verloosungsergebnisse begonnen und hiebei der Apfocentige Zins in vollen Monatsraten bis zum Heimzahlungslage aber in keinem Falle weiter als bis l. Februar 1869, vergütet. Eine Wiederanlage der heim⸗ zuzahlenden Capitalien findet zur Zeit nicht stall.

Warnung für Locomotivführer. Der auf der Gößnitz⸗Geraer Bahn fungirerde Locomolivführer Hoffmann hat einen beklagenswerthen Tod gefunden. Als derselbe nämlich, von der Fahrt von Gößnitz in Gera angelangt, im Begriff war, ein während der Fahrt zersprungenes Siederohr in der Maschine sester zu ver⸗ leilen und sich zu dem Zweck in die Feuerbüchse begeben hatte, sprang in Folge der Dampfspannung der einge⸗ brachte Keil heraus; durch das nachströmen de siedendheiße Wasser wurde nun Hoffmann an allen Theilen des

Körpers dergestalt verbrannt, daß er noch denselben Abend an den Brandwunden verschieden ist.

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