Ausgabe 
24.3.1868
 
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geeignet, Techniker auszubilden. Ministerialrath v. Rodenste in empfiehlt Annahme der Regie rungsproposition, und stellt eine veränderte Orga nisation der Realschulen in Aussicht. Der Direktor der technischen Schule Professor Fischer spricht sich dahin aus, in ihrer gegenwärtigen Gestalt entspreche die technische Schule nicht den Bedürf nissen der Zeit und des Publikums. Man mache die Anstalt zu Dem, was sie eigentlich sein solle oder lasse sie ganz eingehen. Der Berichterstatter v. Löw glaubt, daß die Universität den Bedürf nissen der höheren Technik Alles biete, während die technische Schule in ihrer jetzigen Verfassung den niederen technischen Gewerben genüge. Edinger erklärt sich für Errichtung eines Polytechnikums, damit den Bedürfnissen unserer Industrie genügt werde. Er will die nothwendigen Mittel in vollem Maß gewährt wissen und das Polptech nikum mit allen Rechten einer Universität aus- gestattet sehen. K. J. Hoffmann. Nur das Interesse der gewerblichen Seite könne hier maß gebend sein. Man habe gesagt, die Schule würde doch nicht besucht werden; das glaube er nicht. Sei die Gelegenheit geboten, sich Bildung zu er werben, so würde man auch Gebrauch davon machen. Hier an diesem Orte zu sparen, würde sehr verfehlt sein. Kraft erklärt sich gegen die Vor lage, er will keine zweite technische Universität im Land gründen. Man möge erst die Realschulen ver bessern, sei dies geschehen, dann könne man auch an ein Polytechnikum denken Dernburg befür⸗ wortet die Regierungsvorlage und warnt davor, hier am unrechten Ort zu sparen. Metz erklärt sich für Erhaltung und Verbesse rung der Schule und sieht besonders in der Heranziehung tüchtiger Lehrkräfte eine Bedingung zur Blüthe der Anstalt. Bei der Abstimmung werden dem Antrage des Ausschusses entgegen der Regierung die Mittel für das Polytechnikum mit 21 gegen 19 Stimmen bewilligt.

Die zweite Kammer der Stände wird Dienstag den 24 l. M. die Berathung über die Vorlagen der Gr. Ministerien des Innern und der Finanzen, den Bau von Eisenbahnen im Großherzogthum betreffend, beginnen.

In Abänderung der früheren Bestimmung, daß von der Gemeindeverwaltung das Verzeichniß der Militärpflichtigen aufgestellt wurde und es den Betreffenden überlassen blieb, sich von dem Eintrag beliebigen Falls zu überzeugen, werden nach Maßgabe der preußischen Kriegsverfassung jetzt sämmtliche, im Jahr 1848 geborene Dienst pflichtige aufgefordert, sich vom 25. März bis 8. April persönlich oder durch Angehörige anzu melden, widrigenfalls sie von der Loosziehung ausgeschlossen werden würden, oder ihre etwaigen Ansprüche auf Zurückstellung oder Befreiung vom Militärdienst unberücksichtigt bleiben könnten.

* Friedberg. Die von Seiten des hiesigen Comite's für Erbauung einer Zweigbahn von Friedberg nach Nidda an die Stände gerichtete Vorstellung ist am 17. d. M. in der II. Kammer übergeben worden. In dieser Eingabe wird die Bitte ausgesprochen, es möge an die Ertheilung der Contession zum Baue der oberhessischen Bahnen die Bedingung des Baues einer Verbindungsbahn zwischen der Gießen ⸗Gelnhauser und der Main Weserbahn durch die Linie Friedberg Nidda geknüpft werden. Leider soll jedoch wenig Hoff nung vorhanden sein, diese Strecke in erwünschter Weise den oberhessischen Eisenbahnprojekten ein- gereiht zu sehen, da man sich in Darmstadt all seitig mit einer gewissen Aengstlichkeit gegen eine augenblickliche Vermehrung der zu bauenden Eisen⸗ bahnen ausspreche. Die nächsten Dienstag begin- nende Verhandlung der Eisenbahn- Angelegenheit in der II. Kammer wird also die Entscheidung über eine für die Wetterau und den Vogelsberg höchst wichtige Angelegenheit bringen. Mag die selbe auch, wie es nach den bis jetzt gemachten Er fahrungen zu erwarten sein wird, nicht zu Gunsten des sofortigen Baues der Zweigbahn Friedberg Nidda ausfallen, so darf doch wohl mit Gewiß⸗ heit angenommen werden, daß die Zweigbahn Friedberg⸗Nidda sich in Bälde als ein unabweis⸗ bares Bedürfniß für den Lokalverkehr unserer

er ecke

Provinz herausstellen wird und deßhalb die baldige Ausführung derselben erwartet werden kann.

Aus Oberhessen schreibt dieMain- Ztg.: Man ist in unserer Provinz der vorwiegenden Ansicht, daß die projektirte Bahnlinie Gießen- Gelnhausen, vorausgesetzt daß sie die Fort setzung nach Gemünden erhält, für den durch laufenden großen Verkehr von Wichtigkeit, dagegen für den Binnenverkehr und das eigentlich provin zielle Interesse von geringem Belang ist. Die Verkehrswege der ganzen südlichen Provinz gehen nach Frankfurt, Mainz und nach dem Süden im Allgemeinen; Orte wie Nidda, Schotten, sowie dem ganzen vorderen Vogelsberg und der mittleren Wetterau kann nicht damit gedient sein, Frankfurt auf den großen Umwegen über Gießen Friedberg oder über Gelnhausen-Hanau zu erreichen. Ueber den etwaigen Lokalverkehr zwischen kleinen Städtchen wie Lich, Hungen, Nidda, Ortenberg, Büdingen, die in wenig Beziehungen zu einander stehen, darf man sich keine Illusionen machen. Das eigentlich provinzielle Interesse wird nur gewahrt durch eine Verbindungsbahn zwischen der Gießen-Gelnhausener und der Mainweserbahn, am besten von Nidda nach Friedberg, womöglich mit einer Verlängerung nach Schotten. In allen seit 1863 in Bezug auf dieses Bahnprojekt gehal tenen Versammlungen und gemachten Eingaben, war denn auch ausgeführt, daß diese Zweigbahn unbedingt nöthig sei, daß sie die jenseitige Bahn erst für die Provinz nutzbar machen werde, wie auch bezüglich ihrer Rentabilität nicht der mindeste Zweifel obwalten könne, zumal nach den angestellten ungefähren Berechnungen die Ausführungskosten sich nicht sehr hoch belaufen. Man ist daher sehr erstaunt darüber, daß trotz der vielen Anstren gungen, die für dieses Bahnprojekt gemacht wurden, dasselbe in dem Vertrage mit dem Hause Erlanger gar nicht berührt ist, sich also der Zustimmung der Regierung nicht zu erfreuen scheint. In sämmtlichen betreffenden Gegenden fühlt man sich deshalb umsomehr beunruhigt, als die Eisenbahn angelegenheiten ihrer Entscheidung entgegengehen und man überall der Ansicht ist, daß bei defini tiver Feststellung des Vertrages den Unternehmern die Ausführung dieser Verbindungsbahn als Be⸗ dingung gestellt werden muß, da nicht voraus- zusetzen ist, daß der Staat die Bahn als Zweig bahn der Mainweserbahn erbaut. Man ist in vielen Kreisen der Bevölkerung sogar geneigt, eine Bahn Schotten-Nidda-Friedberg für sich allein, für weit mehr dem Interesse der Provinz ent sprechend und weil sie eine der Hauptverkehrswege unseres Landes bildet, voraussichtlich weit eher rentabel zu halten, als eine Linie Gießen-Geln⸗ hausen. Wie dem nun auch sei, jedenfalls wird eine Verbindungs bahn zwischen diesen zwei Haupt- bahnen, auf den Verkehr beider höchst vortheilhaft einwirken und zugleich den billigen Anforderungen des bevölkertsten, wohlhabendsten und fruchtbarsten Theils unserer Provinz gerecht werden.

S. Gießen. Nachdem von den beiden für die 2. Professur der Geschichte hierher berufenen Docenten der eine abgelehnt, der andere seine Berufung rückgängig gemacht hat, sind mit Dr. Arnold in Göttingen Unterhandlungen angeknüpft, durch welche sich, falls sie günstig ausgehen, die Zahl der hiesigen Geschichts Docenten auf vier erhöhen wird.

Preußen. Berlin. DieN. A. Ztg. bezeichnet die Zeitungsgerüchte, daß eine Streichung der österreichischen Papiere von den Frankfurter und Berliner Courszetteln eintreten werde, für albern und tendenziös. Derartiges sei selbst in der Kriegsepoche unterblieben.

Gelegentlich der Anwesenheit des Prinzen Napoleon in Berlin sagte dieKreuzzeitung: So friedfertig die Gegenwart sich anlasse, könne sie sich doch der Sorge für die Zukunft nicht ent⸗ schlagen. Doch tröstet sie sich am Schlusse mit dem Gedanken:Wenn Preußen mit Festig⸗ keit und Ruhe seinen Weg geht, wird Niemand uns stören, und an Allianzen würde es uns wenns nöthig wäre gewiß nicht fehlen.

Aus Westphalen wird gemeldet, daß Graf Westphalen auf Haus Laer, welcher vor

Jahresfrist wegen der Annexionen Preußens dem Könige den Homanialeid gekündigt hatte, eine Einladung zu dem jetzt in Münster tagenden Provinziallandtage nicht erhalten habe, nichts desto weniger aber und gegen den ausdrücklichen Protest des Landtagsmarschalls in der Sitzung erschienen sei. Dieselbe wurde jedoch sogleich geschlossen und man ist allseitig auf den weiteren Verlauf der Sache gespannt.

Wie es heißt, wird an den Reichsrath eine Anforderung wegen beträchtlicher Erhöhung des Bundes-Militäretats gelangen.

Oesterreich. Wien. Herrenhaus. Bei Fortsetzung der Debatte über das Ehegesetz am 20. d. sprachen Graf Hartwig, Feldmarschall Lieutenant v. Gablenz, der ehemalige Justizminister Kraus und Graf Anton Auersperg für die An nahme des Gesetzes. Dagegen sprachen Professor Arndts, Cardinal Schwarzenberg und Fürst Salm. Darauf wurde der Schluß der General- debatte angenommen.

21. März. Herrenhaus. Debatte über das Ehegesetz. Der Antrag des Grafen Mens dorff auf Vertagung der Berathung über den Gesetzentwurf bis zur Austragung der mit dem päpstlichen Stuhle schwebenden Verhandlungen wird mit 65 gegen 45 Stimmen abgelehnt und das Votum der Minorität mit 69 gegen 34 Stimmen verworfen(das Minoritätsvotum ging auf Ablehnung des Gesetzentwurfes).

2:. März. Sitzung des Unterhauses. Der Präsident verliest eine Zuschrift des Finanz Ministers, mit welcher er folgende Gesetzentwürfe zur Beseitigung des Defizite vorlegte. 1) Verkauf von Staatsdomänen im Betrage von 25 Mill.; 2) Aufnahme einer schwebenden Staatsschuld im Betrag von 20 Mill.; 3) Erhöhung der Gebühren von Lotterie-Gewinnsten; 4) Umwandlung der fundirten Staatsschuld in eine Rentenschuld; 5) eine Capitalsteuer. In der Sitzung am nächsten Dienstag erfolgt die Motivirung dieser Vorlagen durch den Finanzminister.

Darmstadt. Die XV. Wanderversammlung deulscher Bienenwirthe wird im Lause des Monats September d. J. dahier abgehalten werden. Präsident der Versammlung ist Se. Excellenz der wirkliche Geheimerath v. Bechtold, Vicepräsident Professor Dr. Leuckart zu Gießen. 5

Darmstadt. Oberstabsarzt Dr. Fühlein, diri⸗ girender Hospitalarzt am Mililärhospital Darmstadt, ist auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner lange und gut geleisteten Dienste in den Ruhesiand versetzt worden. Der erste Präsident des Oberappellations⸗ und Cassa⸗ tlonsgerichts und wirkliche Geheimerath v. Hesse ist nach längerem Leiden am 21. d. gestorben.

Stuttgart. Auf unserer Eisenbahn hat sich am 20. d. ein großes Unglück ereignet, indem ein ganzer Zug total in Trümmer ging. Es geschah dies einem Güterzug, der die Geislinger Steige(den Uebergang über die rauhe Alp) von Amstelten nach Geislingen berabfuhr, durch das Zusammenbrechen eines französischen Wagens, der zu schlecht und leicht gebaut war. Der Wagen war ber brille im Zug und alle nachfolgenden stürzten daher mit der furchtbaren Gewalt eines mit voller Geschwindig⸗ keit eine steile Steige herabfahrenden schweren Güterzugs übereinander und so kam es, daß vom ganzen aus etwa 23 25 Wagen besiehenden Zuge alle ohne Ausnahme total zertrümmert worden sind. Dadurch wurden aber Locomolive und Tender frei und vom Zuge losgelöst, und sie waren daher die einzigen, die mit heiler Haut in den Geislinger Bahnhof hereinkamen; dadurch wurden auch Locomotivführer und Heizer gerettet; ebenso der Zugmeister und ein Conducteur, die im Augenblick des Unglücks durch einen verzweifelten Sprung schnell sich noch in Sicherheit brachten. Die 12 Bremser und Wagenwärter sind zum Theil todt, zum Theil mehr oder minder verletzt.

Telegraphischer Bericht.

Mitgetheilt von Chr. Hecht in Friedberg, Spec.⸗Agent.

Hamburg, 21. März 1868. Das Hamburg⸗New⸗ Dorker PostdampfschiffGermania, Capt. Schwensen, welches am 4. d. M. von hier und am 6. d. M. von Southampton abgegangen, ist am Freitag, den 20. d. M., 3 Uhr Nachm., wohlbehalten in New⸗York angekommen.

Has Hamburger PostdampfschtffCimbria, Capt. Haack, ging, expedirt von Herrn August Bolten. William Millers Nachf., am 18. März von Hamburg via Southampton nach New⸗York ab. Außer einer starken Brief⸗ u. Packetpost halte dasselbe 69 Passagiere in der Cajüte und 576 Passagiere im Zwischendeck, sowie 300 Tons Ladung.

Verloosungen. Freiburg, 15. März.(15 Fr. Loose von 1861.) Bei der heutigen Ziehung wurden folgende 3 Haupttreffer gezogen: Serie 5045 Nr. 19 40,000 Fr., Serie 7523 Ar. 45 4000 Fr. und Serie 944 Nr. 6 1000 Fr. Die

Gewinnzahlung geschieht am 15. Juni d. J.

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feigen tember I.

wald. Rabet

Holzart Buchen. Elchen⸗ Birlen⸗