Ausgabe 
23.4.1868
 
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7 ATT.

unverkaufbares Eigenthum. In Folge dieses langen Fastens reichen jetzt die üblichen Portionen nicht hin, den Hungertod aufzuhalten: dies kann nur geschehen, wenn bei den unten benannten Personen die Brodportion verdoppelt und jedem ein Quart Milch täglich verabfolgt wird. Diese Angaben sind die nackte Wahrheit, ohne die aller geringste Uebertreibung, wie solche jetzt leider vielfach üblich ist. Wenn nicht schnell und in angegebener Weise eingegriffen wird, so werden in Kurzem folgende Personen im Dorfe Blecken unfehlbar verhungern: 1) die Familie Baburat, welche(Mann, Frau und 4 bis 5 Kinder) von Hunger gänzlich erschöpft zu Bette liegt; 2) der Losmann Leidereit; 3) die Wittwe Plensat nebst Tochter; 4) die Familie Naujokat; 5) die zwei Kinder des Losmanns Wien; 6) das Kind des Losmanns Lasgereit; 7) die Kinder des Losmanns Wegner; 8) das Mädchen Rickstein.

Bayern. München. In diplomatischen Kreisen macht das Duell, welches kürzlich dahier zwischen dem seitherigen russischen Botschafter am Pariser Hof, Baron Budberg, und dem ehemaligen Garde⸗ Offizier Herrn v. Meyendorff ausgefochten wurde, großes Aufsehen. Ueber die Ursache desselben werden nachstehende Einzelheiten mit getheilt. Im vorigen Jahr wandte sich ein Graf v. Saint ⸗Priest an Herrn v. Budberg, um von diesem Auskunft über Herrn v. Meyendorff zu erlangen, mit dem er eine Scene gehabt, auf welche ein Zweikampf folgen solle. Bevor es jedoch zu einem solchen komme, wolle der Graf sich vergewissern, daß sein Gegner im Besitz voller Klarheit des Geistes sei, da sein ganzes Benehmen Zweifel hieran habe erwecken können. Herr v. Budberg erwiederte, daß v. Meyendorf seit einer schweren in der Krim erhaltenen Kopf⸗ wunde allerdings an zeitweiliger Geistesstörung leide. Saint ⸗Priest erklärte darauf, daß er sich mit einem Geisteskranken nicht schlagen könne. Dagegen gerietb Herr v. Meyendorff, dem es hinterbracht wurde, welche Auskunft der Botschafter über ihn gegeben, in große Aufregung, und ver⸗ langte nun Genugthuung von diesem, die Herr von Budberg jedoch natürlich verweigerte. Eine Folge dieses Zerwürfnisses war die Scene auf dem Bahnhofe zu Verviers, wo v. Meyendorff dem Botschafter einen Stockschlag versetzte, den dieser den bestürzten Umstehenden durch die Worte: Cest un fou erklärte. Als nun jüngst der russische Thronfolger in Nizza weilte, verweigerte er in sehr auffälliger Weise dem seine Aufwartung machenden Botschafter den üblichen Händedruck, und dieser war über den Grund der ihm wider⸗ fahrenen Ungnade nicht lange im Unklaren; er wußte, daß die Mependorffs ihn in der Gunst des Großfürsten gestürzt hatten. Rach Paris zurückgekehrt, erledigte er seine Angelegenheiten und ließ Herrn v. Meyendorff wissen, daß er bereit sei, sich mit ihm zu schlagen. Es wurde ein Rendezvous in München verabredet, wohin Baron Budberg sich begab, nachdem er zuvor seine Entlassung eingereicht hatte. Das statttzehabte Duell hat einen unblutigen Verlauf gehabt.

Dem Bankhause v. Erlanger und Söhne

der Projektirungsarbeiten für eine Eisenbahn von Gelnhausen nach Gemünden, soweit dieselbe bayerisches Gebiet berühren würde, auf die Dauer eines Jahres ertheilt.

Frankreich. Paris. DiePatrie läßt sich aus Kopenhagen melden, daß der dänische Kriegsminister Raasloeffvon seiner Reise die friedlichsten Eindrücke heimgebracht hat und daß man sich in Kopenhagen keineswegs mehr verhehle, daß die Angelegenheit der Herzogthümer nicht zu einem europäischen Conflikt Anlaß geben könne.

Französische Blätter wollen wissen, daß Viktor Emanuel nach der Vermählung des Prinzen Humbert abdanken werde. Der Prinz Napoleon soll kurz vor seiner Abreise mit dem Kaiser eine sehr lange Unterredung über diesen der Tuilerien⸗ Politik zusagenden Schritt gehabt haben.

Italien. Verona. Der Kronprinz von Preußen, welcher zur Vermählung des Prinzen Humbert von Italien sich nach Turin begibt, ist in Verona eingetroffen. An der Gränze wurde er von königlichen Adjutanten und von der preußischen Gesandtschaft begrüßt. Der hiesige Empfang war ungemein glänzend; bei der Be⸗ völkerung herrschte großer Enthusiasmus. Die Stadt war illuminirt.

Friedberg. DasFr. J. enthält folgende Anfrage? Sollte wirklich wie es den Anschein hat die unter Andern von den Herren Carl Hermann Graf von Bohlen, Rittergutsbesitzer aus Breslau, Dr. von Carnall, kgl. pr. Geh. Oberbergrath in Breslau, und Huge Pfannmüller II., Hofgerichts⸗Advocat in Gießen, gegründete und von großh. hess. Regierung am 16. Juni 1865 concessionirteOber⸗ hessische Actien⸗Gesellschaft für Bergbau und Hüttenbetrieb zu Gießen ein so trauriges Ende nehmen, oder schon genommen haben, daß der Aufsichtsrath es nicht einmal der Mühe werth erachtet, den zahlreichen Interessenten und Gläubigern gegenüber zu liquibiren, damit man weiß, ob die Actien noch irgend einen Werth haben, oder als bloßes Makulatur zu betrachten sind? 8

Mainz. Die Ludwigsbahn nahm im ersten Quartal fast 116,000 fl. mehr ein, als im gleichen Quartal des Vorjahres.

Worms. Das von dem Ausschuß des Luther⸗ Denkmals⸗Vereins fesigestellte und von dem größeren Comite gebilligte Programm zur Enthüllungfeier des Lutherdenkmals am 24., 25. und 26. Juni d. J. setzt fest: Für den Tag der Vorfeier, 24. Juni, Abends 5 Uhr Gottesdienst in der Dreifaltigkeitskirche und nach 8 Uhr Choral vom Thurme dieser Kirche; für den Hauptfesttag, 25. Juni, Morgens 9 Uhr Fesigottesdienst in der Marktkirche, um 11½ Uhr Zug von da nach dem Festplatze. Die eigentliche Ent⸗ hüllungsfeier schließt in sich: a) Männerchorgesang mit Begleitung von Blasinstrumenten; b) Festrede mit dem Enihüllungsakte, worauf die ganze Versammlung dat lutherische Lied:Ein' feste Burg ist unser Gott anstimmt, dann o) Weiherede und Uebergabe des Denkmals an die Stadt Worms, endlich d) allgemeiner Gesang. Nach⸗ mittags 3 Uhr findet großes Bankett in der 8 statt und Abends Beleuchtung des Denkmals. Die Nachfeier am 26. Juni beginnt mit einem Festgottesdienst, der bei guter Witterung auf dem Festplatze, sonst in der Friedrichs⸗ kirche abgehalten wird. An dessen Schluß wird unter die Schuljugend eine Abbilonng des Denkmals vertheilt und Nachmittags 4 Uhr in der Dreifaltigskirche das Oratorium Paulus unter der Direction des Hofkapellmeisters V. Lachner aus Mannheim aufgeführt. Es werden dabei u. A. Gesangskräfte aus Worms, Alzey, Speyer, Neustadt, Ludwigshafen, Mannheim und Heidelberg mitwirken. Nach dem Concert findet zum Schlusse gesellige Vereinigung

Freiburg. Vor einigen Tagen wurde eine hiefige Bürgerswittwe L. in Untersuchung gezogen, in deren Woh⸗ nung 2 ihrer Pflege anvertraute blödsinnige(angeblich mit ihr verwandte) Mädchen im Alter von 19 und 23 Jahren in einem schaudererregenden verwahrlosten Zustande gefunden wurden. Das eine der beiden Mädchen lag todt in einem elenden, halbverfaulten Bette, der zum Gerippe abgemagerte Leichnam war über und über mit Unrath, einer Masse Ungeziefer aller Art und mit Geschwüren bedeckt, in welche sich das Ungeziefer eingefressen hatte. Das ältere, voll⸗ ständig blödsinnige Mädchen war halb todt in einem nicht weniger gräulichen Zustande. Die Leiche wurde von Gerichts⸗ wegen geöffnet und das noch lebende Mädchen den barm⸗ herzigen Schwestern im Krankenhause zur Pflege übergeben, wo es nach wenigen Stunden ebenfalls gestorben ist. Die eingeleitete Untersuchung wird zeigen, ob Habsucht oder e Rohheit der Grund der verbrecherischen Hand⸗ ung sind.

Als vorläufige Hauptresultate der Volkszählung vom 3. December 1867 im Norddeutschen Bundes⸗ und Zollvereins⸗ Gebiete werden vom statiflischen Bureau in Berlin folgende Notizen mitgetheilt:

1. Preußische Monarchie 23,965,198 2. Herzogthum Lauen bung 48,567 3. Großherzogthum Mecklenburg⸗Schwerin 560,732 4. Großherzogthum Mecklenburg⸗Strelitz 99,433 3. Stadt dübee lk 49,183 6. Stadt Hamburg. 306,507 . Stadt Bremen 111,411 8. Großherzogthum Olden bung 315,936 9. Fürstenthum Schaumburg⸗Lippe 31,814 10. Fürstenthum Lippe⸗Dermold 112,062 11. Fürstenthum Waldeck 57,509 12. Herzogthum Braunschweig 301,966 13. Herzogthum Anhalt. 197,050 14. Fürstenthum Reuß ältere Linie 43,889 15. Fürstenthum Reuß jüngere Line 88,016 16. Fürstenthum Schwarzburg⸗Sondershausen 68,072 17. Fürstenthum Schwarzburg⸗Rudolstabt 75,149 18. Herzogthum Sachsen⸗Altenbuerg 141,399 19. Herzogthum Sachsen⸗Meiningen 181,483 20. Herzogthum Sachsen⸗Coburg⸗ Gotha. 164,527

(NB. alte Zählung vom 3. Dec. 1864,

die neue liegt noch nicht vor.)

21. Großherzogthum Sachsen⸗Weimar 282,165 22. Königreich Sachsen 2,426,193 23. Großherzogth. Hessen(nordwärts d. Mains) 257,899

Preußische Besaung von Mainz u. Castel 8,697

Summa im Norddeutschen Bund 29,893,857

Großherzogthum Luxembu g 199,958 Großherzogthum Hessen(südwärts des Mains) 565,745 3 Baden 125 Inigrei ürttemb e118, Königreich Württemberg a 4.523.606

Königreich Bayern. Süd deutsche Zollvereinsstaaten 8.802,87

Die obigen Zahlen betreffen mit Ausnahme von kuxemburg, Würstemberg und Bayern die ortsanwesende oder factische Bevölkerung; in den drei genannten Staaten die der faclischen Bevölkerung sehr nahe kommende Zoll⸗ vereins ⸗Abrechnungs⸗Bevölkerung.

% Der Postverkehr von New⸗Mork mit Eurspa. Folgendes ist die Zahl der in der Woche vom 13. bis 21. März in New⸗Pork empfangenen und von dort abgesendeten Briefe, welche die außerordentliche Höhe von 211,159 erreichen.

Empfangen. Abgesanbt.

D 5 41.478 38,855 Deutsche. 47,973 41,814 Französische 23 f 17,543 19,796 NW 619 922 Holländis che 1,107 1052 Total! 108,7 102,439

Gesammt⸗ Zahl 5 211,159

Diese Briese kamen in vier Dampfern und gingen in fünf Dampfern nach Europa. Es ist jedenfalls bemerkens⸗ werth, daß die Zahl der nach Deuischland gegangenen und von Deutschland gekommenen Briefe die Correspondenz

in Frankfurt wurde die Concession zur Vornahme

in der Festhalle statt.

der übrigen Länder bei weitem überflügelt.

Holz ⸗Versteigerung. 963 Mittwoch den 6. Mai sollen in dem Ostheimer Ge⸗ meindewald, Distriet Heide, Malbacher Wald und Thierberg, nachstehende Holzsortimente versteigert werden: 4 Eichen⸗Stämme, 22 Cubikfuß haltend, 27 Nadel⸗Baustämme, 360 Cubikfuß haltend, 8 Eichen⸗Stangenholz, 18 Cubikfuß haltend, 308 Nadel ⸗Stangen, 390 Cub ikfuß haltend, 3 Stecken Buchen⸗Prügelholz,

7Aspen 20 Buchen ⸗Stockholz, 11 Ascpen⸗

8 Nadel-

4000 Buchen⸗Reisholzwellen,

650 Eichen⸗Wellen. 5

Die Zusammenkunft ist präcis Morgens 9 Uhr auf der Pfarrschneise im Distriet Peide.

Die Herren Bürgermeister der Umgegend werden ersucht dieses in ihren Gemeinden bekannt machen zu lassen.

Oftheim am 20. April 1868.

Großherzogliche Bürgermeisterei Ostheim [Winter.

Bekanntmachung.

958 Vom 1. Mai d. J. treten in Flonheim und in Wendelsheim, Kreis Alzet, Post⸗ Expeditionen II. Klasse in Wirksamkeit.

Dem Landbestell⸗Bezirk von Flonheim werden die bisher zu dem Bezirke des Postamtes zu Alzei ge⸗ hörigen Orte Bornheim und Üffhofen, dem Land⸗ bestell⸗ Bezirk von Wendelsheim aber die ebenfalls bieher zu dem Bezirke von Alzei gehörigen Orte Bechen heim, Nack, Nieder⸗Wiesen und Offen⸗ heim zugeth ilt.

Darmstadt den 19. April 1868

Der Ober⸗Post⸗ Director Vahl.

Faselochs⸗Versteigerung. 953 Dienstag den 28. d. M., Vormittags 10 Uhr, soll auf dem Rathhaus zu Melbach ein gemeinheitlicher Faselochs, welcher sich zum Schlachten eignet, öffentlich und meifibiefend versteigert werden.

Melbach am 20. April 1868.

Großherzogliche Meldach 2 i l.

Bekanntmachung.

555 Dienstag den 28. April I. J, Nachmittags 1 Uhr, sollen eirca 200 Etr. Eichenlohrinde eines eirca 40 fährigen Kernwuchses im Locale des Ganwirths Dörr dahier versleigert werden. Der Niederschlag liegt ½ Stunde von Büdingen, nahe der von Büdingen nach Lohrbach gehenden Chaussee. 5 Lorbach am 17. April 1868. Großherzogliche Bürgermeisterei Lorbach Wagner.

Holz- Versteigerung.

956 897 den 28. d. M., Vormittags 9 Uhr, ge⸗ langen im Domanialwald, DistrietDiebseiche/ zur Versteigerung:

6400 Wellen Buchen⸗RNeisholz,

2000Eichen ·

1200 Birken⸗

2800» Sahlweiden⸗Reis holz.

Heldenbergen den 20. April 1868.

Großherzogliche Oberförsteret Altenstadt Rumpf.

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Nordd. Bund und südd. Zollvereinsstaaten 38,697,344

15

Nasse

Holzar Buchen Eichen. Nadel Aspen

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