Ausgabe 
22.12.1868
 
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Folge des Zwanges der Großmächte und wider⸗ rathen eine Einmischung zu Gunsten Griechenlands.

London. DieTimes ist der Ansicht, daß die Meinung der Regierung dahin gehe, Griechen- land, im Falle es die angestrengte Vermittlung der Westmächte mißachte, der Abfindung mit der Türkei zu überlassen.

Spanien. Man ist vielfach der Ansicht, das plötzliche Erscheinen des Herzogs von Montpensier sei mit Uebereinstimmung des Admiral Topete geschehen, der von Anfang an für eine Candidatur des Herzogs gestimmt war. Topete habe denselben als einen Vertheidiger der Ordnung und zugleich als einen getreuen Diener der Revolution darstellen und so die Aussichten für den Herzog fördern wollen. Die anderen Mitglieder der provisorischen Regierung hätten jedoch diesen Plan durchschaut und durch Aus- weisung des Prinzen vereitelt.

Italien. Die Aufregung, in welche die italienischen Patrioten durch die Hinrichtung der Garihaldianer Monti und Tognetti versetzt wurden, scheint zuzunehmen. Die Gelegenheit wird allent balben zu feierlichen Kundgebungen gegen das Papstthum benutzt, bei welchen den Französischen Beschützern desselben natürlich auch nicht geschmei⸗ chelt wird. An vielen Orten werden Volksver- sammlungen gehalten, Monti und Tognetti als Märtprer der Freiheit proklamirt, und gegen die Herrschaft Napoleons und des Papstes auf das nachdrücklichste protestirt. Die Zeichnungen für die Hinterbliebenen der beiden Hingerichteten nehmen unter der Betheiligung aller Stände außergewöhnliche Verhältnisse an.

Rom. Die erste Scction des politischen Tribunals hat Ajoni und einen seiner Mitschuldigen zum Tode verurtheilt. Die fünf anderen Ange- klagten sind zu Zwangsarbeit für ihre Lebenszeit und für gewisse Jahre verurtheilt worden. Die Ver- urtheilten haben um Revision des Prozesses appellirt.

Donaufürstenthümer. Die Pforte hat die rumänische Regierung angegangen, die Griechen des Landes zu verweisen. Die rumänische Regie- rung hat jedoch, in Betracht der Rechtsfrage des Neutralitätsprinzips diese Zumuthung abgewiesen. Die Consuln werden die Schritte der genannten Regierung respectiren und bei ihren Regierungen rechtfertigen.

Türkei Ueber dle Affaire mit dem Dampfer Enosis erfährt man noch folgendes Nähere:

DieEnosis selbst hatte angegriffen, indem sie auf einen türkischen Kreuzer seuerte. Sie war jedoch bald genöthigt, mit zerschossenen Masten und Schlot in den Hafen von Syra zu flüchten. 855 Bruch zwischen den beiden Regierungen steht evor.

Griechenland. Als Ursache der Cabinets- veränderung in Athen wird die nealiche Rede Bulgaris' bezeichnet, in welcher derselbe eine Ver- ständigung mit der Türkei anempfahl. Amerika. Washington. Der Senat nahm eine Resolution an, worin den Spaniern Sympathien für ihre Bemühungen, eine freiere Regierungsform zu begründen, ausgesprochen und dieselben dringend aufgefordert werden, die Sclave rei abzuschaffen.

Der Präsident von San Domingo, soll Hrn. Seward angeboten haben, auf dessen eigene Bedingungen hin, die Bucht von Sumana auf 99 Jahre an die Vereinigten Staaten verpachten zu wollen. Er soll auch angedeutet haben, daß in einer alten Kirche in San Domingo die Asche des Columbus in einem eisernen Sarge aufbe wahrt werde, sein Herz befinde sich jedoch in Havanna. Wenn jener Handel zu Stande kommt, soll der Sarg nach Washington gebracht werden. Auf Cuba ist, in Folge der bevorstehenden Ab- schaffung der Sclaverei, das Menschenfleisch schon bedeutend im Preise gefallen. Zwölf der btsten Feldarbeiter, die vor kaum 3 Monaten noch je 1200 Doll. werth waren, wurden zu je 900 Doll.losgeschagen.

Frankfurt. Zuverlässigem Vernehmen nach soll die Sentenverg'sche naimsorschende Gesellschaft beschlossen haben, das Museum von Neujahr an auch an jedem Sonntage zu öffnen, so daß die vielbesuchien Sammlungen dann jeden Sonntag und Freitag ven 111 Uhr und jeden Miuwoch von 24 Uhr für Jedermann offen stehen. Dieser Beschluß wird auch in der Umgegend von allen Denen, welchen es unmöglich ist in der Woche diese schönen und interessanten Sammlungen Frankfurts zu besichtigen, jrcudig und dankend begrüßt werden.

Darmstadt. DieDarmst. Zig. bringt solgende Beschreibung eines fingirten Eisenbahnunglückes. Ju dem äußeren, zwischen der Griesheimer Chaussee und dem Holzhose gelegenen Theile des Bahnhofes der Main⸗ Neckar Bahn, wurde am 16. d. ein interessanter Versuch ausgeführt. Es bandelie sich darum, den Erfolg des Zusammenstoßes zweier mit gleicher Kraft und Geschwin⸗ digkeit aneinander rennenden Züge zu ermitteln. Zu diesem Zwecke wurden zwei alle Personen⸗ und zwei Packwagen geopfert. Zwei Waggons wurden aus dem Bahnbose von einer Locomstive herausgeschoben, zwei andere wurden auf demselben Geleise mit derselben Ge⸗

schwindigkeit von einer anderen Locomotive in ber entgegen gesetzten Richtung herangetrieben. Als die Züge so ziem⸗ lich in der Mitte des Babnbofe angekommen, dirigirten die Locomotiven ihre Dampfkraft rückwärts, und die beiken Wagenpaare setzten allein ihren Weg fort, um mit einem furchtbaren Gekrach bald darauf aneinander zu kennen. Der Anblick, welcher sich nunmehr den Zuschauern darbot, war ein Vild der gräulichsten Verwüstung. Die direkt euf einander gerannten Eckcoupe's waren in tausend Splitter und Fetzen zerrissen, die Federn gebogen und an beiden Waggons Sitze, Fußböden und Axen zertrümmert. Diese große Zerstörung ist um so merkwürdiger, als die (geschwindigkeit der beiden Züge, die schon wegen der kleinen Strecke, auf welcher man den Versach ausführte, gemäßigt werden mußte, keine allzugroße war. Zu be⸗ dauern ist, daß man in der Stadt von diesem Versuche keine Kenntniß hatte, das schaulustige Publikum, das auf dem Exerzierplatze ausreichend Platz gehabt hätte, wäre jedenfalls in Masse herbeigeeilt. Man dars wohl sragen, welche vernünftige Gründe sich dafür auffinden lassen, derartige nutztose und kostspielige, dabei aber noch sehr gesäbrliche Versuche zu machen, bei welchen das Leben der

Maschinenführer und Heizer bedroht ist, sosern die Maschine

etwa bei der raschen Wendung des Kolbens Noth leiden und ihre Dienste versagen sollte.

Mainz Die große Blumenausstellung des rheinischen Gartenban-Verbandes wird vom 10. bis 14. April n. J. hier staufinden und scheint große Dimensionen annehmen zu sollen. Bereils hat der Großherzog einen werihvollen Chrenpreis gewidmet und die Mitglieder der großherzogl. Familie ihre gleiche Theilnahme in Aussicht gestellt.

München. Die durch denVolkebote aus Kronach gebrachte Nachricht, daß der Sträfling Chorinsly aus der Feftung Rosenberg enisprungen, auf seiner Flucht der bochgehenden Redach zu nahe gekommen, in dieselbe ges fallen und am 15. Dezember bei Küps als Leichnam aus derselben gezogen worden sei, wird durch eine telegraphische Meldung des Platzcommandes Rosenberg an das Kriegs⸗ ministerium als eine durchaus erfundene Nachricht bezeich⸗ net. Chorinsky befindet sich vielmehr, ohne daß cin Fluchtversuch gemacht worden wäre, von zwei Wächtern beobachtet und wohl verwahrt, in seiner Zelle auf Rosenberg.

, Falsche baicrische Zweiguldenstücke mit den Jahreszahlen 1849, 1853 und 1855 und dem Brustbilde des Königs Maximilian II. sind in Umlauf. Dieselben sind außerordentlich gut nachgemacht, wie es scheint, aus einer harten, zinkartigen Metallmischung, und unterschei⸗ den sich von den echten hauptsächlich durch folgende Merk⸗ male: Sie sind viel leichter, fühlen sich weicher, fettiger an, haben einen maneren, bleiartigen Glanz und das ganze Gepräge, namentlich aber das Kopfhaar des Brustbildes, der beiden Wappenlöwen, die Schaitirungen der Wappen⸗ schildet und die Perlen der Krone erscheinen weniger scharf, mehr abgerieben und verschwommen, als bei den echten.

Verloosung.

Mailand, 16. Dec. Bei der heute statigehabten Ziehung der 10⸗Frcs.⸗Loose wurden gezogen Serie 619 2325 6511 6897 und 7001, und fielen bei der darauf folgenden Gewinnziehung auf Serie 6997 Nr. 34 50,000 Fr., Serie 6897 Nr. 82 1000 Fr., Serie 2325 Nr. 14 500 Fr.

Versteigerung einer Hofraithe und Lohgerberei zu Friedberg.

3066 Montag den 28. December d. J., Vormittags 11 Ubr, sollen im biefigen Rathhause auf freiwilligen Antrag des Bürgers und Lohgerdermeisters Karl Spamer dahler die demselben zuftehenden Immobilien

nämlich: 5

Flur. Nr. Kistr. Gemarkung Friedberg. 2 15 75 Hofraithe in der Usaer⸗Vorstadt, 2 215,5 6,6 Gerbhaus daselbst,

2 214,33 22,5 Grabgarten daseldst öffentlich meistbietend versteigert werden.

Sowobl die Dofraithe als auch die Gerberei und die dau gehörenden Nebengebäude definden sich in sehn gutem baulichen Zustande und find in einer. freund⸗ lichen Lage in unmittelbarer Nähe der Stadt und der Eisenbahn am Usa⸗glusse belegen.

zriedberg am 10. December 1868.

Großberzogzliches Ortsgericht Friedberg S8eucar.

n

3140 Far die hlesige Saline sollen auf dem Sub- mihsio nswege angekauft werden:

3 Boden 6. Floßholzstämme,

4 1 7.*

. N

4 3* f 200 Stück ordinäre brelte Doppeldielen, 500 1 Olelen. Lieserungsanerbirtungen, verfiegelt und mit der Auf schrist:Lieferung von Zloßholz und Dielen für groß berzegliche Saline Nauheim betreffend, versehen, find dis zum 5. Januar k. J., Vormittags 10 Udr, in unserm Bürkau abzugeben, wo auch dle Lieserungobedsngungen eingeseben werden konnen. Nauheim den 18. Dezember 1868. Hroßberzogliches Salintnamt Nauheim F. Schreiber. Welß.

Bekanntmachung.

Main ⸗Weser⸗ Bahn.

3074 Montag den 4. Januar 1869 wird dei der Wärterbude Nr. 127 in der Nähe des Dorfes Kölde zwischen Marburg und Kirchhain, eine Haltestelle sür die Beförderung von Personen, cinschlieblich Militärs, nach und von den Stationen Marburg und Kirchhain und zwar bis auf Weiteres mit den Zügen III, XI und XV und XII, XIV und XX des Fabrplaues vom 15. Juni d J. eröffnet werden.

Bie Abfahrt von Kölbe findet statt:

J. Nach Kirchhain

mit Zug III um 5 Übr 5 Minuten Vormutags, 1* Nachmittags, NV e 5 10 Nachmittags.

II. Nach Marburg mit Zug XII um 10 uhr 20 Minnten Vormittags

1 4, 5 Nachmittags,

10 XX 7. 9* 24 77 Nachmittags.

Rei ad kann von allen Stationen der Main⸗ Weser⸗ n nach Kölde expedirt werden, das daselbft

zur Besördcrung über Marburg oder über Kirchhain binauszugehende Gepäck wind von den letztgenannten Statlonen nach Kölbe rückwärts und weiter vorwäre erpedirt und ißt bierbei die tarifmäßige Taxe von Kolbe nach Kirchhain beziehungsweise Mardurg und von de bis zur Beftimmunge nation zu entrichten Cassel den 8. December 1868. Königliche Dire tion der Main⸗Weser⸗Bahn.

Ein möblirtes Zimmer

3120 mit Cabinet ist, zu vermietden. Näheres zu er⸗ fragen bei der Exped. d. Bl.

Ein großes moͤblirtes Jimmer

3112 bat zu vermietben J. Ruppel,

Glacée-IMandschuhe, A. 8.

Meßger.

Bekanntmachung. 3146 Donnerstag den 24. d. M., des Vormittags um 11 Ubr, wird in tiesigem Rathdause das für die piesige Armenanstalt pro lies Haldjabt 1869 erforderliche Crislallöl, Seife, Kaffee, gerollte Gerste, Gritsmebl, Reis, Hirsen, Ochsenfleisch, Schweinefleisch, Nierenlett, Schwelneschmalz und Brod auf dem Submissionswege vergeben. Sodann wird in demselben Termin die An⸗ lieferung des für die Schuhmacherei des Armenbauses pro 1les Palbiabr 1869 erforderlichen Sohl., Rind⸗ und Kalbledere, Hanfgarns, Bestechgarns, Holzuägel, Adsaßz⸗ nägel, Soblennägel, Pech und Wachs ebenfalls auf dem Submissionswege vergeden.

Die Bedingungen können del Verwalter Gaßzert in der Armenanstalt tingeseben werden. Friedberg den 17. Dezemder 1868. Greßberzotzliche Bürgermeisterel Friedberg Fouc ar.

Versleigerung von Prangträthschasien, Faͤssern ꝛc. ꝛc.

3135 Dienflag den 22. d. M. und die solgenden Tage, von Vormittags 9 Udr an, lasse ich die zum Loos schen Nachlaß gehörigen Lager- und Trausportsässer, Bütten, W. gen, ein Billard, Stüdle, Tische, zwei Uhren und sonffige Brau- und Wiribschaftogerätbschaften zunächst im Loos'schen dause zu Gießen öffentlich meisidietend versteigern. Die Fässer ꝛc. zꝛc. können vorber angesehen werden. Oießen, 18. December 1868. Der Wasseverwalter Th. Baist,

dofgertots Advokat

Steinkohlen,

2128 nur Stücke, dester Qualität, per Waggon 200 Centner zu 88 fl. Kleinere Quantitäten in meinem Magazin an der Bahn 1 Centner 30 ke, empfiehlt

Bad Nauheim. Jacob Schimpf.