Bratiano finden, der einer Pöbelhetze gegen die Juden„vom Millionär an bis zum letzten Hausirer“ keine Hindernisse in den Weg lege.
— Das ofssiziöse Organ des Cardinals Rauscher berichtet mit äußerster Entrüstung, daß der Gerichts ⸗ Präsident Hauer von Brüx in Böhmen sich in fol⸗ gender Weise öffentlich über den hochwürdigsten Episcopat ausgesprochen habe:„Warum die vielen canonischen Ehehindernisse? Um durch die Dispense Geld zu gewinnen! Die Schule hat unter der bisherigen Aufsicht des Clerus gar nichts geleistet; derselbe ist zur Leitung der Schule ganz unfähig und sie muß ihm daher abgenommen werden. Auch zahlt der Clerus zur Erhaltung der Schule keinen Kreuzer und hat also schon darum kein Recht, derselben zu befehlen Es ist die reine Herrschsucht, die den Clerus in Bezug auf die Schule leitet.“
— Der Reichsrath hat seine Sitzungen wieder aufgenommen. Das Abgeordnetenhaus war äußerst schwach besucht und beinahe beschlußunfähig. Die Überalen Blätter geben ihrem Unmuthe über dies lethargische Verhalten der Volksvertreter unver⸗ hohlen Ausdruck.
— Der Minister für Landesvertheidigung, Graf Taaffe brachte ein Wehrgesetz ein und ent: wickelte die Grundzüge desselben. Das Wehrgesetz beruht auf den Principien der allgemeinen Wehr- pflicht und vermindert die Dienstzeit auf drei Jahre bei der Linie und auf sieben Jahre bei der Reservt. Es stellt die Errichtung von Land⸗ wehr und Landsturm fest und bestimmt die Stärke des Heeres auf achtmelhunderttausend Mann.
— Ein vom Justizminister eingebrachter Gesetz⸗ entwurf bestimmt, daß bei Chescheidungen die Ehegatten nicht verpflichtet sein sollen, ihren be⸗ züglichen Entschluß dem Seelsorger fernerhin zu eröffnen. Es genügt die einsache Anzeige bei dem Ehegericht, dieses hat dann die Pflicht, den Ehe⸗ gatten jene Vorstellungen zu machen, die bisher von dem Seelsorger ausgegangen.
Prag. Der„N. fr. Pr.“ wird von hier über Sicherheitsmaßregeln gemeldet, welche bezüg⸗ lich zu erwartender Tumulte getroffen sind. Die Bezirks hauptmannschaften wurden angewiesen, den Gemeindev orstehern im Wege von Circulären mit ⸗ zutheilen, daß überall auf Gemeindekosten Militär⸗ execution Platz greisen werde, wo die Gemeinde⸗
Behörde die Hintanhaltung von Excessen verabsäumt. Schweiz. Die Geldbeiträge für die Ueber⸗
schwemmten mehren sich in so erfreulicher Weise, daß nur die hervorragendsten Posten aufgtführt werden können. Als solche sind zu nennen: 20,000 Fr., welche der König von Preußen durch seinen Gesandten am 18. d. dem Bundesrath zur Verfügung gestellt hat; die colossale Summe von 170,000 Frs., welche die Stadt Basel bis zum 17. d., und 40,000 Frs., welche die Stadt Bern bis jetzt zusammengebracht hat. Auch die Sub⸗ seriptionsliste des„Genfer Journals“ weist bereits 25,000 Frs. auf. Die Königin⸗Wittwe von Württemberg hat auch 1000 Frs. gegeben, mit besonderer Bestimmung für die Waisen Verunglückter.
— Einem längeren Bericht des„Schw. M.“ über den sich in Zürich entfaltenden Wohlthätig keitssinn zu Gunsten der Ueberschwemmten ent⸗ nehmen wir Folgendes: Man zählt viele Beiträge einzelner Häuser von 1000 und 2000 Fr. Ganze Wagenladungen von Lebensmitteln werden ge⸗ spendet, und doch sollen sie immer am willkom⸗ mensten sein, namentlich Kartoffeln. Die Kunst und die Speculation tragen ebenfalls nach Kräften bei. Eine solche Masse von Concerten, Vorstellungen aller Art erlebte man in der Schweiz noch nicht, und alle sind sehr besucht. Wohl noch nie da⸗ gewesen ist die Prämiirung des Besuchs von einer Anzahl hochdeutscher Vorlesungen von Fritz Reuters plattdeutschen Erzählungen. So oft sich nämlich 100 Unterzeichner zu 5 Fr. finden, so legt irgend ein Jemand 1000 Fr. dazu.
Frankreich. Paris. Die„Patrie“ dementirt das Gerücht, daß die Candidatur Montpensier's von Prim und Serrano unter- stützt werde.
— Die große Neuigkeit des Tages bringt
der„Figaro“. Es handelt sich um ein Duell zwischen den zwei populärsten Persönlichkeiten der Gegenwart. Dem genannten Blatte zufolge hat sich nämlich Hr. Marsori nach Brüssel begeben, um Hru. Henri Rochefort, welcher ihn in der letzten Nummer der„Lanterne“ arg mitgenommen, seine Zeugen zu schicken.(2)
— Dem„Temps“ schreibt man aus Barcelona: „Deutsche Juden haben an die Madrider Regie⸗ rung eine Petition gerichtet, in welcher sie um die Erlaubniß nachsuchen, sich in Spanien nieder- zulassen. Es wurde ihnen geantwortet, daß eine solche Erlaubniß nicht nöthig wäre, da die spanische Verfassung die Gleichberechtigung der Glaubensbekenntnisse proklamirt hätte ohne die⸗ selben einzeln anzuerkennen.“
— Dem„Gaulois“ wird aus Madrid von Herrn v. Miranda geschrieben:„Der General Prim hat den allgemeinen Bitten nachgeben und den Marschallsßab annehmen müssen. Das Land, welches den Wunsch hat, daß die vollkommenste Gleichheit zwischen ihm und dem Conseilpräsidenten herrsche, sah ungern den Mann, welcher zuerst den Ruf zur Revolution erschallen ließ, seinem Collegen in der Würde nachstehen. Der Marschall Serrano hat sich selbst zum Organ dieses allge meinen Wunsches gewacht und Prim seine Zu⸗ stimmung abgenöthigt.— Dasselbe Blatt berichtet die Worte Prim's, womit derselbe ein eventuelles Angebot der Krone zurückweist.
— Die Nachricht der„Liberte“ von einem gegen den General Prim begangenen Attentat wird von keiner Seite bestätigt.
Großbritannien. London. Eine von
100 Adligen und Parlamentsmitgliedern, sowie von den hauptsächlichsten Handelsfirmen unter- zeichnete Adresse, worin um Beförderung des untersetischen Tunnelprojets(zwischen England und Frankreich) gebeten wird, wurde dem Kaiser Napoleon zugestellt. — Ein Brief Kirk's aus Zanzibar vom 29. August meldet, er habe Briefschaften von kivingstone empfangen, welche aus den Monaten Ottober und Dezember 1867 datiren und in Cazembe- und Marunguland geschrieben worden seien. Sie berichteten, daß sich Livingstone und seine Reisegefährten wohl befänden.
— Die königl. Commission, welche ihr Gut⸗ achten über die Einführung eines internationalen Münzspstems abzugeben ernannt worden war, hat dieses jetzt veröffentlicht. Das Wesentliche desselben ist, daß sie, nach Erwägung aller Umstände, die Einführung einer Doldmünze von 25 Frs. und die Abschaffung des Sovereigns nicht empfiehlt. Gründe dafür sind folgende: die Reduction des bisherigen Sovereignwerthes würde alle bestehenden Verhältnisse verrücken und eine Unmasse von Schwierigkeiten erzeugen, die zu dem Vortheile dieser vereinzelten Umprägung in keinem Verhält- nisse stünden, denn dadurch würde doch nur eine partielle Uebereinstimmung im Münzwesen erzielt. Ein anderes wäre es, wenn ein durchaus gleich- mäßiges Münzsystem aller bedeutenden Staaten durchgeführt werden könnte.
— Die von Paris herübergelangten Andeu⸗ tungen, daß Kaiser Napoleon sich mit einem all · gemeinen Entwaffnungsvorschlage beschäftige, haben hier bis jetzt keinen besonderen Eindruck hervor⸗ gebracht. Man traut derartigen Vorschlägen prin⸗ cipiell keinen dauernden Erfolg zu und traut dem Monarchen nicht, der sich angeblich seit vielen Jahren damit beschäftigt, alle Staaten von der Last ihrer schweren Armeebudgets zu erlösen.
Spanien. Es tritt in der bis jetzt gut informirten„Times“ folgende Mittheilung mit großer Bestimmtheit auf: Wir die Sachen jetzt stehen, scheint König Ferdinand von Portugal der Mann zu sein, den die provisorische Regierung vor allen Anderen im Auge hat. Zweifelhaft ist nur, ob die Thronfolge auf seinen ältesten Sohn, den jetzigen König von Portugal, oder auf dessen jüngeren Bruder übergehen solle. Weiter meldet man der„Times“, daß Prim auf den König Ferdinand vor allen Anderen sein Augenmerk
gerichtet habe und von gut unterrichteter Seite wird versichert, daß von Madrid bereits die er⸗
forderlichen Schritte gethan worden seien, um in Lissabon deßhalb anzufragen.
Madrid. Serrano, Topete und Olozaga passirten Guadalazara. Der Letztere hielt daselbst eine Rede, in welcher er sich für die constitutionelle Monarchie aussprach. Serrano und Topete sind persönlich derselben Ansicht. Die Demokraten Martos und Asquerino erklärten, daß sie die Monarchie annähmen, falls sich das Volk in all- gemeiner Abstimmung dafür ausspräche, Olozaga und Serrano erklärten darauf, daß sie ihrerseits auch die aus allgemeiner Volksabstimmung hervor⸗ gegangene Republik anerkennen würden. Olozaga wohnte dem Ministerrathe bei.
— Die„Gaceta“ veröffentlicht eine Erklärung der Junta von Madrid gegen eine übereilte und unüberlegte Volksabstimmung über die künftige Form der Regierung, indem sie sagt, eine Volks⸗ abstimmung würde der Reife und der erforder- lichen Kaltblütigkeit ermangeln. Deßhalb wird der provisorischen Regierung vorgeschlagen, sie möge erklären, daß die Entscheidung über diese Fundamentalfrage einzig und allein den constitui⸗ rendes Cortes zustehe.
— Das spanische Journal„La Iberia“ schreibt: Bei Gelegenheit einer theatralischen Auf; führung in Saragossa erregte eine Deklamation des bekannten Dichters Augustin Funes den enthustastischen Beifall des Publikums, und wurde stürmisch da capo verlangt. In der beredtesten Sprache schildert Funes die Leiden seines Vater⸗ landes, das„stöhnend in das Gebiß seiner Tyrannen geknirscht habe.“ Unter übermenschlichen Anstrengungen— fährt er fort— schleppte es sich dahin, das Elend saugte seine Adern aus; doch es schlief ein bei dem klirrenden Schlummer⸗ lied seiner Ketten. Da in der zwölften Stunde, als Alles verloren schien, kehrte der Gedanke der Rache in seine Brust zurück, wüthend raffte es sich auf, und schleuderte den Thron seiner Peiniger donnernd in den Abgrund.“(Endloser Applaus). Er schließt, wie üblich, mit einem kräftigen Aus⸗ fall auf Isabella,„das Weib ohne Scham,“ und plaidirt für die Constituirung einer Republik.
— Die„Gateta“ veröffentlicht das neue Schulgesetz, das guf den liberalen Grundsätzen einer unbedingten Lehrfreiheit basirt.
— Die„Iberia“ enthält einen langen Artikel gegen die Jesuiten, in welchem es heißt: Diesem entsetzlichen Institut hatten wir es zu verdanken, daß wir so lange unter dem verabscheuungswür⸗ digen Meineid Isabellen's zu leiden hatten. Ohne den Triumph der Jesuiten würde Isabella nie Königin geworden sein. Befreit von den Jesuiten und Bourbonen, dürfen sich unsere Herzen den schmeich⸗ lerischsten Hoffnungen hingeben. Dasselbe Blatt gibt die Zahl der in Madrid befindlichen Nonnen⸗ klöster auf 27 an, mit 40,000 Q“ Terrain, und beantragt im Interesse der Stadt ihre schleunigste Aufhebung.— Die Revolutions ⸗Junta von Saragossa proklamirt den neuesten Nachrichten zufolge eine allgemeine Amnestie für politische und andere Vergehen, die den Genuß der bürgerlichen Ehrenrechte nicht ausschließen.
— General Prim hat in einem Schreiben an Girardin erklärt, die constitutionelle Monarchie sei für Spanien allein möglich, die Republik aber unmöglich weil die Spanier nicht republikanisch gesinnt seien. 9
— Ein Decret des Justizministers verfügt die sosortige Unterdrückung aller seit dem 29. Juli 1837 gegründeten Klöster, Congregationen und geistlichen Genossenschaften aller Art. Alle be⸗ weglichen und unbeweglichen Güter derselben wer⸗ den Staatseigenthum. Die Mönche und Nonnen der genannten Klöster werden keinerlei Pension erhalten. Die Klbster, welche vor 1837 gegrün⸗ det wurden, werden auf die Hälfte reducirt, und es ist ihnen verboten, Novizen aufzunehmen.
— Dieser Tage wurden 37 mit Werthgegen⸗ ständen angefüllte Kisten mit Beschlag belegt, welche unter einem falschen Namen an den Major⸗ domus der Exkönigin Isabella, Herrn Onate, der im Schloß von Pau wohnt, adressirt waren.
Rußland. Die„Kronst. Ztg.“ meldet, daß die in Kronstadt sich befindenden katholischen
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