8
Vereinigten Staaten consequent freundlich gesinnt waren.
— Der Correspondent der„Morning Post“ in Mexico bestätigt die Nachricht, daß die Auf⸗ stände in der Nähe von Puebla und im Staate Veracruz ihrem Ende nabe sind, und Mexiko sich in einem erträglich ruhigen Zustande befindet.
O Friedberg, am 17. Septbr. Gestern hielt die Lehrerkonferenz des Kreises Friedberg im Saale zu den drei Schwertern“ dahier ibre Jahresversammlung. Nach den nöthi⸗ gen geschäftlichen Abmachungen u. der Erstautung der Rechen- schaflsberichte über die Thäligkeit der einzelnen Konferenz Sektionen kamen die diesmal von der Sektion Melbach gestellten Thesen„über die Strafgewalt des Lehrers“ zur Verhandlung. Da der Gegenstand für alle Eltern un- mittelbarstes Interesse hat, so werden einige Andeutungen darüber hier wobl an ihrer Stelle sein. Der nöthigen Kürze wegen seien aber nur zwei Punkte aus den Ver⸗ handlungen hervorgehoben. Sie betreffen die Gränzen der Strafgewalt des Lehrers über die Schule hinaus und die körperlichen Strasen. Den ersten Punkt anlangend, schienen die Meinungen Anfangs aus einander zu gehen. Von einer Seite wurde die Ansicht vertreten, die Straf⸗ gewalt des Lehrers erstrecke sich nur auf Vorkommnisse in der Schule, auf dem Schulweg und in allen den Fällen, wo die Kinder speciell als Schüler erschienen, nicht aber auf ihr Verhalten auf der Straße und in Feld und Wald, schon um deßwillen nicht, weil die Verpflichtung des Lehrers zur Beaufsichugung derselben so weit nicht ausgedehnt werden dürfe. Für Straßenunfug habe die Polizei ein⸗ zustehen, Vergehungen der Kinder in Feld und Wald seien Angelegenheiten des betreffenden Schutzpersonals. Dem gegenüber wurde indessen geltend gemacht, daß der erzieh⸗ liche Einfluß des Lehrers sich nicht an Zeit und Ort binden dürfe, wenn er ein nachhaltiger, segensreicher sein solle, daß das Betragen der Kinder außerhalb der Schule ihn auf's böchste interessiren müsse, da er nicht für die Schule, sondern für das Leben wirke, und jenes Verhalten ihm den Maßstab dafür gäbe, in wie weit seine Wirk⸗ samkeit von Erfolg wäre; ja bis ins elterliche Haus hinein habe sich unter Umständen seine erziehliche Thätigkeit zu erstrecken, falls seine Hülfe dort wohl aufgenommen oder begehrt würde. Zur Unterstützung dieser Ansicht wurde außerdem auf die gesetzlichen Bestimmungen verwiesen, die dem Lehrer ausdrücklich die Pflicht der geeigneten Bestra⸗ fung auferlegen für Straßenunsug schulpflichtiger Kinder, Zerstören von Vogelnestern, Besuch von Wirthshauslokalen und Tanzböden ohne elterliche Begleitung u. dergl.
Von der Nothwendigkeit körperlicher Strafen sprach man allgemein in dem Tone tiessten Bedauerns. In der That, was kann es Schmerzlicheres geben, als gegen Rohheit, eingefleischte Trägheit, Widerwilligkeit oder gar Trotz in Geduld und Ausdauer mit allen Disciplinarmitteln ankämpfen und schließlich noch seine Zuflucht zu körper⸗ licher Züchtigung nehmen zu müssen. Der gewissenhafte Mann kann auf Tage hin dadurch verstimmt und aller
reude an der Ausübung seines Berufes beraubt werden. Und doch, darüber waren alle Anwesende einig, darüber herrscht unter allen praktischen Pädagogen nur Eine Summe: wie in der häuslichen Erziehung körperliche Strafen nicht immer entbehrt werden können, so wäre, namentlich in Schulen, wo eine Ausweisung wegen üblen Betragens unzulässig ist, wenn es auch dem gewandten, konsegquenten und gewissenhaften Lehrer gelingt, sie nur auf seltene Fälle zu beschränken, eine absolute Verzicht⸗ leistunz auf dieselben eine Pflichtverletzung und Schädigung der durch die Schule zu erreichenden Zwecke. Fast immer aber tritt ihre Nothwendigkeit nur da ein, wo die Kinder zu Hause nicht unter dem Einfluß einer liebevoll⸗ ernsten und verständigen Erziehung stehen, und darin liegt eine Mahnung und Bitte der Schule an das Elternhaus zur Beherzigung des Spruchs:„Ihr Eltern, reizet eure Kinder nicht zum Zorn, sondern ziehet fie auf in der Zucht und Vermahnunz zun Herrn.“
Es dedarf schließlich gewiß kaum einer Bemerkung darüber, daß, wenn aus der reichen Zahl der Erziehungs⸗ mittel die Strafe herausgegriffen und einer Konferenz⸗ desprechung unterzogen wurde, dabei nur die praktische Bedeutung diefe P maßgebend und der Versamm⸗ lung wohl bewußt wie die Strafe bei Weitem nicht das erste und einige niche sei, dem allenfalls unbestrittene Herrschaft in den Schulräumen eingeräumt werde, sonnen daß vor und hinter ihr im Gewissen des
Lehrers die Frage zu siehen habe:„Wie sind Strafen zu
vermeiden?“ Ein einsachen Mahl hlelt nach dem Schluß der Kon⸗ serenz die Meni desden noch einige Stunden in
heiterer tit vereinigt, wobei in Toasten auf Seine Königli d berze, auf bie Kreisschulbehörde mit be Ing af Len veeehrten Vorsteher der⸗ selben, i Suseit wieder inmitten
f seiner Amiethäugemt 2 die Bersammlung besonders erfreut war, au die Virksamkeit der, Lehrerkonferenz, des Seminars, das durch 2 Einrichtung eines dreijährigen Kursus eine neue 9 ende. ngettrten, auf die Oberstudiendireklon, unter Anerkennung ihrer Verdienste um die Reorganisation dieser Anstalt und das hessische Schulwesen überhaupt, auf das geistig Jungbleiben manch ernstes Wort noch gesprochen wurde.
Friedberg. Nachdem kürzlich eine Vorberatyung über Organisalion der Forischrittspartei für die drei Pro⸗ vinzen des Großherzogthums zu Frankfurt a. M. stattge⸗ funden, ergeht von zwölf Mitgliedern derselben die Einla⸗ dung zu einer kandesversammlung nach Darmstadt auf
Samstag den 26. September, Vormittags 9½ Uhr. Die⸗ ser Versammlung wird ein Statut vorgelegt werden, nach welchem die freiheitliche Entwickelung in Staat und Ge⸗ meinde, sowie der Eintritt der süddeutschen Staaten und insbesondere unseres ganzen Großherzogthums in den norddeutschen Bund durch den zu gründenden Verein er⸗ strebt werden soll. Als ein weiterer in Aussicht genom- mener Gegenstand der Berathung wird zunächst die Her⸗ stellung der Selbsiständigkeit der Gemeinden und die Auf⸗ hebung des Gesetzes über die Bildung der Ortsvorstände bezeichnet. Die Einladenden rechnen im Hinblick auf den bewährten Eifer ihrer Parteigenossen auf deren zahlreiches Erscheinen.
Kk. Rockenberg. In diesen Blättern wurde vor etwa 2 Jahren der neurestaurirten Kirche zu Rockenberg gedacht, die von Meisters Händen in soliden Farben in ein Gewand gestellt wurde, das an Schönheit nichts zu wünschen übrig ließ. So schön die Kirche, so schlecht war die Orgel. Die Gemeinde enischloß sich deßhalb zur An⸗ schaffung einer neuen Orgel. Dieselbe, von Herrn Eber⸗ lein aus Worms erbaut, wurde nun am 15. d. jeierlichst eingeweiht, nachdem eine Commission ihre besondere Zu⸗ friedenheit mit Ausführung des Werkes, dessen Gehäuse nach einer Zeichnung des Herrn Kaplan Kron in Ober⸗ mörlen gefertigt ist, ausgesprochen hatte. Am Feste selbst betheiligten sich fremde Geistliche, wie das ganze Kapitel des Dekanats. Herr Dekan Keller nahm die Weihe vor, die Predigt hielt Herr Pfarrer Mai. Auch Herr Regierungsrath Trapp war bei der Feier anwesend. Nach dem kuchlichen Akte vereinigten sich die Geladenen bei Herrn Pfarrer Gabel zu einem würdigen Mahle. Dank dem Pfarrer, Dank der Gemeinde, die schon viel des Guten gescheffen haben.
Darmstadt. Der Ingenieur Sir John Benso n überreichte dem Gemeinderath der Residenz einen inieressan⸗ ten Vortrag über die Möglichkeit, die Stadt Darmstadt mit
Wasser aus dem Rheine zu versorgen.— Nach den„H. V.“ wurde bei Geinsheim vor Kurzem eine unbekleidete männliche Leiche geländet und dieselbe, da die Person des Ertrunkenen nicht constatirt werden konnte, alsbald be⸗ erdigt. Seitdem hat Actuartatsgehülfe R. von Groß⸗ Gerau der Wiener'schen Familie dahier die Anzeige ge⸗ macht, allen Umstäuden nach sei in dem Beerdigten der vermißte A. Wiener zu suchen. Es wurde nun vor eini⸗ gen Tagen im Beisein verschiedener Behörden und von Verwandten des A. Wiener die Leiche ausgegraben und als die des A. Wiener erkannt.
München. Das von Emanuel Geibel dem Könige von Preußen gewidmete, in Lübeck überreichte Gedicht schließt mit den Worten:
Und sei's als letzter Wunsch gesprochen,
Daß noch dereinst Dein Aug' es sieht,
Wie übers Reich ununterbrochen
Vom Fels zum Meer Dein Adler zieht! Der Nürnb.„Corr.“ bemerkt hierzu sehr boshaft:„Würde der zuletzt ausgesprochene Wunsch in Erfüllung gehen und es dann vielleicht eine bayerische Cabinetskasse nicht mehr geben, aus der unsers Wissens Herr Gelbel noch Pension bezieht, dann hat er sich jedenfalls Anspruch darauf erworben, daß sie ihm dann der König von Preußen zahlt.“
Bern. Eine dtollige Geschichte ist hier Tagesgespräch. Eine Kuh hat nämlich kürzlich Vormittag den Bären im Bärengraben eine Visite abgestattet. Auf dem Viehmarkte in seiner Nähe zum Verkauf ausgestellt, muß dieselbe von irgend etwas unangenehm berührt worden sein, kurz, sie fand es für gut, die Flucht zu ergreifen und mit einem wahren„Harrassprung“ in besagten Graben sich dem Gewühle des Marktes zu entziehen. Diese Kühnheit hat dem Bärenpaare offenbar imponirt. Frau Braun zog sich vor dem frechen Eindringling in ihre Hofburg sofort höchst bestürzt in das Innere ihrer Gemächer zurück, nur Herr Braun, der wegen seinee wilden Grausamkeit gegenüber dem armen dänischen Capitän Lork in ganz Europa übel berüchtigte„Mani“, wagte einen schwachen Versuch, das Hausrecht zu behaupten, wich aber vor den spitzen Hörnern, mit welchen die heldenmüthige Milchspenderin ihm entgegentrat, bald ebenfalls brummend in das Innere seiner Behausung zurück, deren Thore muthmaßlich auf seinen Befehl jetzt geschlossen wurden. Leider hatte die als Siegerin auf dem Platze bleibende Kuh ihrer Lorbeeren sich nicht lange zu freuen. Für schnödes Gold an einen Metzger verhandelt, war ihr Leben wenig Stunden darauf dem Beile verfallen.
„% Angenehme Aus sicht. Mehrere große Lon⸗ doner Brauer lassen Experimente mit Strychnin anstellen, um zu erfahren, in wie weit dasselbe bei der Zubereitung von Bitter⸗Ale verwendet werden könnte. Es wird näm⸗ lich behauptet, daß das Gift, wenn in unendlich kleinen Dosen gebraucht, eine große Ersparniß an Hopfen bewirkt, und eine„bewundernswerthe Tonik“(7) abgibt.
Schiffsnachrichten.
Mitgetheilt von Chr. Hecht in Friedberg, Sper.⸗Agent.
Das Hamburg⸗New⸗Porker Postdampfschiff Borussta, Capitän Franzen, welches am 29. August als Extraschiff von Hamburg nach New⸗Pork abgegangen, ist am 15. d. M. 8 Uhr Morgens wohlbehalten dort angekommen.
Das Bremer Post⸗Dampsfschiff Baltimore, Capitän Vöckler, welches am 1. d. M. von Bremen vie Southampton abging, ist nach einer schnellen glücklichen Reise von 13
Tagen wohlbehalten in Baltimore angekommen.
Das Hamburg⸗New⸗MPorker Posidampfschiff Holsatia, Capitän Ehlers, welches am 2. d. M. von Hamburg und am 4. d. M. von Southampton abgegangen, ist nach einer ausgezeichnet schnellen Reise von 9 Tagen 8 Stun- den am 14. d. M. Morgens 6 Uhr wohlbehalten in New-⸗York angekommen.
Für die Abgebrannten in Laisa
wurden an Gaben mit Dank in Empfang genommen: von J. in H. 2 fl., von C. G. Wittwe in Friedberg 1 fl. 30 kr., von einem Ungenannten aus Nieder⸗Florstadt 1 fl., aus der Gemeindekasse in Nieder-Florstadt 20 fl., aus der Gemeindekasse in Gambach 30 fl., von Hrn. Beigeordneten Steinhäuser in Friedberg 1 fl. 10 kr., von un. Schullehrer Kitz in Langenhain 30 kr, von Hrn. Lehrer Pitsch in Friedberg 1 fl., von Hrn, Pfarrer Henkel⸗ mann in Münzenberg 2 fl., aus der Gemeindekasse in Ober⸗Rosbach 20 fl. Von den eingegangenen Beiträgen habe ich bereits 350 fl. an das betreffende Comite abge⸗ sendet. Weitere Gaben wollen mir balbigst zugesendet werden. Friedberg den 20. September 1868. Tera spüp, Regierungsrath.
Einige Bemerkungen über Bren nereien und Maischsteuerraum.
Die mit der Landwirthschaft verbundenen Brennereien und Zuckerfabriken sind von durchaus anderer Beschaffenheit, als die im gewerblichen Leben etablirten, die das Rohmaterial einkaufen, dasselbe verarbeiten und das Fabrikat veräußern; dieselben sind vielmehr ein wesentlicher Bestand⸗ theil der Bodenwirthschaft und der wirksamste Hebel der Bodenkultur, indem Viehhaltung und Dünger ⸗ Erzielung mit dem Betriebe derartiger Fabriken im innigsten Zusammenhange stehen. Die derart erhöhte Rentabilität der Landwirihschaft hat aber eine solche Ueberproduktion erzeugt, daß seit Jahrzehnten die Brennereibesitzer und seit Kurzem auch die Zuckerproducenten in eine theil⸗ weis traurige Lage gerathen sind und von Jahr zu Jahr mehr derartige Institute eingehen.— Während im Jahre 1851 noch 11225 Brennereien in Preußen existirten, von denen jedoch nur 7877 im Betriebe sich befanden, gab es im Jahre 1855 nur 9658(von denen nur 5930 im Betriebe waren) und im Jahr 1861 nur 8081, von denen aber nur 6208 betrieben wurden.
Wieviel, durch den Schweiß der Landwirth⸗ schaft erarbeitetes Kapital durch das Eingehen und Zusammenreißen von 5000 solcher Fabriken in 10 Jahren verloren gegangen, bedarf keiner Aus; führung. Den Grund dieser Calamität aber haben wir theilweise in den Prohibitiv⸗Maßregeln der andern Staaten, die dem preußischen Spiritus durch hohe Zölle den Weltmarkt verschließen, zu finden. Bekanntlich ist in Preußen die Spiritus fabrikation mit einer indirekten Steuer, der so⸗ genannten Maischsteuer, belastet, die für 20 Prozent eingemaischten Rohstoffes 3 Silbergroschen beträgt. Bewährte Nationalökonomen haben nun heraus ⸗ gerechnet, daß die Rohproduktensteuer eine höchst ungleiche, ungerechtfertigte ist, die in schlechten Zeiten dem Brennereibesitzer 37 Prozent seiner Einnahme abfordert, während in günstigen Zeiten der Staat sich mit 21 Prozent begnügt.
Noch ungünstiger soll das Verhältniß bei der Zuckerfabrikation sich gestalten, wo die Rübensteuer dei schlechten Conjunkturen sich auf 45 Prozent des Zuckerkaufspreises, bei günstigen auf nut 22 Prozent desselben stellen soll.
Natürlicher und sachgemäßer wird es deshalb erscheinen, überall eine Besteuerung des Fabrikate selbst eintreten zu lassen.
(Landw. Kalender von O. Mentzel, Königl. Preuß. Geh. Kriegsrath.)
Oie Ainderlanbe. Illnstrirte Renstabefte füt die dentsche Jugend. Dresden, Mein 010 und Söhne. Abonnementspreis 5ro Otartal 9 Ng
Unsere Kinder müssen lernen, körperlich sich tummels und— lesen. Gute Lektüre erfrischt den Geist und ver⸗ edelt das Gemülh. Nicht Alles aber, was der Jugen! geboten wird, ist gut, und nicht alles an sich Gute if darum schon für die Jutzend geeignet. Die Zahl der
er. Dis„Kinderlaube“ fährt auch in ihrem sechsten abrgange fort, päbagogisch gesichtete, anziehende und nach allen Seiten hin deiehrende Lectüre für die Jugend bringen. Das Interesse weigh sie noch zu erhöhen durg“ Bilder und siplistische Preigaufgaben für die jungen Leser,
Nan ist groß, sich darin zurechtzufinden, if
22


