Ausgabe 
22.8.1868
 
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Man ist versucht, den Bericht des französischen Finanzministers an den Kaiser über den Erfolg der neuen Anleihe von 429 Millionen mit der Potemkin'schen Taktik in Parallele zu setzen.Der dohe Betrag, der mit einer solchen Leichtigkeit in acht Tagen erlegten Summe ist das Zeichen einer ungeheuren Kraft und gibt den höchsten Begriff von unsern aufgehäuften Reichthümern! sagt der Bericht. Da wäre es ja Thorheit, an Sparen, Armeereduction u. dergl. Dinge zu denken, oder

wegen der zu einem riesigen Gespenst anwachsenden Staatsschuld sich Kopfzerbrechen zu machen. Sogar ein Krieg kann nicht schaden; die Reichthümer des Volkes möchten sonst größer werden, als es vom Standpunkt einer hohen Politik für gut befunden werden kann. Freilich der Kaiser ist zu klug, um durch solche Tiraden vollständig sich blenden zu lassen, und die Berichtsphrasen scheinen weniger an ihn als an das Publikum adressirt. Doch fallen Einem dabei jene Worte ein: Wohl einem Volke und dessen Fürsten, wenn vor seinem Throne niemals eine Täuschung über die wirkliche Lage des Landes versuch: wird.

* Friedberg. Die feierliche Entlassung aus dem evangelischen Predigerseminar dahier wird für diesen Herbst Mittwoch den 23. Sept. l. J., Vormittags 10 Uhr, in der hiesigen Burgkirche stattfinden. Die Direktion ladet die Freunde der Anstalt hierzu ergebenst ein.

Preußen. Berlin. Wie dieProv. Corresp. bemerkt, ist der General Vogel von Falkenstein auf seinen dringenden Wunsch aus Rücksicht auf die Gesundheit seiner Familie vom Commando des ersten Armeecorps entbunden worden. Die Königin wird wegen ihrer beab⸗ sichtigten Nachkur den König nicht nach den Elb⸗ herzogthümern begleiten.

Die strategische Excursion des preußischen Gencralstabs mit Herrn v. Moltke an der Spitze ist in Salzungen eröffnet worden. Am 18. d. M. zog von da der Generalstab, im Ganzen ungefähr 6070 Mann, in Lengsfeld ein, von wo aus die Stellung der preußischen und bayerischen Truppen im Jahre 1866 wahrscheinlich weiter besichtigt wird, um daraus die strategisch bedeutungs⸗ vollen Erfahrungen festzustellen. In dem General- stab befinden sich auch Offiziere aus den süd deutschen Staaten und ein rumänischer Stabsoffizier.

Die bhöchst traurigen Ernteberichte aus Ostpreußen, die wir imBürger und Bauern⸗ freund und anderwärts lesen, finden ihre indirecte Bestätigung jetzt auch in dem jüngsten halbamt⸗ lichen Rapporte derProvinzial-Correspondenz. Das officibse Organ, das noch vor Kurzem die günstigsten Aussichten zu eröffnen wußte, ist heute bereits soweit herabgestimmt, daß es sich zu nach · stehendem gewundenen und geschraubten Widerrufe herbeilassen muß, zwischen dessen Zeilen jeder Unbefangene die traurige Wahrheit leicht entdecken wird.Die neuesten Berichte aus der Provinz Preußen geben für die Beurtheilung des dortigen Ernteausfalls noch keine weiteren Anhaltspunkte. Es bestätigt sich zunächst nur, daß im Allgemeinen das Wintergetreide einen mägig befriedigenden Ertrag geliefert hat, die Sommersaat dagegen mehr oder minder ungünstig ausgefallen ist.

Koblenz. Dieser Tage kamen pr. Dampf. boot von Mainz die zwei Pionnier Compagnien von dem 11. Bataillon, sowie auch eine badische Saypeur⸗Compagnie, ferner zwei Compagnien des 7. und 10. Bataillons von Köln kommend hier an, um an den großen Pionnier⸗Exercitien, welche hier und in der Umgegend stattfinden, Theil zu 1575

larburg. Das oberhessische evangelisch⸗ lutherische Missionsfest wird 15 26. 0 in der Pfarrkirche dahier gefeiert werden. Fest⸗ prediger sind: Pastor Harms aus Hermannsburg, Superintendent Hohls aus Afrika und Hosprediger Bender aus Darmstadt.

Bayern. München. DieAllg. Ztg. schreibt:Ueber die letzte Lebenszeit des unglück⸗ lichen Oskar Becker sind von verschiedenen Blättern

Von dort begab er sich ohne Wissen seiner An- verwandten nach Buffalo in Amerika und dann nach Alexandria, wo er jedoch keineswegs in den elendesten Verhältnissen gelebt hat und gestorben ist. Vielmehr hatten seine Angehörigen, als sie von seinem dortigen Aufenthalt erfahren, schleunigst Sorge getragen, ihn an einflußreiche Häuser in Alexandria zu empfehlen, wie ihm auch die Mög⸗ lichkeit gegeben war, jederzeit aus seinem mütter⸗ lichen Vermögen Zuschüsse zu beziehen. Nachdem er dann unter den Händen treu pflegender evangel Diakonissen gestorben war, fand man eine Baarschaft von 1200 Fr. vor. Was aber Oskar Becker sonst in Alexandria getrieben, läßt sich nur aus denselben Gründen erklären, die ihn vor sieben Jahren zu jener unseligen That getrieben, durch welche er leicht zu einem Königsmörder geworden wäre. Sein früher so reiches geistiges Leben war im tiefsten Grunde zerstört und zerrüttet, und nicht jahrelange Einzelhaft, sondern eine liebevolle ärztliche Seelenpflege wäre für ihn das rechte Heilmittel gewesen.

Der Kaiser von Oesterreich kam am 18. d. Abends nach 8 Uhr hier an und hatte im Bahn hofe eine beinahe halbstündige Unterredung mit dem Fürsten Hohenlohe, worauf er seine Reise nach Wien fortsetzte.

Seitens des Königs von Preußen ist ein sehr herzlicher Glückwunsch zum Geburtstage des Kaisers von Oesterreich auf telegraphischem Wege in Garatshausen, wo letzterer sich gegenwärtig aufhält, eingelaufen.

Baden. Karlsruhe. Der Postvertrag

vom Hause Hohenzollern bedurft, um die Neigung Karl's I. zur Abdankung zu bestegen. DiePresse meldet: Das Ministerium des Auswärtigen hat Angesichts der drohenden Lage im Orient im Einvernehmen mit den beiden Landesvertheidigungsministerien(eis Bund trans- leithanisches) die Aus- und Durchfuhr von Waffen und Munition nach Serbien, Rumänien und Bosnien beschränkt. Bei großen Lieferungen von Munition und Waffen nach diesen Ländern ist der Geleitschein erst nach erfolgter Zustimmung der betreffenden Regierung zu ertheilen. Wie verlautet, wird Herr v. Beust noch vor Eröffnung der Landtage von Gastein nach Wien kommen, um wegen der sehr bedenklichen Haltung der Tschechen, Polen und Magyaren mit den eisleithanischen Ministern zu conferiren; eben deßhalb wird auch die baldige Rückkehr Pr. Giskra's, Dr. Herbst's und Dr. Berger's nach Wien er- wartet. Die englische Mittelmeer Flotte liegt vor Triest, und es finden zwischen den österreichischen und den britischen Seeleuten die herzlichsten Sym⸗ pathiebezeugungen statt. Auch ein paar Hundert Wiener, welche als Vergnügungszügler im Triester Hafen ankamen, wurden von den Engländern mit Hurrahrufen und der Nationalhymne empfangen. Schweiz. Am 11. d. M. fand zu Rapperswyl am Züricher See die Einweihung des Denkmals zur Erinnerung an den 100 jährigen Freiheits- kampf der Polen statt. Wie die vorliegenden kurzen Berichte melden, wurden die ankommenden Polen von Grafen Plater empfangen und von

zwischen dem norddeutschen Bunde, Bayern, Württemberg, Baden und der Schweiz vom 11. April l. J. ist nunmehr von allen Betheiligten ratificirt.

Nach einer Mittheilung derTauber wurde am 16. d. in Wittighausen ein französischer Capitän festgenommen, der im Besitze einer größeren Anzahl von Spezialkarten und Aufzeichnungen über Oertlichkeiten eines Theiles jener Gegend gewesen sei. Wie es scheint, finden die Herrn Franzosen ein eben so großes Interrsse an dem Kriegsschauplatze der Maingegend von 1866, wie General Moltke und sein Gefolge.

Oesterreich. Wien. Die Tschechen sind hoch erfreut über die magharischen Proteste gegen die Erneuerung einer deutschen Politik in Oester⸗ reich. Das Prager Organ des tschechischen Mos⸗ kowitenthums erklärt alle Deutschen in Cisleithanien, die nach einer Wiedervereinigung mit Deutschland streben, desHochverraths an Oesterreich schuldig. Die deutsche Minorität, sagt es,ist nicht befugt, über die slavische Majorität und über slavische Länderstriche zu disponiren. Der Gesttzentwurf des Unterrichtsministers v. Hasner über die Reorganisation der Mittelschulen wird günstig beurtheilt. Als eine dringende Nothwen⸗ digkeit erscheint übrigens die Reform der Volks⸗ schulen, für welche bis jetzt noch gar nichts ge⸗ schehen ist. Die österreichischen Schulregulative, die aus der Reactionsperiode des vorigen Jahr zehnts stammen, beschränken die Bildung der Lehrer und Schüler auf das dürftigste Minimum; gedankenloses Auswendiglernen war die Bestimmung, welche die Thun und Bach der Volksschule vor⸗ schrieben.Kaiserlich königlich privilegirte Ver⸗ dummungsanstalten nannte ein oberösterreichischer Volksvertreter die nach demconservativen Pro⸗ gramm der clerikalen und absolutistischenStaats- retter eingerichteten Schulen, eine Bezeichnung, die wohl auch in einigen andern Ländern mit einer kleinen Modification anwendbar wäre.

Karl 1. von Rumänien soll seines Thrones überdrüssig geworden sein. Ungarische Berichte melden: wenn er auch nicht wie Karl V. in ein Kloster gehen wolle, so sehne er sich doch nach der heiteren Sorglosigkeit zurück, die er als preuß. Lieutenant genoß. Die Intriguen seiner Minister sollen dem jungen Fürsten die Rolle, dit er im Jahre 1866 übernahm, noch mehr verleiden, als die unaufhörlichen Interpellationen und Recla;

falsche Nachrichten gebracht worden. Nachdem der junge Mann seine Haft überstanden, ward er einer guten sicheren Pflege in Brüssel anvertraut.

mationen, die bald von diesem, bald von jenem Gesandten erhoben werden. Wie behauptet wird,

der in der Zahl von 10,000 versammelten Menge enthusiastisch begrüßt. Dit Festrede hielt Graf Plater in französischer Sprache. Es folgten hier⸗ auf noch mehrere Reden von polnischer und schweizerischer Seite. Alle Reden, die mit Enthu⸗ siasmus aufgenommen wurden, betonten die Noth⸗ wendigkeit der Bildung einer anti-russischen Union im Interesse Europas und stellten einen Angriff der Russen auf Galizien als den Moment des Ausbruchs eines Unionskrieges gegen Rußland fest. Den Schluß der Feier machte ein Bankett.

Frankreich. Paris. Die Pariser Blätter beschäftigen sich alle mit der Zusammenkunft des Kaisers von Rußland mit dem Könige von Preußen; ohne Ausnahme schreiben sie der in Schwalbach stattgefundenen Unterredung Wichtigkeit zu. La Presse weiß sogar, was beschlossen worden ist: der Czaar hat es übernommen, das Signal zum Ausbruche zu geben, indem er eine, allgemeine Entwaffnung, die Umgestaltung der Türkei und eine beträchtliche Vergrößerung von Griechenland vorschlagen will; werden diese Anträge nicht an⸗ genommen, so gehts los! 205 g

DasPays erfährt, daß die in Belgien gedruckte zwölfte Nummer derLanterne an der französischen Gränze festgenommen worden ist, weil sie Beleidigungen gegen die Person der Kaiserin enthalten habe. DerFigaro zeigt im Namen Rochefort's an, daß die Nummer 12 in Paris keinen Drucker habe finden können, daß aber die nöthigen Vorsichtsmaßregeln getroffen seien, um das ungehinderte Erscheinen der späteren Nummern zu gestatten. Die Abonnenten sollen also, wie früher, die Nr. 13 und die folgenden erhalten.

Bezüglich der Schwalbacher Zusammenkunft scheint man hier wegen des Inhalts der Unter⸗ redung mehr neugitrig, als unterrichtet; nach gewissen neueren Berichten aus Berlin aber glaubt man sich von derselben nichts Gutes versehen zu sollen. Nicht als ob diese Begegnung einen un mittelbar bedrohlichen Charakter hätte, sondern weil man von ihr besorgt, daß sie die diplomatische Isolirung Frankreichs noch verstärken könnte. Mit der friedlichen, conservativen Strömung, welche in der letzten Zeit am preußischen Hofe die Ober⸗ hand gewonnen hat, wäre in dem König Wilhelm auch der Wunsch rege geworden, zu Oesterreich wieder sreundlichere Beziehungen anzuknüpfen. Es scheint, daß der König auch den russischen Hof für eine entsprechende Annäherung zu gewinnen gesucht habe, und man befürchtet nun hier die

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