Ausgabe 
21.3.1868
 
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deßbalb in Zukunft den Landesangehörigen er- halten bleiben.

Preußen. Berlin. DerStaatsanz. publizirt das Gesetz, betreffend die Schließung der öffentlichen Spielbanken. Das Gesetz lautet folgendermaßen:§. 1. Die öffentlichen Spielbanken zu Wies baden, Ems und Homburg werden spätestens am 31. Dezember 1872 geschlossen. Eine frühere Schließung kann durch königl. Verordnung ent⸗ weder allgemein oder nur in Beziehung auf einzelne der gedachten Spielbanken ausgesprochen werden. Bis dabin ist jedenfalls das Spiel an allen Sonn- und Feiertagen verboten.§. 2. Mit dem Tage der Schließung treten für die b treffende Spiel- bank die Bestimmungen des Art. 5 der Verordnung, betreffend das Strafrecht ꝛc. in den mit der Monarchie vereinigten Landestheilen, vom 25. Juni 1867 auger Anwendung und die§§. 266, 267 und 340 Nr. 11 des Strafgesetzbuchs in Kraft. §. 3. Mit dem Tage der Schließung verlieren die betreffenden Spielpacht-Verträge und Conees⸗ sionen ihre Gültigkeit, eine Eutschädigung wegen des entgehenden Gewinnes aus dem Hazardspiel- Betriebe findet nicht statt.

Der Kanzler des Norddeutschen Bundes, Graf Bismarck, erließ unter dem 11. März folgende Bekanntmachung: Mit Bezugnahme auf die in Nr. 5 des Bundesgesetzblattes verkündete Allerhöchste Prästdial⸗Verordnung vom 4. ds. Mts., durch welche der Reichstag des Norddeutschen Bundes berufen ist, am 23. März c. in Berlin zusammen zu treten, mache ich hierdurch bekannt, daß die Benachrichtigung über den Ort und die Zeit der Eröffnungesitzung in dem Bureau des Reichstages, Leipzigerstraße Nr. 3, vom 21. und 22. d. M., in den Stunden von 9 Uhr Morgens bis 8 Uhr Abends und am 23. in den Morgenstunden von 8 bis 10 Uhr offen liegen wird. In diesem Bureau werden auch die Legitimationskarten für die Eröffnungs⸗Sitzung ausgegeben und alle sonst erforderlichen Mittheilungen in Bezug auf dieselbe gemacht werden

Die deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger veröffentlicht den Bericht über ihre Thätigkeit im Jahre 1867. Die Tabelle der Seeunfälle weist in den deutschen Küstengewässern im verflossenen Jahre 128 Unglücksfälle nach. Durch den Verein wurden 23 Rettungen aus- geführt, wodurch 269 Menschen am Leben erhalten wurden. Ohne Erfolg fanden 18 Rettungsver⸗ suche statt. Unter den verunglückten Schiffen waren 60 deutsche, 24 englische, 10 holländische, 5 dänische, 6 schwedische, 10 norwegische, 6 russische, je 1 aus Frankreich und Spanien und 2 unbekannt woher.

Kassel. Für den Umfang des Regierungs- bezirks Kassel ist der Verkauf von Billete zur Weiterbeförderung der Auswanderer von dem über seeischen Landungsplatze nach dem Bestimmungs⸗ orte im Innern auf Eisenbahnen, Dampfschiffen, Canalböten ꝛc, sowie das Anbieten solcher Billets und das Ausgeben von Empfehlungen gewisser, in dem Einwanderungslande zu benutzender Be⸗ förderungsmittel verboten worden. Zuwiderhand⸗ lungen werden mit Geldbuße bis zu 10 Thalern oder bei Unvermögen mit Gefängniß bis zu 14 Tagen bestraft.

Oesterreich. Wien. DieN. fr. Pr. meldet: Der Reichskriegsminister hat sich mit dem ungarischen Minister Andrassy dahin geeinigt, daß alle ungarischen Truppen nach Ungarn verlegt und dem ungarischen Generaliat in Ofen unter⸗ stellt werden. Das Avancement und der Rang bleiben in der Gesammtarmee gemeinsam. Die künftige Landwehr wird den NamenHonved führen.

Im Herrenhause begann die Verhandlung über das Ehegesetz. Nachdem der Berichterstatter das Votum der Majorität und das der Minorität verlesen hatte, wurde die Generaldebatte eröffnet. Der Unterrichtsminister Dr. Hasner erklärt, die Regierung stehe auf dem Standpunkte des Votums der Majorität; die Regierung sei Josephinisch, sie betrachte das vorliegende Gesetz als eine un abweisbare Nothwendigkeit. Die Regierung sei überzeugt, daß die in Rom eingeleiteten Unter-

handlungen bei gutem Willen bald abgeschlossen sein könnten; dies scheine aber nicht der Fall zu sein, das Concordat sei aber in allen Staats- zweigen ein Hinderniß. Graf Rechberg, Graf Blome und Cardinal Rauscher befürworten das Votum der Minorität. Graf Mensdorff stellt den Antrag auf Vertagung.

DieN. fr. Pr. meldet: Der französische Botschafter, Herzog v. Grammont, machte den Reichskanzler v. Beust darauf aufmerksam, daß das im Jahre 1865 zu Paris abgeschlossene öster⸗ reichisch-französische Metalliques- Anleihen einer österreichischen Couponsteuer rechtlich nicht unter zogen werden könne.

Frankreich. Paris. Eine in den fran⸗ zösischen Blättern angekündigte und seit mehreren Tagen erwartete Broschüre, für deren direkten Veranlasser man den Kaiser hält, ist nunmehr unter dem Titeldie Ansprüche der napoleonischen Dynastie erschienen und enthält eine Statistik der Abstimmungen zu Gunsten der Napoleoniden, Verfassungsdokument u. s. w.

r. Friedberg. Wir erlauben uns den Lesern ihres geschätzten Blattes über die Wirksamkeit und den Stand unseres Hülfsvereins in dem Jahre 1867 eine kurze Rechen⸗ schaft abzulegen. Wir fühlen uns dazu um so mehr ver⸗ aulaßt, als leider unsere letzte Jahresversammlung, die am 19. Februar d. J. abgehalten worden ist, sehr geringe Theilnahme gefunden hatte und wir es für wichtig genng halten, daß unsere Mitbürger Aber den Stand und di Wirksamkett unseres Vereins nicht in Unkenniniß bleiben möchten. Die Rechnung, welche Herr Kaufmann Huber, wie schon seit Jahren, so auch in dem letzien Jahtie mit dieler Bereitwilligkeit geführt und gestellt hatte, ergab eine ordentliche Einnahme von 407 fl. 21 kr. und zwar an Beiträgen von den Mligliedern 334 fl 6 kr. und an Kapitalzinsen 73 fl. 15 kr. Von den außerordentlichen Einnahmen erwähnen wir 10 fl. Geschenke, die dem Verein von zwei seiner Mitglieder zur Unterstützung der Armen zugewiesen wurden. Mit dieser Einnahme wurde zunächst die hiesige Handwerkschule mu 24 f. und sodann 35 ver⸗ jchiedene Arme unse ser Gemeinde theils durch baares Geld, theils durch Lieferungen von Fleisch, Brod, Kartoffeln urd Braunkohlen mit 360 fl. 44 kr. unterstützt. Auch wurden am Peiterstag 1867 fünf Gesindeprämien verabreicht, die an 1) Lina Krämer bei Hrn. Kaufmann Samuel Lind⸗ heimer, 2) Wilhelm Ernst bei Hrn. Oekonom Salzmann, 3) Katharine Gaul bei Herrn Gemeindterath Georg Pyilippi, 4) Georg Knoll bei Hrn. Oekonom Johannes Horn und 5) Charlotte Rück det Herrn Bürgeemeister Bender verwilligt worden waren. Die drei letzt Genannten hatten die Prämie zum zwentenmal erhalten, waren also schon 10 Jahre bei ihren Herrschaften in treuem Dienst geblieben, und wurde ihnen darum eine Gabe von je 6 fl. während den beiden Uebrigen eine von je 5 fl. gewährt worden war. Die Zahl der Mitglieder unseres Vereins beläuft sich gegenwärtig auf 133; zwölf Mitglieder sind mit Anfang dieses Jahres mehr zugetielen, als im Laufe des letzten Jahres ausgetreten waren. Von diesen Mii⸗ gliedern zahlen 100 einen monallichen Beitrag mit 12 kr., 10 einen monatlichen Beitrag mit 18 kr., 8 einen monat⸗ lichen Beitrag mit 15 kr., 4 monallich 24 kr., 2 monat⸗ lich 48 kr. und 1 einen monatlichen Beitrag von 20 kr. Noch erlauben wir uns alle Miiglieter des Vereins darauf aufmerksam zu machen, daß sie alle das Recht haben, an den Ausschußsißungen, welche immer den ersten Mitwoch eines jeden Monais im Hotel Trapp statifinoen, Antheil zu nehmen und Vorschläge zur Unterstützung einzelner Armen zu machen. Der Ausschuß kann nur den Wunsch auesprechen, daß doch von den verehrten Miigliedern unseres Veteins ven diesem Recht der fleißigste Gebrauch gemacht werden möchte.

Frankfurt. Zu der Vögel⸗, Tauben und Hühner⸗ Ausstellung, welche bis Samstag den 21. d. auf dem großen Bleichgarten eröffnet wird, treffen aus allen Wind⸗ losen Deutschlands Zu endungen ein. Fast alle größere Städte Deuischlands werden auf der Ausstellung vertreien sein; auch die Prinzessin Karl von Preußen und der Fürst von Isenburg befinden sich unter den Auestellern. Für die angemeldeten Tauben sind fa 400 Käfige, für die Kanarten⸗ und sonstigen Vögel 200 Käfige und für die Hühner 150 Käfige reservirt.

Von Wiesbaden wird gemeldet, daß bei dem Freiwilligen⸗Examen von 280 Candidaten eiwa 150 gut bestanden haben. Es sei hie und da aufgefallen, daß die Herren Examinatoren mitunter Fragen vorgeleg: häuten, deren Beantwortung ein ganz sp cielles Studium preußischer Zustände unumgänglich nöthig gemacht; um nur Eins anzuführen, wurde u. A. ein Candidat gefragt: wer in Pommern das größte Rinergut besitze? Abgesehen davon, daß aus der richligen Beantwortung einer solchen Frage auf die Bildung der betreffenden Candidaten auch nicht der geringste Schluß gezogen werden kann, dünkt es uns auch, eine allzu große Zumuthung zu sein, daß sich die Candt⸗ daten mit einer solchen untergeordneten Provinzialgeo graphie beschäftigen sollen. Wir glauben wohl kaum, daß die pommerschen Candidaten nach den größten Weingütern im Rheingau und ihren Besitzern jemals gefragt worden sind, ob⸗ gleich der Jovannisberg und Steinberg ꝛc. Namen sind, welche in der ganzen Welt Ruf und Bedeutung gewonnen haben.

Alzey. In der gestrigen Bezirksgerichtssitzung wurbe das Urtheil gegen Eymnzsiallehrer Dr. Burger von Worms verkündigt. Derselbe wurde der ihm zu Last gelegten Anschuldigungen, nämlich Beleidigung und Herabwürdigung des Gr. Gymnasialdirektors Dr. Wiegand in Worms, so⸗ wie die des ungehörigen Benutzens von Schülern, zum Zwecke der Vorbereilung der von ihm herausgegebenen Zelischriftkurze Berichte und der Thatsache, daß hier⸗ durch die betreffenden Schüler theilweise selbst in pekuniäre Verluste kamen, als nicht gehörig überwiesen für nicht schuldig erklärt.

Bremen. Ein sehr ernster Unfall hat sich am 13. März auf der Hannover-Bremer Eisenbahn, unweit der zwischen Verden und Achim belegenen Haltestelle Lang⸗ wedel, zugetragen. Als der ziemlich slark mit Auswanderern besetzte Zug, welcher von Hannover nach Bremen abging, die scharfe Curve vor der genannten Haltstelle passirte, entgleiste die Locomotive und zwar, da der Zug noch in rascher Fahrt war, so unglücklich, daß sie die Böschung hinab in den Graben stürzte. Dabei schob sich der Tender auf die Locomolive hinauf und queischte den Maschinisten Höcker und den Heizer Eugelken der Art, daß der Eine sofort todt war, der Andere tödtlich verwundet wurde. Der Beiwagen, welcher zunächst folgte, sowie ein Packwagen, der Postwagen und ein Wagen zweiter Ciasse entgleisten ebenfalls, stürzten jedoch nicht um, sondern blieven, da die Kette riß. in sewärts geneigter Lage auf der Bahn stehen. Durch den Sioß erhielt der im Posiwagen beschäftigte Post⸗ cenducteur Tomforde eine Contussion am Kopfe und wurde ihm die Schulter verenkt. Die Passagiere kamen mit dem bloßen Schrecken davon.

Telegraphischer Bericht.

Mitgetheilt von Chr. Hechi in Friedberg, Spec.⸗Agent.

Das Bremer Postdampfschiff Union Capt. Sansen trat am 14. März wiederum eine Reise via Southampton nach New⸗York an und hatte außer einer starken Brief- und Packeipost 613 Passagiere und 420 Tons Ladung an Bord.

Das Bremer Postdampsschiff Hansa Capt. Oterendorp, welches am 5. März New-⸗York verließ, ist nach einer sehr schnellen glücklichen Reise von 9 Tagen 22 Stunden wohlbehalien in Cowes angelangt, und hat, nachdem es daselbst die für England und Frankreich bestimmlen Passagiere und Posten gelandet, unverzüglich die Reise nach Bremen fertgesetzt. Dasselbe bringt 58 Passagiere 600 Tons Ladung und 558,000 Dollars Contanten.

Landwirihschaftliches und Gewerbliches.

DerStsanz. f. W. gibt folgende Nalhschläge: Da jedes Mäusepaar vis zum Herbst eine Nachkommenschaft von 300 Stück erzeugt, so fange man dieselden jetzt, denn der Winter war nicht lang genug, um gründlich mit ihnen aufzuräumen. An den Obstbäumen bescitige man die Raupennester und die einem Kanonenwischer gleichenden Eiernester des Kirschenspinners, die an den dünnen Zweigen sitzen und frische die Theerringe an. Man schone die Maulwürfe, damit sie noch unter den im Boden steckenden Maikäsern aufräumen. Wer noch keine Staarenkästen hat, stelle sie jetzt auf. Die wollige Blattlaus, welche seit einigen Ihren, besonders in den Baumschulen an Aepselbäumen schader, kann jetzt leicht verlgt werden, wenn man die rothbraunen Eier, die unten, wo die Knospen vom Stamm abgehen und an den von den vorjährigen Thieren verursachten Auswüchsen sitzen, verilgt. Man nehme hiezu Tabaks⸗ oder Wermuth⸗ abkochung oder Wasser, das man mit Petroleum geschültelt vat(das nicht aufgelöste Oel muß aber abgegossen werden). Die Knospen bepinsle man oder bürste sie behulsam. Aehnlich verfahre man mit Pffusichbäumen, die voriges Jahr von Blattläusen heimgesucht worden; die sind übrigens derciis ausgeschlüpft und sitzen an den Knoopen selbst. Man reinige die Meisenbrutkäsichen; wer keine hat, bestelle sich welche. 5 a

2 Stearinkerzen mit Arsenik. Es kommen Steacinke zen in den Handel, weiche sich durch alabaster⸗ artige Weiße auszeichnen; diese sind mit einer nicht un⸗ eibeblichen Menge Arsenik versetzt, welcher sich während des Verbrennens in Dampf verwandelt, einen knodlauch⸗ artigen Geruch verbreite und sich an kältern G⸗genständen als Gisistaub absetzt. Jede Kerze, welche auf dem Bruche ein mehr schwammiges, als krystaulinisch festes Gefüge zeigt und beim Verbrennen einen schwachen weißen Rauh auöstößt, ist als verdächtig anzusehen. Jeder Apotheker kann Untersuchung anstellen. 5

Für die Nothleidenden in Ostpreußen sind wetter eingegangen: 5 Sechs zehnte Liste. 1) Bei Herrn Pfarrer Baur von Ungenannt 1 fl. 30 kr. 2) Bei Herrn Hofapotheker Wahl von K. in Ossenheim 2 fl. 3) Bei Herrn Stadtrath W. Fertisch von Un⸗ genannt 1 fl. In Summa 6 fl. 30. Hierzu von der Expedinion des Anzeiger für Oberhessen 11 fl. 15. Zu⸗ sammen 17 fl. 45. Im Ganzen bis jetzt eingegangen: 1290 fl. 58 kr. Herzlichen Dank den Gebern. Friedberg den 16. März 1868. Im Auftrag des Hülfsvereins-Vorstandes Steinberger.

Bei der Unterzeichneten gingen zu den in Nummer 27 bescheinigten Gaben ferner ein: Ungenannt für Brod und nicht für Steuern 1 fl. 30; von C. Trapp 1 fl. 45; von der Kirche zu Wohnbach 8 fl. Zusammen 11 fl. 15 kr. In Summa bei uns eingegangen: 684 fl. 23 kr.

Mit herzlichem Dank bittet um weitere Gaben.

Die Expedition des Anzeigers für Oberhessen.

elgert: zugegen

665 Au dicricten Oalfadt

fesgerung 1) Non.

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