Ausgabe 
20.10.1868
 
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1868.

Dienstag den 20. October.

M 124.

Anzeiger für Oberhessen.

Enthält die amtlichen Erlasse für den Kreis Friedberg.

Ititdberger Zntelligenzblatt.

Erscheint jeden Dienstag, Donnerstag und Samsta

Hessen. 1 Friedberg. Hess. Kirchenbl. unter dem Titel:eine große Unwahrheit veröffentlichte Streitschrift des Pfarrers Baist von Ulsa gegen Mitzenius antwortet Hof gerichtsadvokat Ohly von Darmstadt in einem den Darmstädter Blättern beigelegtenoffenen Brief an denevangelisch lutherischen Pfarrer Baist in Ulfa. Auch ist dieser Tage unter dem Titel: Wo ist Licht und wo nicht? in Frankfrert a. M. eine anonyme Schrift gegen Adolph Mitzenius erschienen, als deren Verfasser man einen in Frankfurt privatisirenden ehemaligen hessischen evangelischen Pfarrer Z. bezeichnet. Mitzenius wird darin aufgefordert, sich zu bekehren und öffentlichen Widerruf zu leisten.

Friedberg. Gegenüber der Zeitströmung, die völlige Gewerbefreiheit verlangt und darin einen mächtigen Hebel zur Beförderung des all gemeinen Wohlstandes erblickt, ist es von um so größerem Interesse, auch gegentheilige Ansichten zu vernehmen, wie sie nach derZ. f. N. auf dem norddeutschen Handwerkertage zu Hannover zum Ausdruck gelangten. Gegenstand der Be rathung war die Frage:Wie hat sich der Hand werkerstand dem Nothgewerbegesetz gegenüber zu verhalten? Referent, Schuhmachenmeister Panse (Berlin), verliest zuerst das fr. Gesetz, um dann an jeden einzelnen Paragraphen seine Bemerkungen zu knüpfen. Die Folgen der Gewerbefreiheit zumal bei der Zerrissenbeit der Gesetze des deutschen Vaterlandes malt Redner aufs Düsterste aus; er hat die Ueberzeugung, wie man damals um gekehrt sei, werde man auch jetzt binnen Kurzem umkehren müssen; erschrecklich habe sich das Pro- letariat gemehrt, und sei 1848 aus Verzweiflung auf die Barrikaden getrieben. Nach Aufhebung der Gewerbefreiheit seien glücklichere Zustände eingetreten; und wenn er auchstark drei Viertel glaube, daß das jetzige Gewerbenothgesetz bestehen werde, so frage sich doch wie? Wer unter den Handwerkern Ehre im Leibe hätte, müsse am Zunftwesen festhalten, zu dessen tausendjährigem Rechte er treu halte, und dem kein solchesSechs- paragraphencesetz den Todesstoß versetzen werde, wenn schon leider die größere Mehrzahl von Handwerkern die Gewerbefreiheitdies Phan zom D auf ihre Fahne geschrieben. An Panse's Referat knüpft Schlachter Roscher(Freiberg, eingemüthlicher Sachse, wie er sagt) die Auf- forderung, zur That zu greifen und meint, wenn die hohen Persönlichkeiten die schrecklichen Folgen des Nothgewerbegesetzes sähen, sie würden die Hände über'm Kopf zusammenschlagen. Schulz (Lüneburg) beklagte die Annahme des voneinem Miquel aus Osnabrück angefertigten Nothgewerbe gesetzes. Die hohen Herren sollten doch weiser sein, als die Regierten, seien es aber hier nicht gewesen. Zu bedauern bleibe übrigens die geringe Theilnahme an den Handwerkertagen. Zeidler (Dresden): Das Nothgewerbegesetz rufe nur die Noth im Gewerbe hervor; seit seiner Einführung sei es imgemüthlichen Sachsen sehr ungemüth- lich geworden; doch bezweifle er nicht, daß die Gesetzgeber noch zu einer besseren Einsicht kommen, und das nurin der Ueberstürzung(0 ange- nommene Nothgewerbegesetz wieder aufheben würden.

Aus Oberhessen. Ein in diesen Tagen von Lauterbach aus verbreitetes Schriftchen, Technisches Gutachten des Ingenieurs H. Hecht über Anlage der Eisenbahn von Lauterbach nach Fulda erregt in unserer Gegend ein wohlbegrün detes Interesse. Diese durchaus ruhig und objectiv

Auf die im gehaltene Arbeit spricht sich unter ausführlicher

Entwicklung der Gründe und unter Hinweis auf beigefügte Längenprofile für die Eisenbahnlinie über Schlitz und nicht über Großenlüder aus. Der Bau über Schlitz soll etwa fünfundzwanzig Tausend Gulden weniger kosten als der Bau über Großenlüder; die Bauzeit soll sechs Monate kürzer sein als die der anderen Linie und hierdurch wegen der Zinsenersparniß für die ganze Bahn strecke Alsfeld-Fulda eine weitere Summe von etwa achtzigtausend Gulden gespart werden. Die größere Länge der Strecke über Schlitz gegen diejenige über Großenlüder hält Hecht nicht für genügend, um Schlitz zu umgehen, zumal bei dem Bau über Schlitz 12,000 Seelen die Vortbeile der Eisenbahn gewinnen würden gegenüber nur 3000 Seelen der anderen Richtung.

Mainz. Aus einem aus Rom an den Bruder des hiesigen Bischofs angelangten Briefe soll hervorgehen, daß die deutschen Schlüsselsoldaten auf etwas über 2000 Köpfe zusammengeschmolzen sind und gar Vielesden allerübelsten Einfluß übte. Als Remedium gegen das fernere Desertiren wird für diemoralische und religiöse Pflege der Truppen nunmehr ein Casino errichtet werden, wozu man in Brüssel das nöthige Capital leih weise aufgetrieben hat.

Preußen. Berlin. DerStaatsanz. enthält eine vom 15. Oetober datirte königliche Verordnung, durch welche der Landtag auf den 4. November einberufen wird. Die Verordnung ist vom Grafen Bismarck mitunterzeichnet.

Kassel. Die Kaufleute, die nach ihrer gericht lichen Freisprechung von der Anklage wegen Sabbathschändung durch Oeffnen der Ladenfenster, nach beendigtem Nachmittagsgottesdienst die Fenster wieder geöffnet, haben dieser Tage wegen dieser Handlung wieder eine Polizeistrafe von je 1 Thlr eröffnet erhalten, gegen dieselbe aber gleich wieder Berufung an das Gericht erhoben.

Wiesbaden. Die große Zahl der im Laufe dieses Jahres im Bezirke der nassauischen Brandversicherungs⸗Gesellschaft stattgehabten, theil⸗ weise bedeutenden Feuersbrünste, haben die Re- gierung veranlaßt, einstweilen zwei Groschen von 100 Thlrn. Versicherungs⸗Capital einzuziehen.

1 Sachsen. Dresden. Bei den dahier schon mehrere Tage spukenden Unruhen und Straßen aufläufen ist es bedauerlich, daß die einschreitende Polizeigewalt, wenn auch das formelle Recht, doch vielleicht die Billigkeit nicht ganz auf ihrer Seite hat. Es handelte sich um die Ausführung der durch den letzten Landtag dem Gewerbegesetz an⸗ gefügten Bestimmung, wonach der Ortsobrigkeit das Recht eingeräumt wird, das Tragen unisorm⸗ artiger Kleidung und besonderer Abzeichen den

der an Uebernahme von Dienstmannsgeschäflen nicht dachte, nahm das Publikum für die Ver folgten um so eisriger Partei, als nach den Mo- tiven zu der angeführten Bestimmung damit nur solche Abzeichen haben untersagt werden sollen, die zu Verwechselungen führen könnten.

Trotz stattgefundener Ermahnungen des Magistrats und Drohungen der Polizei, nöthigen falls Waffengewalt anzuwenden, haben am 16. d. abermalige Zusammenrottungen stattgefunden; zahl reiche Patrouillen hieben mit flacher Klinge ein und trieben die Menge auseinander.

Bayern. München. Da nach amtlicher Anzeige zu Kloster⸗Neuburg in Niederösterreich die Rinderpest ausgebrochen ist, so haben unsere Be⸗ hörden sofort die zur Verhütung der Einschleppung derselben nölhigen Borkehrungen getroffen.

Würtemberg. Stuttgart. Der Bischof von Rottenburg hat in einem Circular an die Geistlichkeit derselben seinen Dank über die für ihn an den Tag gelegten Sympathien ausgesprochen. Der päpstliche Stuhl hat einen wahrheitsgetreuen Bericht über die bekannte Denunciationsangelegen- heit erhalten und in Folge dessen von der Ein setzung eines Coadjutors Abstand genommen. Wie verlautet, erhielt die Staatsregierung eine bezügliche Benachrichtigung von Rom.

Baden. Karleruhe. Die badische Eisen⸗ bahnverwaltung hat vom großh. Handelsministerium die Ermächtigung erhalten, die von den Comites oder öffentlichen Behörden in Baden an Hülss- comites oder öffentliche Behörden in der Schweiz bestimmten und als solche bezeichneten Unterstützungs⸗ gegentfände in jedem Gewicht auf den großh. Eisenbahnen frachtfrei zu befördern.

In mehreren Blättern findet sich die Notiz, es handle sich bei den von der Münchener Con- ferenz bezüglich Errichtung einer Festungs-Com- mission getroffenen Vereinbarungen auch um den Mobilmachungsplan für die süddeutschen Truppen⸗ körper, um gemeinsame Führung der Streitkräfte ꝛc. Derartige Mittheilungen können in bestimmtester Weise für irrig erklärt werden. Die Uebereinkunft enthält die Bestimmungen über die Organisation der genannten Commission, deren Wirkungskreis und was überhaupt in dieser Beziehung gemeinsam geregelt werden kann.

Oesterreich. Wien. Am 17. d. fand die erste Sitzung des Abgeordnetenhauses seit der Vertagung statt. Minister Graf Taaffe legte eine Verordnung vor, wodurch der Ausnahmezustand in Böhmen eingeführt wird, rechtfertigt dieselbe mit der zwingenden Nothwendigkeit und ersucht um Ertheilung der Indemnität.

Die WienerAbendpost bezeichnet die Angaben mehrerer polnischen Blätter über den

von ihr autorisirten Dienstmanns-Instituten aus-] Empfang des Fürsten Thurn und Taxis Seitens

schließlich zu gestatten. Was das Publikum dabei besonders verletzte, war nach derZukunft der Umstand, daß man die plötzliche Verfolgung jed⸗ weder Blouse oder mit irgend einem Abzeichen versehener Mütze, während bislang hierin voll ständige Freiheit geherrscht hatte, dem verwandt⸗ schaftlichen Verhältniß zwischen dem Polizeidirektor und dem Dienstmanngeschäfts-Unternehmer, Herrn Gaucke, zuschrieb, welch letzterer damit einen Hauptschlag getzen die auf eigene Rechnung ar beitenden Dienstmänner zu führen gedachte, deren Zuhl die der Gaucke'schen Leute um das Vierfache übertreffen soll. Als nun die Jagd auf Mützen, Blousen und braune Ueberröcke immer allgemeiner und dabei auch gar Mancher mit arretirt wurde,

des Kaisers von Rußland für erfunden. Der Fürst sei im Gegentheil ausgezeichnet empfangen worden und habe vom Kaiser von Rußland an den Kaiser von Oesterreich nur Verbindliches zu melden gehabt.

Prag. Wie ein Telegramm derPresse von hier meldet, haben in geheimer Sitzung die Stadtverordneten beschlossen, der Regierungs- Auf- forderung, die Local-Polizei aufzuheben, sich zu fügen. Der Stadtrath wurde ermächtigt, vacante Polizei-⸗Organe unterzubringen, den vom Staate behufs Erhaltung der Polizei geforderten Kosten- betrag von 50, 00 fl. jedoch abzulehnen. In Pilsen mußte Sonntags bei einem Meeting das

Militär zur Herstellung der Ordnung ausrücken.