Ausgabe 
18.4.1868
 
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jedenfalls in Friedberg und an keiner andern Station stattfinden müsse, wenn vie projektirte Verbindungsbahn überhaupt einen Zweck haben und den Interessen des lokalen Berkehres dienen solle.

Preußen. Berlin. DieProvinzial⸗ Correspondenz sagt über die Zollparlaments⸗ wahlen: Die süddeutschen Abgeordneten und die süddeutsche Bevölkerung werden sich bald durch die Thatsachen überzeugen, daß es zwischen dem Norden und Süden sich nicht um Herrschen und Dienen handelt, sondern um ein einiges Streben nach freiheitlicher Entwickelung aller Kräfte und Gaben des deutschen Volkes zu gemeinsamer Wohlfahrt, Ehre, Würde und Macht. ö

Nach dem neuesten(13.) Gabenverzeich- nisse des Hülfsvereins für Ostpreußen sind bis zum 30. v. M. insgesammt eingenommen 630,657 Thlr. und verausgabt bis zum 1. April 405,643 Thlr. Man darf wohl hier die schon vor mehreren Wochen gemachte Frage wiederholen: weßhalb sammelt der Verein Ueberschüsse von solcher Höhe, während die schleunigste Abhülfe der Nothstände dringend geboten erscheint? Täglich dringen aus jenen Gegenden die Klagen über den großen Mangel en Saatgetreide und die Befürchtungen der Permanenz des Nothstandes, da ein Drittel der Aecker unbestellt bleibt. Hier kann nur Hülfe geboten werden, wenn schnell gegeben wird, ehe es zur Saatbestellung zu spät wird.

DieVolkszeitung berichtet folgendes Curiosum: Ueber der Bundesfahne, welche an den Reichstag aus Neu⸗Orleans zum Aufhängen in derBerathungshalle gesandt worden, schwebt ein ominöses Verhängniß. Als diese Fahne hier ankam, wollten die Heraldiker aus dem Vorstande des Reichstages wissen, daß die Farben daran in unrichtiger Reihenfolge stünden. Es wurde also beschlossen, die patriotische Damenarbeit auf⸗ zutrennen und die Farben umzusetzen. Als diese Arbeit fertig war, holte Herr Simson am 3. d. im Reichstage feierlich die Ermächtigung ein, der Fahne einen geeigneten Platz im Sitzungslokale anzuweisen. Die Ermächtigung wurde ertheilt, und am folgenden Morgen fand sich der Gesammt⸗ vorstand ein, um die Fahne in den Sitzungssaal zu geleiten. Dort bemerkte ein an dem Schau- spiele zufällig theilnehmender Abgeordneter von der Linken, die Farben ständen ja in verkehrter Reihenfolge, schwarz weiß roth müßten sich auf⸗ einander folgen. Herr Simson stutzte, besann sich und sandte dann nach der benachbarten Admiralität, ein authentisches Gutachten einzuholen. Die Antwort kam, die Sache stimmte nicht: in New⸗ Orleans waren die Farben richtig aneinandergesetzt worden, und jetzt standen sie in verkehrter Reihen- folgt. Kopfschüttelnd ging man auseinander, die Fahne wurde in die Präsidialwohnung zurück⸗ gebracht und wird nun nochmals aufgetrennt werden.

Der Reichstag hat das Gesetz über Auf⸗ hebung der Ehebeschränkungen in der Commissions⸗ fassung mit drei Amendements zum ersten Para- graphen angenommen und die Resolution gefaßt, in der nächsten Session die Vorlage eines Heimath⸗ gesetzes zu verlangen. Der Bundes commissär Graf Eulenburg sagte für die nächste Session die Vorlage eines Heimathgesetzes für den nord⸗ deutschen Bund zu.

Der König ist unpäßlich und hütet das Zimmer.

Die Zeichnungen auf die prozentigen hessischen Ludwigsbahn Prioritäten sind lebhaft.

Wiesbaden. DieMittelrh. Ztg. klagt über die Lage der früheren nassauischen Staats⸗ diener den altpreußischen Collegen gegenüber und bemerkt, daß bereits 80 Beamte aus Altpreußen in Nassau zur Verwendung gekommen, während erst 10 Nassauer in die alten Provinzen versetzt wurden. Auch bezüglich des Dienstalters sind die preußischen Beamten zum Nachtheile der nassauischen bevorzugt worden, und welchem Loos unsere Accessisten in den verschiedenen Fächern entgegen⸗ gehen, ist noch gar nicht abzusehen. Große Rück⸗

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sicht nimmt man auf die preußischenMilitär anwärter; diese werden bei allen Gelegenheiten

eingeschoben, während von der Anstellung eines eingebornenMilitäranwärters noch nichts bekannt geworden ist.

Sachsen. Gotha. Dr. Petermann hat von dem Afrika⸗Reisenden Richard Brenner aus⸗ führliche Berichte aus Zanzibar vom 10. Februar erhalten. Der Tod des Baron v. d. Decken ist auf's Bestimmteste constatirt. Theodor Kinzelbach, der ebenfalls in dieser Angelegenheit nach Ostafrika gesandt war, ist Ende Januar in der Somalistadt Tilledo gestorben. Richard Brenner hatte in⸗ teressante Entdeckungsreisen in den Gallaländern ausgeführt und hoffte noch im April in Europa einzutreffen.

Oesterreich. Wien. Die wesentlichsten Bestimmungen des von dem Abgeordnetenhause in dritter Lesung angenommenen interconfesstonellen Gesetzes sind in nachstehenden Artikeln enthalten, welche von dem Geiste, in dem es entworfen ist, Zeugniß ablegen. Art. 1: Eheliche oder den ehelichen gleichgehaltene Kinder folgen, soferne beide Eltern demselben Bekenntnisse angehören, der Religion ihrer Eltern. Bei gemischten Ehen folgen die Söhne der Religion des Vaters, die Töchter der Religion der Mutter. Doch können die Ehegatten nach Abschluß der Ehe durch Ver⸗ trag festsetzen, daß das umgekehrte Verhältniß stattfinden solle, oder daß alle Kinder der Religion des Vaters oder alle der der Mutter folgen soll. Uneheliche Kinder folgen der Religion der Mut ter. Im Falle keine der obigen Bestimmungen platzgreift, hat Derjenige, welchem das Recht der Erziehung bezüglich eines Kindes zusteht, das Religionsbekenntniß für solches zu bestimmen. Reverse an Vorsteher oder Diener einer Kirche oder Religions⸗Genossenschaft oder andere Per- sonen über das Religionsbekenntniß, in welchem Kinder erzogen und unterrichtet werden sollen, sind wirkungslos. Art. 4: Nach vollendetem 14. Lebensjahre hat Jedermann ohne Unterschied des Geschlechtes die freie Wahl des Religionsbekennt⸗ nisses nach seiner eigenen Ueberzeugung und ist in dieser freien Wahl nöthigenfalls von der Be⸗ hörde zu schützen. Derselbe darf sich jedoch zur Zeit der Wahl nicht in einem Geistes⸗ oder Ge⸗ müthszustande befinden, welcher die eigene freie Ueberzeugung ausschließt.Artikel 7: Die Be⸗ stimmung des§. 768 lit. a) allgemeinen bürger⸗ lichen Gesetzbuchs, vermöge welcher der Abfall vom Christenthume als Grund der Enterbung erklärt wird, dann die Verfügungen§. 122, lit. o) und d) St. G., womit Derjenige, welcher einen Christen zum Abfalle vom Christenthum zu ver⸗ leiten oder eine der christlichen Religion wider⸗ strebende Irrlehre auszustreuen sucht, eines Ver⸗ brechens und des§. 304 St. G., wodurch Derjenige, welcher zur Begründung oder Verbrei⸗ tung einer Religionsgesellschaft(Secte) deren Anerkennung von der Staatsverwaltung für un⸗ zulässig erklärt wurde, Versammlungen veranstaltet, Vorträge hält oder veröffentlicht, Bekenner an⸗ wirbt oder was immer für eine zu diesem Zwecke abzielende Handlung unternimmt, eines Vergehens schuldig erklärt wird sind aufgehoben. Es ist jedoch jeder Religionspartei untersagt, die Ge⸗ nossen einer anderen durch Zwang oder List zum Uebergange zu bestimmen. Art. 14: Niemand kann genöthigt werden, sich an den Feier⸗ und Festtagen einer ihm fremden Kirche oder Reli⸗ gionsgenossenschaft der Arbeit zu enthalten. Jedoch muß an den Festtagen was immer für einer Kirche oder Religionsgenossenschaft, während des Hauptgottesdienstes in der Nähe des Gottes- hauses Alles unterlassen werden, was eine Stö⸗ rung oder Beeinträchtigung der Feier zur Folge haben könnte. An Sonntagen ist jedoch während des Gottesdienstes jede nicht dringend nothwendige öffentliche Arbeit einzustellen.

Frankreich. Paris. DerMoniteur berichtet über die feierliche Grundsteinlegung der Kirche zu Rambouillet. Der Minister Baroch hielt beim Banquet eine Rede, worin er, die Vorbereitung eines Entwurfes zur Anlage von Vicinalwegen erwähnend, sagte: Diese wichtigen Arbeiten sind Werke des Friedens; sie könnten nicht unternommen werden, wofern der Friede

nicht gesichert und der Krieg bevorstehend oder

auch nur wahrscheinlich wäre. Der Eifer in der Förderung des Projekts liefert den Beweis, /daß die Regierung den Frieden will und nicht an den Krieg glaubt. Der Kaiser will einen ehren⸗ vollen und einer großen Nation würdigen Frieden. Frankreich, welches auf seine Kraft vertraut und, Dank der Entwicklung seiner militärischen Orga⸗ nisation, auf alle Eventualitäten vorbereitet ist, sucht nicht den Krieg, und wir haben die Ueber⸗ zeugung, daß Niemand daran denkt, ihm den Krieg zu erklären. Der Friede Europas wird also nicht gestört. Glauben Sie also nicht an die Allarmrufe, an die kriegerischen Redensarten, welche durch Irrthum und Böswilligkeit mit einer gewissen Regelmäßigkeit immer wieder hervorgebracht werden. Ueberlassen Sie sich beruhigt den Arbeiten der Industrie und des Ackerbaus.

DieFrance sagt, daß der neue Zustand der Dinge, wie er durch die Siege Preußens geschaffen worden, keine Ursache zum Kriege sei und von Frankreich als ein fait accompli acceptirt werde. Man sei in Europa überzeugt, daß hier⸗ durch weder das Interesse noch die Ehre irgend einer Nation bedroht wäre. Preußen hatte Be⸗ weise von Mäßigung und praktischem Sinne gegeben. Die Beziehungen zwischen Berlin und Paris seien so zufriedenstellend wie nur möglich. Der Friede zwischen Deutschland und Frankreich bürge auch für den Frieden im Orient.Wir können, schließt dieFrance,mit Sicherheit sagen: weder an den Ufern der Donau noch des Pruth besteht eine Gefahr, welche dazu angethan wäre, Europa zu beunruhigen.

DasJournal de Paris glaubt zu wissen, daß bei Gelegenheit des diplomatischen Empfanges am vergangenen Donnerstag in einer Unterredung zwischen Herrn de Moustier und Herrn v. d. Goltz von einer gleichzeitigen partiellen Entwaffnung in Preußen und in Frankreich die Rede gewesen ist. Es würde sich darum handeln, ohne an der aktiven Armee zu rühren, gleichzeitig die Dienstzeit der Land⸗ wehr in Preußen und der mobilen Nationalgarde in Frankreich abzukürzen. Auf diese Weise werde man auf beiden Seiten zu einer leichten Reduktion des Effektivbestandes gelangen. DasJournal de Paris weiß nicht, von wem die Initiative zu diesem Vorschlage ausgegangen ist, der indessen von beiden Seiten sehr eifrig betrieben werden soll. DieEpoque hat ähnliche Nachrichten.

DerAbend⸗Moniteur sagt: Die gegen⸗ seitigen Beziehungen der Mächte fahren fort, immer mehr einen friedlicheren und freundschaft⸗ licheren Charakter anzunehmen. Zwischen den ver⸗ schiedenen Cabinetten wird thatsächlich gegenwartig keine Angelegenheit verhandelt, welche zu Differenzen Veranlassung geben könnte.

Großbritannien. donde n. Nach einem Artikel des ministeriellen BlattesMorning Herald, schenkt dasselbe den allerneuesten Pariser Kriegsgerüchten nicht den geringsten Glauben. Es sagt hierauf bezüglich: Abgesehen davon, daß es Frankreich gegenwärtig an einer plaustblen Beranlassung zum Kriege fehlt, blühe ihm nicht die geringste Aussicht, einen Alliirten in Europa zu gewinnen. Den Hauptquell dieser ewig auf⸗ tauchenden beunruhigenden Gerüchte glaubt das conservative Blatt in den gedrückten Verhältnissen der französschen Presse gefunden zu haben, die, weil sie heimische Angelegenheiten nicht besprechen dürfe, gewissermaßen gezwungen sei, sich mit aus⸗ wärtigen Angelegenheiten zu befassen. Schließlich bespricht der erwähnte Artikel das leidige Capitel der ausgedehnten Rüstungen auf dem Continent und sagt darüber sehr vernünftig:Wir tadeln weder Frankreich noch Preußen, aber wir haben es hier mit einem Gegenstande zu thun, der ernst⸗ liche Erwägungen erheischt. Unmöglich kann es als Zeichen gesunder Zustände in Europa angesehen werden, daß in Frankreich 1,200,000 Mann und fast eben so viele in Norddeutschland den frucht⸗ baren Beschäftigungen des Friedens entzogen sind, um für die Arbeit der Menschenschlächterei ein⸗ geschult zu werden.

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