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keit des Papstthums und für den Schutz, den er seinen katholischen Unterthanen angedeihen lasse. Herr v. Arnim hatte versichert, sein König würde gern einen Beweis seiner freundlichen Gesinnungen gegen den h. Stuhl geben und einen päpstlichen Nuntius in Berlin zulassen.— Der Graf Krep— towitsch, welcher sich gegenwärtig in Rom befindet, soll zum künftigen russischen Gesandten daselbst bestimmt sein, aber der Papst habe als vorläufige Bedingung gestellt, daß erst die Verfolgungen gegen die Katholiken im russischen Reiche eingestellt werden möchten und ein päpstlicher Nuntius un— gehindert in St. Petersburg zugelassen werde.
Neapel. Dem„Vero“ wird aus Palermo geschrieben:„Sie können sich keine vollständige Idee machen, von der Hungersnoth, welche furcht— bar bei uns herrscht und die Verhältnisse einer wahren Landplage angenommen hat— Mütter, welche Tage lang ohne einen Bissen Brod sind, Kinder, die erschöpft auf den Armen der Mutter sterben aus Mangel an Nahrung. Viele kommen so weit, daß sie auf den Feldern herumstreifen und wie Thiere von Kräutern leben!“
Amerika. Die Verhandlungen in Betreff des abzutretenden russischen Ameriku haben zu einem kleinen Konflikte geführt. Im Laufe der Correspondenz sind für 10,000 Dollars Depeschen mit dem atlantischen Kabel befördert worden und Rußland will die Summe den Vereinigten Staaten auf die Rechnung geschrieben wissen. Herr Seward ist anderer Meinung und hat es so ein— gerichtet, daß die Bill zur Genehmigung der Kaufsumme nicht vor den Congreß gelangt, bis diese Angelegenheit erledigt ist.
f Friedberg. Dem Vernehmen nach beabsichtigt die hiesige Pflegschaft des Germanischen Museums das Seitenportal der Stadtkirche in Gyps absormen zu lassen, und darauf bezügliche Verhandlungen sollen bereits mit einem hiesigen bewährten Stuccateur statigefunden haben. Die Kosien dieses Werks, bei dem es sich ledig— lich um die Verherrlichung des schönsten Baudenkmals unserer Stadt handelt, würden begreiflicherweise nicht undedutend sein, und es würde das Unternehmen um so sicherer ausgeführt werden können, wenn kunstsinnige Be- wohner von Stadt und Land sich an der Aufbringung der Kosten mit angemessenen Beiträgen betheiligen wollten. Die Expedinon d. Bl. und die genannte Pflegschaft selbst würden gewiß solche Beiträge mit großem Dank ent⸗ gegennehmen.
» Friedberg. Seit dem 12. d. M. ist dabier das Landwehrbezirks⸗ Commando in Funktion getreten. Das Bureau befindet sich dis auf Weiteres in den Räumen des städtischen Ralhhauses. Landwebrbezirke⸗ Commandant für Friedberg ist Major Jäger, zur Dienftleistung als Adjutant wurde Oberlieutenant Kißner commandirt. Als Bezirks⸗ Feldwebel für den hiesigen Kreis ist Ober⸗ seldwebel Eimer bestimmt worden.
Butzbach. Von Seiten des hiesigen Landgerichts wird der flüchtige Hirsch Meyer von hier wegen be⸗ trügerischen Bankerotts steckbrieflich verfolgt. Das Sig⸗ nalement entwirft folgendes schöne Bild des Verfolgten: Gestalt: kurz, dick, fleischig; Haar: braun(wahrscheinlich Glatze); Bart: rötblich, starken Backenbart; Kleidung: elegant; besondere Kennzeichen: Schritt stark auswärts und stramme Haltung.
Darmstadt. Der frühere Lehrer an der landwirth⸗ schafilichen Akademie in Proskau in Schlesien, Herr C.
Leisewißz, ist als Wandetrlehrer der Landwirthschaft für Oberbessen engagirt worden.
Darmstadt. Der„Hess. Ldoztg.“ entnehmen wir folgende Mittheilung: Für unsere hiesigen Industriellen und im Weiteren für das gesammte lichtfreundliche Publi— kum dürfte es von Werth sein, den Unterschied des Aus— wandes für die beiden gangbarsten Beleuchtungsmaterialien, Gas und Petroleum, an der Hand der in einem größeren biesigen Geschäfte gemachten Erfahrungen, durch nachstehende stalistische Notizen kennen zu lernen. Das fragliche Ge— schäft— ein von den durstigen Jüngern Gambrinus lebhaft frequentirtes Wirthslocal— consumirte im letzt⸗ vergangenen Wintermonate für 62 fl. Gas; also täglich für 2 fl. Nach nunmehr zu Petroleumbrand umgestal— leter Einrichtung und bei wenigstens gleicher Helle der Räume, beziffert sich die monatliche Ausgabe, dei Annahme der gleichen Brennzeit und nach Maßgabe des wirklichen Petcoleumverbrauchs von täglich ½¼ Schoppen für jedes einzelne von 14 Lichtern, sowie bei dem dermaligen Petro— leumpreis von 7 kr. per Schoppen, auf monatlich 25 fl. 19 kr., oder täglich 49 kr. Da nun, nach vorliegendem Nachweis, bei einem Bezug des Vetroleums im Fäßchen, der Preis pro Schoppen auf circa 5 kr. sich ermäßigt, so ergibt sich ein Resultat für den Monatsaufwand von nur 18 fl. 5 kr., oder täglich 35 kr. Od die colossale Differenz zwischen der läglichen Ausgabe von 2 fl. und der vordemerkten von nur 35 kr. durch die bekannte Güte und Annehmlichkeit des Gasbrandes hinlänglich ersetzt und ausgeglichen zu werden vermag, dies bleibt dem competenteren Ermessen der vorzugsweise Betheiligten anheimgegeben.(Die größeren Annehmlichkeiten der Gas— beleuchtung dem Petroleum brande gegenüber dürsen doch wohl nicht unterschätzt werden und was der Kostenpunkt anbelangt, so muß man nicht vergessen, daß Oellampen österer Reperaturen bedürfen, Docht und manchen Cylinder kosten und die durchaus nöthige, sorg— jältigste Reinigung und Instandhaltung der Lampen in einem großeren Etablissement täglich viele Zeit, d. i. Geld, erfordert. Die Verluste an Oel und der durch die unvermeidlichen Oelflecken, deren schmutzige Familie man schon als nahezu ausgestorben gerne betrachten mochie,
öfters verursachte, mitunter erhebliche Schaden dürfen auch nicht unerwähnt und unbeachtet bleiben. D. Red.) Mainz. Der Mnuzr. Anzeiger enthalt folgende
Warnung.„In letzer Zeit treiben sich wieder zwei der größten Schwindler mit Leinwand in unserer Stadt herum und suchen den Leuten unter allerlei falschen Vorspiegelungen die allerschlechteste Waare gegen viel Geld aufzuhängen. Früher gaben sie sich bald als Banquerotteure, bald als politische Flüchtlinge aus, in letzter Zeit aber als böh⸗ mische Fabrikanten; in dem letzten Krieg hätten die Preußen ihre Fabrik zerstört und ihre Waare geraubt und schimpfen sehr über Preußen, während es doch selbst Preußen sind und sogar noch Berliner. Den armen Oesterreichern zu Liebe haben manche hiesige Frauen diesen Schwindlern 4 bis 5 Stück abgekauft, welche sich hintenher tüchtig in's Fäufchen lachen, daß die sonst so aufgeklärten Mainzer Frauen so schwache Seiten haben.(Von Mainz nach Friedberg reist man per Dampf innerhalb 2 Stunden und—— dieser Tage wurde auch in Friedberg Leinwand verkauft.)
Biebrich. Vom 22. d. M. an wird die herzoglich nassauische Blumenausstellung wieder zum Besuche für Jedermann geöffnet werden.
Aus der Pfalz. Als muthmaßlicher Mörder der Julie Schäffer aus Trippstadt wurde ein Kaufmann Candidus, Sehn des Forstwarte gleichen Namens vom Forsthaus Witigenberg bei Trippstadt, ins Zuchthaus in Kaiserslautern gebracht; allein der Verdacht scheint sich bis jetzt nicht bestätigt zu baben, indem mehrere Bürger von Kaiserslautern einen Preis von 500 fl. auf die Ent⸗ deckung des Mörders gesetzt haben.
e Ueber das schreckliche Schicksal deutscher Auswanderer auf dem hamburger Schiffe Leibnitz, von denen auf der Fahrt nach New-⸗Pork 105 umkamen,
man kann sagen in ihrem eigenen Schmutze erstickten, äußert sich die„Londoner Times“ folgendermaßen:„Die betreffenden Rheder, die Firma R. M. Sloman in Ham⸗ burg, hatten, um möͤglichst viele Leute zu befördern, also um möglichst viel Fahrgeld herauszuschlagen, ein unteres Zwischendeck, das sogenannte Orlogsdeck, zur Unterbringung von Passagieren eingerichtet und, wie die New-Yorket Emigrations-Commission in ihrem Berichte sagt, dadurch eine Pesthöhle geschaffen, die auch den Gesundesten tödten mußte.„Die Geschichte des Leibnitz“, sollte doch endlich die Hamburger Behörden antreiben, geeignete Maßregeln zur Beaussichtigung der Auswandererschisse zu treffen. Der Leibnitz scheint ein schlimmes Exemplar einer schlimmen Classe von Schiffen zu sein, die eine Schande für ein civil isirtes Volk, wie das deutsche, und eine Schande für die Welt sind. Die Deutschen sind sonst praktisch genug, und es ist kaum zu begreifen, wie sie sich die Miß⸗ handlungen von Schifferhedern oder Agenten so ruhig und ohne Klage gefallen lassen. Wir Engländer haben den grausigen Folgen der Habsucht von Auswanderungs- Agenten zu wehren gewußt. Die Passagicracte von 1855 mit der Zusatz⸗Acte von 1863 macht ein so entsetzliches Schauspiel, wie das auf dem Leibnitz, an Bord unserer Schiffe zu einer Unmöglichkeit. Ein Auswanderungs⸗ Inspector muß jedes Schiff untersuchen, bevor es die Anker lichtet, und Räumlichkeiten wie Vorräthe prüfen. Auf keinem Schiffe dürfen mehr als zwei Verbdecke zur Aufnahme von Passagieren bestimmt sein... und der letzteren Zahl darf die Anzahl der Lagerstellen nicht über⸗ schreiten. Die Beobachtung persönlicher Reinlichkeit ist streng und in bestimmten Sätzen vorgeschrieben; die Preise der Lebensmittel sind festgesetzt, und jedem Passagier müssen täglich drei Quart guten Wassers ausgeiheilt werden. Hat das Schiff mehr als 300 Menschen an Bord, so muß es einen Arzt milnehmen.(Der Leibnitz hatte 544 Passagiere und keinen Arzt!) Diese und andere Vorschriften machen unsere Auswandererschiffe verhältniß⸗ mäßig sicher und gesund. Segelt ein Schiff ohne Er⸗ mächtigung des Inspectors ab, so ist es der Beschlagnahme verfallen. Da die Deutschen in dieser Richtung nichts aus sich thun wollen, so sehen die amerikanischen Behörden sich genöthigt, einzuschreiten. Sie fühlen, daß ein Schiff wie der Leibnitz nicht nur eine Schande ist für den Hafen, aus dem es absegelt, sondern auch für den, in welchem es ankommt und sie sind entschlossen, die deutschen Rheder durch Auferlegung einer schweren Geldbuße für jeden Passagier, der auf einem drinnen oder Orlogsverdeck unter⸗ gebracht ist, zu strafen. Hoffentlich wird sich der Nord⸗ deutsche Bund der Sache annehmen und durch eine gute Ha fenpolizei Deutschland auch von diesem Schimpfe be⸗ freien. Ob von Hamburg seldst Abhülse zu erwarten ist, fragt sich sehr; denn das Interesse der Auswanderer dürfte dort gar zu schwach vertreten sein gegen das allutächtige Interesse der Rheder.
VBerloosungen.
Darmstadt, 15. Febr. Bei der heute dattfindenden Ziehung der Großh. Hess. Partialschuldscheine (25 fl.⸗Loose) sind dis Mittags 12 Uhr folgende Num⸗ mern mit den beigesetzten hohen Preisen herausgekommen: Nr. 20,972 fl. 20,000, 43,579 fl. 4000, 26,275 und 70,883 je fl. 400, 25,822 fl. 200, 13,152 fl. 100.
Vorläufige Concert- Anzeige.
Wir glauben nicht unterlassen zu sollen, auf einen bevorstedenden, ganz ungewöhnlichen Kunst⸗ genuß aafmerksam zu machen. Das weithin bekannte Streichquartett der Herren Heermann, Becker, Welker und Lübeck beabsichtigt Ende dieses Monats eine Soirée für Kammermusik dahier zu veranstalten; eine Absicht, der wir im Interesse aller Liebhaber einer gediegenen Musik nur den glänzendsten Erfolg wünschen können.
Stromes Nantsekiang. Erst seit 1844 ist diese Stadt den Europäern geöffnet, und in diesen 20 Jahren ist es bereits der größte Handelsplatz des östlichen Asiens geworden. Nur London, Liverpool und Newpork übertreffen seine Schifffahrt noch an Tonnenzahl. Da muß man seine alte Geographie aufs Neut revidiren, wenn man nicht ganz hinter der Zeit zurückkommen will.
.. Unter- und obergähriges Bier.
Man hört diese Unterscheidung beim Bier oft machen, gewiß weiß aber nicht Jeder, worin der Unterschied liegt, drum wollen wir es in Nachfolgendem kurz sagen Aus dem Malz wird die Würze und hieraus in Folge der Gährung das Bier bereitet. Läßt man die Gährung bei niedriger Temperatur, also langsamer vor sich gehen, so daß sich die Hefenzellen am Boden der Flüssigkeit absetzen, so ist dies die Unter- gährung, während man die Obergährung bei höherer Temperatur erhält. Diese verläuft stürmischer und die Hefenzellen werden dabei von der rasch sich entwickelnden und in die Höhe gehenden Kohlensäure mit an die Oberfläche genommen, auf welcher sie schwimmen. Die erstere Art Gährung liefert ein Bier, welches eine langsame Nachgährung durchmacht und deßhalb längere Zeit in Fässern in kühlen Kellern aufbewahrt werden kann; denn ein Bier ist nur so lange gut, als seine Gährung noch nicht vollendet ist. Ist sie vollendet, also alle gährungsfähige Masse in Wein- geist und Kohlensäure verwandelt, so mangelt ihm sofort der pikante
Geschmack und es geht rasch seinem völligen Verderben entgegen, indem es ohne die schützende Hülle der Kohlensäure nunmehr durch den Einfluß des Sauerstoffs der Luft bald essigsauer wird.
Die Obergaͤhrung liefert ein Bier, das bald konsumirt werden muß, da es in kurzer Zeit ganz vergährt und man ohnedies schwache Würzen dazu verwendet. Lagerbier kann daraus nicht, vielmehr nur aus unter— gährigem Bier entstehen. Wie die beiden Arten der Ernährung des Menschen dienen, geht aus dem Dargelegten leicht hervor. Wer Bier hauptsächlich der Erfrischung und der Verdauungsbeförderung wegen, sowie darum trinkt, um auch damit einen Theil des so nothwendigen Wassers seinem Körper zuzuführen, der kann auch obergähriges Bier trinken.
Lückenbüßer.
Eine der sonderbarsten Bestimmungen ist die bezüglich der Müller dei den Türken. Damit diese nicht in Versuchung gerathen sollen, mit dem ihnen übergebenen Getreide Geflügel zu füttern, ist es ihnen überhaupt verboten, dergleichen zu halten — mit Ausnahme eines Hahns, damit ihnen derselbe die Morgenstunde verkünde.—
In San Francisco wurde vom Mechaniker Mariott ein lenkbdares Luftschiff erfunden. Es desleht aus Bambusstäben, Eisen, Stahl und Kattun, ähnelt in seiner Gestalt einem Vogel mit kurzem Hals und Schnabel, aber weit ausgespannten Flügeln, bal 88 Fuß Länge, 20 Fuß Höhe und 21 Durchmesser, bewegt sich durch Dampf, der in einer Reihe von Rädern angebracht, und wird durch ein Steuerruder wie ein Dampf⸗ schiff gelenkt. Der Ballon faßt 14500 Cubikfuß gereinigtes Wasserstoffgas.


