Ausgabe 
18.1.1868
 
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des Ministerraths, unter Vorsitz des Kaisers, fesl- gestellt. Der eigentliche Gegenstand der Ver handlungen war dae Armeebudget. Als Erfor- derniß für das Ordinarium wurden 80 und für das Extraerdinarium 31 Millionen festgestellt. Das Erforderniß des auswärtigen Amtes wurde auf 5, das des Finanzministeriums auf 2 Mill. sestgesetzt. Letztere Beträge sollen durch die Zoll- erträgnisse gedeckt werden und wird die Geneh- migung des Reichsbudgets durch den Kaiser demnächst erwartet. DerMorgenpost zufolge überbrachte Baron Magnus dem Kaiser ein freund schaftliches Handschreiben des Königs von Preußen.

Von Triest wird telegraphisch gemeldet, daß der österreichische Admiral Tegethoff mit der Leiche des Kaisers Maximilian von Mexiko dort angekommen und daß die Leichenfeierlichkeiten am 16. d. M. um Uhr begonnen haben. Die Straßen und Plätze, welche der Zug passirte, waren mit Trauerflaggen decorirt. Die Schiffe im Hafen hißten die Flaggen auf Halbtop; überall war dichtes Volksgedränge. Um 10 Uhr fand die Einsegnung statt. Der vom Moko San Carlo ausgehende Zug wurde von dem Generalmajor Herzog von Württemberg an der Spitze der Truppen eröffnet, hierauf kam der Stadtrath und die Geistlichkeit, dem mit einer Krone gesckmückten Leichenwagen folgten mehrere Erzberzöge, Admiral Tegethoff, die Vertrtter der fremden Mächte, die Generalität, das Offiziercorps, die Consuln, Cor- porationen; Matrosen und Truppen schlossen den Zug. Alle Läden waren geschlossen, die Haltung der Bevölkerung war außerordentlich tbeilnehmend.

Brünn. Aus der Rede, welche der öster⸗ reichische Minister Giskra am 5. Januar bei dem ihm zu Ehren gegebenen Festmahle hielt, theilen wir Folgendes mit:Nicht mehr hat man zu fürchten, daß das frische und lebendige Wesen eingeengt werde durch äntzfliche Sorgfalt der Regierung vor selbstständiger Gestaltung im Leben. Eine freie Verfassung, wie sich deren wenige Völker von Europa zu erfreuen vermögen, ist, Dank sei es unserem gerechten, gütigen und weisen Fürsten, den Völkern Oesterreichs gegeben worden. Die Fesseln, welch: den geistigen Aufschwung in weiteren Kreisen beirren, sind gefallen; der Kaiser rief in den Rath seiner Krone Männer, welche die Aufgabe unverrückbar festhalten, an dem, was als Staatsgrundgesetz verkündet worden ist, die Verfassung fortzubilden und zu entwickeln im Sinne und Geiste der Freiheit, in welcher die Bestim- mungen jener Staatsgrundgesetze erlassen wurden und die es auch im Geiste selbst fühlen und dies auch ernstlich gewillt sind. Ich kann versichern, sie werden es thun! Der Selbstbestimmung der Länder, Gemeinden und Individuen ist in den durch das Gesetz weit gezogenen Kreisen freier Spielraum gegeben; den nationalen Bestrebungen wird innerhalb der Grenzen, wie sie denselben durch den Staat und durch den Selbsterhaltungs⸗ trieb desselben unüberschreitbar gezogen worden

sind, niemals entgegentreten werden. Sie werden der Freiheit eine weite Gasse halten; sie werden auch nach ihren Kräften durch die richtige Ver theilung der schweren Lasten, die auf den Völkern liegen, dieselben erträglicher machen; sie werden dem Wohlstande und der sittlichen Bildung alles das zuwenden, was die Vertreter des Volks ihnen zur Verfügung stellen. Zu jeder Zeit werden sie handeln, wie es überzeugungstreuen, ehrenhaften, im politischen Leben gewordenen Charakteren zu thun geziemt.

Frankreich. Paris. Der gesetzgebende Körper hat das Armee-Reorganisationsgesetz mit 199 gegen 60 Stimmen angenommen und sich hierauf bis zum 27. Januar vertagt.

Nach derFrance erklären Berryer, Allon, Jules Favre, Senard, Crtmieux und vierzehn andere Advokaten die Verfolgungen gegen die Journale für einen schweren Angriff auf die bürgerlichen Rechte und die Freiheit der Presse innerhalb der durch Constitution und Gesetze gezogenen Gränzen.

Italien. Florenz. Rattazzi wird zu seiner Rechtfertigung dem Parlamente mehrere bisher unbekannt gewesene Aktenstücke über die römische Insurrektion vorlegen.

Rußland. Petersburg. DieNordische Post sagt in ihrer Jahresübersicht: Rußland beabsichtige weder eine Gebietsvergrößerung im Oriente, noch eine Vermehrung seines Einflusses auf die Bevölkerung des Orients zu erlangen; es fordere aber die Mitwirkung Europa's, um die Wohlfahrt der christlichen Bevölkerung in der Türkei, zur Verhütung einer Katastrophe, zu befördern.

Friedberg. Die erste Nummer der von jetzt ab in vergrößertem Formate erscheinenden Zeitschrift für die landwirthschaftlichen Vereine des Großherzogthums Hessen, welche wöchentlich in 1 Bogen ausgegeben wird, liegt vor. Die Redaktion wendet sich mit einigen Worten an ihre Leser und erklärt, daß die Zeitschrift als Organ des landwirihschaftlichen Vereins fortfahren werde, den Bestre bungen derselben aufmerksam zu folgen, durch Vermittlung des Austausches von Ansichten, Beobachtungen und Er⸗ fahrungen die vorhandenen Bedürfnisse der Landwirthschaft klar zu stellen, die Verfahrungsweisen in derselben zu be. leuchten, auf hervorragende Erfolge und berechtigte Ziel- punkte hinzudeuten, und auf diese Weise den Fortschritt in unserem Gewerbe zu verallgemeinern. Dieses Ziel zu erreichen, wird sie vor wie nach bemüht sein, den Lesern gediegene Abhandlungen aus den verschiedenen Zweigen des Ackerbaues und der demselben zu Grunde siegenden Wissenschaften darzubieten, so viel als möglich alle wichtigen Erschelnungen und Vorgänge auf landwirth⸗ schaftlichem Gebiete in den Kreis der Betrachtung zu ziehen, und in allen Stücken darnach streben, den For⸗ derungen der Zeit Rechnung zu tragen. Die Zeilschrift kostet jährlich durch die Post bezogen im Großherzogthum Hessen 1 fl. 45 kr.

Gießen. Das Ergebniß der letzten Volkszählung der Stadi Gießen ist folgendes: Am 3. Dezember 1807 waren in der Stadt anwesend 10,233 Personen(8706 Inländer, 1527 Ausländer). Bei der Zählung vom 3. Dezember 1864 waren anwesend 9459 Personen, folglich hat sich die Seelenzahl vermehrt um 774 Personen. Da aber früher nur 37 Militärpersonen anwesend waren, während

jetzt 464, mithin 427 Militärpersonen mehr anwesend sind, so hat sich die Civilbevölkerung um 347 Personen vermehrt. Jene 10,233 Personen wohnen in 43 öffent⸗ lichen Gebäuden und in 868 Privathäusern, unter welchen die freistehenden Neben- und Hinterhäuser mitgezählt sind.

Frankfurt. Vor einigen Tagen wurde ein junger Mann verhaftet, welcher hier, in Wiesbaden und Mainz, seither sein srevelhaftes Spiel mit den Vermlethern möblirter Zimmer trieb. Derselbe miethete sich nämlich ein und entfernte sich wieder heimlich unter Mitnahme von Werth⸗ objekten, wobei es ihm nicht darauf ankam, ob eine Commode oder ein Schrank zu erbrechen war, ober nicht.

Darmstadt. DieFr. Zig. theilt über die Aus- gabe des falschen hessischen Papiergeldes folgende weitere Details mit. Im Jahre 1865 wurde in Nordamerika eine große Anzahl falscher hessischer Fünfguldenscheine an gefertigt und ein Theil davon in Circulation gesetzt. Der Fälscher wurde übrigens entdeckt, der noch vorhandene Paplergeldvorrath, über 100,000 fl. nebst den Platten confiscirt und durch deu hessischen Consul in New-Poxk unserer Regierung übersendet. Weiter war eine große Anzahl sogenannter Reservescheine, dle zur Umwechselung gegen zerrissene oder sonstige beschädigte Scheine dienten, und bei der Staatsschuldentilgungskasse aufbewahrt wurden, überflüssig geworden. Die Falsificate von Amerika, die überflüssig gewordenen Reservescheine und die Ausschuß scheine der neuesten Leipziger Sendung, im Ganzen ein Ballen von mehreren Cenmern, wurden im Juli v. J. in der Papiermühle des Herrn Steigauf in Groß Zimmern unter amtlicher Aufsicht ein gestampft und hierbei eine Quantität Scheine, wie schon gemeldet, durch einen Arbeiter wegstibitzt. Die amerikanischen und die Reservescheine wurden schon im Sommer in Umlauf gesetzt, ohne daß es trotz mehrfachen, von verschiedenen Gerichten eingeleiteten Untersuchungen gelungen wäre, die ersten Ausgeber der selben zu ermitteln. Dieses Verdienst gebührt dem Gr. Stadigerichtsassessor Holzapfel dahier, früher in Offenbach, der in Folge einer von der Polizei in Wiesbaden hierher gelangten Anzeige, es seien an der dortigen Bank falsche hessische Grundrentenscheine umgewechselt worden, die deß fallsige Untersuchung übertragen bekam und sie mit ebenso großem Geschicke als glücklichem Erfolge weiterführte. Der Besizer der Papiermühle, Steigauf, und zwei seiner Arbeiter wurden durch ihn verhaftet, in Folge telegraphi⸗ scher Requisition ein vierter Complice durch Polizeicommissär Leichtweiß aus Mainz am grünen Tisch in Wiesbaden handfest gemacht. Einige der Verhafteten haben Geständ⸗ nisse abgelegt, entlassen ist noch keiner. Die Uniersuchung ist noch in vollem Gange, und dürfte die Sache vor die nächsten Quartals-Assisen verwiesen werden. Wie groß die Gesammtsumme der so in Circulation gesetzten falschen Scheine ist, kaun natürlich nicht ermittelt werden, da die Arbeiter dieselben aus der schon theilweise durch den Holländer eingestampften Masse entnahmen. Die sogenannten Reservescheine sind natürlich von den ächten nicht zu unterscheiden, da sie ja selbst bestimmt waren, in Circu⸗ lation gesetzt zu werden.

Darmstadt. Die jüngste Volkszählung vom 3. Dec. v. J. ergab für die Stadt Darmstadd' einschließlich der zugehörigen Höse ꝛc., eine ortsanwesende(factische) Bevölkerung von 31376 Köpfen oder 2151= 7,4 Procent mehr als bei der Zählung am 3. Decbr. 1864. Von der Vermehrungszahl entfallen 806= 2,8 Procent auf caser⸗ nirte unverheirathete Militärpersonen unter dem Offiziers⸗ rang und 1345= 4,6 Procent auf die übrigen Ein⸗ wohner. Nach der Art des Aufenthalts theilte sich die Bevölkerung in 23,946 beständig Anwesende, 7138 zeit⸗ weilig und 292 vorübergehend Anwesende. Inländer wurden 29485, Ausländer 1891 gezählt.

Darmstadt. In dem Erdgeschoß des Real- und Gewerbesc ulgebäudes dahier ist eine Suppenanstalt errichtet worden und wurden zu deren Gründung und Unterhaltung Belträge gesammelt, die nach einer Veröffent'ichung des Comite's am 16. d. M. schon die beträchtliche Summe von 1245 fl. 21 kr. ergeben hatten. Prinzessin Ludwig von Hessen bat das Protektorat übernommen.

S. Zur Entstehung des Namens Trebur. Wohl zu den ältesten Orten im Großherzogthum Hessen gehört das

zusammentrafen.

Es ist indeß unmöglich, daß jene drei Flüsse wirklich bei Trebur Der Rhein fließt allerdings in der Entfernung von ungefähr einer halben Stunde an Trebur vorbei.

Daß der Neckar hier

auch bistorisch, z. B. aus der Geschischte Kaisers Heinrich IV. von Deutschland, bekannte Städtchen Trebur im Gerauer Land. Neben verschiedenen anderen Sagen, die über diesen Ort in Umlauf sind, wird besonders eine über Bedeutung und Entstehung des NamensTrebur oderTribur, auch häufig durch unsere Schulen verbreitet.

Man erzählt nämlich,Trebur bedeute ursprünglich soviil wie Dreiburg oderDreifurth(Triurbium) und leitet diesen Namen von dem Umstand ab, daß die drei Flüsse, Rhein, Main und Neckar sich in dortiger Gegend sollen vereinigt haben. Diese Ansicht beruht auf zwei Distichen des poeta Triburiensis(Dichter von Trebur), welche früher in der Kirche zu Trebur eingegraben waren und also lauten:

Cum Rhenus et Mogus nec non Nicer inter utrumque Alluerent triplici mönia nostra vado,

Jure triurbs Italis Graecisque ToigH UD, imo,

Siqua fides chronicis, altæra Roma fui.

In deutscher Sprache: Da einst Rhein und Main und zwischen den beiden der Neckar Mit dreifältiger Fluth unseren Mauern genaht, Wurde mit Recht ich von Römern und Griechen geheißen die Dreistadt Und wenn die Chronik nicht lügt, war ich das andere Rom.

in den Rhein mündete ist gleichfalls bekannt, denn aus allen Umständen, die hier in Betracht kommen, ergiebt sich mit großer Wahrscheinlichkeit, daß Trebur die durch die Fluthen des Neckar gefährdete Feste gewesen sei, die durch Ableitung des Neckar bei Ladenburg gerettet werden sollte. Einer der ältesten Zeugen für die desfallsige Vollssage ist Abraham Saur in seinem 1658 gedruckten Städtebuch, worin er sagt:Der Neckar ist durch Anregen der Leute, so umb diese Gegend gewohnt, bei Ladenburg in den Rhein geleitet worden, weil er dem Gerawer Land großen Schaden gethan Auch erwähnt er alte monumenta, namentlich einen Stein mit einer Inschrift in Rom, wonach Trebur sich altera Roma(das andere, das zweite Rom) genannt und darum von den Römern zerstört worden sei.Es sind von der alten Stadt überblieben 5 Kirchen und ein einiger steinerner Bauw. Man sagt, Oppenheim sei aus Behülff dieser Steine erweitert worden. Außerdem ist das alte Neckarbett noch wirklich vor⸗ handen und findet sich auch auf den besseren Karten unseres Großherzog thums verzeichnet.

Was aber den dritten Fluß, den Main, anbelangt, so kann dieser niemals an Trebur vorbei geflossen sein. Das einzige, was sich hierfür

geltend machen läßt, ist, daß ein alter, noch letzt theilweise sichtbarer und auf der Karte des Generalstabs verzeichneter Mainarm einst von Raunheim über Königsstädten nach dem Schönauer Hof gezogen ist, von wo er

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