hierin zeige sich bei der jüngeren Lehrer-Generation. — Abg. Virchow bemerkt, wie es bezeichnend für die Stellung des Ministers wäre, daß er außer von seinen Beamten(ein paar Schulräthen) nur von einigen Ultramontanen unterstützt werde.
— Die Unterrichtskommission des Abgeord- netenhauses lehnte mit 13 gegen 5 Stimmen die Regierungsvorlage, betreffend die Aufhebung des unentgeldlichen Unterrichts in den Volksschulen, ab und beschloß, ungeachtet der Weigerung des Cultusministers, die Vorlegung der Gesetzent— würfe über das Unterrichtswesen aus den Jahren 1819, 1849 und 1859 zu verlangen. Der For— derung eines Unterrichtsgesetzes gegenüber verhielt sich der Cultusminister nicht abwehrend.
— Zum Zweck der Berathung über das von der Stadt Frankfurt a. M. in der bekannten Auseinandersetzungsfrage der Staatsregierung ein— gereichte Gutachten des Prof. Zöpfl hat kürzlich eine Sitzung des Kronsyndicats stattgefunden. Ueber das Resultat vernimmt man nichts Näheres; es scheint, als ob behufs definitiver Feststellung desselben eine nochmalige Zusammenkunft des Kron— syndicats stattzufinden haben dürfte.
— Abgeordnetenhaus. Bei der Berathung des Cultusetats sprachen die Abgg. Schwerin und Patow für die Aufhebung der Universität Marburg und befürworteten dafür die Gründung einer Universität in Frankfurt a. M. Der Cultus- minister erklärte, die Regierung habe selbst daran gedacht, sei jedoch wieder von dem Gedanken zurückgekommen, um Hessen nicht zu verletzen. Die Besoldung für die Curatoren der Universität Marburg wurde trotz des Widerspruchs des Mi— nisters gestrichen.
— Es kann nicht fehlen, daß über die Reise des Grafen Bismarck nach Dresden die verschie⸗ denartigsten Combinationen laut werden; es dürfte müßig sein, sie alle zu wiederholen, besonders da keine davon irgend einen inneren Grund für ihre Glaubwürdigkeit hat; nur das Eine wollen wir erwähnen, nämlich, daß bestimmt behauptet wird, Graf Bismarck habe die Reise auf speziellen Wunsch des Königs unternommen.
— In Abgeordnetenhause brachte der Han— delsminister einen Gesetzentwurf ein, durch welchen die Staatsregierung zum Behufe der Deckung des Defizits ermächtigt werden soll, den Bestand aus den Garantiefonds von 2 Millionen Thaler für die Köln⸗Mindener Eisenbahn flüssig zu machen.
— Der Lieutenant v. Schewe, welcher wegen Tödtung des Schuhmachers Seiffert zur Festungs⸗ haft verurtheilt war, ist vor Kurzem mit dem neuerdings bei der 4. Artillerie⸗Brigade aus dem Dienst geschiedenen Lieutenant gleichen Namens identisicirt worden. Dies ist jedoch, wie man sich beeilt zu berichtigen, ein Irrthum, der Erst genannte besindet sich noch immer bei der 6. Art.- Brigade(Neisse) im Dienst.
Dortmund. Nach der„Elberf. Zeitung“ erschien dieser Tage der Superintendent Hengsten⸗ berg aus Sommerwerda mit sechs handfesten Nännern in dem Zimmer seines hier wohnenden Neffen, des Premier-Lieutenants a. D. Hengsten⸗ berg, um denselben mit Gewalt ins Irrenhaus abzuführen, obgleich der vorher von einem Fami⸗ lienrath gehörte Urzt eutschieden erklärt haben soll, es läge zu einem solchen Schritt kein Grund vor. Der Premier- Lieutenant, ein entschlossener Mann, protestirte in energischer Weise, indem er schließlich Jeden niederzuschießen drohte, der ihn weiter zu behelligen wagen würde Eine von ihm ge ⸗ haltene Vorlesung über„Ursprung und Zweck der Bibel“ soll die Veranlassung zu dem Gewalt- versuch seines Onkels gewesen sein. Der in seiner Freiheit bedrohte Lieutenant hat bei der Staats⸗ auwaltschaft alsbald Beschwerde erhoben.
Aus Thüringen. Der von der Mei⸗ ninger Regierung dem Landtage vorgelegte Gesetz · entwurf über das Diensteinkommen der Volks⸗ schullehrer ist hinter den gehegten Erwartungen durchaus zurückgeblieben. In vier Ordnungen, le nach der Größe der Städte und besonders für die Dörfer, sind die Besoldungen bemessen. In den größten Städten bewegt sich der Gehalt zwischen 400 und 550 Gulden, in den kleineren
zwischen 325 und 425 und auf dem Lande zwischen 275 und 400 Gulden. Nach fünfzehn⸗ jähriger Dienstzeit erhält dann ein Lehrer 25, sage fünfundzwanzig Gulden, und nach dreißig jähriger tadelloser Wirksamkeit 35 Gulden Zulage. Diese Zahlen beweisen, wie dürftig die ganze Besoldungsscala ist; für einen Soldaten wird mehr bezahlt, als für einen Volksschullehrer höchster Dotation auf dem Lande.
Bayern. München. Glaubhaften Mit tbeilungen nach werden Vorbereitungen zu einer Reise des Königs nach Petersburg getroffen.
Würtemberg. Stuttgart. Der Ent- wurf der Thronadresse äußert sich über die deutsche Frage in folgendem Sinne: Ein Sübdbund ist das vorzüglichste Mittel zur Abwendung der Ge— fahren, welche der Selbstständigkeit der süddeutschen Staaten drohten. Dem Volke ist das Bewußtsein herangereift, daß die Einheit des Militär⸗Staates, welcher die andern Stämme gewaltsam unterwirft, nicht diejenige ist, wofür ihm Opfer zu bringen obläge, daß es vielmehr dieser Einheit zu wider. streben berufen ist.
Oesterreich. Wien. Die„N. fr. Pr.“ meldet: Graf Beust soll anläßlich der Erklärung des Grafen Bismarck über die Hietzinger Agita⸗ tionen eine Depesche nach Berlin gesandt haben, welche besagt, daß der österreichischen Regierung diese Sache unbekannt sei. Dieselbe würde solche Agitationen nicht dulden.
— Eine Privatdepesche aus Wien meldet, daß Griechenland geantwortet habe, es werde die Freischaaren auflösen und die Beamten verhindern, dieselben zu begünstigen. Ebenso werde es die Rückkehr der ausgewanderten Kandioten in ihre Heimath erleichtern. Die anderen Forderungen lehnte es jedoch ab.
— Unter den Einwohnern der Stadt Wie— liczka herrscht die größte Bestürzung. Man bereitet sich zur Auswanderung vor. Dieser Tage soll unter furchtbarem Krachen der Boden des Franz⸗ Joseph⸗ Schachtes, in welchem noch gearbeitet wurde, geborsten sein. Einer der Haupipfeiler ist eingestürzt.(Auf eine Interpellation Grocholskys im Abgeordnetenhause hat der Finanzminister diesen Vorfall in Abrede geßellt.) In der Grazer „Tagespost“ wird geradezu behauptet, daß Herr Constantin von Beust die Hauptschuld an dem Unglück von Wieliezka habe. Er habe durchaus ein österreichisches Kalisalzlager entdecken wollen, um dem preußischen Staßfurth Concurrenz zu machen.
Frankreich. Paris. Die„presse“ er- hält aus Rom Nachricht über den Stand der Vorarbtiten zum öcumenischen Concil: fünf Com- missionen sind bereite organisirt, eine sechste wird demnächt in Wirksamkeit treten. Dieselben theilen sich in folgende Gegenstände: degmatische Theologie, politisch religiböse Angelegenheiten, kirchliche Dis⸗ ciplin, Angelegenheiten der Ordensgeistlichen, Orientfrage(Versuch einer Verständigung zwischen der römischen und griechischen Kirche) und Ver⸗ handlungen über neu einzusührende Gebräuche und Ceremonien. Vorsitzender einer jeden Com; mission ist ein Cardinal, der zugleich Mitglied der leitenden Commission ist.
— Einem Telegramm des„Noniteur“ aus S. Sebastian vom 14. Dez. zufolge haben sich die Aufständischen in Cadix in Folge einer ener⸗ gischen Proklamation Caballeros auf Gnade und Ungnade ergeben.
— Der„Moniteur“ verössentlicht den Bericht des Herrn Haußmann an dis bekanntlich den Generalrath vertretende Commission des Seine Departements. Wir entnebmen daraus unter Anderm, daß in dem am 30. Sept. abgelaufenen Jahre in Paris allein 3586 Häuser gebaut wor⸗ den sind, die im Ganzen 25,601 Wohnungen enthalten; anderntheils sind 1764 Häuser mit 11,141 Wohnungen der Demelition verfallen; es würden somit 14,460 Wohnungen der Pariser Bevölkerung noch weiter zur Verfügung gestellt sein. Die Gisammtzahl der im Seine-⸗Departe⸗ ment von 1852 bis 1868 gebauten Wohnhäuser beträgt nicht weniger als 94,034 während nur 23,711 durch die Demolitionen beseitigt wor⸗ den sind.
— Trotz aller Confiscationen wird Rochesorts „Lanterne“ in Tausenden von Exemplaren in Frankreich eingeschmuggelt. Um den Import des der Regierung so verhaßten Blattes unmöglich zu machen, läßt nun dieselbe alle ihr verdächtig scheinenden Sendungen öffnen, was keine kleine Arbeit ist, da die für Frankreich bestimmten Exemplare auf Briefpapier gedruckt und in Brief⸗ form zusammengelegt sind.
— Wir entnehmen dem„Gaulois“ eine sta⸗ tistische Notiz über die Besetzung der königlichen Hauscapelle Isabella's. Dem Personal derselben gehörten an: der Patriarch von Indien, der Erz⸗ bischof von Toledo, 2 Bischöfe, 19 Ehrenpfarrer, 14 überzählige Priester, 12 Prediger, 56 über⸗ zäblige Prediger, 12 Diaconen, 3 Altaden der Capelle, 5 Acolyten, 30 etatsmäßige und 10 über⸗ zählige Musiker, 1 Sekretär, 3 Beamte des Se⸗ kretariats und 1 Schreiber, im Ganzen 176 Personen.
Dänemark. Kopenhagen. Der König von Dänemark und der Kronprinz von England telegraphirten nach Athen an den König von Griechenland, um ihn zu bewegen, den gerechten Forderungen der Türkei zu entsprechen, indem sie ihn gleichzeitig darauf aufmerksam machten, welche Gefahr in der gegenwärtigen Situation für die junge Dynastie liege.
Großbritannien. London. Lord Cla⸗ rendon sprach sich bei dem Empfang der Diplo maten dahin aus, daß die Aussichten für den Frieden überwiegend seien. Griechenland würde nachgeben. Die Verhandlungen dauerten fort, um die griechischen Empfindlichkeiten zu schonen.
Spanien. Madrid. Die Flammen des republikanischen Aufstandes greifen in unheilver⸗ kündenden Dimensionen um sich und haben nun⸗ mehr auch die Hauptstadt erfaß!, während aus allen Theilen des Landes die beunruhigendsten Nachrichten einlaufen und die Gemüther in eine nicht zu schildernde Aufregung versetzen. Madrid befürchtet das Schlimmste; die Geschäfte stocken, die Arbeiter lungern umher, und selbst die Aus⸗ sicht auf die conßituirenden Cortes»eicht nicht aus, die düsteren Ahnungen niederzuhalten, die sich allmählich auch der optimistischen Naturen bemächtigt haben.
— Aus Tarragona wird ein Auftritt ge⸗ meldet, der eine Wiederholung der Seenen von Valladolid ist. Eine monarchische Demonstration wurde vom Bolke gesprengt, die Autorität des Civilgruverneurs verhöhnt und„Tod den Pro⸗ gressisten!“ zeschrieen. Auch in Malaga und andern Orten hat gleichfalls die Contre⸗Redolution ihr Haupt erhoben.
— In Andalusien dauert die Gährung fort. Neue Truppenmassen sind nach Cadix aufgebrochen.
— Admiral Topete sagte in einer Rede an das Offiziercorps der Guiden des Volkes:„Warum muß es das unbezwingliche Cadix sein, welches mir einen so grausamen Beweis seiner Undank⸗ barkeit gegeben hat 7 Ich habe es össentlich gesagt und ich wiederhole es in diesem Augenblicke: Wenn die allgemeine Abstinmung die Republik als Regierungsform ausruft, soe werde ich den Nationalwillen huldigen und die Republik mit der Lopalität und Ehrenhaftigkeit vertheidigen, die Niemand mir absprechen wird.“
— Die Insurgenten in Cadix beabsichtigten, ihre Waffen dem amerikanischen Consul zu über ⸗ geben. Caballero erklärte jedoch, daß die Jeind⸗ seligkeiten wieder beginnen würden, wenn sie bei diesem unsinnigen, der nationalen Ehre unwürdigen Entschlusse verharrten. In Folge dieser energischen Haltung übergaben die Insurgenten ihre Waffen dem Militärgouvernenr.
Donaufürstenthümer. Der Minister des Innern untersagt in einem Circular an die Präfekten jede Subscription zur Beschasfung von Waffen zu Gunsten Griechenlands und bringt das Prinzip der strengsten Neutralität in Erinnerung.
Türkei. Der türkische Sesandte in Athen hat in Konstantinopel angezeigt, er habe vom Generalgouverneur Kreta's die Nachricht erhalten,
daß die Einwohner des Distriktes Spakia ihm eine Petition an den Sultan überreicht haben,
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