Sonach wird es auch nicht überraschen, wenn dem Monarchen bei seiner Ankunft hier nicht als Kaiser von Oesterreich, sondern als König von Ungarn zugejubelt wird, wobei sich unsere Pa- mioten in gewisse bistorische Remiscenzen hinein- träumen.
— Der Leichnam des vor einiger Zeit in gebeimnißvoller Weise verschwundenen Honved⸗ Obersten Ludwig Beniczky ist jetzt im Aßoder Walde aufgefunden worden. Neben dem ent⸗ seelten Körper lag ein Zettel, welcher besagte, daß man Beniczky längere Zeit versteckt gehalten und ihn erst am 7. d. ermordet habe; der Zettel trug die Unterschrift:„Die Liga“.
— Aus dem Vorarlberger Landtag ist der Weihbischof Johann von Feldkirch ausgetreten, weil er im Schulcomite, in welches er gewählt worden war, mit seinen Ansichten ganz isolirt stand.— Im steiermärkischen Landtag hat die Debatte über die an den Kaiser zu richtende Adresse begonnen. Der Berichterstatter Dr. Schlosser erklärte, das Concordat möchte ganz beseitigt werden, weil es den Staatsgrundgesetzen wider ⸗ spreche; es sei jeder wahrhaft menschlichen Cultur⸗ entwicklung feind und seine Vertheidiger seien im Widerspruch mit den Forderungen ächter Frömmig⸗ keit und Sittlichkeit. Jetzt stelle eine gewiss. Partei den Papst dem Kaiser gegenüber und fordere zur Nichtbefolgung von Staatsgesetzen auf, weil der Papst dieselben für null und nichtig erklärt habe. Das heiße von dem Kaiser verlangen, er solle vom Thron steigen, die Krone ablegen und das Büßerhemd von Canossa anziehen.
— Einer der Missioneprediger der Jesuiten hat vor einigen Tagen in Zwittau(Mähren) gegen die neuen Gesetze gedonnert. Dabei rief er aus:„So ein Ausländer, so ein hergelaufener Lumpenkerl will dem Papste und den Bischöfen ihre Rechte rauben!“ Die Staatsanwaltschaft hat wegen dieser Beleidigung des Hrn. v. Beust eine Klage beim Strafgericht eingereicht.
— Herr v. Beust läßt durch ein offiziöses Organ erklären: wenn er sich durch den Drang der Verhältnisse genöthigt sehen sollte, im Interesse der Machtstellung Oesterreichs aus der Neutralität herauszutreten und eine Allianz mit Frankreich einzugehen, so werde er nicht dulden, daß Napo⸗ leon III. seine Compensations objekte aus deutschem Boden nehme.
— Die Nachricht, daß Dr. Biskra die Bre⸗ genzer Civilehe⸗Frage schon zu Gunsten des reso⸗ luten Adlerwirthes entschieden habe, war verfrüht.
Linz. In einer hiesigen Druckerei wurde die ganze Auflage des Hirtenbriefes des Bischofs Rudiger, der in allen Kirchen verlesen werden sollte, auf Antrag der Staatspolizei mit Beschlag belegt und der Letternsatz amtlich versiegelt.— Die von dem Landgerichtsrath für einen speciellen Fall verlangten Ehegerichtsakten hat der Bischof unter Protest ausgeliefert.
Frankreich. Paris. Der„Etendard“ theilt mit, daß der Kaiser bei seiner Abreise aus dem Lager von Chalons folgende Worte an die Generale gerichtet habe:„Ich bin seit acht Tagen, die ich in Ihrer Mitte verbracht habe, sehr glück⸗ lich. Ich sage Ihnen weiter Nichts, weil die Journale nicht unterlassen würden, aus meinen Worten, so gemäßigt sie auch sein mögen, den Krieg zu prognosticiren. Ich beschränke mich also darauf, Ihnen meine Befriedigung für Ihren Eifer und Ihre Ergebenheit auszudrücken.“
— Eine im Unterrichts ministerium eingetroffene Depesche aus Point de Galle meldet, daß die nach der Halbinsel Malacca gegangenen französi⸗ schen Astronomen die Centralsonnenfinsterniß vom 18. August vollkommen beobachten konnten.
— Der Correspon dent des„Univers“ löst in seinem letzten Berichte über den Congreß der Katholiken in Bamberg in böchst absoluter Weise die jedenfalls bisher sehr bestrittene Frage:„Wer ist der ersie Redner Deutschlands?“ Er antwortet nämlich:„Der erste Redner Deutschlands ist ohne Widerrede der Herr Domcapilular Moufang von Mainz.“
— Der„Conßiitutionel“ läßt sich in einer
die preußischen Beurlaubungen nicht viel zu be ⸗ deuten hatten und lediglich aus finanziellen Rück⸗ sichten angeordnet worden, demnach als Zeichen besonderer Friedensliebe sich nicht ausgeben dürften. Dagegen schreibt die„France“ sehr vernünftig: „Es ist allerdings gewiß, daß finanzielle Erwä⸗ gungen ihren Antheil hatten an den zeitweiligen Reduttionen, welchen die norddeutsche Armee unter- zogen wurde. Aber es ist nicht minder klar, daß die Aussicht auf irgend welche Gefahr in Berlin genügt hätte, um sich über die Budgetfrage hin⸗ wegzusetzen, welche immer in zweiter Reihe bleibt, wenn eine große politische Frage auf dem Spiele stebt. Die getroffenen Maßregeln behallen daher trotz alledem die Bedeutung, welche man ihnen von Anfang an beigelegt hat.“ Belgien. Brüssel. In der Schlußsitzung des internationalen Arbeitercongresses hielt der Präsident Dupont von London folgende Au⸗ sprache an die deutschen Zweigvereine: Wir müssen einen Krieg zwischen Frankreich und Deutschland als einen Bürgerkrieg betrachten, aus dem nur Rußland Nutzen ziehen würde. Indem ich den internationalen Arbeitercongreß schließe, fordere ich die Arbeiter auf, sich gegen den Krieg auszusprechen, und ihm alle Widerstandsmittel entgegenzusetzen, ihre Mitwirkung zu privilegirtem Menschenmord zu verweigern, eine Propaganda zu diesem Zweck zu organisiren, und die Unglück⸗ lichen, die man zum Kriegsdienst zwingt, über den Mißbrauch ihrer Kraft aufzuklären. Großbritannien. London. Die Zahl der Armen in England und Wales, welche öffent⸗ liche Unterstützung beziehen, übersteigt eine Million und vier Tausend. Im vergangenen Jahre wur⸗ ven 7,000,000 L. zu besagtem Zwecke verwendet, so daß jeder Kopf der Bevölkerung durchschnittlich 6 sh. 6 d. zur Unterstützung der Armen zahlte. — Das anglo⸗dänische Kabel beförderte als erstes Telegramm einen Gruß des Königs von Dänemark an die Königin von England.(Wahr⸗ scheinlich doch auch die Rückantwort: Wieder einen schönen Gruß!) — Als Curiosum wird erwähnt, daß ein jüngst verstorbener Herr Brown in seinem Testa⸗ mente die Summe von 30,000 L zur Errichtung eines Hospitals für Thiere ausgtsetzt hat. Das Capital befindet sich bereits in Händen der„Uni⸗ versity of London“ und soll mit der Errichtung des neuen hauptstädtischen Vieh⸗Hospitals alsbald begonnen werden—(Der Gedanke, ein Spital für Thiere zu gründen, ist übrigens nicht neu, und wahrscheinlich von Indien her importirt. Dort bestand wenigstens noch bis vor Kurzem in Surate eine solche Anstalt, deren Einkünfte sich auf 9000 holländische Gulden beliefen. In einer Abtheilung fanden sich kranke Kameele und Ochsen, in einer andern kranke Pferde, da wurden alters · schwache Affen gepflegt, dort Tauben, Hühner und Enten, Kaninchen. Die todtkranken Pferde, Kameele 1c. waren in einem besonderen Gemach Ja sogar Flöhe, Wanzen und.... wurden in einem Zimmer gepflegt; es sollen arme Menschen eigens dafür bezahlt worden sein, sich von diesen Thieren saugen zu lassen.— Abgesehen von solchen Extravaganzen wäre bei unserer modernen Pferderackerei der Gedanke wenigstens nicht be⸗ sachenswerth, für solch' arme alte und abgehetzte Thiere ein Asyl zu gründen. Die Red.)
— Von Panama sind folgende Nachrichten eingetroffen: Der Erdstoß vom 13. August wurde um 5 Uhr Nachmittags in Lima und 5 Uhr
45 Minuten in Callao gefüblt, wo zwischen 8 und 10 Uhr noch schwächere Stöße, als vorher, empfunden wurden. Als man von Calloa aus die riesigen Fluthwogen bemerkte, suchten die peruanischen und französischen Kriegsschiffe die Höhe der See zu gewinnen. Menschenleben sind in Callao nicht verloren gegangen, mehrere Kauf- sahrer jedoch haben Schaden gelitten und wurden viele Güter an die Werste gespült. Auch in der Gränzstadt Payta wurden Erdstöße gespürt, ohne daß dieselben einen Verlust an Menschen oder Schiffen herbeisübrten. In den Häfen südwärts
von Callao bis Valparaiso werden noch weitere
Correspondenz aus Berlin auseinandersetzen, daß schwere Erdbeden erwartet.
Griechenland. Athen. Von dieser Stadt wird der„Wiener Presse“ ein merkwürdiger Fall b⸗richtet, der auf dortige Zustände ein eigenthüm⸗ liches Licht wirft. Der traurigen Geschichte kurzer Sinn ist der: Vier junge Griechen hatten sich in Egypten durch Fleiß und Sparsamkeit(der höchst⸗ gestellte von ihnen war Kellner) ein Vermögen von 16,000 Fres. erarbeitet und wollten damit in der Heimath gemeinschaftlich irgend ein Geschäft anfangen. Zwei davon gingen mit dem Gelde dorthin voraus, werden aber beim Betreten des heimathlichen Bodens von Polizeibeamten in Empfang genommen, ihrer Baarschaft entledigt und ins Gefängniß geworfen. Ueber 6 Wochen kräht kein Hahn nach ihnen, da will man sie endlich, mit Pässen auf andere Namen versehen, mit Gewalt nach Smyrna einschiffen. Da sie Widerstand leisten und sich nicht einschüchtern lassen, werden sie wieder in's Gefängniß zurück- gebracht. Als sie endlich Mittel finden, sich mit rer Außenwelt in Verbindung zu setzen, und ein geachteter Advokat sich ihrer Sache annimmt, ent⸗ flieht der Polizei-Commissär. Die armen Bursche werden in Fieiheit gesetzt, aber ihr Geld wurde nicht zurückgegeben. In der Kammer zeigt sich der Ministerpräsident über den scandalösen Vor⸗ fall, der dort zur Sprache gebracht wird, auf's höchste entrüstet, und— die Gerechtigkeit ist uner⸗ bittlich— der Polizeidirektor, der Bruder jenes sauberen Polizei⸗Commissärs, wird— am nächsten Namenstag der Königin nicht zur Hof⸗ tafel geladen,
Amerika. Die Erklärung von Juarez, daß er keine Verkaufsanträge mexikanischer Gebiets ⸗ theile an die Vereinigten Staaten gemacht habe, wird von der amerikanischen Presse in diplomatischem Sinne aufgefaßt.
— Der Schweizer Generalconsul in Washington, Herr John Hitz, hat in Gemeinschaft mit dem Agenten der schweizerischen Auswanderungs⸗Gesell⸗ schaft, Herrn Plümacher⸗Hünerwadel, in Mittel⸗ Tennessee 7000 Acres wohlbewässerten Landes zur Ansiedlung für Schweizer Emigranten ausgesucht. Dieselben sind ein Gischenk des Obristen Joseph Hughes.
— In den Südstaaten ist man von gesicherten gesetzlichen Zuständen noch weit entfernt. In Georgien, Südkarolina, Arkansas, Tenessee, all⸗ uberall noch Anarchie, von bewaffneten Banden sorgfältig gepflegt und aufrecht erhalten.
— Zwischen den Vereinigten Staaten, Eng⸗ land und Preußen haben Verhandlungen wegen Aus rüstung einer späteren großen Nordpolexpedition zur Lösung des Polarproblems und zur Erforschung der Nordpolgegend begonnen.
X Friedberg. Die Sammlungen zum Besten des pro⸗ jectirten Frauen vereins für Krankenpflege, deren unlängst in d. Bl. gedacht wurde, sind nun beendigt und haben ein sehr erfreuliches Ergebniß geliefert. Die Theilnahme, welche die Sache gefunden hat, zeigt, daß man den Zweck, den der beabsichligte Verein verfolgen will, allgemein als einen heilsamen und der Förderung würdigen erkennt und in der That geben häufige Erfahrungen, die man bei Arm und Reich machen kann, den Beweis, daß das Unternehmen ausgebildete und jederzeit zur Hilfe bereite Krankenpflege⸗ rinnen zu beschaffen, einem wirklich vorhandenen und recht fühibaren Bedürfniß entgegenkommt. Nur läßt sich dieser Zweck durch Geldgaben allein nicht erreichen. Sein Hauptaugenmerk richtet der Verein darauf, außer den nöthigen Geldmitteln auch persönliche Kräfte zu gewinnen, mit anderen Worten geeignete Personen, welche sich bereit finden lassen, sich dem Berufe als Krankenpflegerinnen zu widmen. Dieselben würden auf Kosten des Vereins in einer größeren Krankenanstalt die erforderliche Aus⸗ vildung erhallen und sich sedann verbindlich machen auf Anordnung des Vereinscomties die Pflege von Kran⸗ ken— in Friedenszeiten wohl nur innerhalb der Stadt zu übernehmen. Sie würden dabei in ibren gewohnten häuslichen Verhältnissen verbleiben und überhaupt keine weitere Verpflichtung auf sich nehmen als die, der Auffor⸗ derung des Comites zu enisprechen, wenn dieses es nöthig fände, ihren Dienst bei einem Kranken in Anspruch zu nehmen. Für die Dienustleistunzen soll eine enisprechende Vergütung gelcistet werden. Dieselbe wird indessen voraus⸗ sichtlich nicht so bedeutend fein können, daß die Aussicht auf den Lohn allein für Jemand der Bestimmungsgrund sein könnte, sich zum Beruf der Krankenpflege zu melden. Vielmehr hofft das Comite, daß sich eine Anzahl von Frauenzimmern finden werde, welche von dem Wunsche ge⸗ leiiet, ich nützlich zu machen und an leidenden Miimen⸗ schen ein Werk der Barmherzigkeit zu üben, sich bereit fiuden lassen, das schwierige aber sehr schöne und dank⸗ bare Geschäft der Krankenpflege zu übernehmen, welche
Siiefeltein dosen auf im June um Den 1,
Fran!“ die Milhel tit verbo'le
aenilosce — Abl Du üiscen bbtrcgalet sörmlcce dieste! Schlot Gläubige
1 1 werden
Dounn Nellere erde
72³ö⁰ Aufent selben


