Ausgabe 
17.9.1868
 
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1868.

Donnerstag den 17. September.

M 110.

Anzeiger für Ob

erhessen.

Enthält die amtlichen Erlasse für den Kreis Friedberg.

Friedberger Jutelligenzblatt.

Erscheint jeden Dienstag, Donnerstag unb Samstag.

Amtlicher Theil.

Betreffend: Die Mathildenfiistung im Kreise Frievberg.

Das Großherzogliche Kreisamt Friedberg an die Großherzoglichen Bürgermeisterereien zu Beienheim, Jauerba ch v. d. H., Griedel, Hausen(wegen Oes), Hoch-Weisel, Münzenberg,

Nieder-Weisel und Steinfurth.

Friedberg am 12. September 1868

Da Beiträge aus den Kassen Ihrer Gemeinden zu Zwecken der Maihildenstiftung zur Rettung verwahrloster Kinder im Kreise

Friedberg verweigert worden sind,

einzelnen Gliedern dieser Eemeinden zu erheben.

Wir setzen Sie hiervon in Kenntniß.

so ist dem Vorstand dieser Stiftung gestattet worden, durch eine Hauscollecte milde Gaben bei den

Ter a p p-

Hessen. Darmstadt. DieH. V. be⸗ richten, dem Vernehmen nach habe das Großh Justizministerium auf cine Anfrage des 1. Aus- schusses der 2. Kammer erwiedert, daß dermalen keine Veranlassung sei, das Quinquennium der Hofgerichtsadvokaten aufzuheben, indem bei Erlaß der bürgerlichen Prozeßordnung für das nord- deutsche Bundesgebiet das Verhältniß der Anwälte zu den Gerichten seine gesetzliche Regelung finden werde.

S. Darmstadt. Das hiesige Gymnasium erfährt mit kommendem Winterhalbjahr eine sehr angemessene Erweiterung. Es wird nämlich als letzte Klasse eine Sexta, nach der alten Bezeich- nungsweise würde sie Octava heißen, hinzugefügt, so daß das Gymnasium nunmehr acht Jahreskurse zählt und die Schüler ohne alle Kenntniß frem⸗ der Sprachen aufnehmen kann. Wie förderlich eine solche Einrichtung auf den einheitlichen Ent wickelungsgang der Schüler wirken muß, liegt in der Natur der Sache.

General v. Plonski, Besehlsbaber des 11. Armetcorps, dem auch die Großherzogliche Division zugetheilt ist, trifft am 17. ds. von Kassel in Dieburg ein und leitet von da an bis zum Schlusse die Manöver. Am Samstag den 19. l. M. findet in der Nähe von Darmstadt bei Roßdorf das Schlußmanöver Statt, dem auch S. K. H. der Großherzog beiwohnen wird.

DieD. Zig. meldet, daß nach amtlicher Mintheilung des Königl. Baperischen Ministeriums des Innern die Rinderpest im Königreich Italien und zwar in der Provinz Udine ausgebrochen sei.

Preußen. Berlin. DieD. Volksztg. macht darauf ausmerksam, daß mittelst Privat- verträgen mit den einzelnen Cavalleristen, deren Dienstzeit in der Landwehr dadurch um zwei Jahr verkürzt würde, ganz in der Stille eine dierjährige Dienstzeit bei der Cavallerie einzu- führen versucht werde. Derartige Verträge würden gegenwärtig in Masse abgeschlossen.

Die Errichtung eines besonderen vom Kriegsministerium vollständig getrennten Bundes. Marine- Departements wird nunmehr als bestimmt in Aussicht stehend bezeichnet. Der zeitige Marine⸗ Direktor, Contre⸗ Admiral Jachmann, soll dem neuen Departement alsdann als Ressortchef vor gehen. L Am 15. d. beginnt hier nach einer Ein⸗ ladung des General- Postamts die vorberathende Constrenz der deutschen Staaten, um die Grund⸗ lagen des mit Italien abzuschließenden Postvertrags zu besprechen. f

Bei der königlichen Kriegsakademie wird mit Beginn des bevorstehenden Winterleörgangs versuchsweise ein Vortrag über Militär-Gesund- heitepflege von dem Obersiabsarzt Dr. Roth(auch bei der Central⸗Turnanstalt) gehalten werden. Am 1. October d. J. wird in der königlichen Central⸗Turnanstalt hier wirderum ein sechemonat⸗

licher Cursus für Lehrer beginnen. Der gesammte Unterricht wird bekanntlich unentgeltlich ertheilt, eine außerordentliche Staatsbewilligung den Aus- zubildenden aber nicht gewährt. Im Amte be⸗ findliche Lehrer haben übrigens die Erlaubniß der Ortsschulbebörde zur halbjährigen Unterbrechung ihrer Wirksamkeit einzuholen.

Die neuesten Berichte, welche über das Befinden des Grafen Bismarck hierher gelangt sind, lassen erkennen, daß die Wirkungen seines letzten Unfalles durch Sturz mit dem Pferde doch nur sehr allmählich schwinden. Bis vor wenigen Tagen mußte der Graf liegen, seitdem macht er ohne große Anstrengungen kleine Promenaden in seinem Garten.

Eine Petition an das Abgeordnetenhaus liegt gegenwärtig zur Unterzeichnung auf, worin dosselbe ersucht wied, den Erlaß eines zeitgemäßen Unterrichtsgesetzes zu erwirken.

Ein Gerücht spricht davon, die Regierung wolle sich von der oberschlesischen Eisenbahn ihr durch Uebernahme der Zinsengarantie der Actien Lit B. dieser Bahn erworbenes Recht auf einen Antheil am Reingewinn derselben ablösen lassen, um mit der dadurch zu gewinnenden Summe das Deficit für 1869 zu decken. Da dieser Gewinn- antheil in den letzten Jahren mehr als eine halbe Million betragen hat, so würde die Bahngesell⸗ schaft sich wohl zu einer Ablösungssumme bereit finden lassen, mit welcher Finanzverlegenheiten für das nächste Jahr leicht zu beseitigen wären.

Einer offiziösen Berliner Correspondenz der Karlsr. Ztg. zufolge wird durch die verzögerte Einstellung der Rekruten und die dermaligen Beurlaubungen(dem Vernehmen nach bei der Jufauterie je 15 Mann auf die Compagnie, bei der Artillerie je 2 Mann auf die Batterie) der Friedensstand des norddeutschen Bundesheeres um etwa 65,000 Mann vermindert. Es sei gar keine auf diese Angelegenheit bezügliche diplomatische Kundgebung nach Paris ergangen. Geflissentlich habe man von Berlin aus jede förmliche Anzeige der Verminderung des Armeebestandes unterlassen. Die Friedenszuversicht, welche sich in dieser Maß⸗ regel ausspreche, gewinne noch an Bedeutung duich den Umstand, daß es als ganz gleichgültig betrachtet werde, ob andere Mächte solchem Beispiel folgen, oder nicht. Man wisse in Berlin, daß keine Macht vorerst Krieg beginnen wird, und man sei zugleich sicher, allen Eventualitäten gewachsen zu sein, auch wenn die Friedensstärke des Heeres einstweilen eine Herabsetzung erfahren habe.

Kiel. Bei Auwesenheit des Königs von Preußen dahier erwisderte derselbe auf eine An- sprache des Rektors der Univerität, welche die Hoffnung auf Erhaltung des Friedens betonte: Ich theile ganz Ihren Wunsch für die Erhaltung

des Friedens; in ganz Europa erblicke ich keine Veranlassung zu einer Störung desselben und sage das zu Ihrer Beruhigung. Noch mehr aber

wird Sie der Blick auf die hier anwesenden Re⸗ präsentanten meiner Armee und meiner Marine beruhigen, welche bewiesen haben, daß sie sich nicht scheuen, einen uns aufgezwungenen Kampf anzunebmen und durchzufechten.

Limburg. In der dahier abgehaltenen Landesversammlung sollten Beschlüsse gefaßt werden im Interesse des Fortbestandes der nassauischen Landesbank, der Beibehaltung des seitherigen Gemeindegesetzes und der Zustände und Verhält- nisse des Schulwesens. Die Versammlung ist aber vollständig in die Brüche gegangen. Es geschah allda wie beim Thurmbau zu Babel: der Masse des Volkes war zu viel, der Sprachen mancherlei; man verstand sich nicht, und das Unternehmen mußte aufgegeben werden.

Lübeck. Verschiedene Blätter theilen ein Lobgedicht mit, durch dessen Ueberreichung der hier anwesende König von Preußen überrascht worden ist. Das Gedicht ist mit einem Lorbeer⸗ und Eichenkranze umwunden gewesen und der Dichter, der es selbst überreicht zu haben scheint Emanuel Geibel.

Bayern. München. Der Ausbruch der Rinderpest in der Nähe von München ist amtlich constatirt.

Baden. Karlsruhe. Am Goburtsfeste des Großherzogs sah man zum ersten Male ein⸗ zelne Landwehrmänner in Uniform. Letztere ist der der Linien Infanterie fast ganz gleich, uur bildet die Kopfbedeckung statt des Helmes ein Käppi nach dem Muster des preußischen Landwehr⸗ käppis. Es führt gleichfalls das Landwehrkreuz und ist die preußische Umschrift abgeändert in Mit Gott für Fürst und Vaterland.

Oesterreich. Wien. Zu dem bevor- stehenden Besuche des österreichischen Kaiserpaares in Krakau werden dort bereits die umfassendsten Vorbereitungen getroffen und wird der Empfang ein eben so feierlicher als herzlicher sein. Die Stimmung kann im Allgemeinen als eine günstige bezeichnet werden. Weder die russischen, noch die tschechischen Agitatoren konnten einen durchgreifenden Erfolg erringen. Die polnische Majorität hatte während der letzten Wandlungen unseres Ver- fassungslebens nur einen Moment im Auge be- halten: sicheren Schutz gegen russische Gelüste! Als integrirender Bestandtheil der deutsch⸗öster⸗ reichischen Länder, als ein Theil jenes aus so vielen unzufriedenen Elementen bestehenden Länder- comp. cxts, muß Galizien, als weit hinausgeschobener Posten, beim ersten Anprall von Norden und Osten dem rufsischen Koloß in den offenen Rachen fallen. Unter solchen Umständen ist es natürlich, daß die Partei, welche den Anschluß an Ungarn, unter gewessen Garantien der Autonomie, wünscht, täglich mehr erstarkt. Galizien, im Verbande mit Ungarn als österreichische Ostdälfte, oder als selbstständiger Donaustaat, bietet eine natürliche und seste Schutzmauer gegen das nussische Reich.