Ausgabe 
17.3.1868
 
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oll unterstützt haben, unsern wärmssen und innigsten Dank darbringen, halten wir es für Pflicht, über die Art und Weise unsrer Wirksamkeit in Nachstehendem einen vorläufigen Rechenschaftsbericht abzustatten.

Unsre erste Aufgabe war, in der bedrängten Provinz geeignete Organe für unsre Thätigkeit zu gewinnen. Wir haben deshalb die in Ost preußen bestehenden 67 landwirthschaftlichen Vereine deranlaßt, in jedem der 35 landräthlichen Kreise sich über einen nicht sehr zahlreichen Kreisausschuß zu verständigen, welchem die Erledigung der erwachsenden Arbeiten anvertraut werden könne. Mit diesem Ausschuß sind die neu errichteten Zweigvereine des vaterländischen Frauenvereins, sowie die innerhalb der Kreise bestehenden Erwerbs und Wirthschaftsgenossenschaften durch Abgeordnete in angemessene Verbindung gesetzt worden, um möglichste Einheitlichkeit des Wirkens zu erzielen. Von den Kreis ⸗Ausschüssen sind die Kreise nach den Kirchspielen oder andern Abgrenzungen in Districte getheilt und für diese besondere Ver⸗ rauensmänner oder Kommissionen gewählt worden, welche die Organe der Ausschüsse bilden.

In Betreff der Verwendung der eingehenden Beldmittel halten wir an dem in unserm ersten Aufruf ausgesprochenen Grundsatze fest, daß wir dorzugsweise Unterstützung durch Arbeitsermög⸗ lichung ins Auge fassen würden. Wir suchen daher demjenigen Theil der Bevölkerung, welcher an den begonnenen Eisenbahn-, Chaussee- und Meliorations-Arbeiten Theil zu nehmen nicht im Stande ist, eine häusliche Beschäftigung durch Spinnen, Weben, Stricken, Nähen u. s. w. zu verschaffen. Von diesen Arbeiten ist namentlich das Spinnen von Flachs, Werg und Wolle die jenige, welche sich am raschesten überall ins Werk setzen läßt und die befriedigendsten Resultate ergiebt.

Um diese Arbeit zu organisiren, sind in den einzelnen Kirchspielen Spinnstationen errichtet, die ich mit der Vertheilung des von den Kreisaus schüssen aus den ihnen von uns zur Verfügung Zestellten Mitteln angeschafften Materials, mit der Beaufsichtigung der Arbeit und der Auszahlung des Spinnerlohns befassen. Zur ununterbrochenen Beschaffung des Materials haben wir in Königs- berg ein größeres Lager von Flachs und Werg trrichtet, während wir die Wolle von hier aus an die Arbeitsstellen liefern.

Die gesponnenen Garne werden entweder an Ort und Stelle weiter verarbeitet oder durch unsre Ver mittelung anderweit verkauft, der Erlös fließt in die Kassen der Kreis ⸗Ausschüsse zur Fortsetzung ihrer Thätigkeit.

Der Spinnerlohn, welcher erheblich höher ungesetzt ist, als in gewöhnlichen Zeiten, wird in Marken ausgezahlt, für welche in den überall errichteten öffentlichen Küchen Suppe und andere Speisen verabreicht werden, die aber einen höheren Werth haben, als die Marken. Letztere werden alsdann nicht zum Nennwerthe, sondern nach dem Rostenpreis der Nahrungsmittel von unseren Drganen ausgewechselt und so den Küchen die Möglichkeit ihrer Fortdauer gewährt.

Außerdem haben wir dahier in Berlin eine Zroße Brodbäckerei eingerichtet, aus welcher wir

jede Woche 20,000 Laibe Brod in die bedrängte

Provinz schicken und dort zu einem geringeren, als dem Kostenpreis ablassen.

Diejenigen Gaben an Geld, Nahrungsmitteln und Kleidern, die uns mit dem Wunsch oder der Bedingung zugekommen sind, daß sie, ohne dafür eine Gegenleistung durch Arbeit zu verlangen, den Nothleidenden sofort überwiesen werden sollten, sind namentlich in den vom Typhus heimgesuchten Gegenden sofort vertheilt worden.

Im Ganzen sind bis zum 25. Februar nach Ostpreußen geschickt worden:

1. Flachs, Wolle, Werg in Natur für if!

415 Thlr. 12034

7

3. Erbsen für. 5 3 r,, 2000 5. Baar zur Anschaffung von Spinn⸗ Matera!!! 81391 6. Zu direkten Unterstützungen mit Geld, Nahrungsmitteln 1c. 5165

Zusammen 203538 Thlr.

Fast in allen Kreisen wird die Spinnerei in sehr großem Maßstab betrieben. In vielen find fortwährend 23000 Spinnräder in Bewegung, in einigen steigt deren Zahl bis auf 6000. Bei 6000 Spinnereien beträgt der Werth des täglich zur Verarbeitung kommenden Materials etwa 300 Thlr. und der Spinnerlohn täglich etwa 400 Thlr., bei der Verabreichung von Nahrungs- mitteln aber noch beträchtlich höher. Unser Prinzip, nicht direkte Unterstützung, sondern nur Gelegenheit zur Arbeit zu gewähren, ist anfänglich vielfach angegriffen worden In den nothleidenden Landestheilen selbst aber findet dasselbe allgemeine und volle Zustimmung. Zu nächst läßt es sich leicht einsehen, daß wir auf diesem Wege, der fortwährend durch Verwerthung der Arbeit zu neuer Einnahme führt, mit den uns zur Verfügung stehenden Geldmitteln viel weiter reichen, als wenn wir dieselben zu direkten Unterstützunngen verwandt hätten. Viel wichtiger für uns ist aber ein anderer Gesichtspunkt. Man erkennt allgemein an, daß die Unterstützung durch Gewährung von Arbeit der Bevölkerung das drückende Bewußtsein des Almosen-Empfangens erspart, das Gefühl der Selbstständigkeit aufrecht erhält und durch die Möglichkeit, sich selbst zu helfen, zu Thätigkeit und Energie anspornt, während die direkte Unterstützung mehr oder minder demoralisirend einwirkt und gar leicht zu dem traurigen Irrthum verleitet, daß ein Anspruch auf Unterstützung bestehe und daß es darum be⸗ quemer sei, die Unterstützung im trägen Nichtsthun abzuwarten und aufpochend zu fordern, als sich die Subsistenzmittel durch Arbeit zu verdienen.

Bei Verhältnissen, wie sie in Ostpreußen ob walteten und leider noch obwalten, ist es aller dings unerläßlich, auch die direkte Unterstützung in großem Umfange eintreten zu lassen. Aber gerade, weil in dieser Richtung von andern Seiten her in sehr dankenswerther Weise gewirkt wird, halten wir uns für berechtigt und verpflichtet, unsrerseits den von Anfang an aufgestellten Grund satz festzuhalten.

Daß wir uns dabei auf dem richtigen Weg befinden, daß wenigstens der bessere Theil der

Bevölkerung so fühlt, wie wir voraussetzen, dafür bürgt einmal die Thatsache, daß ungeachtet der spärlichen Lohnsätze, welche wir nicht überschreiten dürfen, der Zudrang zu unseren Spinnereien ein ganz gewaltiger, alle Erwartung übersteigender ist, und zum Andern, daß die kreisständischen Korporationen in mehreren Kreisen, wie sehr auch ihre Kräfte anderweitig in Anspruch genommen sind, grade für unsere Bestrebungen nicht uner- hebliche Beihülfen bewilligt haben.

Im Allgemeinen glauben wir auf das, was bisher geleistet und erreicht worden ist, nicht ohne Befriedigung zurückblicken zu können. Allerdings würden die Kräfte unsres Vereins nicht allein ausgereicht haben. Aber dadurch, daß zugleich die von den Staatsbehörden und den kreisständi⸗ schen Korporationen eröffneten zahlreichen Arbeits- stellen der kräftigen Bevölkerung schon bisher Gelegenheit zur Beschäftigung und Verdienst ge⸗ währt haben und bei günstigen Witterungsver⸗ hältnissen hoffentlich bald in größtem Umfange gewähren werden, und daß der vaterländische Frauenverein und andere Vereine, ebenso wie unser Verein, mit reichen Gaben bedacht worden sind, ist es dahin gekommen, daß das Herumziehen von ganzen Schagren von Bittenden oder Bettlern aufgehört hat, daß die in den bleichen Gesichtern, in der Kraftlosigkeit und Stumpfheit eines großen Theils der Bevölkerung sichtbar gewordenen Folgen des Mangels und der Entbehrung mehr und mehr verschwinden und daß eine Rückkehr der früheren trostlosen Zustände nicht zu besorgen ist, sofern das begonnene segensreiche Werk von uns und den übrigen Vereinen in der bisherigen Weise fortgesetzt werden kann.

Aber die Aufgabe bleibt noch eine große und schwierige. Der Nothstand tritt nicht mehr in der herzzerreißenden Gestalt zu Tage, wie früher, aber an Umfang ist er im Zunehmen begriffen. Ganze Kreise, welche anfänglich auf fremde Hülfe verzichten zu können glaubten, sehen sich jetzt ebenfalls genöthigt, Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Anfänglich waren es besonders die besitzlosen Klassen, die Taglöhner, welche sich in Noth befanden, jetzt, nachdem der geringe Ertrag der verdorbenen Ernte aufgezehrt ist, zeigt sich die Noth auch bei den kleinen Grundbesitzern. Ebenso dehnt sich in den Städten der Kreis der Noth- leidenden immer weiter aus. So treten immer neue und zahlreichere Bitten um Arbeit an uns heran, und wir halten es für Pflicht, auch diese neuen Bitten, soweit es unsre Mittel gestatten, nicht unberücksichtigt zu lassen.

Im Vertrauen auf Gott, im Vertrauen auf die werkthätige Liebe unsrer Mitmenschen in der Nähe und Ferne haben wir unser Werk begonnen. In diesem Vertrauen werden wir es getrost fort setzen. Sollten unsere Mittel nicht mehr aus- reichen, so werden wir von Neuem bitten, und wie unsere erste Bitte reiche Früchte gebracht hat und fortwährend bringt, so wird auch der zweiten der Erfolg nicht fehlen. Das gebe Gott!

Der Hülfsverein für Ostpreußen. Im Auftrag desselben: v. Pato w, Vorsitzender.

194 Der Ackersmann Philipp Gruner von Nieder⸗ iffigbeim hat glaubhaft angezeigt, daß sein Vermögen Überschuldet sei. Es wird deshalb zur Abwendung des körmlichen Concurses Termin auf den 24. März d. J., Vormittags 9 Uhr, unher, Schloßstraße Nr. 26 bestimmt, in welchem die Gläubiger ihre Forderungen anzumelden und zu be gründen, auch sich zum Güteversuch einzufinden haben. Die nicht erscheinenden Gläubiger werden als den Beschlüssen der Mebrheit beitretend betrachtet. Hanau am 20. Februar 1868. Königliches Amtsgericht Abthellung II. sster. ydt. Franckenberg.

158 Epileptische Krämpfe(Fallsucht) heilt Pr. O. Killisch, Speclalarzt für Epilepfie, Berlin, Jägerstr. 75/76. Auswärtige brieflich.

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529 nebst Cabinet hat zu vermieten A. Heck's Wittwe in der Burg.

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Bekanntmachung.

619 Es ist wiederholt vorgekommen, daß aus den in den Städten aushängenden Briefkasten Briefe derartig hervorgestanden haben, daß dieselben mit Leichtigkeit wieder herausgenommen werden konnten.

Meist ift der Grund hiervon nicht sowohl in einer Uebersüllung der Briefkasten, als vielmehr darin zu suchen, daß einzelne Briefe entweder quer oder nicht tief genug in den Kasten bineingesteckt worden find und dadurch die Brlefkastenöffnung verstopft worden.

Das Publikum wird in Folge dessen ersucht, beim Einlegen von Briefen in die Briefkassen die noͤthige Vorsich: zu beobachten und darauf zu sehen, daß die Briefe immer vollständig in den Brieskasten hinabgleiten.

Darmstadt den 12 März 1868.

Der Ober-Post- Director Va bl.

618 Der Verkauf von 1 Aepfel⸗& Birnstämmchen aus meiner Baumschule ist wiever eröffnet.

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621

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