Ausgabe 
17.3.1868
 
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sind der Gr. Regierungerath Strecker und der Gr. Kreisassessor von Marquard, zu außerordent⸗ lichen Mitgliedern der Gr. Gymnasial-Direktor Dr. Boßler und der Lehrer von der technischen Schule Dr. Dölp bestellt worden. Die militärischen Mitglieder der Commission werden von der Gr. Division ernannt werden.

DieHess. Volksbl. melden: Wie uns mitgetheilt wird, sind im Schooße der Greßh. Obermedicinaldirektion Berathungen gepflogen worden, um einem weiteren Einschleppen des sog. Fleckentyphus durch croatische Mausfallenhändler durch Verwaltungsmaßregeln zu begegnen. Manche Kreisämter haben übrigens die Initiative ergriffen und lassen die hausirenden Bewohner des Banats ohne Weiteres über die Grenze bringen.

Am Namenstage der verstorbenen Groß- herzogin Mathilde hat des Großherzogs K.., ähnlich wie in früheren Jahren, der Mathilden⸗ stiftung 900 fl., dem Mathilden⸗Landkrankenhause 300 fl., dem Diakonissenhause 150 fl., den barm⸗ herzigen Schwestern 150 fl., der Kleinkinderschule zu Darmstadt 100 fl., dem Rettungshause in Hähnlein 200 fl., der Blindenanstalt in Friedberg 100 fl., zusammen 1900 fl. zugewiesen.

R Friedberg. Der in der vor. Nummer d. Bl. enthaltene ArtikelH. Friedberg, betr. die Verhältnisse der hiesigen Burgkirche und den seiner Zeit von der fath. Gemeinde erhobenen Anspruch auf Mitgebrauch derselben, macht einige Gegenbemerkungen nöthig. Zunächst, auch alles Thatsächliche als richtig zugegeben, könnte von einemRecht der kathol. Gemeinde auf jene Kirche doch nicht gesprochen werden. Ein Recht würde aus den dort behaupteten Thatsachen nur für den Burggrafen v. Westphalen resp. dessen Erben erwachsen sein, nur er hätte auf Grund derselben eine Forderung erheben können, ähnlich wie aus dem Prager Frieden für Dänemark kein Recht auf Nordschleswig erwachsen ist, sondern nur der Kaiser von Oesterreich das Recht hat, die Erfüllung der dort gegebenen Zusagen in Betreff Nordschleswigs zu fordern. Doch auch abgesehen von dieser juristischen Formfrage, unter- liegt die dort gegebene Darstellung der Verhältnisse gegründeten Zweifeln. Es ist allerdings richtig, daß der Burggraf v. Westphalen, als damaliger Landes- herr, stark damit umging, die neu zu errichtende Burgkirche zu einer gemeinschaftlichen zu machen, und es mag recht sein, daß er in dieser Voraus- sicht reichlicher zu dem Bau steuerte, als sonst wohl geschehen sein würde. Das Projekt hing eng mit gewissen Bestrebungen ähnlicher Art zusammen, welche einen großen Theil des vorigen Jabrhunderts hindurch in der Burg Friedberg spielten und worüber man in Dieffenbach's Geschichte von Friedberg, S. 274276, Näheres nachsehen kann. Die Annexion an Hessen machte denselben ein Ende, da der neue Landesherr anderen Sinnes war. Von gestellten und angenommenenBedin- gungen, von einem geschlossenen Vertrag oder Abkommen weiß aber die Geschichte nichts. Wer den Bericht in Dieffenbach's Geschichte liest, wird schwerlich der Meinung sein, daß der Graf v. Westphalen und seine Freunde unter den da⸗ maligen Burgmannen aus bloserNaivität es verabsäumt hätten, ein für sie günstiges Ab⸗ kommen durch Brief und Siegel sicher zu stellen. Man hat deßhalb auch, so viel bekannt, bei den späteren Versuchen die Burgkirche zur Simultan⸗ kirche zu machen, sich nie auf jenes angebliche Recht gestützt, sondern darauf, daß dem Groß⸗ herzoglichen Fiskus freie Verfügung über die Burgkirche zustehe, von welchem man darum die theilweise Ueberlassung derselben erbat. Da übrigens der Herr H.⸗Correspondent selbst zugibt, daß für jenes Recht ein urkundlicher Beleg nicht vorhanden sei, so hätte er, meinen wir, mit dem von ihm ausgesprochenen Vorwurfe der Rechtsverletzung und des Vertragsbruches etwas vorsichtiger sein dürfen; man erhebt solche Anklagen doch nur dann, wenn man Beweise dafür hat.

Preußen. Berlin. Wie dieKreuzztg.

meldet, wird dem norddeutschen Reichstage ein Gesetzentwurf, betreffend die Einrichtung einer

Oberrechnungskammer des norddeutschen Bundes vorgelegt werden.

Ein demokratisches Blatt in der Provinz Ostpreußen macht dringend darauf aufmerksam, daß Angesichts des nahenden Früh⸗ jahres eine schleunige Herbeischaffun der Saatfrüchte, mit der immer no gezögert wird, durchaus nothwendig sei, da sonst schon wegen des Mangels der nöthigen Transportmittel dieselben nicht bis zur Saakzeit an Ort und Stelle sein können. Auch stellt das Blatt eine Berechnung an, wonach der Regierungsbezirk Gumbinnen allein um die Hälfte mehr braucht, als von den Kammern zur Abhülfe der Noth überhaupt bewilligt worden ist.

Ueber den Inhalt des Gesetzentwurfs, be treffend die Tabakssteuer, hört man Folgendes: Die Produktionssteuer auf inländischen Tabak soll in der Weise erhöht werden, daß sie statt 20 Sgr. durchweg 1 Thlr. 20 Sgr. pro Centner aufbringt. Der Eingangszoll auf ausländischen Tabak soll von 4 auf 6 Thlr. erhöht, der Zoll für eingehende Tabakfabrikate in folgender Weise normirt werden: 1) für Rauchtabak: Rollen, abgerollte oder ent- rippte Blätter, Karotten oder Stengel zu Schnupf⸗ tabak 11 Thaler per Centner; 2) für Schnupf⸗ tabak 20 Thlr. per Centner; 3) für Cigarren 25 Thlr. per Centner. Die Steuer von inlän⸗ dischem Tabak soll zum ersten Mal für den im Jahre 1869 gebauten Tabak erhoben werden. Eine Erlassung dieser Steuer soll eintreten bei Mißwachs und anderen Unglücksfällen, wenn die Ernte ganz oder größtentheils verdorben ist.

Prinz Napoleon ist am 14. d. M. von hier abgereist und hat sich nach Dresden begeben, von wo aus dessen Ankunft bereits gemeldet wird.

Das Spielbankgesetz ist von allerhöchster Stelle vollzogen und wird in der nächsten Nummer der Gesetzsammlung publizirt werden.

Dem Bundesrathe wurden von Seiten des Präsidiums folgende Vorlagen übergeben und von ersterem den betreffenden Ausschüssen über wiesen: Gesetz, betreffend die Abänderung des Haushaltsetats pro 1868; Gesetz, betreffend die Quartierleistung für die bewaffnete Macht; Post⸗ vertrag mit Ungarn; Entwurf eines Vertrags mit Hessen, betreffend die Besteuerung von Brannt- wein und Tabak; Anträge Bayerns, Württembergs, Badens und Hessens auf vertragsmäßige Feststellung gegenseitiger Freizügigkeit; Anordnung gemein- samer Formulare zu Schiffscertificaten; Förderung des Grimm'schen Wörterbuchs; ferner ein Antrag Sachsens auf Bearbeitung eines Bundesgesetzes zum Schutz des Urheberrechts an literarischen Erzeugnissen und Werken der Künste.

Kassel. Am 13. d. wurden der Redakteur der hier erscheinendenHess. Volksztg., Herr Adam Trabert, sowie der Verleger des genannten Blattes, Herr Plaut, verhaftet und von hier nach Berlin abgeführt. Eine Haussuchung hat ebensowohl in der Expedition als der Druckerei dieser Zeitung stattgefunden. Gerüchtweise ver⸗ lautet, es stehe dieses Einschreiten mit der Ver⸗ breitung desaufrührerischen Flugblattes oder der Schriftdie Todtengräber des kurhessischen Land- rechtes in Verbindung.

Sachsen. Dresden. Vor einigen Tagen wurde hier ein Individuum verhaftet, welches auf den vorüberreitenden Kronprinzen eine Pistole anschlug; dasselbe wurde verhört und dann dem Krankenhause übergeben. Der Attentäter ist als ein Dresdener Schirmmacher recognoscirt worden. Die Waffe war geladen, der Attentäter befindet sich noch im Krankenhause.

Oesterreich. Wien. Der Gemeinderath von Wien hat den Seminardirektor Dittes in Gotha zum Direktor der communalen Fortbildungs- anstalt für Lehrer ernannt und ihm einen Gehalt von 4200 fl. zugesichert; erster Lehrer an der Fortbildungsanstalt und zugleich Oberlehrer an der zu errichtenden Gemeinde-Musterschule mit einem Gehalt von 2800 fl. wird Hr. Eikenköther, Ordinarius am Seminar zu Hildesheim. Da Herr Dittes Protestant ist, so erklärte der kathol. Geistliche und Gemeinderath Gatscher, sein Ge⸗

wissen erlaube ihm nicht, dafür zu stimmen, daß

der weit überwiegend katholischen Gemeinde Wien werde. Hierauf erklärte der Gemeinderath Frank, er sei zwar Israelit, aber er werde doch für Herrn Dittes stimmen, obgleich dieser in einer seiner Schriften gesagt habe, das Christenthum sei das höchste Gut des Menschen und der beste Christ sei auch der beste Mensch.

Frankreich. Die in Paris erscheinende, das Inter esse Königs Georg verfechtende Zeitung Situation veröffentlicht die angeblich mit 850,000 Unterschriften bedeckte hannöversche Adresse. Das Aktenstück wendet sich an die Regierungen von England, Frankreich, Oesterreich und Ruß- land; die Unterzeichner erklären, daß sie noch immer den König Georg V. als ihren einzigen rechtmäßigen Herren ansehen, und bitten die er⸗ wähnten Regierungen, der neuen Ordnung der Dinge ihre völkerrechtliche Anerkennung zu versagen.

In Toulouse haben gelegentlich der Organisation der mobilen Nationalgarde Ruhe⸗ störungen von bedeutender Ausdehnung stattgefunden. Das Bureau des Haupt⸗Polizeicommissärs wurde durch die Massen gestürmt, sodann wird die Zer⸗ trümmerung einer großen Anzahl von Straßen- laternen, von Fensterscheiben am Rathhause, am Marschallspalaste und an der verdeckten Markthalle gemeldet. theilungen von Cavallerie und Infanterie auf dem Capitolplatze Position und Patrouillen gingen nach allen Richtungen aus. Nachts um 1 Uhr verließen noch andere Truppentheile ihre Kasernen.

Briefen aus Algerien zufolge ist die Hungersnoth dort so fürchterlich, daß mehrere Fälle von Menschenfresserei vorgekommen sind. Marschall Mac⸗Mahon ist nach Frankreich gereist, wo er um eine Unterstützung von etwa emer Million dringend nachsuchen will. Die Regierungs⸗Behörden thun Alles, was in ihren Kräften steht, um der eingebornen Bevölkerung Arbeit zu verschaffen.

* Friedberg. Die wegen einer kürzlich dahler auf⸗ gefundenen Kindesleiche eingeleitete gerichtliche Untersuchung hatte, wie man vernimmt, zu der Verhaftung einer im betreffenden Hause in Diensten stehenden Person geführt, welche jedoch folgenden Morgens wieder freigegeben wurde. Dieser Tage ist dieselbe jedoch abermals gefänglich eingezogen worden, nachdem sich neue gewichtige Verdachts⸗ gründe gegen sie ergeben haben sollen.

Darmstadt. Von hiesigen Blättern wird die auch imAnz. f. O. gebrachte Nachricht von dem Tode des Kupferdruckers Felsing als irrig bezeichnet. Es soll erfreulicherweise eine Besserung in dem Befinden des Kranken eingetreten sein.

Vom Main schreibt dasFr. Journ.: Bekanntlich ist der Direktor der Darmstädter Bank, Herr Wendelstadt, vor Kurzem nach Florenz gereist, um daselbst die Sache der durch das Verfahren der italienischen Regierung ge⸗ schädigten Inhaber von Coupons und Obligationen der vormaligen Livorneser Eisenbahnen zu belrelben. Herr Wendelstadt wird in seinen Bemühungen als Vertreter vieler Coupons⸗ und Obligationeninhaber dem Vernehmen nach von der preußischen Gesandtschaft energisch unternützt, und auch der Gefandte Badens hat von seiner Regie⸗ rung den Auftrag erhalten, sich für die Interessen der Obligationenbesitzer kräftig zu verwenden, und ist dem nachgekommen. Hat die italtenische Regierung auch noch nicht nachgegeben, so ist doch zu hoffen, daß sie sich schon ihres Credits wegen, der durch das von ihr eingeschlagene Verfahren nur einen weiteren Stoß erfahren würde, schließ⸗ lich bequemen wird, den Beiheiligten gerecht zu werden.

Rechenschaftsbericht des Berliner

Hülfsvereins für Ostpreußen.

St. Friedberg, 10. März. Von dem unter dem Protectorate Sr. Königl. Hoheit des Kron⸗ prinzen von Preußen stehenden Hülfsvereine für Ostpreußen ist in diesen Tagen einvorläufiger Rechenschaftsbericht veröffentlicht und auch an das hiesige Comits geschickt worden, den man mit Folgendem auszüglich zur allgemeinen Kenntniß zu bringen sich veranlaßt hält:

Unser zur Milderung des Nothstandes in Ostpreußen ergangener Aufruf vom 20. December v. J. hat in allen Provinzen Preußens, in allen Theilen Deutschlands und weit über die Grenzen desselben hinaus den erfreulichsten Anklang ge⸗ funden. Von allen Seiten sind uns reiche Gaben an Geld, Nahrungsmitteln und Kleidungsstücken zur Verfügung gestellt worden. Indem wir allen edlen Menschenfreunden, welche uns in unserer

ebenso großen, als schwierigen Aufgabe so liebe⸗

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