Ausgabe 
16.5.1868
 
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die Verwerflichkeit dieses Buches darthun, sich noch zu weiteren Beweisen erbieten und schließ⸗ lich sich dahin aussprechen:Wir können unsere Gegenerklärung nicht schließen ohne unsere Ver⸗ wunderung auszusprechen, daß die Herren Ver- fasser des fraglichen Artikels die Moraltheologie von Gury der heiligen Schrift an die Seite stellen und den Schmutz jenes Lehrbuchs damit glauben verdecken und beschönigen zu können, daß sie darauf hinweisen, was die Bibel, freilich in unumwundener Weise, aber einfach und würdig, wahr und klar, ohne Versuchung und Anreizung für den Unbefangenen, von jenen Sünden und ihren Folgen aussagt. Nein, wenn den Herren Vorstehern und Professoren des bischöflichen Se⸗ minars in Mainz, wie sie versichern, nichts so sehr am Herzen liegt, als sittliche Reinheit ihrer Schüler, so mögen sie das Compendium von Gury ins Feuer werfen und im Seminar ein anderes, ächt christliches Lehrbuch der Moral ekn⸗ führen, woran es ja doch auch in der katholischen Kirche nicht fehlen wird.

Militärarzt Dr. Carl Friedr. Buxmann ist am 2. Mai unter Enthebung von seiner bis- herigen Stelle zum Mitgliede und Rathe bei der großh. Obermedieinaldirektion ernannt worden.

Der Finanzausschuß der 2. Kammer ist am 15. d. zusammengetreten, um seine Bera- thungen über die Militärvorlage zu beginnen. Referent ist Abg. Wernher.

. Friedberg. Zu dem Bau der vom Staate concessionirtenOberhessischen Bahnen sind die definitiven Vorarbeiten nunmehr begonnen. Wie wir vernehmen, sind die Commissaire, welche den Bau dieser Bahnen im Interesse des Staates zu überwachen haben, in diesen Tagen ernannt worden und ist der Großherzogliche Baurath Eickemeyer in Gießen zum technischen und Regierungs⸗Commissair, der Großherzogliche Bahn- Ingenieur Gessner zu Frankfurt zu dessen Stell⸗ vertreter bestimmt.

S. Gießen den 14. Mai. Heute um 7 Uhr 38 Min. Vormittags traf Se. Gr. H. der Prinz Ludwig von Hessen dahier ein und hielt eine mehrstündige Inspektion des hier garnisonirenden Jägerbataillons. Die hier allgemein erwartete Veränderung des Main⸗Weserbahn⸗Fahrplans ist auch mit dem 1. d. M. wieder ausgeblieben; wie dringend eine solche in mehreren Punkten geboten ist, beweist wohl am Besten der Umstand, daß kürzlich ein hiesiger Geschäftsmann, der rasch nach Marburg zu kommen genöthigt war, sich in der Lage sah, den Weg dahin per Achse zu nehmen, weil von 11 Uhr 35 Min. bis 5 Uhr 20 Min., also in einem Zeitraum von nahezu 6 Stunden kein Bahnzug vorgesehen ist. Die Arbeiten an dem Bau der oberhessischen Eisenbahn von hier nach Gelnhausen scheinen bereits wacker in Angriff genommen zu sein. Die neue Bahnverwaltung hat außer vielen anderen Beamten auch mehrere hiesige Studirende der Bauwissenschaft, die schon zu gediegeneren Kenntnissen vorgeschritten sind, zu den Vorarbeiten für den Bahnbau engagirt. Die Lage des neuen Bahnhofs wird sich der des bereits vorhandenen nicht akkommodiren, sondern eine ziemliche Strecke südöstlich davon fixirt werden. Bei der ungünstigen Lage des alten Bahnhofs ist dieser Plan nur zu billigen. Wahrscheinlich wird der jetzige Bahnhof auch noch in der Zu⸗ kunft verlegt werden. Vorläufig soll der Verkehr zwischen beiden Bahnhöfen durch eine Verbindungs-

bahn vermittelt werden. Mit diesem Semester

hat das benachbarte Marburg unsre Universttät in der Zahl der Studirenden zum erstenmal übertroffen. Doch behalten wir uns vor die genaueren Angaben, welche hier noch nicht zum

definitiven Abschluß gekommen sind, demnächst nachzuliefern. Mainz. DasFrankf. Journ. schreibt:

Für das am 19. d.(2) hier eintreffende hessische Regiment werden zwei Kasernen in Bereitschaft gesetzt. Wie die innere Organisation bereits voll zogen ist, so wird die Verpflegung der Truppen hier nach preußischen Normen stattfinden. Die hiesige Festung dürfte in Zukunft ständiger Gar⸗ nisonsort für die hessischen Truppen werden,

welche abwechselnd am Platzdienst betheiligt sein werden. Dem Vernehmen nach hat auch Baden den Wunsch geäußert seine Truppen successive zum Zwecke vollständigerer Ausbildung hier garni⸗ soniren lassen zu können. In militärischer Hinsicht bilden die jetzt bereits begonnenen Marsch: und kleinen Felddienstübungen und die in den nächsten Monaten regelmäßig jährlich stattfindenden, alle Waffengattungen umfassenden größeren Festungs⸗ und Feldmanöver allerdings eine sehr passende Gelegenheit zu taklischer Ausbildung. Den ersten Uebungen haben in den letzten Tagen eine größere Anzahl hessischer Stabsoffiziere beigewohnt. Im Ulebrigen hat die Sache die Bedeutung einer Verstärkung der Besatzung. DieD. Ztg. fügt dieser Nachricht die Bemerkung bei: Die Cantonnements in Eberstadt und Pfungstadt, zu welchen man bei der Unzulänglichkeit der hiesigen Kasernen für den jetzigen Präsenzstand der Truppen genöthigt war, belasten nicht allein die verheiratheten Offiziere und Unteroffiziere mit Opfern, sondern sollen auch Nachtheile im Dienste involviren, deren baldige Abstellung durch Gewährung dauernder Garnisonen wünschenswerth erscheine.

Preußen. Berlin. Der König hat für die deutsche Nordpol⸗Erpedition, welche am 17. Mai von Bremen abfahren wird, eine Bei⸗ hülfe von 5000 Thalern bewilligt.

DieProvinzial-Correspondenz bezeichnet die Gerüchte über die Vertagung des Reichstags vor der Erledigung des Budgets von 1869 und über dessen Wiederberufung im September als! völlig grundlos. Der Schluß der diesmaligen Berathungen des Zollparlaments werde in 14 Tagen erfolgen.

DiePost schreibt:Die Anlage einer Befestigung bei Conz an der Mosel scheint an entscheidender Stelle bereits eine beschlossene Sache zu sein. In militärischen Kreisen motivirt man diese neue Anlage und die Verstärkung der Be⸗ festigungen von Mainz mit der Lässigkeit, mit welcher von der holländischen Regierung die ver⸗ tragsmäßig übernommene Schleifung der Werke von Luxemburg betrieben wird.

Bayern. München. Die Commission der Generale hat einstinmig das Werder'sche Gewehr für die bayerische Infanterie, vorbehaltlich anzu- stellender Massenversuche, empfohlen.

Oesterreich. Wien. Der Botschafter Fürst Richard Metternich hat gestern Wien verlassen, um sich wieder auf seinen Posten zu begeben. Man sagt, daß sowohl der Kaiser, als Herr v. Beust ihm die größte Reserve anempfohlen haben.

Schweiz. Genf. Die Genfer Gesellschaft zur Beförderung des öffentlichen Wohls hat Preise von 1500 und 500 Francs auf die beiden besten Schriften zur Beantwortung folgender Fragen ausgesetzt:Was sind für die Individuen sowohl als für die Gesellschaft die Folgen der Beobachtung eines wöchentlichen Ruhetages in Hinblick auf die Gesundheits⸗, die volkswirthschastlichen und mo⸗ ralischen Interessen? Was sind die besten Mittel, um sowohl der Gesellschaft als dem Individuum dauernd die Wohlthaten dieser Ruhe zu verschaffen?

Frankreich. Paris. DasJournal de Paris meldet, daß der Exkönig von Hannover mit der Regierung von Costa⸗Rica in Unter⸗ handlung getreten ist, um in diesem Theile von Central⸗Amerika eine Colonie von Haunoveranern zu gründen.

Großbritannien. London. Am Sonn- tag und Montag fanden in Ashton aufrührerische Bewegungen statt und wurden an 70 Häuser geplündert. Bei der Säuberung der Straßen durch Militär und Polizei wurden ungefähr 50 Personen verwundet.

Heuchelheim bei Gießen. Laut des jetzt erschienenen Rechenschaftsberichts des Unterstützungscomstés, das sich in Folge des im Sept. 1866 hier stattgehabten großen Brandunglücks gebildet hatte, beträgt die zur Vertheilung gelangte Gesammteinnahme 19,161 fl.

Von Bleichenbach wird berichtet, daß in dortiger Gegend ein mit Hagel begleitetes schweres Gewiter am Sonntag Abend großen Schaden gebracht hat. Länger als eine Stunde entlud sich das Wetter in solch gewalti⸗

n

Ortsstraße in Bleichenbach mit einer fußhohen rauschenden

dem Ertrinken nahe war. Viele Aecker sind stark über⸗ fluthet und eine Menge e fortgeflößt ober blosgelegt. Die guten Aussichten auf ein gesegnetes Jahr lassen übrigens den Landmann hoffen, daß der beträcht⸗ liche Schaden sich wieder ausheile.

Aus Rheinhessen. Ein am Sonntag Nachmitlag niedergegangener Hagelschlag hat in den Gemeinden Budenheim und Gonsenheim großen Schaden angerichtet. Es fielen Schlossen groß wie Taubeneier und bebeckten einen Fuß hoch die Erde.

orms. Die Vorbereitungen zur Enthüllungsfeier des Zutherdenkmals dahier nehmen ihren erfreulichen Fort⸗ gang. Außer dem Aufschlagen von Schaubühnen für die auswärtigen Festgäste und das Publikum beschäftigt man sich auch gegenwärtig mit der Herstellung einer Festhalle, welche 1800 2000 Personen fassen kann und zu verschie⸗ denen Zwecken bet Gelegenheit des Festes dienen soll. Schon jetzt kann man aus allen Vorkehrungen, die getroffen werden, mit Gewißheit sagen, daß die Enthüllungssfeier des Lutherdenkmals eine großartige und der großen Sache würdige werden wird.

Mannheim. Bei den Seiltänzervorstellungen auf dem Speisemarkte dahier ereignete sich das Unglück, daß das Seil brach und die zwei auf demselben sich produck⸗ renden Kinder herabstürzten; bieselben wurden, arg ver⸗ letzt, in das städtische Spital verbracht.

Aus Herrieden, 11. Mai, schreibt der Witterungs⸗ beobachter derFr. Z.: Noch herrscht der Passat mit heiterem Wetter, begünstigt durch den im füböstlichen Europa befindlichen Luftberg vor, nur im Westen und Norden unseres Erdtheiles macht sich der Antipassat mit feuchtwarmer Witterung geltend. Im Allgemeinen dürfte für unsere Gegenden die fruchtbare Witterung, Sonnen⸗ schein, abwechselnd mit Gewitterregen, fortbauern.

Wien. Das neuesteMilitärische Wochenblatt ver⸗ bietet den Officieren der kais. kgl. Armee den Gebrauch von Augenzwickern.(Hühneraugenzwicker dür⸗ fen und werden wohl nach wie vor getragen werden 71)

4 Moderne Weltwunder. Ein Eisenbahnzug, der alle Lokomotiven und Waggons Europas vereinigte (40,000 Personen- und 500,000 Güterwagen) würde von St. Petersburg bis nach Paris reichen, und sämmtliche Locomotiven neben einander gestellt, würde aussehen, wie eine Heerde Elephanten mit erhobenem Rüssel in einer Front von mehreren Meilen. Diese europäischen Eisen⸗ bahnen führen über 65,000 kleine und große Brücken, darunter Riesenwerke, über Meeresarme und Städte hin⸗ weg; sie gehen 24 Meilen weit durch Tunnel unter der Erde bin. Zu den Schienen wurden 150 Millionen Centner Eisen verwendet, und zum Betrieb sind jährlich 80 Millionen Centner Kohlen nöthig. An dem europäi⸗ schen Eisenbahnnetz sind sämmtliche Staaten außer Grie⸗ chenland, Lippe-Detmold, Waldeck, Schwarzburg⸗Rudolstabt, Schwarzburg⸗Sondershausen, Reuz⸗Greiz und Lichtenstein betheiligt; es stellt eine Linge von 10,778 Meilen dar. Auf ihnen fahren 18.000 Loksmotiven; der Weg, den diese jährlich durchlaufen, beträgt 6 Million en Meilen. Rechnet man den Weg dazu, den sämmtliche Personen⸗ und Güterwagen zusammengerechnet in einem Jahr durch⸗ laufen, so kommen an 1000 Millionen Meilen heraus eine Strecke, die über die Fernen des Sonnensystems hinausführt.

Die Frucht und Kartoffelsendungen für die Nothleidenden Ostpreußens betr. Anknüpfend an meine Benachrichtigung vom 1. Mai, daß Kartoffel⸗ und Fruchtsendungen nach Ostpreußen zum Besten der Nothleidenden Ostpreußens nicht mehr frachtfrei durchpassiren, berichte ich hiermit den mildthätigen Gebern der Stadt Ober⸗ Rosbach und des Ortes Melbach, daß die von der Bahndirektion mir zurückgelteferten Frucht⸗ und Kartoffelquantitäten unterm 8. Mai durch Groß⸗ herzogliche Bürgermeisterei Friedberg auf mein Ansuchen öffentlich versteigert und hierbei im Ganzen 62 fl. 12 kr. erzielt worden sind, welcher Betrag abzüglich 40 kr. Kosten mit 61 fl. 32 kr. an die Expedition d. Bl., nebst l fl. weiterer Betrag von J. B. in Ober⸗Rosbach, im Ganzen also mit 62 fl. 32 kr. zur Weiterbeförderung aun das Hülfscomits übergeben worden sind. Friedberg den 14. Mai 1868. Stifft, Verwalter der Friedberger Bergbau- Gesellschaft.

O Zur Beherzigung. Friedberg. Es wird nicht leicht Jemanden geben, der nicht mit einem gewissen Interesse das Zusammenströmen der militärpflichtigen Jugend des Kreises an den Tagen der Musterung und Losziehung beobachtete. Gewisse Betrachtungen über durchschnittliche Körpergröße, Gesundheit und Rüstigkeit der Jugend, über Eigenthümliches und Charakteristisches der Gesichtsbildung ꝛc. drängen sich von selbst auf. Ungleich mehr aber als auf all' dies richtet sich das Augenmerk auf die Haltung und das Benehmen der jungen Leute. In ihnen ist die Zukunft vorgebildet, auf sie müssen wir hinsehen, wollen wir im Geiste einen Blick werfen auf die kommenden Generationen. Geht es vorwärts mit unserm Volk auf dem

gen, wolkenbruchartigen Strömen, daß in kurzer Zeit die

Wege der Bildung und Gesittung, verschwindet

Fluth bebeckt wurde und in vielen Stallungen das Viey

Relrul Lieder

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