Ausgabe 
15.2.1868
 
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Da der itallenische Kronprinz Humbert ch mit einer Cousine zu verehelichen gedenkt, so sederf er hierzu einer päpstlichen Dispens Man on zu der Annahme geneigt, der päpstliche Suhl würde in dieser Hinsicht vielleicht Schwie- ipeiten zu bereiten suchen, allein neuere Nach- neten besagen, daß dieß nicht der Fall ist. Wie bechtet wird, verlangt der päpstliche Stuhl für Erdeilung des Dispenses die Zahlung einer Stuer von 100,000 Franken.

Friedberg. Am Adend des 12. d. verkündigte I Sturmglocke den Ausbruch eines Feuers in Bruchen⸗ Irken, wohin unsere Landspritze alsbald zu Hülfe eilte. r wir hören, ist eine Scheuer abgebrannt.

«Friedberg. DieD. Ztg. bringt nachstehende Nübeslung, welche manchem unserer Leser von Interesse stt wird: Am 5. d. M. feierte dahier Herr Reniner Foadrich Ludwig Schuldt aus Staden in Oberhessen mit serer Gattin Regina, einer gebornen Engelmann aus Wirms, das seltene, aber um so erhebendere Fest der gidenen Hochzeit. Das Fest verlief im engeren Ver⸗ weudten⸗ und Freundeskreise außerordentlich heiter und mncher Toast, welcher aus vollster Seele ausgebracht unde, bewies, welch hohe Achtung und Liebe man dem veehrten Jubelpaar entgegentrug. Herr Schuldt ist am März 1791 geboren, somit 77 Jahre alt, und widmele fi zuerst der Handlung. Im Jahre 1811 wurde er blitärpflichtig und der Reserve zugetheilt, im Jahre 1814 tut er jedoch für seinen jüngeren Bruder aus der Reserve 1 machte 1814 und 1815 im RegimentPrinz Emil d Feldzüge nach Frankreich mit. Beim Ausmarsche 1815 mirde Schuldt Lieutenant und wohnte als solcher der Hire von Straßburg bei und hatte sich stets der be⸗ sideren Wohlgewogenbeit des Commandirenden, des Finzen Emil von Hessen, zu erfreuen. Im Jahre 1818 1 beirathete sich der Jubilar als Offizier und erhielt Do, in welchem Jahre das RegimentPrinz Emil eigelöst warde, seinen ehrenvollen Abschied, um sich ganz t: Kunst zu widmen. Er etrichtete in Worms eine (Cteindruckerei, und seine aus diesem Institut entsprungenen lunstleistungen, das Gebiet der Geschichte und Religion

Führend, zieren noch, im getreuen Andenken an den Er⸗

haffer, gar manches Zimmer. Im Jahre 1862, nachdem E Jubilar sein Geschäft in Worms aufgegeben, zog trselde nach Darmstadt, um daselbst mit seiner treuen twensgefährtin im Kreise seiner Familie seine letzten enstage zu verbringen.

V. Friedberg. Sicherem Vecnehmen nach findet tunntag den 8. März d. J. im großen Saale des stel Trapp ein Concert des ganzen rühmlichst bekannten Ausikcorps vom Großh. Hess. Gardejägecbataillon, welches b November vorigen Jahres von Darmstadt nach Gießen rrlegt wurde, mit abwechselnder Streich- und Blechmusik, mutet Leitung des Musikmeisters Schellhaas, statt, wrauf wir jetzt schon biesige und auswärtige Musikfreunde tifmerksam machen wollen.

HI. Schwalheim. Der in Nr. 15 des Anzeigers t Rede stehende, von Friedberg nach dem Schwalheimer Dineralbrunnen zu führende Hohlweg ist nicht der Ver⸗ undungsweg mit der Landstraße, sondern ein für die tetabt Friedberg zum Abholen des Sauerwassers observanz⸗ näßiger Fußweg. Da nun die Bewohner Friedbergs bei nusser Witterung diesen schmutzigen Weg nach dem Mineral- wunnen, sowie die Bewohner Schwalheims in die nahe selegene Stadt Friedberg passiren müssen, wäre es rath⸗ im, wenn von beiden Gemeinden die Verbesserung zaglichen Weges gemeinschaftlich in Angriff genommen und die Baukosten bestritten würden. Beide Gemeinden

wollen sich deßhalb einigen, dies ist sder Wunsch des

Einsenders.

rankfurt. Wie man vernimmt, hat die königlich 1 Staatsregierung die Concesston zur Erbauung eines eisernen Stegs über den Main von dem Fahrthor nach dem Schaumainthor ertheilt. Eine große Anzahl der achtbdarsten hiesigen Bürger fleht an der Spitze des im Inttresse der hiesigen Stadt so nolbwendigen Unter⸗ nehmens, und werden die dessallsigen Zeichnungen bieser Tage erfolgen. Der Stetz, in Eisen ausgeführt. wird auf 200,000 fl. zu stehen kommen. Dem Schultheiß einer benachbarten Gemeinde wurde vor einigen Tagen von der Regierung eine Tabelle zum Ausfüllen(sie enthielt un gefähr 17 Posilionen) zugeschickt. Der Mann machte sich an die Arbeit und schrieb bei der Position Erndte:ziem⸗ lich, bei der Position Mortalität(Sterblichkeit):sehr gut, befriedigend!

Mainz. In dem biesigen Rochus⸗Hospitale liegen gegenwärtig einige flovaklsche Mausfallenhändler an dem exanthemalischen Typbus, eine Species des Hungertyphus, dei welchem sich die Haut mit rothen Flecken bedeckt, krank und kamen seit Anfang dieses Jahres acht Fälle zur Be⸗ handlung. Es ist dieses die kürzlich in einem Artikel aus Gießen erwähnte Krankheit, die in Marburg und Um⸗ gegend mehrfach aufgetreten ist.

%% Die Zahl der Bremer Cigarrenfabrikanten beläuft sich auf ungefähr 240. Sie beschäftigen 2000 Arbeiter und liefern jährlich etwa 100 Millionen Stück Cigarreu im Werthe von 1ʃ½½ Million Thlr. Außerdem unterhalten 40 Bremer Firmen gegen 65 Fabriken mit 7000 Arbeitern, außerbald des Freihasengebietes, auf zoll⸗ verxeinsländischem Boden. Dieselben produciren 450 Mil- lionen Stück, 5 Millionen Thlr. an Werth. Aus Bremen selbst wurden im Jahre 1866 im Ganzen etwa 69 Mil⸗ lienen Stück ausgeführt, davon gingen nach dem Zoll verein 23 Millonen Stück für 401,000 Thlr., nach dem übrigen Deuischland 25 Millionen Stück für 271,000 Thlr., nach der Schweiz 10 Millionen Stück für 131,000 Thlr., nach England 3 Millionen Stück, nach Rußland Mil⸗ lionen Stück für 50,000 Thlr., nach Ländern außerhalb Europa 4 Millionen Stück für 65,000 Thlr. Die Aus⸗ fuhr nach Nordamerika ward durch die Zollerhöhungen von 15 Millionen im Jahre 1860 unter 1 Million Stück im Jahre 1866 herabgedrückt, während der Export nach Frankreich durch die dortige Tabakregie kaum nennens⸗ werth blieb.

Als ein Beispiel ächtechristlicher Gesin⸗ nung wird aus Reifnitz in Oesterreich das folgende Testament eines kürzlich verstorbenen katholischen Geistlichen, des Dechanten Ignaz Holzapfel, gemeldet:Meine Seele Gott, den Staub der Erde. Zum Erben setze ich das für Krain zu errichtende Taubstummen⸗Institut ein. Die Vermächtnißsumme beträgt über 60,000 fl., zum größten Theil die Frucht vieljähriger Ersparnisse, da der edle Prießer sich jedes Vergnügen versagte, um den im Testamente bezeichneten Zweck zu erreichen.

Für Auswanderer. Die Deutsche Gesellschaft in New Dork hat von den unglücklichen überlebenden Passagieren des AuswandererschiffesLeibnitz einige Einzelheiten über die Zustände auf diesem Fahrzeuge er⸗ halten, die in derNew⸗York Tribune veröffentlicht werden. Die Nahrung war von der schlechtesten Qualität, das Wasser spärlich und schmutzig, und als die Cholera ausbrach, kümmerten sich die Schiffgoffiziere nicht um die Unglücklichen, von denen nach und nach 105 todt über Bord geworfen wurden. Der Ueberrest, 301, kam in einem an Wahnsinn grenzenden Zustaude in New⸗York an. Das Brod, welches als Probe auf dem Burcau der Tribune

vorgezeigt wurde, war ganz grün von Schimmel.

Für die Kothleidenden in Ostpreußen

sind weiter eingegangen: Dreizehnte Liste:

Bei Hrn. Director Steinberger: Durch Hrn. Pfarre Stamm von 35 Gliebern ber Gemeinde Okarben 23 fl. 24. Im Ganzen bis jetzt eingegangen:

1196 fl. 14 kr.

Besten Dank allen mildthänngen Gebern.

Friedberg den 14. Februar 1868. Im Auftrag bes Hülfsvereins⸗Vorstandes

Steinberger.

Berichtigung: In der vorigen Nummer unter Nr. 4bei Herrn Pfarrer Baur muß es heißen:21 fl. 12 von Ortsbürgern in Nieder⸗Rosbach, durch Herrn Pfarrer Müller übergeben stattdurch Herrn Pfarrer Müller gesammelt.

Für die Nothletdenden Ostpreußens sind an weiteren Gaben eingegangen: Von Herrn Pfarrvicar Werner in Ostheim 18 fl. 48, von Herrn Chr. Bender 1 fl., von Perrn Bäcker weister Stelz 1 Pac Kleiber und 1 Sack Schnitzen, von Ungenannt 1 Pack Kleider, von Herrn Bürgermeister Reitz in Södel 1 Walter Brobftucht, von Herrn Ebr.& Comp. zwei Dutzend gewobene neue Strümpfe, von Herrn Dr. Weckerling 1 Pack Kleider. Für die Baarbeträge wurden Erbsen und Linsen angekauft und dieselben an den städtischen Hülfsverein in Gumbinnen abgeschickt. Zur Enigegennahme weiterer Beiträge ist der Unterzeichnete gern bereit.

F. Stift Verwalter der Frieb berger Bergbaugesellschaft

Sitzung des Lokalgewerbpereins

Samstag den 15. Februar, Abends 8 Uhr.

1) Rechnungsabhör und Ausstellung der

2) Besprechung über Feuerspritzen mit Der Vorstand.

Tagesordnung: Voranschläge. Pferdebe trieb.

Die Unterzeichneten erlauben sich auf übre

Leihbibliothek

aufmerksam zu machen, welche 3400 Bände in deutscher, franzöfischer und englischer Sprache umfaßt und die vor⸗ züglichsten neuesten Erscheinungen enthält, u. A.

Breier, Rosenkreuzer. Schwartz, Mar. Gerstäcker, Im Busch. Sämmlliche Werke. Grey, Herrin von Gold⸗[ Spielhagen Romane.

So ph.

rauen. Srimm, unüberwindliche Gustavv. See, Gräfin und. Mächte. Marquise. Gußkow Hohenschwangau.

Höfer, das alte Fräulein Die Ritter der Industrie.

Mühlbach, Deutschland in Stifft, Modernes Leiden. Sturm und Drang. Galen, Jane die Jüdin.

Pitawall, Maria Stuart. Die Tochter des Diplo⸗

Retcliffe, Villafranca. maten.

Retcliffe, Puebla. Marlitt, Goldelse. 1c. c.

Lese gebühren pr. Tag 2 kr., pr. Monat 30 kr. ÜUbennements können zu jeder Zeit angetreten werden

Friedberg. Bindernagel& Schimpf.

Die Steinkohlenasche enthält hauptsächlich viel Thonerde wischen 60 und 70%, ferner Kalk, Bittererde und Schwefeleisen, Nangan⸗ und Eisenoxyd und eignet sich daher für schwere gebundene Bodenarten als Erdmischung; dagegen paßt sie durchaus nicht für ockeren, sandigen Boden. Sie wirkt vorzüglich auf Moorboden zu Kartoffeln, Roggen und Klee, findet aber sonst wenig Anwendung.

Die Klötzasche kommt der Braunkohlen⸗ und Torfasche in rer Zusammensetzung nahe. Alle drei Aschenarten haben eine sehr große Verschiedenheiten in ihrer Zusammensetzung und bedeutend leringeren Werth als die Holzasche, sie enthalten nur sehr wenig nüngende Bestandtheile, wie Kali und Phosphorsäure, und sind noch mit erdigen Theilen und Sand vermischt. Sie enthalten 3 bis 10% Dyps und eben so viel kohlensauren Kalk und nur sehr wenig, ½ bis 2% phosphorsauren Kalk.

Der Ruß ist durch seine Salze und organischen Reste, sowie durch seine dunkle, den Boden erwärmende Farbe und durch seine Eigenschaft das Ungeziefer abzuhalten, besonders auf kaltem Boden uin sehr geschätztes Dungmittel und sagt vorzüglich den Wiesen, Dalmfrüchten, dem Klee und dem Raps zu. Seine Wirksamkeit ist rine sehr rasche, weßhalb kranken Wintersaaten damit aufgeholfen werden kann. Weizen, der gelbe Spitzen bekommen hat und wird mit Ruß überstreut, zeigt nach wenigen Stunden schon eine schoͤn grüne Farbe.

Die Pelzhändler.

Von Dr. Curtman.

Unendliche Mühe und lebensgefährliche Anstrengungen kostet es, ehe die Pelze aus ihrer Heimath Sibirien auf die europäischen Messen und Märkte gebracht werden können. Der russische Kaufmann reist einige tausend Werst(J Werst 1 Meile) um die Waare einzukaufen, und zugleich euro⸗ päische Artikel abzusetzen. Dabei darf er auf der Reise keinerlei Beguem⸗ lichkeit erwarten; denn nur von Zeit zu Zeit berührt er ein kleines Städtchen oder auch ein Dorf im Walde. Ordentliche Straßen findet er nicht, ebense wenig Brücken, vollends keine bequeme Wirthshäuser. Er muß sich darauf gefaßt machen, Wochen lang unter freiem Himmel bei grimmiger Kälte zuzubringen, und muß sich für die lange Reise mit Lebensmitteln versehen. Sein Fuhrwerk besteht in Schlitten, wovor nach Umständen Pferde, Rennthiere oder Hunde gespannt sind, und worin er wenige Begleiter hat. Pferde arbeiten sich langsam durch den Schnee, dennoch hat eines im Durchschnitt 280 Pfund zu ziehen. Der Reisende ist von oben bis unten in Pelz gewickelt, hat nicht nur Pelzstiefeln, sondern auch eine Pelzlarve. Selbst der Sonnenschein hat sein Unerwünschtes, denn er blendet ganz schmerzlich. Den Platz zur Rast muß der Riisende selbst einrichten; oft zieht er bei Nordlicht in der Nacht weiter. Auf dem Hauptmarkte für Pelzwaaren trifft der Kaufmann Tschukschen, welche schon mehr an die Kälte und solche Reisen gewohnt sind.