glaube, daß Serrano sich werde entweder diesem unterordnen oder über kurz oder lang gänzlich das Feld räumen müssen.
— Die„Patrie“ erfährt durch Privat- Correspondenz aus Madrid, daß die Zahl Der⸗ jenigen, welche tägliche Unterstützungen erhalten, 40,000 beträgt. Diese Subsidien bestehen in 2 Frs. täglich, was monatlich eine Summe von 2,400, 000 Frs. ergibt.
Belgien. Brüssel. Die Aerzte unter⸗ suchen jetzt die Möglichkeit, den erkrankten Kron ⸗ prinzen von Belgien nach Nizza zu bringen, da das belgische Klima nachtheilig auf seinen Gesund⸗ heitszustand einwirken soll.— Marfori, der Favori der span. Isabella ist durch Belgien gereist.
Großbritannien. London. Bis zum 5. d. M. waren etwa dundert Schiffbrüche in Folge der Aequinottialstürme gemeldet worden Der Verlust an Menschenleben, jedenfalls sehr groß, kann noch nicht genau bestimmt werden, da mehrere Fahrzeuge mit Mann und Maus zu Grunde gingen.
— Die„Times“ veröffentlicht ein Privat- telegramm eines Londoner Hauses aus Havannah vom 7. d. M., in welchem nichts davon erwähnt ist, daß Cuba sich unabhängig erklärt habe.
— Aus Melbourne wird der Bankerot eines Hrn. James Anderson, ursprünglich ein Hinter- wäldler, gemeldet, dessen Passiva sich auf nicht weniger als 200,000 L. delaufen sollen, bei dis poniblen Activen von 8 L.
— Den 15. August, d. h. zwei Tage nach- dem Südamerika von dem furchtbaren Erdbeben heimgesucht worden, hat sich im Hafen von Nokohama in Japan eine bedutende Springfluth gezeigt.
— Daß die Proklamation der Königin von Spanien in der englischen Presse kein günstiges Urtheil erfährt, braucht kaum erst erwähnt zu werden. Am mildesten spricht darüber noch die „Times“, welche die unselige Verblenorng Isa⸗ bellens zum großen Theil auf Rechnung ihrer verwahrlosten Erziehung schreibt. Anderseits liege in dieser Proklamation der schlagendste Beweis, daß die Königin von dem, was ihr Volk und unsere Zeit von einem Monarchen fordere, nicht die geringste Vorstellung besitze.
1 Spanien. Bezüglich der Wiederbesetzung des spanischen Königsthrons werden die wunder⸗ lichsten Combinationen laut. Bald wird der Kaiser von Brasilien dazu empfohlen, der wegen seiner Abtammung und sejner erprobten constitu- tionellen Gesinnung sich. eigne, dald soll der spanische Gesandte in Brüssel das Terrain sondirt haben, ob der Graf von Flandern sich willig finden ließe, bald endlich ist gar von einem englischen Prinzen die Rede, zu dessen Gunsten die Revolution von England angezettelt sei. Der Herzog von Montpensier, sowie der König von Portugal sollen die Krone entschieden ablehnen. Bliebe also nur die Familie des Don Karlos oder— die vertriebene Königin. Es wäre wirklich spaßig, wenn die tugendreiche(I) Isabella wieder zurückgerufen würde, faute de mieux.— Allem dem gegenüber muß es übrigens auffallen, daß nirgends, bei keiner Kundgebung, bei keiner der offiziellen Reden einer königlichen Nachfolge auch nur erwähnt wird.
Madrid. Das provisorische Oberhaupt der spanischen Regierung hat folgende Proklamation erlassen:„Spanier! Mit der obersten Gewalt bekleidet und beauftragt, die Regierung zusammen⸗ zusetzen, welche das Land leiten soll, bis da elbe sich definitiv constituirt hat, habe ich das Glück und die Ehre, dem Volk von Madrid und ganz Spanien anzuzeigen, daß ich mich sofort des mir von dem Vaterland gewordenen Auftrags entledigen will. Männer, in welchen sich die Revolution verkörpert, werden die provisorische Regierung bilden. Möge die Ruhe fortdauern, das Ver⸗ trauen nicht abnehmen und das herrliche Schau⸗ spiel, welches Europa bewundert, nicht unterbrochen werden. Die Einigkeit und die Disciplin der ganzen Armee, ihre Verbrüderung mit dem Volke und der Patristismus Ali werden das Werk der Revolution vollenden und gleichzeitig dem Ein⸗ dringen der Reaction und dem Uebel der Unord⸗
nung vorbeugen. Madrid, 4. October 1868. Herzog de la Torre(Serrano).“
— Die von der Junta in Sevilla neu ein⸗ gesetzten Beamten leisten vorläufig auf Besoldung Verzicht. Aehnliches kommt auch in andern Städten vor. Das großartigste Beispiel von Hochherzigkeit und Langmuth hat übrigens die Junta von Santander gegeben. Die Junta von Valladolid hatte den General Calonge, der so blutig in Santander gehaust, festgenommen und der revolutionären Behörde der letzteren Stadt zur Verfügung gestellt. Diese antwortete:„Wir haben unsere Todten begraben, wir pflegen unsere Verwundeten. Wir verzeihen dem General Calange, und möge er nicht mehr nach Santander kommen.“
— Die in Madrid wohnenden Italiener haben bekanntlich die provisorische Junta beglückwünscht; in ihrer Antwort darauf sagt die Junta:„Da die Gelegenheit sich darbietet, daß zwei Völker in Verbindung treten, kann Italien von der Spmpathit Spaniens für seine Bestrebungen versichert sein und sie(die Junta) hofft, daß das spanische Volk in dem italienischen Volk einen treuen Freund der Freiheit finden wird.“
— Die„Gaceta“ veröffentlicht eine von der Junta erlassene Erklärung der Grundrechte. Als solche zählt die Proclamation auf: Allgemeines Stimmrecht, Freiheit der Religion und des Unter- richts, Vereins- und Versammlungefreiheit für friedliche Zwecke, Preßfreiheit, Decentralisation der Verwaltung, welche die Regelung ihrer An- gelegenheiten den Gemeinden und den Provinzen überläßt, Geschwornengerichte für Criminalsachen, Gleichheit vor dem Gesetz, Unabsetzbarkeit der Richter.
— Der„Constitutionnel“ schreibt:„Die „Iberia“ sagt in einer ihrer letzten Nummern, daß das Haus der Frau Gräfin Montijo, der Mutter der Kaiserin von Frankreich, in Madrid eines der ersten gewesen wäre, auf dem die Fahne der Revolution aufgepflanzt worden. Diese That⸗ sache erklärt sich sehr einfach: Die Gräfin Montijo wohnt auf dem Lande und die revolutionäre Junta des Stadttheils schlug in dem Hause der Gräfin ihren Sitz auf und brachte an demselben gleichzeitig eine Fahne an.“
— Hinsichtlich der Juwelen und Werthgegen⸗ stände, welche sich im Palais befanden, gehen sehr merkwürdige Dinge vor. Gleich auf die ersten Nachrichten von dem Pronunciamento in Cadix versicherte sich die Palast⸗ Intendanz, wie es heißt, der Kronjuwelen. Man hatte nur 17 Millionen in Staatsrente und 450,000 Fr. in Silber vorgefunden, als der Zufall dazu führte, in den Bodenräumen die Krone, das Scepter und einige Juwelen zu entdecken. Man fand auch in einem Schuppen in einem neuen Stadttheil von Madrid 51 Kisten Juwelen und kostbarer Möbel, welche angeblich Gonzales Bravo gehörten.
— Es verlautet, daß die Exkönigin von Spanien, welche über den raschen Gesinnungs⸗ wechsel ihres„erhabenen Alliirten“ sich sehr alterirt haben soll, die Absicht hege, sich in Oesterreich niederzulassen, wo ja auch die französischen Bour bons eine passende Zufluchtsstätte gefunden haben. Außer dem Grafen von Chambord beherbergt die habsburg⸗lothringische Monarchie auch die Königin⸗ Wittwe von Neapel, und wenn Rom endlich die Hauptstadt Italiens wird, so werden wir wohl das Vergnügen haben, die ganze neapolitanische Linie der Bourbons bei uns zu sehen.— Da⸗ gegen meldet ein Telegramm des„Standard“ aus London, daß der Papst eine Corvette nach Mar- seille gesandt habe, um die daselbst erwartett Königin Isabella abzuholen.
— Eine große Manifestation zu Gunsten der Religionsfreiheit hat stattgefunden. Ein großer Zug mit Musik bewegte sich durch die Straßen von Madrid, voraus wurde ein Trans- parent getragen mit der Inschrift:„Nieder mit dem Concordat!“
— Die Junta vervollständigt die Erklärung der Grundrechte, indem sie den Wunsch nach Ab⸗ schaffung der Todesstrafe ausspricht, Freiheit der Person, Unverletzlichkeit des Domicils verlangt.
Um die nothleidenden Klassen unterstützen zu können,
hat die Junta ein Anlehen von 10 Millionen Realen erössnet.— Die Regierung hat enertzische Maßregeln ergriffen, um in den Provinzen alle revolutlonären Excesse zu verhüten und die etwa vorkommenden zu bestrafen.
— Die„Gaceta“ veröffentlicht die Doeumente, in welchen die Regierung der Vereinigten Staaten die neue Gestaltung der Dinge in Spanien an⸗ erkennt.
Italien. Florenz. Der„Correspondance italienne“ zufolge betrug am 1. Oet. die Länge der Durchbohrung des Mont Cenis 8842 Metres. Es bleiben noch 3377 Metres zu durchbohren.
Amerika. Der„Anglo-Brasilian⸗Times“ zufolge ist der brasilianische Finanzwinister er⸗ mächtigt worden, sernere 40,000,000 Dollar Papiergeld auszugeben, um die jetzigen und bevor⸗ stehenden Kosten des Krieges mit Paraguay zu decken, welche die gewöhnlichen Staateeinnahmen um 6,000,000 Dollar monatlich übersteigen.
— Nach einem erbitterten Kampfe wurden die Indianer aus Texas vertrieben.
Asien. Aus Japan wird berichtet, daß ein Decret der kaiserlichen Regierung die Einführung des Christenthums verbietet.
Mainz. Auf der Strecke Casiel⸗ Hochheim wurde vor einigen Tagen ein Bahnarbeiter von der Lokomotlve ersaßt und schrecklich verstümmelt. Der Verunglückte, ein 70 jähriger Mann, war auf der Stelle todt. Derselbe war taub und hörte somit den daher sausenden Schnell⸗ zug nicht kommen, arbeitete ruhig fort bis ihn die Loko⸗ motive erfaßte und in Stücke riß.
Aus Herrieden, 5. Oct., schreibt man der„Fr. Z.“: „Das auf die Schneefälle in Schweden und Lappland im nordöstlichen Europa folgende kalte und heitere Wetter, begleitet von einem hohen Lustberg, beeinflußt unsere Gegenden durch kühlere Temperaturen, während das im westlichen und südlichen Europa herrschende Regenwetter, begleitet von einem tiefen Luftthal, unsern Himmel um⸗ wölkt hält.
Stuttgart. Am Nachmittage des 5. d. wurde ein junger Mann aus Kirchhain a. T., der in einem der neuerbauten Häuser an der Gasfabrik wohnt, während er im Begriffe stand, einen Brief an seine Eltern zu schreiben, von einer Kugel getroffen, die von dem nahen Schießplatze aus, wo sich eben Turner übten, herübergeflogen kam. Seine Kosifrau fand den Unglück⸗ lichen zufällig im Blute liegend. Während der herbei⸗ gerufene Wundarzt mit dem Verletzten beschäftigt war und die zu Hülfe geeilten Leute um ihn herumstanden, flog eine zweite Kugel durch den offenen Laden zwischen den Versammelien durch das Dach, ohne jedoch Jemanden zu verletzen. Der Verunglückte, dem die Kugel auf der linten Seite des Kopfes hinein⸗ und auf der rechten wieder heiausdrang, lebte am andern Tage noch und war bei vollem Bewußtsein, indessen ist bei der schweren Ver⸗ wundung eine Genesung kaum zu hoffen.
2 Erdbeben. Man schreibt der„Corr. Havas“
aus Panama, 5. September:„Das Erdbeben hat ebenfalls Verheerungen angerichtet in Cerro⸗Azul, wo das Meer eine große Anzahl Waaren verschlungen hat, in Camana und in Drehera, wo die Verluste sich auf 600,000 Piaster belaufen und 150 Menschen umgekommen sind. Die Be⸗ völkerung von Caracas hat ebenfalls zahlreiche Opfer durch den Einbruch des Meeres verloren, deren Anzahl aber nicht bekannt ist. Die Schiffe in der Bai sind von der Fluih fertgerissen worden und zwei Meilen vom Strande gescheitert. Die Brunnen, die das Wasser für die Insel lieferten, sind verschünet. Das Erdbeben hat in Peru eine Ausdehnung gebabt von 1670 Meilen geogr. Breite und 600 Meilen geogr. Länge. Das Cen- zrum des geognostischen Phänomens war die vulkanische Zone zwischen Arequipa und Tacna, wo sich die Schnee⸗ spitzen Cailloma, Misti, Ubinas, Huainapuiina, Tutupaca und Candarara erheben. Ein Brief von Tacna berichtet, daß man während der durch das Erdbeben verursachten Schwankungen in der Luft in bedeutender Höbe ein Licht demerkt habe, welches unter den meteorologischen Phäno⸗ menen noch nicht vekannt sei. Der Präsect von Mo⸗ quegna bestätigt diese Thatsache. Ein anderer Brief aus Moquegna theilt mit, daß eine außerordentliche Aus⸗ strömung von elckirischem Fluidum stattgefunden, und daß, wenn man sich mit den Händen durch die Haare fuhr, oder wenn man die Kleider schüttelte, sich elektrische Funken gezeigt haben. Ueber 900,000 Menschen sind ohne Brod und Obdach in Folge dieser entsetzlichen Kata⸗ strophe.“ f 20 Aus Bombay wird vow 5. telegraphirt, daß, den Nachrichten der in Trincomalce angelangten„Octavia“ zufolge, Livingstone sich wahrscheinlich nur noch 8 Tagereisen von Zanzibar befindet.
Schiffsnachrichten.
Mitgetheilt von Chr. Hecht in Friedberg, Spec.⸗Agen!.
Das Hamburg⸗New⸗Yorker Posi⸗Dampsschiff Hamonia, Capitän Meier, welches am 23. September von hier und am 25. Sepiember von Southamton abgegangen, ist nach einer sehr schnellen Reise von 10 Tagen 12 Stunden am Dienstag, den 6. d. M. 8 Uhr Morgens wohlbehalten in Rew⸗York angekommen.
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