und Mißtrauen zu erregen, zeigt das„Pesti Naplo“, das darauf hinweist, daß durch den Aus⸗ ritt Oesterreichs aus Deutschland die Lösung der österreichisch-ungarischen Fragen vereinfacht worden sei. Neige aber Oesterreich zu Deutschland, dann börten die Verträge auf Geltung zu haben. Oesterreich also habe nur die Wahl, entweder die deutsche Einverleibung vorzuziehen, dann müßte Ungarn seine eigenen Wege gehen, oder aber es entsage ohne Hintergedanken jedweder Einmischung in deutsche Angelegenheiten, dann würde Ungarn die pragmatische Sanction und die 1867er Ver- einbarung halten.
— Das von dem biesigen Arbeiterbildungs⸗ verein projectirte„Arbeiterverbrüderungs⸗ fest“, welches am 7. Sept. in Wien stattfinden und eine Verbindung sämmtlicher Arbeitervereine in Oesterreich herbeiführen sollte, wied von der Regierung nicht erlaubt. Es wurde darüber in einem Ministerrathe verhandelt, und eine officiöse Mittheilung sagt, die Regierung habe die Ueber⸗ zeugung gewonnen,„es gehe nicht an, daß man sich noch die sociale Frage auf den Hals lade und einer Agitation freieren Spielraum gewähre, die, was die Anstifter betrifft, durch und durch anti ⸗österreichisch sei.“
— Auf Verfügung des ungarischen Justiz⸗ ministeriums hat gestern Abend der Oberstadt⸗ hauptmann von Pest die Verhaftung des Fürsten Alexander Karageorgiewitsch vorgenommen, nachdem die serbische Regierung gedroht hatte, man werde künftig in Serbien auch etwaige Agitationen gegen die ungarische Regierung nicht verhindern, wenn die Pester Behörden den Proceß gegen die Mit⸗ schuldigen an der Ermordung des Fürsten Michael einschlafen ließen.— Wie das„Tageblatt“ meldet, ist der Fürst im Gefängnisse zu Pest bedeutend erkrankt.
Triest. Der neuernannte Statthalter für Triest und das Küstenland, FM. Möring, hat sein Amt mit einer Proclamation an die Bewohner der Statthalterschaft angetreten, worin er mit vertrauenerweckender Geradheit die jüngsten Vorgänge bespricht, zur Ordnung und Gesetzlichkeit einem Staatsganzen gegenüber mahnt, das den Fortschritt und die Freiheit wolle, dagegen den festen Entschluß kundgibt, allen Denjenigen mit Entschiedenheit entgegenzutreten,„welche die wahre Freiheit verletzen, indem sit ihren Gesetzen den Gehorsam verweigern oder diese Freiheit für Eigenzwecke mißbrauchen, die Ruhe und den Frieden stören, welche als fremde Wühler es wagen sollten, Hand anzulegen an die Integrität eines Reiches, das die waltende Vorsehung zur Erfüllung einer hohen Mission berief.“
Frankreich. Paris. Am 8. d. wurde die „Laterne“ auf Befehl der Untersuchungsbehörde mit Beschlag belegt. Etwa 50,000 Exemplare wurden in der Druckerei weggenommen. Es scheint jedoch eine nicht unbedeutende Anzahl von Laternen vorher schon in Paris, wie in den Departements unter das Publikum gelangt zu sein. Polizeidiener umstanden am Nachmittage die Druckerei, was natürlich eine ziemlich bedeutende Menschenmenge heranzog. Bereits wird mit den Exemplaren, welche der Hand der Gerechtigkeit sich zu ent⸗ ziehen gewußt, ein ganz einträglicher Geheim⸗ handel getrieben. Gegen 2 Uhr bezahlte man die incriminirte Nummer, die an und für sich 40 Cent. kostet, mit 2 Frs., und voraussichtlich wird, der starken Nachfrage gegenüber, in den nächsten Tagen sich noch ein stärkerer Absatz in der ver⸗ botenen Waare kundgeben. Uebrigens soll eine neue Auflage der Nummer in Belgien veranstaltet werden. Wie der„Figaro“ mittheilt, sind wegen dieser Nummer zwei Klagen gegen H. Rochefort eingeleitet: eine wegen Aufreizung zum Haß und zur Verachtung der Regierung, und eine andere wegen Beleidigung der Person des Kaisers.
— Das Journal„La Presse“ veröffentlicht heute die Reiseeindrücke des Prinzen Napoleon, welche diesem Blatte offenbar von einer dem Prinzen nahestehenden Person mitgetheilt wurden. „In Berlin wurde der Prinz sozusagen in Festlichkeiten eingewickelt und die Staatsmänner Preußens waren ebensovitle große Herren geworden,
die sich beeilten, dem nächsten Verwandten des Kaisers ihre Höflichkeit zu bezeugen. Inmitten dieser Zerstreuungen blieb wenig Raum für ge⸗ heime Unterhaltungen. Der Prinz habe jedoch die wunderbare Ordnung bewundert, die überall in Preußen herrsche, den militärischen Geist, der sich in der Bevölkerung entfaltet und jene macht⸗ volle Einheit, in der sich etwas von dem Genie wieder findet, das in Frankreich nach der Revo⸗ lution bei Organisirung der Nation obwaltette. In Oesterreich sei es anders gewesen. Indem er die Anstrengungen, die Franz Joseph macht, um sein Reich auf freiheitlicher Grundlage neu zu gestalten, nach ihrem Werthe schätzt, so verhehle er sich doch die Größe und Schwierigkeit der Aufgabe nicht.
Italien. Mazzini regt sich wieder ein⸗ mal. In einer Adresse an seine Freunde von Bologna, Genua und Fasnza beklagt er die gegenwärtige Lage Italiens und sagt von dem Unternehmen gegen Rom:„Der letzte, so heroische Anschlag auf Rom konnte nicht gelingen. Die in der Provinz begonnene Bewegung— ich habe es Euch gesagt, aber Ihr habt nicht auf mich gehört— mußte unfehlbar die Erhebung Roms unmöglich machen und sofort die fremde Inter⸗ vention nach sich ziehen. Man hätte vielmehr vorsichtig alle Angriffsmittel in Rom vereinigen und von Rom aus das Signal geben müssen. Gegenwärtig untersagt sich nach den traurigen Folgen des letzten Anschlages auch dieses Ver⸗ fahren von selbst. Die Aufgabe muß anders gestellt werden. Aus den Städten Italiens muß die Befreiung Roms kommen. Dieses Unternehmen darf nicht mehr das Unternehmen einer Partei, es muß das Unternehmen der Nation sein.“
Asien. In den chinefischen Gewässern ist es trotz englischer, amerikanischer, französischer und norddeutscher Kreuzer immer noch nicht geheuer. Das englische Kanonenboot„Algerine“ hatte kürzlich dort ein ernstes Gefecht zu bestehen mit eingebornen Seeräubern. Das Schiff war aus dem Hafen von Hongkong ausgelaufen, um ein Fahrzeug zu versolgen, das in nächster Nähe des Hafens einen räuberischen Angriff gemacht hatte, als es sich plötzlich einer Anzahl schwerbewaffneter Piratenfahrzeuge gegenüber befand, die alsbald Front machten. Es entspann sich ein hitziges Gesecht, in dessen Verlauf es der Energie der Engländer gelang, eines der Fahrzeuge zu entern und die übrigen in die Flucht zu schlagen.
Friedberg, 10. August. Gestern wurden hier 2 alte Leute, Mann und Frau, von Oberroßbach wegen Bettelns in das hiesige Arresthaus verbracht. Als man heute Nach⸗ mittag nach denselben sah, fand man Beide erhängt. VBahrscheinlich halte sie Mangel an Subsistenzmitteln zu dieser That geirieben. Sie wurden nach Gießen auf die Klinik gebracht.
S. Gießen. Bei einem am 8. d. M. von dem bier garnisonirenden Jägerbataillon nach Grünberg unter⸗ nommenen großen Reisemarsch, hatte ein Corporal, wie man vermuihet durch einen Sonnenstich, das Unglück sein Gehör zu verlieren; Tags darauf zeigten sich indeß wieder einige Symptome der Besserung.
Köln. Der nördliche Thum im Wesien des Domes ist in diesem Jahre so sehr gefördert worden, daß er bald bis zu gleicher Höhe des jüdlichen Thurmes, der früher den Domkrahnen trug, gediehen ist. Gegenwärtig ist man damit beschäftigt, um beide Thürme hoch oben ein gemein⸗ schaftliches Gerüste aufzuschlagen, um im nächsten Jahre beide Thürme gleichmäßig weiter auszubauen. Dank der Dombau⸗Lotterie sieht zu erwarten, daß der Kölner Dom etwa innerhalb 8 Jahren vollendet wird.
„, Conservirung der Blumen. Ein sehr ein · saches Mittel, Blumen lange in einer Vase zu erhalten, ist folgendes: Man schütte einen Löffel voll gestoßener Holzkohlen in das Wasser, das bestimmt ist, die Stängel der Blumen aufzunehmen; die Kohle wird sich rasch auf den Boden der Vase niederschlagen, das Wasser aber hell bleiben. Nach dieser Operation braucht man weder das Wasser noch die Kohle zu erneuern und die Blumen be⸗ halten Tage laug ihre Frische und ihren Dust.
% Ein fossiler Menschenschädel in Cali⸗ fornien. Nach einer Mittheilung in der„Anthropological Review“ vom Januar 1868 ist in Californien ein Menschenschädel in einer Tiefe von 130 Fuß aufgefunden worden, der nach seiner Lagerung viel weiter in die Ver⸗ gangenheit zurückreicht, als die Verfertiger der Stein⸗In⸗ strumente der ältesten bisher aufgefundenen Periode bei Abbeville. Her Watson hat diesen Fund in einem Berg⸗ werksschachte gemacht, bei Altaville in der Nähe von Angelo, Calvarus County, California. Die Schichten,
welche über dem Schädel lagen, sind von oben nach unten folgende: Schwarze Lava 40 Fuß. Kies 3 Fuß. Helle Lava 30 Fuß. Kies 5 Fuß. Helle Lava 15 Fuß. Kies 25 Fuß. Dunkle braune Lava 9 Fuß und endlich Kies von 5 Fuß Dicke, welcher den Schädel umschloß. Die hier erwähnten Lavaschichten bestehen aus einer festge⸗ wordenen vulcanischen Aschenmasse. Der Schädel selbst war bedeckt und inerustirk mit Steinmasse. Erhalten waren: Das Slirnbein, die Nasenbeine, der Oberkiefer der rechten Seite, ein Theil des linken Schläsenbeins, das Jochbein und beide Augenhöhlen. Auffallend ist die Dicke der Schädelknochen, sonst aber zeigen sie einen ganz normalen Typus. Die Thatsachen im Betreff der Ent⸗ deckung dieses Schädels wurden durch Prof. Whitny der Akademle der Wissenschaften in Californien mitgetheilt.
„Ein Wahnsinniger. In der Commune Lafare (Aix) hat man, dem„Semaphore von Marseille“ zufolge, eine schreckliche Entdeckung gemacht. In alten Kalköfen fand man vier nebeneinanderliegende Leichen, welche un⸗ zweifelhafte Spuren gewaltsamer Tödtung an sich trugen. Die Juftizbehörde begab sich an Ort und Stelle und nahm den Thalbestand auf. Es ist bis jetzt zwar noch nicht gelungen, die Persönlichkeit der Ermordeten festzustellen, aber der vierfache Mörder ist bereits ergriffen. Es ist ein Wahnsinniger. Dieser Unglückliche war eine Zeitlang Insasse der Irrenanstalt zu Aix, von wo man ihn nach langer Behandlung entlassen hatte, da er sich stets friedlich und ungefährlich gezeigt hatte. In Wirklichkeit stand er indessen unter dem Einflusse von Hallucinationen und man war enssetzt über seine Beantwortung der Fragen, welche man ihm betreffs der Veranlassung zum Morde vorlegte. Er erklärte ohne irgend welche Erregung, daß er die Personen nicht kenne, welche er ermordet habe. Allein man habe ihm seit zwanzig Jahren fortwährend versichert, daß er von einem der Vagabonden getödtet werden würde, welche in den Kalköfen ihr Nachtlager auf⸗ zusuchen pflegten. Um sich diesem Verhängniß zu ent⸗ ziehen, habe er die Unglücklichen, welche sich an jenen Ort zu begeben öflegten, jede Nacht aufgesucht und im Schlafe ermordet, ihre Leichen aber dann mit eigenen Händen vergraben.
% Aus dem Seebade Colberg schreibt man der „Volks Ztg.“: Da die Reunions⸗Bälle dem hier zahlreich weilenden pommer'schen Adel und den Offizieren nicht mehr genügten, so beschlossen einige Herren(an der Spitze stand v. Meyer inck) eine Separat⸗Reunion zu gründen. Laut Contract darf aber während der Saison das Gesellschaftshaus seine Räume zu keiner Privatgesell⸗ schaft vermiethen und so blieb jenen Herren nichts übrig, als eine Art Subscriptlon zu eröffnen, wozu man sich unter Angabe von Namen und Stand melden mußte. Juden und getaufte Juden seien ausgeschlossen! Das war mittelst Placat am Gesellschafshause öffentlich bekannt ge⸗ macht. So geschehen zu Colberg im Lande Preußen am 26. Juli 1868.— Was diese junkerliche Absonderung im Grunde zu einer curiosen macht, ist der Umstand, daß der genannte Herr v. Meyerinck die Tochter eines getauften Berliner Juden zur Frau hat; derselbe ist nämlich der Schwiegersohn des vor einigen Jahren verstorbenen Bankiers M. Oppenheim, der bei der Taufe den Namen Oppenfeld annahm und„geadelt“ wurde. Die Firma lautet noch heute M. Oppenheim Söhne. Ob Herr v. Meyerinck ohne seine Frau, die so wesentlich zur Auf⸗ frischung seines adeligen Stammbaums beigetragen hat, zum Balle geht, wissen wir nicht.
e, Seltsame Argumentation. Ein junger amerikanischer Arzt— erzählt der„Courier des Etats Unis“— entführte eine seiner Patientinnen, ein kaum 17jährigee Mädchen, und heirathete sie. Die Eltern des Mädchens klagten ihn der Trigamie an, wogegen er sich folgendermaßen vertheidigte:„Ich habe mich drei Mal verehelicht. Meine erste Verheirathung war rechtsgültig, meine zweite aber null und nichtig, da im Momente ihrer Vollziehung meine erste Frau noch lebte. Die dritte Ver⸗ heirathung ist aber vollkommen legal, da die erste Frau gestorben ist und die zweite nicht in Anschlag gebracht werden kann.“ Der Gerichtshof von Chicago hatte gegen dieses Plaidoyer nichts einzuwenden.
Friedberg 11. August 1868. Nach von Hrn Prof. Dr. Petermann in Gotha direct er⸗ haltener Nachricht war die deutsche Nordpol⸗ Expedition bei zwar sehr veränderlichem, zum Theil höchst stürmischem Wetter, aber doch nach rascher und glücklicher Fahrt schon am 5. Juni bis zum 74 50 Nördl. Breite, 10 38“ Westl. Länge von Greenwich, bis zu 67 nautische Meilen Entfernung von der ostgrönländischen Küste, vor⸗ gedrungen. Dort sah man das erste Eis, in das die„Germania“ zwar muthig eindrang, so daß sie noch den 75% 19“ N. Br. erreichte, von dem sie aber doch nach dreitägiger angestrengter Arbeit nach und nach bis 730 20“ N. Br., 160 18“ W. L. zurückgedrängt wurde. An dieser
Stelle kam zu den im Eise Besetzten ein Boot von dem 4 Meilen seewärts im offenen Wasser liegenden englischen Schiffe„Diana“, welches auch die überkommenen Nachrichten vermittelt hat. Nach denselben war das Wetter sehr schön, der Wind hatte sich nach Nordwest gedreht und es war die
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