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1868.

Donnerstag den 13. August.

N 95.

An.

eiger für Oberhessen.

Enthält die amtlichen Erlasse für den Kreis Friedberg.

Friedberger Intelligenzblatt.

Erscheint jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag.

Betreffend Die Rinderpest.

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Amtlicher Theil. Rt Hi che

Friedberg den 11. August 1868.

Bekanntmachung.

Der Gesundheitszustand des Viehs in den an Frankreich angrenzenden Gegenden und die Maßregeln, welche von der Großherzogl. Regierung im Verein mit den Regierungen von Baiern, Württemberg und Baden in Gemäßheit der zu Mannheim im Jahre 1867 abge schlossenen Uebereinkunft gegen die Rinderpest ergriffen worden sind, haben die Kaiserlich Französische Regierung bestimmt, die zur Verhütung des Einschleppens dieser Krankheit nach Frankreich angeordnete Grenzsperre vollständig aufzuheben.

Demzufolge sind alle mit Rücksicht auf die Rinderpest in Frankreich eingeführt gewesenen Beschränkungen des Einbringens von fremdem Vieh an der ganzen französischen Grenze und in allen franzoͤsischen Häfen außer Kraft gesetzt worden.

Auf Weisung Großherzoglichen Ministeriums des Innern vom 7. l. M., zu Nr. M.

der Kreisangehörigen.

d. J. 8957, bringen wir dies zur Kenntniß Großherzogliches Kreisamt Friedberg Trapp.

Hessen. Darmstadt. Prinz und Prinzessin Bürgermeister der Hansestädte, die volljährigen

Ludwig sind, von England zurückkehrend, am 9. August Vormittags hier eingetroffen.

S. Gießen. Aus dem soeben erschienenen Verzeichniß der Vorlesungen für das Winterhalb jahr 1868/69, welche am 2. November begonnen werden, hat die biesige studirende Jugend mit Freuden ersehen, daß die nunmehr erledigte Pro fessur in der juristischen Fakultät, schon wieder besetzt ist und zwar in der Person des Herrn Professor Dr. Regelsberger aus Zürich, der sich nicht nur durch verschiedene juristische Abhand lungen bekannt gemacht hat, sondern auch als Docent einen guten Ruf genießt. Derselbe wird sogleich im nächsten Winterhalbjahr seine Vor lesungen über Pandekten beginnen. Auch für die Studirenden der Thierarzneikunde wurde nun- mehr in anerkennenswerther Weise gesorgt, indem dem bisherigen ordentlichen Honorarprofessor Pflug, als zweiter Lehrer noch Herr Dr. Leonhardt, Kreisveterinärarzt von hier, beigegeben wurde.

S. Gießen. Herr Professor Ihering, welcher in diesen Tagen unsere Stadt verlassen wird, um sich an seinen neuen Bestimmungsort Wien zu begeben, erhielt von den hiesigen Juristen noch eine Ovation in der Gestalt eines solennen Mahles, an dem nicht nur der Rektor und die gesammte juristische Fakultät, sondern auch eine große Anzahl von Freunden und früheren Schülern, des so hoch geschätzten Mannes Theil nahmen.

Worms. Der Ausschuß des Luther⸗Denk⸗ mal Vereins veröffentlicht sein 73. und letztes Verzeichniß der Beiträge zum Denkmal. Es sind hiernach vom 18. Januar l. J. bis zum 7. August weiter eingegangen: 1936 fl. 9 kr., und beträgt 1 dit Summe sämmtlicher Beiträge 160,383 fl.

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Preußen. Berlin. Graf Münster hat vor wenigen Tagen bei F. A. Brockhaus unter dem Titel:Der norddeutsche Bund und dessen Uebergang zu einem deutschen Reiche eine poli tische Broschüre erscheinen lassen, welche bei der politischen und socialen Stellung ihres Verfassers Aufsehen erregen wird. Der Graf dringt auf tine alsbaldige weitere Ausbildung und Reform des norddeutschen Bundes im Sinne größerer Einheit; er fordert die conservative Partei auf, sich an die Spitze der nationalen Bewegung zu stellen, die Fürsten aber, aus freier Initiative dazu die Hand zu bieten. Die Reform, die er vorschlägt, soll darin bestehen, daß der König von Preußen auf Wunsch der deutschen Fürsten den Titel eines Königs oder Kaisers von Deutsch land annähme, daß der Bundesrath aufhörte und an seine Stelle einerseits ein vom Könige von Preußen zu ernennendes verantwortliches Bundes- ministerium, andererseits ein Fürstenhaus trete, in dem die Fürsten der Bundesstaaten und die drei

Prinzen des preußischen sowie drs sächsischen Königshauses, ebenso die volljährigen Erbprinzen der anderen Häuser, ferner die bisherigen Standes herren, vielleicht auch einige vom Könige zu er nennende erbliche Mitglieder sitzen würden, wo gegen das preußische Herrenhaus in Wegfall kommen, überhaupt die preußische Verfassung be deutend vereinfacht werden müßte.

Bonn. Der Festrausch ist verflogen und nun finden sich am Boden des Bechers doch einige unliebsame politische Rückstände, Herr Stiehl, der Vater der Regulative, hat ebenfalls an der Ehren promotion natürlich der sogenannten philo sophischen Facultät Theil nehmen sollen. Ein Geheimrath, Mitglied derselben, gab sich recht heftige Mühe darum, hat aber auch nicht eine Stimme für seinen Herrn Candidaten gewinnen können. Andererseits soll im Schoße der medi cinischen Facultät bei dem Vorschlage von Paget, dem Londoner Chirurgen, vorsorglich in Erinnerung gebracht worden fein, daß derselbe einst auf Ca- prera einen Consultationsbesuch bei Garibaldi's Fußwunde abgestattet habe. Da inzwischen die Usedom'sche Depesche bekannt worden war, zer- streute sich an dieser das Bedenken. Unter den deutschen Universitäten, welche zum Glückwunsche erschienen waren, fehlte nur Wien.

Hanau. Zur Abhaltung des sechsten mittel- rheinischen Turnfestes hatte die ganze Stadt ein Festgewand angelegt und selbst die Regierungs- gebäude blieben nicht zurück. Die Straßen ge währten einen prächtigen Anblick; die Farben schwarz⸗weiß waren nur sehr zerstreut zu schauen, dagegen flatterten Tausende von schwarz⸗roth- goldenen Fahnen in der Luft. Der Empfang der mit ihren Fahnen zum Feste eilenden auswärtigen Turner war ein wahrhaft herzlicher und die Gast⸗ freundschaft der Hanauer eine überaus lobens- werthe. Ein ausgebrochener heftiger Brand ver zögerte die auf 1 Uhr fesigesetzte Aufstellung des Festzugs um eine Stunde. Sonst verlief das Fest in besler Ordnung; nur die Hitze auf dem san⸗ digen Festplatz war unerträglich. Nachdem Mainz und Frankfurt als Fest⸗ und Vorort abgelehnt, wurde als solcher Worms gewählt.

Wiesbaden. Der Kaiser von Rußland wird in den nächsten Tagen hier eintreffen. Don nerstag Abend wird der König von Preußen erwartet. Am Freitag findet die Grundsteinlegung des Militär⸗Badehauses statt.

Die Generalversammlung der Aetionäre der Taunusbahn hat am 11. d. einstimmig die Anträge wegen eines doppelten Geleises von Frankfurt nach Höchst und wegen des Baues einer Zweigbahn nach der Fabrik Griesheim genehmigt.

Schwerin. Laut großherzoglicher Verord- nung erfolgt mit dem 11. August der Eintritt

Mecklenburgs in den Zollverein. Für ausländische Waaren findet eine Nachversteuerung statt.

Baden. Karlsruhe. Nach amtlicher Zusammenstellung ist der Stand der badischen Staatsschuld auf 1. Januar 1868 folgender: 1) Anlehen von 1842 zu Proz. 9,780,600 fl.; 2) Lotterieanlehen von 1845 zu Prozent 12,990,722 fl.; 3) Anlehen beim Canton Basel Stadt von 1854 zu Proz. 1 Mill.; 4) An⸗ lehen von 185061 zu 4 Proz. 18 Millionen; 5) Anlehen von 1862-64 zu 4 Proz. 25,312,500 fl.; 6) Anlchen von 18066 zu 5 Proz. 944,666 fl.; 7) Anlehen von 1866 zu Proz. 17,499,825 fl.; 8) Prämienanlehen von 1867 zu 4 Prozent 21 Mill.; 9) Vorschüsse der Amortisationscasse zu 4 Proz. 5,503,981 fl.; 10) unverzinsliches Papiergeld Millionen Gulden, zusammen 108,532,295 fl.

Oesterreich. Wien. Nach dem Festjubel kommt das Deficit. Nach demN. W. Tagbl. beläuft es sich indessen nur auf 15000 fl., während undere Nachrichten es auf 97000 fl. angeben. Es ist Aussicht vorhanden, daß der Kaiser die Schützenhalle im Prater der Wiener Schützen- gesellschaft als permanenten Schießplatz überläßt. Das durch das Fest angeregte Projekt, eine Jugend- wehr in Wien zu errichten, soll demnächst in einer öffentlichen Versammlung weiter besprochen werden.

Herr v. Beust hat sich am 7. ds. zur Fortsetzung seiner Badekur wieder nach Gastein begeben. Auch Dr. Giskra, der Minister des Innern, sucht Erholung von seinen anstrengenden Arbeiten. Der Finanzminister Dr. Brestel ist nach der Schweiz abgereist, um einige Wochen im oberen Engadin zu verweilen.

Die Rede des Reichskanzlers v. Beust ist nicht blos ein rhetorisches, sondern auch ein diplomatisches Meisterstück. Sie freut sich der deutschen Sympathie für Oesterreich und konstatirt andererseis die österreichischen Sympathien für Deutschland, legt aber dabei die Verhältnisse, worin sich der österreichische Staat befindet, ohne alle Bitterkeit gegen den siegreichen Nachbar aus- einander, und bedeutet die Heißsporne von süd⸗ deutschen Demokraten, daß Oesterreichs Politik sich heute nicht in die Angelegenbeiten von Deutsch- land drängt. Oesterreich fühle mit Deutschland; aber wolle man Deutschösterreich zum Träger dieses Gedankens machen, so dürfe man es von den andern Stämmen nicht trennen, die mit gleicher Berechtigung und mit gleicher Treue dem Reiche angehörten. Diese Worte waren mit geschickter Wendung nach Berlin und nach Ungarn gerichtet, um dort allenfallsigen unliebsamen Er⸗ örterungen die Spitze abzubrechen. Daß in magyarischen Kreisen das Wiener Fest mit seinen

deutschen Kundgebungen bereits anfing Eifersucht