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Geislingen einem Güterzuge ein gräßliches Unglück zu. Ver Zug wurde total zertrümmert, das Personal getödtet oder schwer verwundet. Die Bahn ist unfahrbar.
Baden. Die„Bad. L. Z.“ macht über die Ergebnisse der Münchener Militärconferenz folgende Mittheilungen:„Es sei sicher, daß von den süddeutschen Regierungen eine Zerreißung der beweglichen ehemals dem deutschen Bunde gehörigen Ausstattung der Bundesfestungen nicht beabsichtigt sei, und zwar sei diese Wendung erfolgt, weil Württemberg keine Lust gezeigt habe, die Aus- stattung von Alt- Ulm käuflich zu erwerben Neuestens sei Baden für den Gedanken eingetreten, jenes gemeinsame Eigenthum durch eine Commission aller deutschen Staaten unter Preußens Präsidium verwalten zu lassen. Dieser Gedanke werde noch erwogen.“ Festistehen soll jedoch jetzt schon, daß das fragliche Eigenthum zum Vortheil Gesammt— Deutschlands verwaltet, bezw. in diesem Sinne von der künftigen Festungscommission überwacht werde.
Oesterreich. Wien. Im österreichischen Reichsrath fand am 6. d. eine äußerst stürmische Sitzung statt. Es handelte sich um Genehmigung des durch die Regierung in Prag verhängten Aus nahmezustandes. Als erster Redner trat der ultramontane Abgeordnete Greuter aus Tyrol auf, der die Maßregel als nicht verfassungs mäßig bekämpfte und die Regierung heftig angriff. Greuter beklagte sich bitter über die gegenwärtigen Verhältnisse, u. A. darüber, daß es in Oesterreich schon so weit gekommen sei, daß man zum Papst in einem offenen feindlichen Verhältnisse stehen müsse, um loyal zu sein. Auf die Prager Preß⸗ Prozesse übergehend, bemerkt Redner, was in Wien straflos ausgehe, werde in Prag schwer geahndet und fährt dann fort:„Und was ist in Wien nicht Alles erlaubt! Man hebt hier immer die spanische Revolution in den Himmel, und die Blätter nennen die Königin von Spanien nur mehr Frau Isabella. Man muß nur froh sein, daß die Blätter nicht schon von einem Herrn Franz Joseph sprechen.“ Diese Worte rufen einen furchtbaren Sturm hervor. Der Redner zieht sich während des heftigsten Hin und Her⸗ redens den Ordnungsruf zu und muß sich schließ⸗ lich die Entziehung des Wortes gefallen lassen.
— Der Bericht des Wehrausschusses schließt sich fast ganz den von den Ministern vorgebrachten Argumenten an. Durch die Vergrößerung Preußens im Jahr 1866 sei das europäische Gleichgewicht gestört worden und Oesterreich müsse, um sich behaupten zu können, eine Wehrkraft von 1,053,000 Mann entwickeln. Mit der Ersatzreserve wird es nach zehn Jahren noch 100,000 Mann mehr haben.
— Das Abgeordnetenhaus hat mit großer Majorität die Verhängung der Ausnahmsmaß⸗ regeln über Prag und Umgebung für gerechtfertigt erklärt, obgleich die Regierung außer den längst bekannten Thatsachen keine zwingenden Motive anzuführen wußte. Unter Denjenißen, welche mit der angeblichen Rechtfertigung nicht einverstanden waren, befanden sich auch die polnischen Ad- geordneten.
— Ein Artikel der„N. fr. Pr.“ führt aus, daß zwischen Oesterreich und Italien ein Einver⸗ ständniß so gut wie erzielt sei, im Falle eines Krieges am Rhein beiderseits die Neutralität ein⸗ zuhalten. Mittheilungen, welche die offiziöse „Karlsr. Zig.“ kürzlich aus Wien brachte, stimmen mit dieser Darlegung überein.
Prag. Mehrere südböhmische Städte erhielten Militär⸗ Einquartierung, nachdem, Meldungen aus Südböhmen zusolge, dort eine Massenbetheiligung an der Demonstration zur Erinnerung an die Schlacht am Weißen Berge vorbereitet wird.
Pest. Das Eisenburger Comitat beschloß, die Regierung um die Entsendung eines königlichen Commissärs behufs Ausrottung des Räuberwesens zu ersuchen. Hingegen hat das Biharer Comitat gegen die Absendung eines Regierungs⸗Commissärs in derselben Angelegenheit protestirt.
Triest. Die ostindische Ueberlandpost ist mit dem Lloyddampfer„Saturn“ hier angekommen
mit Nachrichten aus Bombay vom 17. October und aus Calcutta vom 12. October. Dieselben melden, daß der Feldzug in Huzareh(Gebirgs- gegend in Afghanistan) beendet ist und daß die Gränzstämme sich unterwerfen.
Frankreich. Paris. Der„Avenir na⸗ tional“ und die„Tribüne“ sind am 8. d. mit Beschlag belegt worden. Den Anlaß gab die Subscription für das Baudin-Denkmal, welche den Charakter eines Manövers habe, berechnet, den öffentlichen Frieden zu stören und zu Haß und Verachtung gegen die Regierung aufzureizen. Mehrere Provinzialblätter, namentlich die„Dis- cussion“ in Lyon wurden ebenfalls mit Beschlag belegt. Wie verlautet, nimmt man es im Mini⸗ sterium des Innern mit dieser Angelegenheit sehr ernst. Namentlich scheint es mit derselben darauf abgesehen zu sein, für den bevorstehenden Jahres- tag des Staatsstreiches vom 2. Dez, mißliebigen Kundgebungen vorzubeugen und überhaupt die peinlichen Reminiscenzen dieses Ereignisses, welche durch das Buch von Ténot und die Pamphlete von Rochefort, Ulbach u. s. w. aufgefrischt wurden, noch vor der Epoche der allgemeinen Wahlen zum Schweigen zu bringen.
— Der„Liberté“ zufolge ist die Candidatur des Herzogs von Montpensier seit einigen Tagen entschieden aufgegeben, da derselbe die ihm ge— machten Eröffnungen nicht angenommen hat.
— Trotz der gegen die Redacteure des„Avenir“ und„Reveil“ erhobenen Anklage wegen Eröffnung einer Subseription zu einem Denkmale für Baudin hat nun auch das Journal„le Temps“ seiner⸗ seits sich zur Annahme von Beiträgen bereit er⸗— klärt, auch heißt es, daß diesem Beispiele das „Journal de Paris“ und„Opinion nationale“ folgen würden.
— Einen Beweis von der in Paris herr— schenden bedenklichen Stimmung liefern wobl die Vorfälle am Allerseelentag auf dem Kirchhofe Montmartre, und ganz besonders die am Grabe Baudin's gehaltenen Reden. Es wird darüber folgendermaßen berichtet: Ein Redacteur des Réveil, Charles Quentin, sprach zu der versam⸗ melten Menge einige ergreifende Worte zu Ehren des Opfers der Decembertage.„An diesem Grabe,“ schloß er seine kurze Ansprache,„sollte nur ein einziger Ruf erschallen. Diesen Ruf drängen wir Alle aber für jetzt in unser Herz zurück.“ Darauf wurde es laut unter dem Publikum.„Vive la Republique! Justice! Vengeance!“ erscholl es von verschiedenen Seiten. Nach einer Pause drängte sich ein junger Mann, ein Student, hervor und hielt folgende wörtlich aufgenommene Anrede:„Bürger! Es befinden sich Leute in unserer Nähe, die uns fragen, was wir thun und wer der todte Mann ist, dem wir Ehre erzeigen. Ich will es Ihnen sagen: Wir sind hierher gekommen tief gedemüthigt, um das Andenken Baudin's zu ehren, der am 3. Dezbr. 1851 gemordet wurde von der Gewalt, die heute noch aufrecht dasteht. Die Rache, auf die er ein Recht hat, ließ bis jetzt auf sich warten, allein sie wird, ich verspreche es, schwöre es, furchtbar hereinbrechen und bald! Sollte irgend ein Mouchard meinen Namen wissen wollen, er soll ihn erfahren. Ich heiße: Volk und Jugend! Will er noch mehr wissen, so soll er näher kommen; ich habe in der Tasche eine Visitenkarte, die ich ihm unter die Nase halten werde.“ Die Visitenkarte schaute dem Redner drohend aus der Seitentasche heraus: es war ein Revolver!
Großbritannien. London.„Globe“ und„Expreß“, die beiden hervorragendsten Abendblätter der Regierung und Opposttion, sprechen ihre rückhaltlose Befriedigung über den friedlichen Ton aus, durch den die Thronrede des Königs von Preußen sich charakterisire. Er⸗ freulich sei es, sagt der„Globe“, daß König Wilhelm nicht allein seine eigene friedliche Ge⸗ sinnung, sondern auch sein Vertrauen in die
friedlichen Tendenzen der übrigen Regierungen ausgesprochen habe, und nur Eines sei zu be⸗ dauern: daß er nicht mit dem guten Beispiel einer theilweisen Entwaffnung vorausgegangen sei.
— Der Lordmapor sagte auf einem zu Ehren des amerikanischen Gesandten Reverdy Johnson gegebenen Bankett, aller Zwiespalt zwischen Eng⸗ land und Amerika sei jetzt zu Ende. Disraelt bestätigte dies. Er ist der Ansicht, daß die Ur- sachen zur Beängstigung Europas nur auf der Oberfläche existirten. Die englische Regierung theile nicht diese Befürchtungen. Fürsten und Völker wünschten den Frieden. In den Beziehungen Frankreichs und Preußens existire eine scheinbare Ursache der Beängstigung wegen der großen Be⸗ waffnung. Hoffentlich werde Stanley, welcher so glücklich zwischen England und Amerika war, dies durch seinen großen Einfluß auch zwischen Frankreich und Preußen, das keine aggressiven Ge⸗ fühle hege, sein.
— Die Londoner Tageblätter begrüßen das Ergebniß der nordamerikanischen Wahlen mit wohlwollenden Leitartikeln; in den Antecedenzien des neuerwählten Präsidenten erblicken sie eine Bürgschaft für sein unparteiisches Bestreben, das Wohl der Nation zu fördern. Der„Times“ scheint gerade Grant, der Johnson früher näher stand als jetzt, der Mann, den erbitterten und jede Wohlfahrt schädigenden Parteihaß in etwas zu beseitigen.
Spanien. Zeitungsberichten zufolge be⸗ schäftigt man sich in den Madrider Regierungs- kreisen eifrig mit der Organisation des nach Cuba zu entsendenden Expeditionscorps. Die Mehrheit des Cabinets wollte die Ziffer desselben auf 6000 beschränkt wissen, aber die Generale bestanden darauf, daß es wenigstens 9000 Mann stark und mit vier Feldbatterien ausgestattet sein müsse. Diesen letzteren Anträgen entsprechende Befehle wären denn auch schon aus dem Kriegsministerium an die Häfen ergangen, in welchen die Einschiffung erfolgen soll.
Madrid. Der Erlaß des General Prim, welcher den spanischen Soldaten jede Theilnahme an der politischen Bewegung des Landes unter⸗ sagt, wird von der Regierungspresse ebenso bei⸗ fällig aufgenommen, als er von den unabhängigen Blättern bespöttelt oder als illiberal bekämpft wird.
— Neue Kundgebungen zu Gunsten der so⸗ fortigen Proclamation der Cultusfreiheit haben stattgefunden, und für mehrere Petitionen gleicher Tendenz werden Unterschriften gefammelt.
— Um die Lasten des Volkes möglichst zu verringern, wird das stehende Heer auf ein Minimum reducirt werden; an seiner Stelle errichtet man sog.„Provinzialbataillone“.
— Die Damen von Ecija haben an den Marschall Serrano eine Adresse abgesandt zu Gunsten der Nonnen, die plötzlich ihre Klöster haben verlassen müssen. Die Adresse schildert deren Schmerz in sehr beweglichen Ausdrücken. Der Marschall hat in gleichem Sinne Adressen von den Damen Segovia's und Salamanca's erhalten. Diese Adressen waren von mehr als 300 Damen unterzeichnet.
Italien. Aus Palermo wird gemeldet, daß der Polizeichef ein reactionäres Comite ent⸗ deckt hat. Proklamationen mit der Erklärung: „Es lebe die Selbstständigkeit Sitiliens“, wurden mit Beschlag belegt und mehrfache Verhaftungen vorgenommen.
Serbien. Belgrad. die wegen der Ermordung des Fürsten Michael von Serbien Angeklagten ist verkündigt worden. Maistorowitsch ist zum Tode und drei seiner Mit- angeklagten zu fünfjährigem Gefängniß verurtheilt, drei andere wurden freigesprochen.
Amerika. Im Jahre 1864, bei den letzten Präsidentenwahlen in den Vereinigten Staaten, dauerte es volle 13 Tage, ehe das Resultat diesseits des atlantischen Oceans bekannt wurde. Dießmal verstrichen kaum 24 Stunden und das Kabel meldete das allseitig erwartete Resultat: den Sieg der republikanischen Partei.
— Die Republikaner erlangten in der Legis⸗ latur von New⸗Nork die Majorität. Ihre Ver⸗ stärkung sichert die Wahl eines republikanischen Senators, welcher im März 1869 an Morgan's Stelle treten wird.
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