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„Mainzeitung“ G. Schemm ist am 8. Mai von der Appellinstanz des hiesigen Hofgerichts wegen Beleidigung des Landgerichts in Offenbach unter Bestätigung des ersten Erkenntnisses zu 6 Wochen Gefängniß und 75 fl. Geldbuße ver- urtheilt worden,
— Major Scholl ist zum Vorsteher des Artilleriedepots(früher Zeughaus direktion) ernannt worden.
— Dieser Tage ist der Gr. Ministerialrath im Ministerium der Justiz, Geh. Rath Dr. Creve mit Rücksicht auf seinen leidenden Zustand auf sein Nachsuchen temporär, bis zur Wiederherstellung seiner Gesundheit und unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienstie in den Ruhestand versetzt worden..
„Friedberg. Die diesjährige Prüfung der Actuariats-Aspiranten in der Provinz Ober⸗ hessen wird, laut einer Bekanntmachung der Prü⸗ fungs ⸗Commission, Montag den Jun d Vormittags 8 Uhr, beginnen. Anmeldungen haben binnen 14 Tagen bei dem Vorsitzenden der Prüfungs⸗Commission für die Provinz Oberhessen, Hofgerichtsrath Kempf zu Gießen, zu geschehen.
Mainz. Ein Schubhfabrikant und ein Wein⸗ kändler standen am 8. d. vor den Schranken des Bezirksgerichts, um sich gegen die Anklage von Wahlbestechung zu verantworten. Das Urtheil wurde auf den 22. Mai vertagt, nachdem die Staatsbehörde auf eine Gefängnißstrafe von sechs Wochen angetragen.
Preußen. Berlin, 8. Mai. Zollfpar⸗ lament. Der Antrag des Abgeordneten Stumm wird angenommen. Derselbe geht auf Beseitigung der Ausführvergütung, welche Frankreich den Be⸗ stimmungen des Artikels 6 des deutsch⸗französischen Handelsvertrags zuwider, seiner Eisen⸗Industrie durch mißbräuchliche Handhabung des Importzoll⸗ betrages gewährt. Dellbrück bemerkt im Verlaufe der Debatte, daß die Angelegenheit bereits in Paris zur Sprache gebracht sei. Das Ergebniß der Verhandlungen ließe sich aber noch nicht be ⸗ stimmen.— Die Zusammenstellung des Entwurfes über Abänderung der Zollordnung wird mit den bei der Vorberathung gefaßten Beschlüssen unter unwesentlichen redaktionellen Abänderungen an- genommen.
— 9. Mai. Auf der Tagesordnung des Zollparlaments stand heute der deutsch⸗österreichische Handelsvertrag; dafür waren sechs, dagegen neun Redner eingeschrieben. Nachdem Braun den Vertrag vertheidigt hat, spricht Mohl gegen den ⸗ selben, indem er ausführt, daß durch diesen Ver⸗ trag die Eisen⸗ und Leinen⸗Industrie auf's Höchste gefährdet werde. Jeder Süddeutsche müsse die engste Verbindung mit Oesterreich wünschen; doch seildem Oesterreich aus Deutschland ausgeschieden, sei uns enge Freundschaft mit demselben auf handelspolitischem Gebiete unmöglich gemacht. Im weiteren Verlauf der Debatte sprach Reibel aus Heilbronn für die Schutzzölle, Professor Schäffle(Tübingen) und der bayerische Handels- minister v. Schlör gegen dieselben. Nach langer Debatte werden Art. 1—3 des Handelsvertrags, sowie die Anlage in Betreff der Ausfuhrzollsätze genehmigt.
— Nach einer Mittheilung der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung“ ist der in Kowno verhaftete Arzt Dr. Borna auf Verwendung der preußischen
Behörden wieder in Freiheit gesetzt worden und
bereits nach Johannisburg(in Ostpreußen) zurück⸗ gekehrt. Das genannte Blatt sieht in diesem Erfolge eine um so erfreulichere Erscheinung, als Dr. Borna auf einen fremden Namen gereist sei.
— Die nationale Partei hat beschlossen, die Ausdehnung der Freizügigkeit auch auf Süd⸗ deutschland zu beantragen, da§. 18 des öster- reichisch deutschen Handelsvertrags den Oester⸗
reichern größere Rechte in Norddeutschland gewährt,
als den Süddeutschen.
— Aus Berlin wird geschrieben: Heute (Donnerstag) früh gegen 9 Uhr ereignete sich hier wiederum ein entsetzliches Unglück. Um die angegebene Zeit wurden die Bewohner in der Gegend der Kurstraße durch ein donnerartiges Getöse erschreckt und bald überzeugten sie sich
durch herumfliegende Fenster⸗ und Thürtheile und durch einen Flammenstrom, welcher sich aus dem Hause Kurstraße 18/19 ergoß, woselbst sich eine Petroleumniederlage des Kaufmanns Erbes befindet, daß eine Petroleum⸗Exploston er⸗ folgt war. Die Kurstraße ist gerade um diese Zeit sehr stark frequentirt, so daß außer den Be- wohnern des gedachten Hauses auch Vorüber— gehende verwundet wurden. Drei Personen, die Schwester des Fabrikanten Erbes, der Lehrling (bei Goldschmidt und Badt) A. Pinkus und ein Malerlehrling sind leider bei diesem Unglück ums Leben gekommen; der letztere wurde durch die Gewalt der Explosion 25 Fuß weit aus dem Zimmer, in dem er arbeitete, auf den Hof ge⸗— schleudert, wo er auf dem Pflaster den Kopf zer— schmetterte. Die beiden erstern wurden todt und fast ganz verbrannt aus dem Schutt gezogen. Außerdem sind ungefähr 15—20 Personen, dar⸗ unter einige sehr schwer verwundet. Die Explosion soll dadurch verursacht worden sein, daß Arbeiter der Gasanstalt die Gasleitung untersuchten, bei welcher Gelegenheit das Gas sich entzündete und dem unfern in bedeutender Menge lagernden Petroleum sich mittheilte. Die beschädigten Per- sonen sind nach verschiedenen Krankenhäusern gebracht worden. Dem Löschen des Feuers stellte sich insofern eine große Schwierigkeit entgegen, als man den Gas⸗-Haupthahn nicht finden und verschließen konnte, so daß das Feuer durch das ausströmende Gas bedeutende Nahrung erhielt. Wie gewöhnlich bei solchen Gelegenheiten hatten sich auch gleich Diebe eingefunden, um Beute zu machen; zwei von ihnen wurden abgefaßt und den Schutzleuten übergeben.
— Die„Corresp. Stern“ meldet:„Die preußische Gesandtschaft in Paris ist beauftragt, die Rückreisegelder für die hannoverschen Legionäre nur vorschußweise zu zahlen. Die Regierung beabsichtigt, sämmtliche Kosten zur Zurückschaffung der Mannschaften aus den mit Beschlag belegten Privatmitteln des Königs Georg zu decken.“
— Der vom Reichstag für Handel und Verkehr gewählte Ausschuß hat der Vorlage betresss der Einführung einer einheitlichen Maß und Gewichtsordnung vollkommen zugestimmt und berichtet, daß die Gesichtspunkte der Vorlage mit dem Gutachten vom 30. April 1861 zusammen⸗ fallen, das von einer Commission von Fachmännern aller deutschen Staaten ergangen war. Der
Ausschuß schlägt vor, das erwähnte Gutachten
als Beilage dem Gesetzentwurfe für den Reichstag beizufügen.
Breslau. Am 8. d. Morgens um 9 Uhr stürzte plötzlich der im Bau begriffene Thurm der beinahe vollendeten neuen Michaeliskirche zusammen, so daß nur noch die Hälfte desselben übrig blieb. Es ist noch nicht festgestellt, wie viel Menschen⸗ leben dabei zu beklagen sind.
Frankreich. Paris. Der„Constitutionnel“ sagt, man suche im Publikum beunruhigende Ge⸗ rüchte zu verbreiten, in Bezug auf Pourparlers, deren Gegenstand die Fe ang Mainz sei. Diese Gerüchte entbehrten jeder Begründung und ihr Auftauchen könne nur iteressen der Spekulation zugeschrieben werden.
Großbritannien. Bei einer am 3. d. veranstalteten Gedächtnißfeier hat der Fürst Czartoryski über die Stellung der Polen in Oesterreich Aeußerungen gethan, welche diesseite und jenseits der Leitha gleiches Aufsehen erregt haben. Wiederholt wurde auf die Thatsache aufmerksam gemacht, daß die polnische Aristokratie die Wiederherstellung ihres nationalen Königreichs durch eine Allianz Oesterreichs und Frankreichs erwartet. Deßhalb sagt Fürst Czartoryski:„Polen ist jetzt für seine Freunde nicht mehr unzugänglich,“ d. h. eine französische Armee kann, mit einer österreichischen vereint, auch das russische Polen befreien; er empfiehlt ferner den Polen die Allianz mit Ungarn. Ob aber die Magyaren die„For⸗ derung“, welche Czartoryski an sie stellt, nämlich die Gewährung einer wirklichen Autonomie der Slaven in Ungarn, bewilligen werden, ist mindestens zweifelhaft.
Nauheim. Nach dem„Frkf. Journ.“ hat sich das
großh. Badecommissariat an bie Regierung in Darmstabt
mit dem Ersuchen gewendet, daß die Direktion der Main⸗ Weserbahn veranlaßt werde, an allen Sonn⸗ und Feiertagen Nachmittags 2 Uhr von Frankfurt einen Extrazug nach Nauheim einzulegen. Wie wir aus guter Quelle ver⸗ nehmen, hat die großh. Regierung die Unterstützung dieses Gesuchs zugesagt und zugleich die Hoffnung ausgesprochen, daß die Direktion der Main-Weserbahn dasselbe nicht ab⸗ schlagen werde.
„Nauheim. Seit einiger Zest ist in Homburg der berühmte französische Tenorist Naud in engagirt. Derselbe ist hier begütert(Schweizerhaus) und wird sich im Laufe des Sommers zum Besten des hiesigen Kurvereins auch hier hören lassen. Indem wir schon jetzt hierauf aufmerksam machen, bemerken wir, welche Erfolge Naudin in London erzielt hat. Es ist fast der einzige lebende Tenor, der sich im vollen Besitze seiner Stimmmittel befindet. Er verbindet eine klare Aussprache mit einer sympathischen Stimme, richtigem Einsatz, wunderbar schönem Anschwellen und Abnehmen des Tenors und einer außerordentlichen technischen Fertigkeit; mit wenig Worten: Naudin ist Sänger und versteht zu singen. Dies zur vorläufigen Notiz für Freunde des Gesanges und der Kunst.
Mainz. Die von der Gr. Oberstudiendirektion ver⸗ fügte Visitation der Mainzer Schulen wurde von den Herren Gymnasialdtrektor Wiegand zu Worms und Real⸗ schuldirektor Schäfer aus Alsfeld zur Zufriedenheit der Visitatoren, wie der Lehrer beendet. Bemerkenswerth dabei ist, daß der zweite der Visitatoren, ein anerkannt vor⸗ trefflicher Schulmann, vor zwanzig und einigen Jahren als Unterlehrer in einem ärmlichen Odenwaldborfe sein Amt antrat und durch Fleiß neben dem sehr sorgfältig geführten Amt seine Bildung so erweiterte, daß er jetzt mit Erfolg solche Sendungen ausführen kann. Er hatte keine Universität besucht.
Der Herriedner Wetterbeobachter schreibt un⸗ term 4. d. M.: Nach hefligen Kämpfen der beiden Haupt⸗ luftströmungen, welche besonders im südöstlichen Europa Gewitter und Regengüsse hervorriefen, hat sich die Lage der beiden Passate über Europa in der Weise geändert, daß der Passat mit heiterem Wetter das mittlere und südliche Europa durchzieht, während der Antipassat mit seinem bedeckten Himmel in die nördlichen Regionen zu⸗ rückgeschlagen wurde. Obwohl das allmälige Sinken eine Annäherung des Aeqnatorialstromes andeutet, so dürfte doch die Unterbrechung der heiteren Tage mehr gewitter⸗ 155 05 Natur sein und schönes Wetter vocherrschend
leibend.
% Der Bergsturz in Bilten. Einem Schweizer Blakte entnehmen wir folgende Schilderung über diese merkwürdige Naturerscheinung: Der herrliche Maitag ver⸗ lockte mich zu einem Ausfluge in diesen Ort des Schreckens. Ja, wahrlich des Schreckens. Schon beim Herannahen gegen die Station Schännis bemerkten wir vom Eisen⸗ bahnzuge aus hoch oben an dem sehr steil über dem Dorf Bilten 5063 Fuß sich erhebenden Berge„Hirzli“ bie Spuren eines Erdschlipfs, der dem Dorfe so gefährlich und verderblich geworden. Offenbar in Folge der Schnee⸗ schmelze löze sich ein scheinbar nicht bedeufender, aber doch so großer Theil der steilen Bergwand ab, daß nicht nur die schönen Waldungen und Baumgäcten oberhalb des Dorfes viele Klafter boch mit Steinen und Schlamm über⸗ deckt, sondern auch das Dorf, die untern Theile der Häuser und Scheunen mit Schutt angefüllt, die Landstraße nach Glarus auf weite Strecke unfahrbar gemacht und die Wiesen bis weit unter das Dorf verheert wurden. Das trockene, ja heiße Wetter hat den Schlamm theilweise schon so gefestigt, daß ich mich, wie viele Personen, hinauswagen konnte. Welch' grausenhafter Anblick oberhalb des Dorfes. Wo die prächtigsten Obstgärten waren, sieht man nur noch Schlamm, Steine, entwurzelte Buchen, Tannen, Lerchen und noch feststehende, bis an die Aeste begrabene und doch noch blühende Obstbäume. Mehrere Häuser müssen abgetragen werden, einzelne Scheunen sind zerrissen, eine neue, erst vor weniten Wochen dem Betriebe über⸗ gebene Seidenzwirnerei ist total ruinirt, die Dampfmaschine zu ebener Erde ist im Schlamm vergraben. Das Wirths⸗ haus an der Landstraße kann man nur von der Heubühne der anstoßenden, unten total mit Erde angefüllten Scheune erreichen. Die meisten Häuser sind leer, alle Mobilien geflüchtet, auch die daseldst befindliche Erziehungsanstalt armer Knaben ist geräumt worden. Verschont blieben die Kirche, das Pfarr- und Schulhaus, welche zu unterst im Westen des Dorfes liegen. Das Unglück kündigte sich am 29. April durch gewaltiges Krachen gleich einem Geschützfeuer an, herrührend ohne Zweifel von dem Bersten und Zerdrücken von Felsen und Steinen, vom Zerreißen und Zermalmen von Baumstämmen und Wurzeln. Am Donnerstag wälzte sich der Schlammstrom mit ungeheuren Sieinen langsam dem Dorfe zu, nachdem er theilweise über eine hohe Felswand in einen Wald hinabgestürzt war. Ich sah Steine, die den Kubikinhalt eines großen Wohnzimmers in sich fassen, mitten im Dorf liegen, und diese Steine, namentlich ein entsetzlich großer, sollen sich mit einer Leichtigkeit mit der Sturzmasse fortbewegt haben, wie wenn sie auf einer Eisplatte rutschten. Oben erwähnte Felswand kann nun, wenn sie solid ruht, zur Rettung des Dorfes für künftige Fälle gleicher Art benutzt werden, da sie wohl stark genug ist, um den Geschieben die Richtung nach oberhalb des Dorfes zu geben. Von Verlassen des Dorfes spricht nur jener Fabrikbesitzer, dem hier 50 bis 60,000 Fr. begraben wurden. Die übrigen Dorfbewohner wollen mit Gottes und guter Menschen Hülfe sich an dle Säuberung des Dorfes und der Wiesen wagen, eine
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