Ausgabe 
12.3.1868
 
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Vortheile des vorliegenden Vertrags nicht durch Annahme des von Dumont eingebrachten Antrags gefährdet sehen. Bei der Abstimmung nimmt die Kammer den Vertrag ohne jede Bedingung mit allen gegen 5 Stimmen an. Sodann wird zur Berathung des Zusatzvertrags zu dem mit Preußen abgeschlossenen Postvertrag geschritten, der nach kurzer Debatte mit allen gegen die Stimme des Abg. Backé angenommen wird. Für die auf Oberhessen fallenden Matrikularbei- träge zur norddeutschen Bundeskasse werden pro 1868 117,000 fl. im Budget vorgesehen. Für den Etat der Posicommission verlangt die Regie rung die Summe von 3356 fl., der Ausschuß beantragt aber Ablehnung, will jedoch für die Dienstdauer des technischen Raths bei dieser Be hörde 2150 fl. verwilligen. Die Regierung er klärte sich mit diesem Antrag, der auch angenommen wird, einverstanden.

Wie dieHess. Ldsztg. berichtet, trägt der Bericht des Finanz- Ausschusses, die Mehr forderung der Regierung für die technische Schule zum Zweck ihrer Umwandlung in ein Polptech- nikum betreffend, mit allen gegen die Stimme des Abgeordneten Hunsinger auf Ablehnung der geforderten Summe an, will die Schule nur als technische Schule jedoch mit geeigneten Organi sationsänderungen erhalten haben und fordert angemessene Regulirung der Lehrergehalte durch Verminderung des Lehrerpersonals. Auch ersucht er in Erwägung zu ziehen, ob nicht die Anstalt als Ausbildungsmittel der einjährigen Freiwilligen und Vorbereitung zum Offiziers-Examen benutzt und ob nicht ein in der technischen Schale wohl bestandenes Abgangsexamen sowohl als Vorbedin⸗ gung zum Universitätsbesuch als für den Post⸗ und Telegraphendienst und gewisse Kategorien des subalternen Dienstes im Finanz- und Eisenbahnfach angesehen werden können. Nur der Abgeordnete Hunsinger wünscht Bewilligung, weil der Versuch eines nicht allzugroßen Opfers werth sei, weil er der Entwickelung der Industrie gegenüber die Gelegenheit einer höheren technischen Ausbildung im Inlande nur wünschen müsse, und weil Darm⸗ stadt mit seinen wissenschaftlichen und Kunstsamm⸗ lungen besonders geeignet erscheine, Sitz einer solchen Anstalt zu bleiben, auch die Möglichkeit vorliege, Beziehungen zwischen der Anstalt und dem Militärdienste herzustellen.

* Friedberg. DasMainzer Abend- blatt sah sich unlängst gelegentlich eines Referates über den Bau einer katholischen Kapelle zu Habitz⸗ heim, Kreis Dieburg, veranlaßt, auch der kirchlichen Verhältnisse unserer Stadt in folgender Weise zu gedenken:Friedberg, so sagt es, ist eine Garni⸗ sonsstadt, man zählt dort 800 Katholiken, aber alle ihre Bitten um Ueberlassung eines Lokals zur Abhaltung des Gottesdienstes, um Unter⸗ stützung zum Bau einer neuen Kirche waren ver⸗ gebens. Sie haben noch immer keine Kirche. Diese Bemerkung ist geeignet, die hiesigen Ver- hältnisse nach Außen bei allen Denjenigen, welche dieselben nicht näher kennen, in einem eigenthäm⸗ lichen Lichte erscheinen zu lassen, und es dürfte deß⸗ halb gerechtfertigt sein, einer in der neuesten Nummer derEvangel. Blätter enthaltenen Erwiederung hier einen Platz einzuräumen. Es heißt dort: Sollte man danach nicht meinen, daß die hiesige katholische Gemeinde der allerunfreundlichsten und lieblosesten Behandlung ausgesetzt sei? Nicht einmal ein Local für den Gottesdienst wollte man ihr gewähren! Die Sache verhält sich so. Die hiesige katholische Gemeinde beltzt ein solches Local, eine Kapelle, welche allerdings außerhalb der Stadt gelegen ist und für eine Gemeinde von 800 Seelen zu klein sein muß, wenn die Ge⸗ meinde wirklich so groß ist. Die katholische Ge⸗ meinde hat daher in früheren Jahren wiederholt verlangt, daß ihr unsere Burgkirche, welche seit sie besteht, eine evangelische ist, ebenso wie die frühere an demselben Platz gestandene alte Burg kirche seit dem Normaljahr 1624 eine evangelische war, zum Mitgebrauch überlassen werde. Da man Bedenken trug, hierauf einzugehen, so wurde ihr eine unbenutzt stehende, an bequemster Stelle ge⸗ legene und hinreichend geräumige ehemalige Fried-

hofskirche zur unentgeltlichen Ueberlassung ange- boten. Hätte die angeblich 800 Seelen zählende katholische Gemeinde für die Herstellung dieser Kirche nur den zehnten Theil dessen aufwenden wollen, was die 3800 Glieder zählende evange lische Gemeinde in den Jahren 184247 für die Herstellung ihrer Stadtkirche aufgewandt hat 36,000 fl., so würde ste heute ein allen Be⸗ dürfnissen entsprechendes Local für ihren Gottes- dienst haben; zugleich würde der Stadt ein schönes und interessantes Baudenkmal erhalten worden sein. Das Anerbieten wurde abgelehnt und in Folge davon jene Kirche abgebrochen. Statt dessen wurde das Verlangen nach Mitüberlassung der Burgkirche bei späterer Gelegenheit wiederholt: man verlangt nichts weiter, als daß dieselbe an Sonn- und Festtagen Vormittags von 912 Uhr dem katholischen Gottesdienste eingeräumt werde. Bedenkt man, daß nach langjähriger Gewohnheit der hiesigen evangelischen Gemeinde der Nach mittagsgottesdienst vorzugsweise in unserer Stadt kirche, in der Burgkirche dagegen nur gering be sucht wird, während Vormittags das Umgekehrte stattfindet, daß man also die Kirche gerade in den Stunden der Benutzung der evangelischen Gemeinde entziehen wollte, wo sie am meisten ge braucht wird, so wird man schon aus diesem Grunde es nicht auffallend finden, daß das Ver langen ohne Erfolg blieb. Ohnehin weiß man aus vielfältiger Erfahrung, was für eine miß liche Sache es um das Simultaneum in gottes dienstlichen Gebäuden ist; man weiß, wie häufig dasselbe schon die Quelle endloser, verdrießlicher Streitigkeiten geworden ist. Es wird also der evangelischen Gemeinde nicht sehr übel zu nehmen sein, wenn sie vorzog, ihre Kirche, die sie nicht entbehren konnte, für sich allein zu bebalten. So verhält es sich mit demBitten um Ueberlassung eines Locals. Wir möchten wohl wissen, ob in irgend einer Stadt des Landes, wo eine kleine evangelische Gemeinde neben einer älteren katho lischen besteht, es der ersteren schon in den Sinn gekommen ist, die andere um den Mitbrauch ihrer Kirche anzugeben, oder sich darüber zu beschweren, wenn ihr dies untersagt blieb. Von Bitten um Unterstützung zum Bau einer neuen katholischen Kirche weiß man sich hier nichts zu erinnern. Sie müßten an den Staddivorstand gerichtet ge wesen sein. Sollte derselbe in früheren Jahren jemals um solche Unterstützung angegangen worden sein und dieselbe abgelehnt haben, so wäre zu berücksichtigen, daß unsere Stadt sich finanziell in nichts weniger als glänzenden Verhältnissen be⸗ findet. Daher wird z. B. schon seit Jahren für den nothwenvigen Bau eines evangelischen Pfarr- hauses ein Fonds aus kirchlichen Mitteln gesam- melt, obwohl die Baulast unbestritten der Stadt obliegt; allein die Verhältnisse erfordern, ihr dieselbe zu erleichtern, und Niemand hat sich noch darüber beschwert. Umsoweniger dürfte, wenn überhaupt die Angabe wegen erfolgloser Bitten um Unter- stützung zum katholischen Kirchenbau richtig ist, der Stadt ein Vorwurf daraus zu machen sein, daß sie nicht geneigt war, zu vielen anderen Lasten noch eine neue, wozu sie nicht verpflichtet ist, zu übernehmen.

S. Gießen. Soeben ist das Verzeichniß der Vorlesungen erschienen, welche auf der hiesigen Universität im Sommerhalbjahre 1868 gehalten und am 20. April ihren Anfang nehmen werden. Es haben 51 Docenten im Ganzen 127 Vor- lesungen angekündigt, was gegen frühere Semester einen erheblichen Zuwachs bekundet; trotzdem haben noch nicht alle der neu berufenen Docenten ihre Vorlesungen bestimmen können; sodann wird jene Zahl durch die Vorlesungen von drei soeben mit ihrer Habilitation beschäftigten Privatdocenten gleichfalls erhöht werden. Neben den drei bereits bestehenden Seminarien hat nun auch als viertes das theo; logische seine Uebungen angekündigt. Wegen Wiederbesetzung der durch den Abgang des Pro- fessors Heyer von nun an erledigten Professur für Forstwissenschaft sollen, wie verlautet, mit Proftssor Baur an der württembergischen Forst⸗ Akademie zu Hohenheim Unterhandlungen ange⸗ knüpft werden. Außer Privatdocent Professor

Dr. Kehrer, der wie bereits früher gemeldet, zum außerordentlichen Professor der Mediein er⸗ nannt wurde, haben die Privatdocenten Birn⸗ baum und Merkel eine gleiche Auszeichnung erhalten, indem jener in der medizinischen, dieser in der juristischen Fakultät die Stelle eines außer⸗ ordentlichen Professors bekleidet.

S. Gießen. Bezüglich des hier eingeschleppten Fleckentyphus sind wir in der Lage melden zu können, daß keine neue Erkrankungsfälle vorgekom⸗ men sind und daß zwei der Erkrankten bereits gesund aus der Klinik entlassen wurden, während die drei übrigen, an deren Rettung man schon theilweise verzweifeln mußte, sich auf dem Weg der Besserung befinden. Nur den alle Bewun? derung verdienenden Anstrengungen des Professor s und Klinikdirigenten Pr. Seitz ist es zuzuschreiben, daß die Seuche in wenigen Zimmern der Klinik festgebannt und Gießen vor dem Schicksale Mar⸗ burgs bewahrt wurde, wo eine große Anzahl von Häusern vollständig abgeschlossen werden mußte. In Marburg sindl bereits neun Todes⸗ fälle erfolgt.

Preußen. Berlin. Prinz Napoleon weilt noch immer in Berlin, ohne daß mehr als wenig glaubhafte Nachrichten über seine Mission in das Publikum dringen. Seine Abreise ist noch unbestimmt; es wird vielfach behauptet, derselbe werde direkt nach Paris zurückkehren.

Dem Wunsche der Union gemäß ist die Stellung der in Nordamerika naturalisirten Nord⸗ deutschen geregelt worden. Wer durch fünfjährigen Aufenthalt nordamerikanischer Bürger geworden ist, soll auch nach seiner Rückkehr auf norddeut⸗ schen Boden als solcher behandelt werden. Gegen Bestrafung eines Verbrechens und der Desertion gewährt die Naturalisirung keinen Schutz.

Der bekannte Theologe Professor Ewald, einer der Göttinger Sieben und nun von Seiten der preußischen Regierung wegen Eidesverweigerung in Ruhestand versetzt, hat in Stuttgart(bei Grüninger) eine Schriftüber seine zweite Amts⸗ entsetzung erscheinen lassen.

DerStaatsanzeiger veröffentlicht ein Gesetz betreffs der Uebernahme der Staatsschulden in den neuen Provinzen als Staatsschulden der Monarchie und bezüglich der Ausgabe von 245,653 Thlrn. in Cassenanweisungen. Es heißt darin, daß die kurhessischen Cassenscheine und die nassauischen Landesbanknoten nach Neujahr 1869 nicht mehr an den öffentlichen Cassen an Zahlung angenommen werden.

DieWeser⸗Ztg. schreibt:Bei dem Königsberger Comite zur Linderung des Noth⸗ standes in Ostpreußen ist Seitens der Cigarren; arbeiter der in Bremen wohlbekannten Fabrik des Herrn Joseph Schürer in Würzburg eine Gabe eingegangen, begleitet von Worten, die verdienen, auch in weiteren Kreisen zur Kenntniß gebracht zu werden, weßhalb wir dieselben nachstehend solgen lassen: Wenn wir 60 Cigarrenarbeiter der Tabakfabrik von Joseph Schürer hier mit den Ihnen heute per Posteinzahlung übermachten Ert. Thlr. 20 ein Scherslein zur Linderung der Noth unserer Brüder im deutschen Nordosten beitragen, so möge man darin nicht nur einen Act der Nächstenliebe, sondern auch den Beweis erblicken, wie verbreitet das Bewußtsein von der Zusammen⸗ gehörigkeit aller deutschen Stämme auch jenseits derMainlinie ist. In diesem Sinne wollen Sie unsere Gabe zur öffentl. Kenntniß bringen 15

Hannover. Im Schlosse Herrenhausen und im Palais an der Leinstraße ist sämmtliches Eigenthum des Königs Georg unter Siegel ge⸗ legt worden.

Frankfurt. DerAllg. Ztg. wird von hier geschrieben: Der Werth der Immobilien, welche außer den Eisenbahnen die Regierung noch von uns ohne Entgelt beansprucht, beläuft sich, mäßig veranschlagt, auf den Werth von 1,409,852fl. Während wir hier sonst von einem Einkommen von 3000 fl. nur 17 fl. an den Staat Frankfurt bezahlten, müssen wir jetzt nach dem Zprozentigen Satze 90 fl. an Preußen und an die Stadt⸗ gemeinde 2 Prozent 60 fl. entrichten, also

statt 17 fl. 150 fl. und mit Abzug der Ver⸗

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