Ausgabe 
11.8.1868
 
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steuergesetzes vom 11. April d. J. zu bildenden Landescommission zu versehen hat.

Der Beschwerde, welche im April d. J. von einer Anzahl Gewerbtreibender aus Wiesbaden und Umgegend über die Höhe und Erhebungsweise des Mainzer Brückengeldes unter Bezugnahme auf Art. 22 und 24 des Zollvereinsvertrages vom 8. Juli v. J. bei dem Bundesrath des norddeutschen Bundes vorgebracht und von diesem an den Bundesrath des Zollvereins abgegeben worden war, ist von letzterem als unbegründet keine Folge gegeben worden.

Friedberg. DieMainzeitung enthält einen Artikel über die Erhebung der direkten Steuern im Großherzogthum Hessen, der manches recht Beberzigenswerthe enthält. Von einem der dort gemachten Vorschläge möchten wir im In⸗ teresse der Steuerzahler auf dem platten Land aber entschieden abrathen. Es betrifft dies den Vorschlag, von dem Besuch der einzelnen Ort⸗ schaften durch die Districteerheber Umgang zu nehmen und sogenannte Erhebungsstellen zu er richten, die mehrere Ortschaften umfagten, von welchen die Bewohner ihre Steuern an bestimmten Tagen dorthin zu bringen hätten. Zur Unter⸗ stützung dieses Vorschlags wird angeführt, daß die Steuern meist von Kindern oder alten Leuten dem Erheber gebracht würden, die doch sonst Nichts verdienen könnten. Alte Leute aber, die recht gut einige Schritte in's Nachbarhaus schleichen können, sind nicht mehr im Stande, zumal in der Winterzeit, stundenweit über Berg und Thal zu wandern, und Kinder können alsdann zur Besor- gung der Steuer gar nicht verwandt werden. Der Artikel sagt selbst, der Erheber hätte seine Noth mit den Kindern, von denen das eine seine Kreuzer, das andere seinen Steuerzettel verloren hätte. Das würde aber auf dem weiten Ueber⸗ feldweg noch viel öfter geschehen, und was sollten sie dann anfangen? Weinend den weiten Weg nach Hause gehen und von den erzürnten Eltern Schelten oder gar Schläge erwarten? Die Er- hebung der Steuern ist gewiß für den Beamten kein angenehmes Geschäft; wer aber die Verhält⸗ nisse in ärmeren Landestheilen kennt, der weiß, daß das Aufbringen der Steuerkreuzer den armen Leuten, die nur vom Taglohn und dem Extrag eines Kartoffelstückes leben müssen, das ihnen der Bauer, bei dem sie arbeiten, überläßt, sehr sauer wird. Es wäre eine Unbilligkeit, ihnen die Ab⸗ litferung dieser Kreuzer noch weiter erschweren zu wollen. Dem Schreiber dieser Zeilen sind Fälle bekannt, wo der Distriktseinnehmer 4 Stunden, sage 4 Stunden entfernt wohnte, wo also der Steuerzahler, der seine Kreuzer am Zahltag nicht beisammen hatte, einen sauren Tagesmarsch zu opfern hatte, um seiner Steuerpflicht zu genügen. Dit vorgeschlagene Einrichtung würde ihn zwingen, alle Monate einen balben Tag zu versäumen und außerdem noch nach wie vor zuweilen, wenn er den Zahltag nicht einzuhalten vermag, den weiteren Weg zum Wohnort des Districtseinnehmers zu wandern; denn das Besorgenlassen der Steuer durch einen Dritten hat sein Unbequemes, und dasselbe genügend einrichten, hieße am Ende einen Erheber Seitens der Gemeinde annehmen, der die Ablieferung an den Staatserheber besorgte.

2 Friedberg. Die undiplomatischen Ent⸗ hüllungen des Generals Lamarmora machen immer noch viel von sich reden. Sie betreffen einen preußischerseits für die italienische Kriegführung im Jahr 1866 entworfenen Kriegsplan, wonach die Armee Italiens sich angeblich nicht lange mit dem Festungsviereck aufhalten, sondern direkt auf Wien zu marschiren sollte, um unter den Mauern dieser Stadt den Preußen die Hand zu reichen. Gleichzeitig sollte von Italien aus eine Diversion nach Ungarn unternommen werden, um wo möglich einen ungarischen Volksaufstand zu organisiren. Man hat das der preußischen Regierung gewaltig übel gedeutet. Also eine völlige Zertrümmerung der österreichischen Monarchie war Bismarcks Plan, selbst mit den Garibaloianern scheute er sich nicht gemeinsame Sache zu machen! heißt es, und ein bekannter Redner des Wiener Schützenfestes erin⸗ nerte die Wiener an die liebevolle Absicht Bis⸗ marcks, mit welcher er ihnen die Räuber aus

den Abruzzen auf den Hals zu hetzen gedachte. Dem unbefangen Urtheilenden kann die Sache so ungeheuerlich nicht erscheinen. Krieg ist Krieg. Ist er einmal beschlossen, so sird die Gegenüber⸗ stehenden Feinde. Bismarck hat sich nicht mit Italien verbündet, um den Oesterreichern damit zu sagen: Es braucht Euch aber nicht bange zu sein, es ist so bös nicht gemeint! Das ist klar. Ueberdies spielte Preußen um seine Existenz; im Fall einer Niederlage mußte man in Berlin auf Alles gefaßt sein, und Kroateneinquartirung wäre dort auch kein angenehmer Besuch gewesen. Das ist einmal der Fluch des Krieges, daß er die Rechtsfragen in Machtfragen verwandelt und die Maxime zur Geltung bringt:Du mußt den Feind rücksichtslos niederwerfen, oder Du wirst selbst niedergeworfen! Selbstverständlich hat diese Meinung nichts zu schaffen mit der Erörterung der Frage, ob und wo die Berechtigung zum Krieg vorhanden war, der damals in Deutschland ziemlich allgemein mißbilligt wurde, und ob die dadurch geschaffenen Zustände ganz zum Heile des deutschen Volkes ausschlagen werden, kann erst die Zukunft lehren.

S. Gießen. Bezüglich der Bahnhofsfrage spricht man nunmehr die freudige Gewißheit aus, daß die Stephansmark, also der Südosten der Stadt, der hierzu ausgewählte Platz sei. Wenn wir auch nicht der Ansicht eines Correspondenten des hiesigen Blattes, welcher glaubt daß der Uebergangsverkehr von den neuen Bahnlinien auf die Main⸗Weser⸗Bahn höchst unbedeutend sein werde, beipflichten können, so begrüßen wir doch, wenn man jenen Aeußerungen wirklich Glauben schenken darf, die Errichtung des Bahnhofs auf einem in der That vorzüglich dazu geeigneten Platz mit Freuden und halten es keineswegs für einen allzugewagten Vorschlag, daß auch die Main-⸗Weser⸗Bahn mit Umgehung der so viele Hindernisse bietenden Lindener Mark an dem Osten der Stadt vorbeigeleitet werde.

Offenbach. Der hiesige Turnverein feiert am 16. und 17. August l. J. sein 25jähriges Stiftungsfest in Verbindung mit einem Jugend- feste. Bezüglich des Jugendfestes verfehlen wir nicht, Turner und Turnfreunde besonders auf⸗ merksam zu machen. Im Interesse des Turnens hofft der Verein auf zahlreichen Besuch des Festes und ladet Alle, die sich hierfür interessiren, freund⸗ lichst ein.

Worms. Der hier erscheinendeRheinische Herold bringt eine Anregung zur Errichiung einesMosesdenkmals. Worms soll darum der geeignete Ort dafür sein, weil eine intelligente und wohlhabende Judenschaft daselbst wohnt und schon zur Zeit der Zerstörung Jerusalems Juden dahin gebracht worden seien, die ein Sohn oder Enkel eines bei der Kreuzigung Christi anwesenden Hauptmannes als Gefangene gekauft hatte!

Preußen. Berlin. Einem hochgräflichen Eingesandt in derKreuzzeitung zufolge ist die christliche Kirche in höchster Gefahr. Die Pfuel'sche Schwimmanstalt hat, wie schon im Vorjahre, so auch heuer ihr Schwimmfest auf einen Sonntag anberaumt.Oeffentliche Schwimm fahrt in heidnischen Kostümen und Aufzügen, ein bacchanalisches Mahl! so winselt der gräfliche Angstschrei. Sabbathschändung! Natürlich soll wieder die Polizei helfen. Zur Vermeidung der unausbleiblichen Strafgerichte werden alle Christen zu einer Adresse an das Cultusministerium und Polizeipräsidium wider dieseschmachvolle Ueber⸗ tretung des dritten Gebots aufgefordert.

Bekanntlich war von Seiten des nord- deutschen Bundes den Regierungen von Bayern, Württemberg, Baden und Hessen Mittheilung gemacht worden von der neuen gesetzlichen Be⸗ stimmung über die Aufhebung der Schuldhaft mit der Anfrage, ob sich die betreffenden Regierungen der dadurch nothwendig gewordenen Aenderung der deutschen Wechselordnung gleichfalls unter⸗ ziehen wollten. Die Antworten sind jetzt ein⸗ getroffen, und zwar hat Baden erklärt, daß es die Aenderung der Wechselordnung durch eine gesetzliche Vorlage, welche dem nächsten Landtage zugehen solle, herbeiführen werde. Eine ähnliche

Antwort ist von Seiten Baperns eingegangen. Hessen hatte schon vorher erklärt, daß es, falls das Gesetz über die Aufhebung der Schuldhaft zu Stande komme, die bezügliche Aenderung der Wechselordnung auch auf die nicht zum norddeut⸗ schen Bunde gehörigen Theile des Großherzog; thums ausdehnen werde. Dagegen ist die Ant⸗ wort von Württemberg nicht zustimmend ausgefallen, sondern der Beschluß von noch weiteren Erhebungen und Ermittelungen abhängig gemacht worden.

Bayern. München. Seitens der officiösen Correspondenz Hoffmann wird der Vorwurf illoya len Verhaltens, welcher Baden bezüglich der süd⸗ deulschen Militärcommission gemacht wurde, zurück gewiesen. Von einer Resultatlosigkeit oder einem Zerschlagen der desfallsigen Verhandlungen sei keine Rede. Baden habe keineswegs die bayerischen Propositionen abgelehnt. Ueber die Wahrung des Zusammenhangs des süddeutschen Militärsystems mit dem norddeutschen sei Württemberg und Baden in vollkommenem Einverständniß. Die in einer Conferenz zu pflegenden Verhandlungen würden später stattfinden.

Oesterreich. Wien, 6. August. Der Gewinner des kostbaren Pianoforte's dürfte wohl der Büchsenmacher Straßberger aus Traunstein (in Bayern) sein, der auf der FestscheibeMünchen 15 Theiler erschossen hat. Am heutigen Tage erschien auch Beust und erwiederte auf einen sehr herzlichen Empfang:Der überaus herzliche Empfang, der mir hier zu Theil wurde, macht es mir zu einer Pflicht der Dankbarkeit, einige Worte von diesem Orte zu sprechen. Jede Kund⸗ gebung des öffentlichen Vertrauens ist zugleich eine Ermunterung für die Zukunft. Die Ver- treter aller deutschen Stämme haben hier in Wien ein schönes erhebendes Fest gefeiert. Das er⸗ habene Ziel im Auge behaltend, müssen wir die Klippen des Unfriedens und der Zwietracht ver⸗ meiden. Das deutsche Volk war einig, seine Fürsten waren es leider nicht. Es ist hier mit Recht gesagt worden: Das Volk will keine Ca⸗ binetskriege mehr. Möchten die schmerzlichen Er⸗ fahrungen der Vergangenheit nicht vergessen sein! Frieden und Versöhnung muß unsere Parole sein. Was Oesterreich betrifft, so weist es die Politik der Wiedervergeltung von sich. Es will ruhig und friedlich seine geistigen und materiellen In- terꝛssen pflegen. Wenn man von dem deutschen Elemente in Oesterreich und seinen Beziehungen zu den deutschen Stammesgenossen spricht, so darf man nicht vergessen, daß nur auf der Grundlage der Gleichberechtigung aller Nationalitäten in Oester⸗ reich eine gedeihliche Entwicklung möglich ist. Dem Frieden und der Freiheit bringe ich ein Hoch!(Anhaltende Hochrufe.). Wegen Mangel an Raum konnte die Rede nur im Auszuge gegeben werden. Die Red.

Frankreich. Paris. Herr v. Girardin stößt wieder einmal in die Kriegstrompete. Durch Belgien den Rhein! heißt die Parole. Merk⸗ würdig ist aber, daß dieser Kriegslärm gerade von solchen Organen Widerspruch findet, die sonst nicht preußenfreundlich oder besonders gemäßigt erscheinen wie z. B. dieGazett de France oder dieOpinion nationale.Es ist zu spät, die deulsche Einheitsbewegung zu verhindern, sagt das erstere Blatt, und das letzte befürwortet eine Allianz zwischen Frankreich, Deutschland und England als das einzig mögliche Mittel zur Lösung der europäischen Krisis, deren Unheil und Gefahren ein Krieg nur dermehren könnte. Vor solch hohem Ziele müßten engherzige Nedenbuhler⸗ schaft, Eitelkeit und militärische Ruhmsucht in Schatten treten. Wenn die Corpsburschen auf Universitäten ihren Ruhm suchen, nicht in wissen⸗ schaftlichem Streben, sondern darin, wer der größte Raufbold sei, so hält man das jugendlicher Un⸗ reift zu Gute. Was wird die Geschichte später von unserer geistigen Reife urtheilen, wenn Völker nicht, glauben existiren zu können, ohne den un⸗ bestrittenen Besitz des barbarischen Vorrechts, im Morden und Zerstören am kaltblütigsten und ge⸗ wandtesten zu sein?

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